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Cipralex und Entzugserscheinungen

cMhary!bdis hat die Diskussion gestartet


Hallo, Leute!

Seit 4 Jahren nimmt eine Bekannte von mir Cipralex. Zuerst 20 mg, ihre Kleidergröße hat sich von 38/40 auf 44/46 erhöht. Seit etwa einem Jahr versucht sie abzunehmen, hat dafür cipra reduziert auf 10 mg. Sie isst bestimmt nicht viel! Aber nichts bewegt sich. Jetzt versucht sie seit 3 Monaten, cipralex auszuschleichen: über einige Wochen 5 mg, dann hat sie die 5 mg nochmal geteilt – ebenfalls über mehrere Wochen und seit 10 Tagen nix mehr. Seitdem berichtet sie: Augenbewegungsstörungen (ruckartig), schnelle Reizbarkeit, neigung zum Weinen wegen jedem Fuzzikram, rasend schnelle Ungeduld und Neigung zu Wutausbrüchen. Weinen und Wut bekommt sie – mit viel Energieaufwand -in den Griff, aber nicht das Nicht-Einschlafen-Können und die Schlappheit und blöde Träume.

theoretisch braucht sie Cipra wohl nicht mehr, denn die äußeren belastenden Stressfaktoren von damals existieren nicht mehr (Beruf-mobbing, einige beachtliche Erkrankungen). Ihr Arzt sagt nur, da müsste sie durch – das haut mich fast um. Alles und alle gehen ihr auf den Wecker. Und ins Internet geht sie auch nicht für Rat.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen – und was kann man da tun?

Antworten
S;innes0tgäter


was kann man da tun?

Letztlich nur eines: aushalten.

Bewegung hilft, was auch helfen kann ist Tryptophan (gibts rezeptfrei in der Apotheke). Cipralex ist der spezifischste Serotonin-Wiederaufnahmehemmer auf dem Markt, Tryptophan ist eine Aminosäure, die auch mit der Nahrung aufgenommen wird, und im Körper zu Serotonin verstoffwechselt wird. Mit anderen Worten, das eine sorgt dafür, daß Serotonin nicht abgebaut wird, das andere dafür, daß es hinzugefügt wird.

Vorsicht also bei hohen Dosen von beiden Medikamenten gleichzeitig, dadurch kann es kann es laut Packungsbeilage zu einem lebensgefährlichen Serotonin-Syndrom kommen – die Chance schätze ich allerdings, wenn man ohnehin von dem Cipralex schon so wenig nimmt, daß man Entzugserscheinungen hat, als ziemlich gering ein. Ich hab es gut vertragen, es hat die Entzugserscheinungen etwas abgemildert.

Trotzdem hatte ich selbst einige Wochen nach dem vollständigen Absetzen noch Nachwehen, vor allem Zaps und Faszikulationen. Aber es war auszuhalten, und irgendwann war es weg.

Was sie vielleicht bedenken sollte: Wenn es ihr mit dem Medikament in einer höheren Dosierung gut geht, und ihr einziges Problem mit dem Medikament das Gewicht ist, dann ist es vielleicht gar nicht so klug es überhaupt abzusetzen.

c!hary]bdixs


Hi, sinnestäter

vielen Dank für die gute + kluge Antwort. Weißt du, ob tryptophan die gleichen Gewichtsprobleme verursacht?

Das erste Ziel dieser Frau ist, die über 15 Kilo Mehrgewicht loszuwerden – aber wenn dann Ängste und Depr. wieder auftauchen, muss sie wohl wieder zu cipralex zurückkehren? Gleichzeitig hat sie jetzt auch ihre Rauchgewohnheiten fast bis ganz auf Null reduziert –(vor ca. 10 am Tag – is ja auch nich grad so viel) – vielleicht macht das auch was aus, dass sie so von der Rolle ist und von allem genervt. Doc sagt, cipralex nicht mehr so lange nehmen – hast du ganz aufgehört damit? Was ist dann passiert? Depressionen auf immer weg? Geht Tryptophan als Cipralex-Ersatz? Noch ne Info: Sie ist nicht suizidal. Immerhin etwas.javascript:e(' *:) ')

Sonntagsgrüße, leicht windig! *:)

SHinneNstäxter


Weißt du, ob tryptophan die gleichen Gewichtsprobleme verursacht?

Tut es nicht. Es ist ja auch weniger ein Medikament, als mehr ein Nahrungsergänzungsmittel. In jedem Steak und in jeder Banane die du isst, ist Tryptophan drin. Die antidepressive Wirkung ist natürlich auch sehr schwach, ich empfand es nur als nützlich beim Ausschleichen.

aber wenn dann Ängste und Depr. wieder auftauchen, muss sie wohl wieder zu cipralex zurückkehren?

Oder zu einem anderen Antidepressivum, bei dem diese Problematik nicht auftritt. Oder aber sie findet einen anderen Weg (evtl. Therapie) um ihre Krankheit zu besiegen.

Gleichzeitig hat sie jetzt auch ihre Rauchgewohnheiten fast bis ganz auf Null reduziert

Beglückwünsche sie mal. Manchem fällt das ja scheinbar leichter, aber ich z.B. wäre vom Nikotinentzug deutlich mehr von der Rolle als von der des Medikaments.

hast du ganz aufgehört damit?

Ja.

Was ist dann passiert? Depressionen auf immer weg?

Ich hatte mehr Probleme mit Hypernervosität und diversen Angstsymptomen, und dagegen half Cipralex einigermaßen gut. Witzigerweise wurde ich aber von Cipralex depressiv. Das und diverse andere Nebenwirkungen (unter anderem auch 25kg mehr Gewicht) waren dann der Ausschlag, es abzusetzen. Seitdem habe ich meine "alten" Probleme wieder und bin im Moment etwas ratlos, was ich dagegen tun soll.

Mir geht es in gewisser Weise ähnlich wie deiner Freundin, die belastenden Faktoren von damals (unter anderem Job) existieren nicht mehr, aber die psychisch/körperliche Reaktion darauf bleibt fieserweise bestehen %-|

Grüße zurück, und besser Wind als Regen *:)

Z~wacUk4x4


Witzigerweise wurde ich aber von Cipralex depressiv.

Sinnestäter, "paradoxe Reaktionen" können immer vorkommen, aber Du brauchst nicht ratlos zu sein. Das Angebot an Psychopharmaka ist so breit, dass für jeden Patienten das "richtige" Mittel dabei sein sollte. Laß Dich von Deinem Psychiater beraten.

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