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OP mental verarbeiten

W:asch:mascrhin%enwu%nder hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich weiß gar nicht, wie ich das Thema anfangen soll. Ich fühle mich fassungslos, erstarrt, erschüttert. Und gleichzeitig schäme ich mich für meine Sensibilität und für meine "Phantasie", weil ich eigentlich mit aller Rationalität meinem Alltag Struktur zu geben versuche.

Vor einer Woche wurde ich operiert. Ein kleiner Eingriff unter Vollnarkose, um etwas nachzuschauen. Die OP dauerte vielleicht eine 3/4 Stunde und war ambulant. Ich hatte schon mehrere OPs in meinem Leben, vor allem welche, die im Nachhinein Krankenhausaufenthalte oder lange Genesungszeiten erforderten. Hier war es schlichtweg "aufmachen, gucken, alles in Ordnung, zumachen, fertig".

Tage vorher machte ich mir bereits Gedanken über das Sterben oder eine etwaige Diagnose, die meinem Leben eine negative Wendung gegeben hätte. Die Nacht vor der OP war ich innerlich schon in die Weiten meines inneren Universums geflüchtet, um die Angst aushalten zu können. Am Tag der OP bin ich irgendwie in die Klinik gefahren, alleine per Straßenbahn, habe mir eine Bronüle legen lassen, bin mit der Ärztin in den OP-Raum gegangen, habe die monströsen Geräte betrachtet, mich hingelegt und dann wurde ich irgendwie von allen Seiten umtütelt, mir wurde komisch und dann war ich weg. Wie das halt so ist.

Das erste Mal bewusst wach war ich, als die Ärztin zu mir sagte:"Frau XYZ, ich ziehe jetzt den Schlauch." Ich wollte "Ja" sagen, konnte nicht. Merkte, wie aus den Tiefen meines Halses der Beatmungsschlauch gezogen wurde. Tat nicht weh. War nicht schlimm. Hatte ich bei einer vorherigen OP auch schonmal halbwegs mitbekommen. Dann nahm ich wahr, wie sie mich allesamt packten und auf ein anderes Bett hieften.

Dann die ersten Erinnerungen. Bilder. Bilder von der OP! Ich kann es mir nicht erklären, aber ich habe vor Augen, wie mein Bauch aufgepumpt vor mir liegt und der Arzt mit den Instrumenten darin rumguckt. Nächstes Bild: Ich stehe im OP-Raum in der Ecke und schaue dem Arzt zu, wie er mir mit den Instrumenten im Bauch rumguckt. Ich sehe mich, wie ich daliege. Hilflos. Einer Prozedur erlegen, die schmerzhaft, demütigend und menschenverachtend ist – auch wenn sie medizinisch richtig und sinnvoll ist.

Ich erlebe Hilflosigkeit, Fassungslosigkeit und Angst. Ohnmacht. Dem Tod näher. Dem Sterben näher. Mein Körper nicht unter meiner Kontrolle, mein Körper hilflos, schwach und alleine nicht überlebensfähig.

Das ist das erste Mal, dass ich eine OP als psychisch so strapazierend erlebe. Ich kann mir diese Erinnerungen nicht erklären, weiß nicht, ob ich sie mir zusammenphantasiere.

Heute musste ich zur Nachuntersuchung. Ich konnte mich nicht untersuchen lassen. Angesichts der Geräte, mit denen ich untersucht werden sollte, musste ich plötzlich heftig weinen und verwehrte dem Arzt eine Untersuchung. Er machte auf mich einen sehr irritierten, genervten Eindruck, schrieb mich krank und sagte, dass ich nächste Woche wiederkommen müsse.

Und nun sitze ich hier. Ich habe gerade das erste Mal mit meinem Freund über diese Erinnerungen gesprochen, dann kam ich auf die Idee, mich hier, im Schutz der Anonymität, den Meinungen auszuliefern. Ich weiß gerade nicht, wie ich mir selbst helfen könnte. Ich weiß gar nicht, was ich von diesem Erlebnis halten soll.

Danke fürs Lesen.

Antworten
Hsonig.txau


Du hast vielleicht den Körper verlassen und bist über Dir geschwebt. Solche Erlebnisse gibt es. In Nahtoderfahrungen wird das öfter berichtet.

Es kann auch sein, dass die Narkose nicht tief genug war. Und Du hast eben alles mitbekommen, da aber die Muskeln gelähmt sind unter der Narkose, konntest Du Dich nicht bemerkbar machen. Deine Erinnerung hat das aber gespeichert.

