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Mutterersatz und emotionale Abhängigkeit

Alul_dfZaith hat die Diskussion gestartet


Ich habe eine Freundin, die mich in- und auswendig kennt. Sie ist meine einzige Vertrauensperson, kennt alle meine Stärken, vor allem aber auch meine Schwächen. Von Anfang an herrschte ein Ungleichgewicht. Sie nahm sich meiner an, wurde zu einer Art Mutterersatz. Das tat mir sehr gut, ich hatte endlich jemanden, auf den ich mich emotional einlassen konnte, von dem ich Liebe und Trost bekam, ich war sehr froh, sie an meiner Seite zu wissen, doch inzwischen ist mir nicht mehr so wohl dabei.

Ich habe versucht, mich von ihr abzugrenzen, habe den Kontakt einschlafen lassen, aber ich kann machen, was ich will, ich fühle mich ihr emotional immer noch so verbunden, dass ich einfach nicht ohne sie kann. Sie ist so liebevoll im Umgang mit mir, braucht mich nur einmal "Schätzchen" oder "Liebes" zu nennen und schon breitet sich eine wohlige Wärme in mir aus. Ich suche bei Problemen immer wieder ihren Rat, ihre schützende Umarmung.

Nun habe ich Angst, dass mir das irgendwann zum Verhängnis wird. Ich kämpfe regelmäßig gegen diese starke Zuneigung ihr gegenüber an, ich will mich nicht so abhängig machen von einer Person, aber andererseits sehne ich mich immer wieder nach ihrer müttlerlichen Art. So ein Gefühl kann mir auch ein Mann, also Partner, nicht geben. Das findet auf einer ganz anderen Ebene statt.

Doch wie damit umgehen? Akzeptieren, dass ich ihr auf ewig verbunden sein werde, so wie vielleicht andere Kinder ihren richtigen Eltern auch? Dass da etwas zwischen uns ist, was einfach immer da sein wird?

Antworten
ADuldfcaiZth


Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, was mich gerade heute dazu bewogen hat, mich hier an das Forum zu wenden: Mich nervt, dass ich mich bei ihr einfach nicht in der Gewalt habe, in ihrer Gegenwart meinen Gefühlen total ausgeliefert bin. In der letzten Zeit hatte ich versucht, mich zu distanzieren, habe mich quasi versucht zu entwöhnen. Bin eine Weile auch ohne ihre Fürsorge ausgekommen, aber gestern hatte ich dann ziemlichen Stress und das starke Bedürfnis, mich wieder an sie zu wenden. Ihre Reaktion hat mich dann völlig entwaffnet, schwach gemacht. Sie nimmt mir nichts übel, war nicht sauer, dass ich mich zurückgezogen hatte, sondern nimmt mich immer wieder in den Arm, egal wie schäbig ich mich ihr gegenüber verhalte.

Eben wie es eine liebende Mutter tut, die ihr Kind nie verstößt. Das ist einerseits schön für mich, andererseits macht es mir auch Angst. Ich habe das Gefühl, gefangen zu sein – abhängig.

A"uldOfa<itxh


Über ein paar Anregungen, wie ich damit umgehen kann/soll, würde ich mich wirklich sehr freuen @:)

dNietSraur\ige86


ich kann dich sehr gut verstehen. ich habe aber mal in einer zeitschrift gelesen, dass viele frauen in ihren freundin eine mutter sehen bzw. den mutterersatz suchen. und sich auch gegenseitig geben.

@:)

dzietrzaurigey8x6


ups ich meinte in ihrer freundin |-o

A~uldfRaixth


@ dietraurige86

ich habe aber mal in einer zeitschrift gelesen, dass viele frauen in ihren freundin eine mutter sehen bzw. den mutterersatz suchen.

Tatsächlich? Mir erschien das immer recht ungewöhnlich, also ich kam mir seltsam dabei vor, weil alle anderen Freundschaften in meinem Umfeld irgendwie anders laufen. Da sind alle irgendwie auf einer Ebene, gleichberechtigt, nicht so Mutter-Tochter-mäßig wie das bei mir und ihr der Fall ist. Weil wie gesagt, es ist schon eine recht einseitige Geschichte. Sie gibt mir Ratschläge, tröstet mich, hat mehr Erfahrung in allem. Nie andersherum.

