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Depressiv und das Bedürfnis wegzulaufen

n|achtsc:hwaexrmerin hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich habe seit gut ein paar Wochen wieder eine depressive Phase (so sagt jedenfalls mein Therapeut) und das sei auch normal, da es zu Beginn einer Therapie immer schlimmer werde usw.

Mein Problem ist aber, dass ich NICHTS geregelt kriege. Ich schaffe es immer noch grade so morgend aufzustehen aber heute z.B. habe ich danach erstmal den Fernseher angemacht und von 8 bis eben ferngesehen. Ich hätte ungefähr 100 000 Dinge zu erledigen, für die Uni zu lernen etc. aber ich möchte am liebsten einfach nur hier liegen bleiben und die Zeit vorübergehen lassen. Ich wünsche mir immer, dass es einfach vorbei geht. Ich möchte einfach nicht mehr hier sein. Ich lebe in einer Stadt, die ich hasse, ich habe ein Studium aufgenommen, welches ich nur gewählt habe, weil es die sinnvollste Sache schien und ich damit endlich bei meinen Eltern ausziehen konnte. Ich erlebe eine Sinnlosigkeit, aus der ich kein Entrinnen sehe. Ich fühle mich leer und einsam und nutzlos. Ich tue nichts, was Sinn macht, ich tue nichts, dass sinnvoll ist. Ich gehe in die Uni und habe einen Job dort, der mich jede Woche aufs Neue mit Horror erfüllt, da ich dort nebenbei unterrichte. Ich stehe vor viel zu vielen Menschen und will einfach weg.

Manchmal träume ich davon in eine andere Stadt zu ziehen und von vorne anzufangen. Aber dann stellt sich mir immer wieder die Frage: Und was willst du dann machen? Ich habe nämlich keine Ahnung, was ich mit meinem Leben machen soll. Ich habe keine Ahnung, was ich will und vor allem weiß ich nicht, was ich beruflich machen will. Am liebsten würde ich alle Kontakte abbrechen und weglaufen. Einfach nur weg aus meinem Leben. Jemand anderes sein können. Ich bekomme regelrechte innerliche Panik, wenn ich mit meinen sogenannten Freunden Zeit verbringe und von denen sind mir in dieser Stadt, in der ich leben muss, keiner wichtig. Ich würde niemanden vermissen. Ich halte diese Kontakte nur, damit ich nicht ganz allein bin und damit ich auch mal raus komme – wichtig sind mir die Leute nicht. Ich habe immer das Gefühl, dass da ein riesiger Graben zwischen denen und mir ist, ein Graben, den aber nur ich innerlich wahr nehme, da ich so distanziert von denen bin. Ich bin die Königin der Oberflächlichkeit und des Vortäuschens von Fröhlichkeit. Ich weiß aber nicht, wer ich selbst wirklich bin. Und was ich selbst wirklich soll und will. Ich schiebe alles vor mir her. Ich schiebe das Einkaufen vor mir her und das Arbeiten erledigen, ich schiebe die Wäsche vor mir her und ich schiebe die Vorbereitungen für den Unterricht vor mir her, ich schiebe das abarbeiten der Lektüre für die Seminare vor mir her und einfach alles, was von mir fordern würde mich einzubringen. Innerlich ist da so ein Gefühl von Beklommenheit und Leere und ich will einfach nicht mehr ich selbst sein müssen. Ich will, dass das alles aufhört!

Antworten
J'ulxey


ich habe seit gut ein paar Wochen wieder eine depressive Phase (so sagt jedenfalls mein Therapeut)

Sorry, aber das, was du beschreibst, sind für mich auch eindeutig Symptome einer Depression. Und da hilft eben nur Therapie (und evtl. therapieunterstützend ADs). Klar, dass weglaufen reizvoll erscheint, aber denkst du, in einer anderen Stadt wird alles anders/besser? Du kannst nur vor Dingen weglaufen, die hinter dir her sind, aber nicht vor Dingen, die in dir drin sind ;-) @:)

Gwro>ttig


Das hört sich schon sehr depressiv an. Ich erkenne mich wieder. Ich habe Ende 2009 den Zeitpunkt fast verpasst und letztlich dachte ich, nur der Tod kann mir noch helfen. Ich kann dir nur raten zusätzlich zu deiner Therapie einen Psychiater aufzusuchen und es mit einem Antidepressivum versuchen. Mir hat es sehr geholfen. Ich will keine Werbung für ADs machen. Aber mit reden allein ist es manchmal einfach nicht getan. Ich hab mich nicht mehr richtig gewaschen, ich konnte nicht mehr einkaufen, nicht mehr telefonieren, die Post nicht mehr öffnen, etc. Und ich war in ambulanter Therapie, allerdings hab ich weder meiner Thera noch Freunden überhaupt noch etwas geglaubt. Ich war der festen Überzeugung, die machen mir was vor. ICH WOLLTE STERBEN, das war für mich die einzige Lösung, die ich sah. Mit den ADs kann ich zumindest teilweise wieder am Leben teilnehmen.

