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Schuldgefühl gegenüber Eltern

Avzraexl hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

ich stelle euch eine Frage: habt ihr jemals versucht, eure Eltern stolz zu machen? Vielleicht als Kinder? Was wäre, wenn ihr euch immer umsonst bemüht hättet...

Mein Vater hat mir seit meiner frühesten Kindheit stets eingeredet, dass nur Geld im Leben zählt und nur Menschen erfolgreich sind, die wohlhabend sind. Wenn ich als Kind ein Bild gemalt, gespielt oder etwas gebastelt habe, meinte er immer, dass das nichts wert wäre, weil man es nicht verkaufen könne. Das hat dazu geführt, dass ich viele Hobbies und Interessen aufgegeben habe, weil ich mich dafür geschämt habe.

Heute bin ich 30 Jahre alt, aber dieses Scham- oder Schuldgefühl habe ist trotzdem ständig. Das führt dazu, dass ich zwar viele Hobbies anfange, aber nichts zu Ende bringe, weil ich ständig das Gefühl habe, es interessiert niemanden und es ist sinnlos was ich tue, weil es sich nicht zu Geld machen lässt. Das frisst aber an mir, weil ich an nichts wirklich Freude empfinde und auf nichts stolz bin, was ich beginne.

Ich habe das bisher noch niemandem erzählt, auch nicht meiner Frau. Oft sehe ich ihr zu, wie sie aus Papier Dinge bastelt. Sie macht das mit soviel Leidenschaft und die Menschen in ihrer Umgebung sind hin und weg, wie schön ihre Bastelarbeiten sind. Selbst wenn ich wollte, könnte ich das nicht, weil ich ständig das Gefühl hätte, es wäre wertlos. Alles, was nicht wertschöpfend ist, ist wertlos. Zumindest höre ich ständig die Stimme meines Vaters in meinem Kopf, die mir das einredet.

Habt ihr einen Tipp, wie ich dieses Schuldgefühl los bekomme? Ich frage mich schon lange, ob ich meine Frau davon erzählen soll. Aber ich habe Angst, dass sie mich für verrückt hält oder denkt, dass ich ihre Hobbies nicht wertschätze.

Liebe Grüße,

Azrael

Antworten
pjosxpa|e


Das tut mir leid, dass du als Kind solche Erfahrungen gemacht hast....und jegliche Freude, die durch Kreativität entsteht, gleich abgewürgt wurde und als wertlos hingestellt. Das ist traurig und war sicherlich prägend.

Ein paar Gedanken dazu:

einige Haltungen der Eltern werden verinnerlicht und übernommen, sie werden zur eigenen Haltung. Ich glaube, man

muss sich zunächst bewusst machen, was zu einem selbst gehört, und was übernommen wurde von den Eltern-

und eigentlich gar nicht (mehr) zu einem gehört.

Die Wahrheit ist, dass du jetzt ein erwachsener, selbstverantwortlicher Mensch bist. Du bist nicht mehr der kleine Junge von damals- auch wenn das innere Kind in dir noch lebt. Du kannst versuchen, deine Einstellungen und Haltungen, Werte usw. zu überprüfen- und das, was nicht mehr brauchbar oder blockierend ist neu überdenken. Oder über Bord werfen, es an die Eltern zurückgeben. "Das ist nicht meins".

Wie kommt es, dass du Schuldgefühle hast? Ich habe das nicht ganz verstanden. Hast du die Schuldgefühle deinem Vater gegenüber, weil du ihm nicht gerecht wurdest? Oder hast du Schuldgefühle deiner Frau gegenüber, weil du innerlich ihr Hobby abwertest (ohne es zu wollen)?

Wenn es dir ein Bedürfnis ist, dann erzähle es deiner Frau, wie du eben geprägt wurdest. Warum es dir schwer fällt, Freude an Hobbies zu haben. Ich finde es gut nachvollziehbar. Sie wird es auch verstehen.

gvrauxm


Ich denke nicht dass du Angst haben musst dass deine Frau dich für verrückt hält.

Das was du beschreibst nennt man Introjekte – da ist es meiner Meinung nach ganz gut erklärt: [[http://www.gestalttherapie-lexikon.de/introjekt.htm]]

lRoko


mir ging es genau so

ich wurde mit falschem geschlecht geboren und bin leider nur Frau geworden

jahrelang durfte ich mir anhören ,wie dumm und nutzlos frauen sind

blabla bla

ich trennte mich mit 16 erstmalig von meiner familie

und dann später richtig

ich lebe seit 10 jahren 800km weg

und ich habe in dieser zeit mich endlich kennenlernen dürfen

ich weiß nun nicht wie alt du bist

denn man geht im laufe des alters immer mehere phasen durch

das du auf dem richtigen weg bist,sieht man anhand diesen Fadens

du lernst dich kennen ,und nun stellst du es frage

nächster schritt wäre ,rauszufinden was gefällt dir und was nicht

du musst jetzt nicht mit papier basteln

oder aus elektroschrott wieder kaffemaschinen hinbasteln

nein

vielleicht liegt dein talent ganz anderswo

trau dich und lass endlich los von deinen eltern

sei ihnen verziehn,denn sie wußten es nicht besser

ich wünsche dir ganz viel kraft :)* :)* :)* :)*

A zyraexl


Hallo,

ich danke euch für eure Beiträge.

