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Ich will wieder ein eigenes Leben

L]adyXBla2ckJaxck hat die Diskussion gestartet


Ich habe heute fuer ein paar Momente einmal resigniert und bin mal wieder zu dem Entschluss gekommen, dass in meinem Leben einiges aus dem Ruder gelaufen ist. Doch heute habe ich, so glaube ich, auch mal einen guten Grund gefunden: Ich habe kein eigenes Leben mehr.

Damit das nicht so oberflaechlich klingt, versuche ich mal kurz und knapp meine Geschichte zu erzaehlen...

Meine Mutter trennte sich von meinem Vater, als ich noch sehr klein war. Sie lernte meinen Stiefvater geraume Zeit spaeter kennen, heiratete ihn. Ich war zunaechst Teil der Familie, doch ich mochte meinen Stiefvater nie wirklich. Als dann meine kleine Schwester zur Welt kam, war ich nahezu gestorben... Ich war zwar nach wie vor Tochter und Enkel, aber ich habe mich nie so gefuehlt. Ich musste fast immer um Anerkennung kaempfen. Die Fronten verhaerteten sich natuerlich, ich wurde viel gemobb von meinen Eltern, weil ich immer uebergewichtig war. Ein Wandel vollzog sich, als ich 16 war – Ich begann zu hungern und irgendwann merkte ich, dass ich abhaengig wurde von Kilogramm-Zahlen auf der Waage, Kalorientabellen und dem Schmerz, den ein leerer Magen verursachte. Doch fuer mich war das wunderschoen: Ich sorgte mich kaum mehr um meine Familie, mein Leben hatte einen Sinn, mein Kopf war beschaeftigt und ich war einfach gluecklich. Ich verlor das Interesse an allen meinen Hobbies, fuer mich zaehlte nur noch das Gewicht und mein Aussehen. Ich verlor nur so viel Gewicht, dass ich Normalgewichtig war – Also scherte sich kein Mensch darum, wenn ich ueber meine Essprobleme sprach. Schließlich war ja rein aeußerlich alles in Ordnung.

In Verbindung mit dem verlorenen Gewicht gewann ich Selbstbewusstsein und mein Beduerfnis nach Liebe stieg – Ich lernte einen Jungen kennen, hatte mit ihm eine Art Sexbeziehung. Doch das war mir egal, denn ich bekam den Hauch von Zuneigung, den ich mir immer wuenschte. Ich konnte die Liebe geben, die sich viele Jahre in meinem Herzen angesammelt hatte – Und ich erdrueckte ihn damit. Ich wollte irgendwann eine Beziehung, er wollte mich als Spielzeug – Die Sache war dahin. Wir trennten uns und ich frass mir in dem Hass auf ihn wieder 20 Kilo an. Ein Dilemma fuer mich, wie man sich vielleicht denken kann. Doch ich war von Liebe anhaengig, Sex und Liebe waren auf einmal das Gleiche, meine Gedankengaenge seit jener Zeit kann man wohl gerne als "nuttig" und "hurig" bezeichnen. Doch es war mein Leben, Liebe, Sex und Jungs sind mein Lebensinhalt. Und natuerlich Essen – Oder besser gesagt, hin und wieder mal nichts essen.

Ich lernte vor 2 Jahren (mittlerweile bin ich 19) meinen Freund kennen. Die Sache war, oh Wunder, zunaechst nur ein One Night Stand. Und ueberhaupt war er erst der zweite Mann in meinem Leben, mit dem ich Sex hatte. Mit anderen lief es trotz meiner Wuensche nie. Wie dem auch sei. Er ist ein sehr netter Mensch, kann aber mit meiner Psyche nicht so recht umgehen, denn mittlerweile diagnostizierte man bei mir Borderline. Denn, ich vergaß es zu erwaehnen, habe ich im Laufe der Zeit noch SVV entwickelt.

Ich bin sehr abhaengig von ihm, krankhaft eifersuechtig, die Liebe die er mir gibt zerreißt mich, ich gehe in allem unter. Wir haben oft Streit, weil ich ihm auch viel Kontakt zu seinen Freunden verbiete und er natuerlich darunter leidet. Aber ich kann nicht anders, er ist eine meiner Drogen. Meine Essstoerung hat sich wieder neu entfaltet, denn es stoerte mich sehr, so von ihm abhaengig zu sein. Ich brauchte etwas, was meinem Leben wieder einen Sinn gab, etwas, was mich von ihm entfernte, etwas, was mich mehr beschaeftigt als er. Ich verdraenge einfach alles gern.

Und an diesem Punkt stehe ich jetzt. Ich habe kaum noch Hobbies, das Einzige was mir ueber all die Jahre geblieben ist, sind meine Traeume. Traeume, die viel von Hass gekennzeichnet sind. Ich will es allen zeigen: Ich bin stark, ich muss mich von Niemandem foppen oder moppen lassen, ich will allen zeigen, dass sie mich all die Jahre unterschaetzt haben.

Vorallem aber will ich eines: Leben. Ich fuehle mich von der Umwelt komplett abgeschnitten, man koennte es eine Derealisation nennen. Mein Kopf fuehlt sich an, als waere er in einer Blase gefangen, ich kann zwar alles sehen und erleben, aber nichts dringt wirklich zu mir durch. Ich habe vorraussichtlich einen Therapieplatz, doch weiß ich gar nicht, was ich der Psychotherapeutin sagen soll, ohne in Selbstmitleid zu versinken.

Ich will einfach nur Hilfe, denn ich fuehle dass ich drohe, an meinem "Leben" zu zerbrechen.