G[rotteig


Ach ja, ich bin immer weggelaufen, wenn ich depressiv wurde. Über 20 Jahre. Neue Arbeit, neue Freunde, neuen Wohnung, neues Glück, etc. Hat geholfen, aber nicht dauerhaft, das war ein Trugschluss.

naacOhtschAwae]rmerin


Das schlimme, und das meine ich ernst, ist, dass ich mir rein kognitiv bewusst bin, dass ich es so gut habe. Ich habe eine Wohnung und einen Job und ich habe immer genug Geld, um den Kühlschrank zu füllen, ich habe Leute die mich mehr zu mögen scheinen, als ich sie – ich bin sooo wütend auf mich, dass ich so unglücklich bin. Ich bin einfach unglücklich und weiß nichts mit mir anzufangen. Mir scheint, dass es andere einfach haben, dass es anderen besser geht, dass andere es besser machen können als ich. Ich weiß auch, dass das schwachsinnig ist – aber ich fühle es einfach so! Obwohl ich weiß, dass ich rein objektiv betrachtet keinen Grund hätte unglücklich zu sein.

G'rotct&ixg


Das schlimme, und das meine ich ernst, ist, dass ich mir rein kognitiv bewusst bin, dass ich es so gut habe.

Vom Verstand her habe ich meine Situation auch gut reflektieren können. Aber das Befinden war ein völlig anderes. Eine Depression folgt nun mal keiner Logik.

Nochmal der Tipp, lass dir ein AD verschreiben, bevor du aus diesem Sumpf nicht mehr heraus kommst.

JDuley


Das ist immer das Problem.... ich weiß z.B. auch, dass einiges, das ich tue, total schwachsinnig ist und überhaupt nicht hilfreich, trotzdem tu ich es. Obwohl der Verstand total dagegen ist. Könnte man immer nur auf den Verstand hören, hätte man sicherlich nicht so viele Probleme ":/ Leider spielt das Befinden und (in meinem Fall) die Impulsivität aber auch eine Rolle...

Bzgl. Depressionen kenne ich mich nicht so gut aus (hatte meiner Meinung nach schon lange keine mehr, Ärzte sind zwar anderer Meinung aber egal :=o ), aber einem Freund von mir, der auch übelst depressiv war (antriebslos, konnte nichts mehr machen, ging nicht mehr zur Arbeit, irgendwann ging er nicht mal mehr zum Arzt um sich krankschreiben zu lassen, woraufhin er den Job verlor, im Haushalt hat er nix mehr gemacht usw.) half ein kurzer stationärer Aufenthalt (3 Wochen) sehr gut... ich weiß zwar nicht, wie das gehen konnte, denn da lief nicht viel während des Aufenthalts, aber danach ging es ihm echt besser... %:| Medis konnte er dann auch absetzen...

ZZw|ackx44


nachtschwaermerin, wir sind auch sehr von unseren Drüsen und Hormonen abhängig. Wurde Deine Schilddrüse schon einmal untersucht? Eine Unterfunktion kann auch zu Depressionen führen.

nCachEtschkwaefrmeHrixn


Nein, das ist alles in Ordnung. Das war ja das Drama letztes Jahr, als ich endlich mal zum Arzt gegangen bin, da haben die mich von oben bis unten durchgescheckt, weil alles das, was ich denen erzählt habe nicht passte und sie (die Ärzte) zu mir gesagt haben: schlafen sie sich mal ein bisschen aus, legen sie sich mal in die Sonne und dann wird das schon wieder. Super. Danke. Bin aber körperlich gesund, zum Glück!

Z7wa+ck4T4


Kannst Du Deine SD-Werte trotzdem mal verraten? Die Meldung "SD okay" ist nicht immer zuverlässig.

n!achtCschwZaeBrmjerxin


Davon habe ich keine Ahnung. Die Ärzte haben mir halt letztes Jahr gesagt, dass nichts organisches als Ursache in Frage käme und mich dann an den Therapeuten überwiesen.

Z,wacOk44


Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste: Besorg Dir eine Kopie des Befunds und stell sie hier ein. Wär doch uncool, wenn Du Dich in psychische Bewhandlung begäbst, um dann hinterher festzustellen, dass man eine körperliche Ursache übersehen hat. Das Unterforum "Stoffwechsel und Hormone" ist leider voll von schlechten Erfahrungen mit SD-Diagnosen.

farogntm/an5


Mir geht es aktuell so ähnlich wie dir. Allerdings ist meine Situation eine andere. Ich bin noch Schüler. Grade jetzt erwarten alle Verwandten und Bekannten von mir ich solle mich doch durch beißen. Allerdings sehe ich darin kein Sinn. Es ist nicht so, dass ich nicht weiß wofür ich alles brauche, aber ich habe einfach das Gefühl am falschen Platz zu sein. Einfach weg von allem ohne nach hinten blicken zu müssen. Jedoch wie soll ich das machen? Habe kein Einkommen. Meine Eltern würden es auch nicht zu lassen, dass ich vorallem einfach weg laufe. Denn die Schule ist ja wichtig und ich muss an mein späteres Leben denken... Ich habe aktuell einfach keinen Kopf dafür mir über meine Zukunft gedanken zu machen. Mich regt alles nur noch auf. Es fühlt sich einfach an als würde ich jeden Moment die Fassung verlieren und völlig oben raus schießen. Als ich deinen Post leste wurde mir schlecht und ich hatte das Gefühl mich gleich übergeben zu müssen. Das liegt einfach daran, dass mir das ganze zu Vertraut vorkommt und es mir Angst macht. Es hat mal gut getan darüber zu schreiben :)^

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