Du bist traumatisiert. Es gibt Fachleute für so etwas. Psychologen mit Zusatzausbildung Traumatologie. Oder mit EMDR-Ausbildung. Das hilft.

W^aschvmaschin[enSwunder


Ich war 3 Jahre wegen Depressionen in psychotherapeutischer Behandlung. Das Kontingent an Therapiestunden ist erstmal erschöpft. Ich dürfte höchstens zu einem Beratungsgespräch 1-2 Mal pro Quartal zu meinem Therapeuten gehen.

F:antasi6e2x1


Du hast vielleicht den Körper verlassen und bist über Dir geschwebt. Solche Erlebnisse gibt es. In Nahtoderfahrungen wird das öfter berichtet.

Solche Berichte mag es geben, aber soweit ich die Berichte kenne war damit immer auch ein Nahezu-Tod verbunden. Die Leute wurden z.B. reanimiert. Aber während einer OP ohne Lebensgefahr kann ich mir sowas gar nicht vorstellen.

Es kann auch sein, dass die Narkose nicht tief genug war. Und Du hast eben alles mitbekommen, da aber die Muskeln gelähmt sind unter der Narkose, konntest Du Dich nicht bemerkbar machen. Deine Erinnerung hat das aber gespeichert.

Quatsch... selbst wenn sie was mitbekommen hätte hätte sie niemals ihren Bauch sehen können. Zwischen der Anästhesie und dem Kopf des Patienten und den Chirurgen wird ein Tuch gespannt, da die Anästhesisten ja nicht steril sind.

Tage vorher machte ich mir bereits Gedanken über das Sterben oder eine etwaige Diagnose, die meinem Leben eine negative Wendung gegeben hätte. Die Nacht vor der OP war ich innerlich schon in die Weiten meines inneren Universums geflüchtet, um die Angst aushalten zu können.

Ich denke, dass das das Problem ist. Du hast schon Tage vorher Angst gehabt und dir vielleicht unbewusst diese Situationen überlegt. Oder du hast vielleicht während der Narkose oder danach davon geträumt. Bei manchen Drogen ist es ja so ähnlich, wenn man ängstlich ist während man konsumiert kann es sehr schnell zu einem "Bad Trip" kommen bei dem man alle möglichen Ängste und schrecckliche Erlebnisse erleidet. Eventuell ist sowas auch durch die Narkosemedikamente möglich.

Vielleicht redest du wirklich mal mit einem Psychologen darüber.

WoascPhmas:chilnen]wuxnder


Naja, ob bei jeder OP ein Tuch zwischen Anästhesie und Arzt hängt, weiß ich nicht – also, ob das bei so kleinen Eingriffen wirklich erforderlich ist. Schließlich ist nichts im Raum steril... da müsstest du ja alles "luftdicht" abpacken, damit nichts in die Wunden kommt.

Aber ja, ich glaube auch, dass es mit meiner (Über-)Sensibilität, Angst und Phantasie zusammenhängt und deswegen ist es mir ja auch so peinlich. Und deswegen weiß ich auch nicht, was ich davon halten soll. Weil ich mir sehr viel Mühe gebe, mich zu hinterfragen, mich auf den Boden der Tatsachen zu tackern und nicht den Verstand zu verlieren.

Ich habe Angst, dass man mich nicht ernst nimmt. Ich bin sehr verunsichert deswegen. Ich habe mich heute bei der Nachuntersuchung wie der letzte Depp gefühlt, als ich plötzlich mit dem Heulen anfing. "You never see me fall from grace", würde ich generell von mir behaupten.

Z/wac\k494


Wenn Dein Therapiestundenkontingent verbraucht ist, bleiben ja doch noch medikamentöse Möglichkeiten, die Dir das Leben erleichtern könnten.

WKasch'masch4in0enwunWder


Tjaaa... meiner Neurologin habe ich vor einem halben Jahr "Tschüß" gesagt, nachdem ich jahrelang Medikamente nehmen musste und sie erfolgreich abgesetzt hatte. Eigentlich (!) geht's mir ja momentan nicht so schlecht wie damals, sodass ich Tabletten nehmen müsste.

Ich habe den Therapeuten kontaktiert, um nach Rat zu fragen. Vielleicht ist das gerade die beste Option.

Danke für eure Meinungen. @:)

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