Aber danke, dass du mir etwas dazu geschrieben hast @:)

dqisetraMurige8x6


du oder wir alle, sehen die menschen immer nur von aussen..... aber nie von innen ;-)

ich bin seit 6 jahren in psychotherapie. ich bin zwar noch nicht so alt, aber ich weis wovon ich rede.

es gibt immer eine person die in der beziehung der stärkere ist, auch auf freundschaftlicher ebene.

genieße es doch einfach das du so ein glück hast, das du so ne freundin hast. ich habe es leider nicht. klar musst du versuchen etwas von ihr abzunabeln, aber es gibt halt menschen, die immer einen um sich haben müssen.

darf ich mal fragen wie alt du bist?

:)*

AOulhdfaith


es gibt immer eine person die in der beziehung der stärkere ist, auch auf freundschaftlicher ebene.

Das sehe ich auch so, aber so extrem und einseitig wie es mit ihr ist, kannte ich es noch nicht. Und wahrscheinlich hadere ich so damit, weil ich in meinen übrigen Freundschaften immer die "stärkere" war.

genieße es doch einfach das du so ein glück hast, das du so ne freundin hast.

Na ja, wie gesagt, einerseits tut es mir gut, aber im Moment kommt es mir eher wie eine Droge vor. Wenn man irgendwelche Pillen einwirft, macht einen das vielleicht auch ruhiger, man ist erstmal froh und erleichtert, aber sobald man das Gefühl kriegt, dass es ohne nicht mehr geht, stimmt doch was nicht.

Ich bin mir einfach unsicher darüber, ob sich das alles noch im normalen Rahmen abspielt, ich einfach akzeptieren sollte, dass sie so etwas wie eine Ersatzmutter für mich ist, an der ich immer hängen werde oder ob ich versuchen sollte, davon loszukommen.

Mir sitzen Engelchen und Teufelchen auf den Schultern, beide flüstern mir unterschiedliche Dinge zu. Einerseits, dass ich diese Fürsorge und Zuneigung durchaus verdient habe, sie ruhig annehmen darf, es genießen sollte. Andererseits aber auch, dass es nicht gut ist, von jemandem abhängig zu sein.

darf ich mal fragen wie alt du bist?

In etwa so alt wie du.

Auuldfaixth


Es ist ja leider auch nicht so, dass mir diese Verbindung uneingeschränkt gut tut. Heute sitze ich zum Beispiel auf heißen Kohlen, weil ich auf eine E-Mail von ihr warte. Meine Gedanken kreisen um nichts anderes. Das schränkt mich im Alltag total ein. Wie bei einem beschissenen Junkie, der seinen nächsten Schuss braucht %:| Nur dass meine Droge halt nicht XTC oder Heroin ist, sondern (Mutter)-Liebe {:(

d2ietra\uIrigxe86


ich von meiner th genauso abhänig, wie du von deiner freundin %:| ..... also ich muss lernen für mich halt die eigene gute mutter zu sein.

sie gibt dir halt was, was du früher anscheinend nie bekommen hast..... ich fühle sehr mit, wie du dich fühlst. ich kenne das. was sagt sie denn zu deiner abhänigkeit von ihr?

rHatsc|hlCägxer


Auch wenn ich beim Thema Frauenfreundschaften wohl recht fehl am Platz bin, würde ich gerne eine Idee anmerken, die mir beim Lesen des Eingangsbeitrags sofort durch den Kopf gegangen ist.

Das Bild lässt sich sehr schön noch weiterspinnen: Wenn deine Freundin für dich wie ein Mutterersatz ist, kann es sein, dass du (in eurem Verhältnis zueinander) in die Pubertät kommst? Dass du dich einerseits abnabeln willst, aber anderseits den Kontakt ja auch nicht ganz abbrechen? Du bist gewissermaßen auf der Suche nach einem neuen Rollenverhältnis zwischen euch, dass dir mehr Selbständigkeit gibt und lotest die Möglichkeiten aus. Und bekanntermaßen läuft die Pubertät ja auch nicht konfliktfrei ab, so dass das, was du jetzt fühlst, gar nicht so überraschend ist.

A7uldf@aitxh


@ dietraurige86

ich von meiner th genauso abhänig, wie du von deiner freundin %:| .....