Antworten
LfadyBflac9kJaxck


Kann denn keiner ein paar Worter dazu sagen? :-(

_rTsu^namix_


LadyBlackJack

Ich musste fast immer um Anerkennung kaempfen.

War das wirklich oder nur gefühlt so?

Die Fronten verhaerteten sich natuerlich, ich wurde viel gemobb von meinen Eltern, weil ich immer uebergewichtig war.

Nicht akzeptabel.

Ein Wandel vollzog sich, als ich 16 war – Ich begann zu hungern und irgendwann merkte ich, dass ich abhaengig wurde von Kilogramm-Zahlen auf der Waage, Kalorientabellen und dem Schmerz, den ein leerer Magen verursachte.

Wegen der Anerkennung der Eltern?

Doch fuer mich war das wunderschoen: Ich sorgte mich kaum mehr um meine Familie, mein Leben hatte einen Sinn, mein Kopf war beschaeftigt und ich war einfach gluecklich.

Ich verlor das Interesse an allen meinen Hobbies, fuer mich zaehlte nur noch das Gewicht und mein Aussehen.

Warum?

Ich lernte einen Jungen kennen, hatte mit ihm eine Art Sexbeziehung. Doch das war mir egal, denn ich bekam den Hauch von Zuneigung, den ich mir immer wuenschte.

Nachvollziehbar.

Ich wollte irgendwann eine Beziehung, er wollte mich als Spielzeug – Die Sache war dahin.

Auch nachvollziehbar.

Wir trennten uns und ich frass mir in dem Hass auf ihn wieder 20 Kilo an.

Auch nachvollziehbar.

Doch ich war von Liebe anhaengig, Sex und Liebe waren auf einmal das Gleiche, meine Gedankengaenge seit jener Zeit kann man wohl gerne als "nuttig" und "hurig" bezeichnen.

Auch nachvollziehbar.

Ich will es allen zeigen: Ich bin stark, ich muss mich von Niemandem foppen oder moppen lassen, ich will allen zeigen, dass sie mich all die Jahre unterschaetzt haben.

Diesen Gedankengang kenne ich. ;-)

Vorallem aber will ich eines: Leben. Ich fuehle mich von der Umwelt komplett abgeschnitten, man koennte es eine Derealisation nennen. Mein Kopf fuehlt sich an, als waere er in einer Blase gefangen, ich kann zwar alles sehen und erleben, aber nichts dringt wirklich zu mir durch.

Ich denke, du musst für dich ein Paar Dinge aufarbeiten, damit du offen mit mit der Welt umgehen kannst.

Ich habe vorraussichtlich einen Therapieplatz, doch weiß ich gar nicht, was ich der Psychotherapeutin sagen soll, ohne in Selbstmitleid zu versinken.

Lass' dich überraschen. Tue es so gut und so lange, wie du merkst, dass es dir etwas bringt. Der große Vorteil ist, dass du die Gedanken einer anderen Person hörst, denn die eigenen drehen sich oftmals nur im Kreise.

:)*

L,adyBlac7kJack


Ein Wandel vollzog sich, als ich 16 war – Ich begann zu hungern und irgendwann merkte ich, dass ich abhaengig wurde von Kilogramm-Zahlen auf der Waage, Kalorientabellen und dem Schmerz, den ein leerer Magen verursachte.

Wegen der Anerkennung der Eltern?

Genau so war es... Außerdem war ich einfach nur am Ende, dass nichtmal meine Eltern in der Sache zu mir hielten. Zumal meine Mutter dann bei Weight Watchers mitmachte und selbst einige Kilos verlierte, sie das auch von mir erwartete, aber nahezu mit einem Zwang.

Doch fuer mich war das wunderschoen: Ich sorgte mich kaum mehr um meine Familie, mein Leben hatte einen Sinn, mein Kopf war beschaeftigt und ich war einfach gluecklich.

Ich verlor das Interesse an allen meinen Hobbies, fuer mich zaehlte nur noch das Gewicht und mein Aussehen.

Warum?

Weil dann etwas anderes im meinem Kopf war als meine Eltern und Klassenkameraden, die mir das Leben zur Hoelle machten... Außerdem konnte ich so meinen Eltern beweisen, dass ich auch zu etwas faehig war und ich Dinge tun konnte, auf die sie keinerlei Einfluss hatten. Ich habe mich aus ihren Faengen befreit.

_@Tsuna4mix_


Ich habe mich aus ihren Faengen befreit.

Das klingt gut für mich. Allerdings ist das auch nicht ganz ohne. Ich denke, die Kindheit und insbesondere wichtige Bezugspersonen, wie die Eltern, hängen einem bis ins hohe Alter nach. Dass muss jetzt gar nicht negativ sein, sondern soll nur heißen, dass es ein nicht zu unterschätzender Faktor des eigenen Lebens ist. Vieles, was ich tue, mache oder denke, kann ich direkt oder indirekt auf meine Eltern oder Kindheit zurückführen. Einige Dinge kann ich akzeptieren, andere nicht – bestimmte Dinge hinter mir lassen, mich selbst hin und wieder auf den Prüfstand stellen und neu orientieren. Das Unterscheiden zwischen (Mit-) Gegebenem und (selbst) Gewähltem, dieser Selektionsprozess, ist gar nicht einfach, aber meines Erachtens oftmals hilfreich, um seinen ganz eigenen Weg zu gehen.
Wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg.

L~ady$BjlackJaxck


Aber ich weiß ja gar nicht, was mein Weg ist...

EQleoTnorga


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