Zur Frage von Pospae:

Ich habe diese Schuldgefühle gegenüber meinem Vater. Ich habe zwar mittlerweile kaum noch Kontakt zu ihm, aber es gab so viele Dinge in meinem Leben, die ich einfach nicht vergessen kann, für die mich mein Vater schlecht gemacht hat. Ihn hat nie interessiert, dass ich etwas aus Freude machen wollte oder weil ich Talent habe. Ich kann z.B. Musik nach dem Gehör auf dem Klavier nachspielen und habe auch schon einige Lieder komponiert, aber ich habe nie ernsthaft über eine Musikkarriere nachgedacht, weil mein Vater meinte, dass man mit meinen Liedern kein Geld verdienen kann. Es klingt banal, aber wenn du ständig zu hören bekommst, dass alles wertlos ist, was du machst, glaubst du es irgendwann. Und irgendwie erfährt das ganze Leben dadurch eine gewisse Wertlosigkeit. Wozu etwas sammeln? Wozu etwas basteln? Wem bringt das was? Wer hat was davon? In 100 Jahren interessiert es keinen Menschen mehr, wenn ich heute einen Papierflieger bastle. All diese Sachen gehen mir nicht aus dem Kopf. Und das schlimme ist, dass ich dieses Verhalten teilweise selbst übernommen habe.

In unserer Ehe habe ich die Hand über unsere Finanzen. Und wenn meine Frau Geld ausgibt, weil sie etwas sammelt oder bastelt, ertappe ich mich oft selbst, dass ich frage, was für einen Nutzen die Ausgabe hat und ihr das Geld verweigere. Ich verstehe meine Frau, aber ich habe ständig das Gefühl, dass diese Ausgaben sinnlos sind – weil sie keinen Nutzen haben bzw. keinen Wert im eigentlichen Sinne haben. Dies ist auch ein Mitgrund, dass sie das Gefühl hat, ich wertschätze ihre Arbeiten nicht. Aber das stimmt nicht. Ich bewundere ihr Talent und ihre Begeisterung. Aber sie erhielt in ihrem Leben immer Anerkennung dafür. Dadurch hat sie eine Motivation, die ich nie hatte. Ich selbst leiste mir sogut wie gar nichts. Jeder Einkauf wird von mir von A bis Z durchgeplant und analysiert. Sogar für eine 2 Euro-Ausgabe in ebay überlege ich 5 Tage herum, ob sich das lohnt oder nicht.

Zu Lokos Beitrag:

Ich bin 30 Jahre alt, das habe ich oben geschrieben. Was meine Talente angeht, mag es sein, dass ich einige habe. Aber ich habe nicht den Antrieb, diese umzusetzen oder zu fördern, weil sofort in meinem Kopf eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufgestellt wird. Ständig frage ich mich:

- Wozu sollte ich das machen?

- Wie hoch sind die Ausgaben?

- Kann ich daraus Kapital schlagen?

- Wem bringt das was, außer mir?

- Ist die Sache überhaupt alters- oder standesgemäß für mich?

In 99% der Fälle sieht das Ergebnis so aus, dass sich die Sache nicht lohnt. Deshalb sterben viele Ideen oder Interessen, bevor sie überhaupt angepackt werden. Außerdem schäme ich mich, Geld für Dinge auszugeben, die keinen materiellen Wert haben.

Ich gebe dir ein Beispiel:

Ich bin ein Herr-der-Ringe Fan, habe aber nichts von H.d.R. – keine Bücher, keine Bilder, keine Artikel, gar nichts. Es wäre mir peinlich, Bücher zu kaufen, die keine Informationen enthalten, wie sich z.B. damit Geld verdienen ließe. Aus diesem Grund stehen in meinen Regalen nur Sachbücher, kein einziger Roman. Ich ich denke schon seit Jahren darüber nach, eine kleine Sammlung an H.d.R-Figuren aus Überraschungseiern zusammen zu stellen. Die Figuren würden in ebay nur 1 bis 2 Euro kosten, aber ich kann nicht. Es wäre mir peinlich, Geld für "Kinderkram" auszugeben, der niemandem etwas bringt. Das würde jedenfalls mein Vater sagen und er würde sich über mich lustig machen. Dieses Angst- und Schamgefühl steckt bei mir so tief drin, dass ich alles unterdrücke, was nicht als altersgemäß, sinnvoll oder kapitalträchtig gilt.

Ich glaube, es ist schwer nachzuvollziehen, wenn alles, was du in deinem Leben je geschafft hast, ohne Anerkennung von den Menschen bleibt, die dir am nächsten sind. Im Gegenteil: wenn du von deinen Eltern zu hören bekommst, dass nichts taugt, was du machst, verlierst du irgendwann die Freude an allem. So war es bei mir. Als Kind habe ich irgendwann aufgehört, zu malen, dann habe ich nichts mehr gebastelt, keine Romane und Kinderbücher mehr gelesen, usw., weil das für meinen Vater wertlos war. Manche Dinge habe ich als Kind heimlich gemacht, z.B. mit meinen Stofftieren gespielt. Aber ich habe immer alles versteckt, damit er mich nicht auslacht und runtermacht. Irgendwann hab ichs dann ganz gelassen.

Und genau diese Scham- und Schuldgefühle sind es, die mich tagtäglich verfolgen und mich permanent vor schwierige Entscheidungen stellen, wenn es um Ausgaben geht. Und aus dem Grund gönne ich mir auch selbst nichts oder leiste mir etwas, das ich haben will. Ich kaufe eigentlich nur Dinge, die immer für mehrere Personen einen Nutzen oder Mehrwert darstellen, nicht für mich.

Liebe Grüße,

Azrael

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