Ich denke, wenn ich je eine Therapie gemacht hätte, wäre mir dasselbe auch mit der Therapeutin passiert, da bin ich mir ziemlich sicher. Also von Übertragungsliebe und Abhängigkeit etc. das volle Programm.

also ich muss lernen für mich halt die eigene gute mutter zu sein

Aber kann man das denn überhaupt? Sich selbst eine Mutter sein? ":/

sie gibt dir halt was, was du früher anscheinend nie bekommen hast.....

Ja, das liegt auf der Hand.

ich fühle sehr mit, wie du dich fühlst

Danke, dann fühle ich mich schon nicht mehr so alleine damit :)_

was sagt sie denn zu deiner abhänigkeit von ihr?

Sie sieht das alles nicht so problematisch wie ich, weil sie ja gerne meine Ersatzmutter ist. Sie profitiert sicher auch von dieser Konstellation, weil ihr eigene Kinder nie vergönnt waren. Also ich bin auch die Tochter für sie, die sie nie hatte. Und sie meint, ich muss einfach nur lernen zuzulassen, geliebt zu werden. Sie versteht nicht recht, was mir dabei Angst macht. Ich genieße ihre Fürsorge, aber ich fürchte einfach, dass mich das auf Dauer zu stark an sie bindet und ich wollte eigentlich nie so abhängig von jemandem sein. Schließlich will ich irgendwann selbst Familie gründen und nicht ewig an ihrem Nabel hängen.

@ ratschläger

Wenn deine Freundin für dich wie ein Mutterersatz ist, kann es sein, dass du (in eurem Verhältnis zueinander) in die Pubertät kommst? Dass du dich einerseits abnabeln willst, aber anderseits den Kontakt ja auch nicht ganz abbrechen?

Ja, ich denke, dass die Analogie ganz passend ist. Meine Frage in dem Zusammenhang: Kann ich dann überhaupt je ganz von ihr loskommen? Sollte ich sie als "Mutter" akzeptieren, mit allen Konsequenzen? Also dass ich auch mit 40 noch ihre Nähe suchen werde, immer "ihr" Kind bleibe? Nur als Beispiel. Oder ist das zu schräg, weil sie ja doch nicht meine Mutter ist und ich verrenne mich da in etwas?

r8atQsechläxger


Willst du denn ganz von ihr loskommen? Ist es nicht eine schöne Vorstellung, sein eigenes Leben zu leben, aber trotzdem jemanden zu haben, zu dem man immer zurück kommen kann?

Oder hat ihr Umgang etwas demütigendes für dich? Dann würde ich in der Tat den Pubertätsprozess etwas vorantreiben und deutlicher machen, dass ich auf eigenen Beinen stehe.

Vielleicht kann man es auch positiver formulieren: Es geht nicht so sehr darum, den Kontakt mit ihr einzuschränken, sondern den zu anderen Menschen auszubauen.

dXie}trau$rigLex86


das ist ne gute frage, mit der eigenen mutter für sich selbst sein, aber es geht.

ich weis jetzt nicht wie ich es dir erklären sollte ":/

ich versuche es mal:

1. man sollte seine gefühle verstehen und mit ihnen versuchen umzugehen.

2. für sich selbst gut sorgen, in dem man sich was gutes tut.

3. sich nicht entwerten, einfühlsam sein( für andere und sich selbst)

4. auf sich gesundheitlich aufpassen

5. du sagst dir schöne dinge auf die du stolz bist, das du diese erreicht hast.

das gibt es noch so viele dinge, aber ich weis nicht wie ich sie beschreiben soll ???

dies kann man wirklich alles lernen. stell dir mal vor wenn du ein kind hättest, wie würdest du mit im umgehen wenn es krank sei?

du gehst doch mit viel liebe und geborgenheit an dein kind heran. du versuchst alles das es ihm wieder besser geht.

so arbeite ich mit meinem inneren verlassenen kind in mir.

wenn ich dich so verstanden habe, bist du auch ein verlassenes inneres kind, dass früher etwas nicht bekam. und du suchst damit bei deiner freundin das was du früher nicht bekommen hast. du musst lernen es dir selbst zu geben. dies ist nicht leicht, aber man kann es versuchen sich selbst die liebe zu geben. es kostet sehr viel kraft und zeit.

nun zu deiner freundin:

ich denke das sie ein stück älter ist als du?

klar kannst du liebe von anderen zulassen, aber ich denke, das sie auch von dir abhänig ist. weil du vielleicht für sie eine idealtochter bist, die sie auch nicht verlieren mag.

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