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Fragen zu Venlafaxin/Trevilor

S@aschax_S hat die Diskussion gestartet


Hab mich hier über die Suche schon etwas belesen, will aber trotzdem fragen.

Ich hab jetzt seit 2 Jahren meine "Problemchen". Die schlimme Zeit mit heftigen Panikattacken ist aber seit Monaten vorbei. Aber mein Zustand ist nicht befriedigend. Körperlich wurde alles untersucht und ist soweit ok, bis auf hohe Cholesterin Werte, trotz Normalgewicht und normalem Blutdruck.

Ich schlafe ausreichend und hab keine Schlafstörungen, trotzdem stehe ich auf, als wenn ich nur 2 Stunden geschlafen hab, wie ausgelutscht. Ich mache eigentlich alles, bewege mich auch viel, aber eigentlich fühle ich mich immer übel. Dauerkopfschmerzen, kribbelnde und ziehende Beine, Taubheit im linken Arm, Unruhe/Beklemmungen, halt enorm psychosomatische Beschwerden. Ich könnte mehr machen, aber mir fehlt wegen diesem Zustand einfach oft die Lust.

Psychotherapie hatte ich jetzt 8 Monate, wird eventuell verlängert, brachte aber bisher nicht den erhofften Erfolg.

Über Umwege und weil mich 1 Psychiater und eine Psychologin daraufhin ansprachen, kam ich zum Thema AD(H)S. Das ich das als Kind/Jugendlicher hatte, war mir immer schon klar, aber nachher im Erwachsenenalter änderte sich das oder es wandelte sich.

Ich hatte jetzt in 2 Monaten 4 Termine (über die Charité) und bekam nun letzen Dienstag die Diagnose ADS (ohne H) und zwar schwere Form. Der Doc meinte, dies ist das Grundproblem und verursacht bei mir weiter Störungen, wie eben Panikstörung, phasenweise Zwangsproblematik und eben diese körperlichen Symptome, die von einer verdeckten Depression kommen. Persönlichkeitsstörung ist wohl auch eine Thema.

Ich bin über 1 Jahr nicht mehr erwerbsfähig, bei 40% GdB und das mit 42. Kann es ja eigentlich nicht sein. Leider merke ich langsam, ich nehme das bisher nicht wirklich ernst oder denke immer noch, es geht mir nicht sooo schlecht. Meine Psychologin sagt, ich hab das wohl irgendwie eine gestörte Wahrnehmung, denn eigentlich ist es schlimm. Wahrscheinlich verstelle ich mich nach aussen.

Medikamente hab ich immer abgelehnt, 1-3 Tage probiert und dann entsorgt. Medikamentephobie würde ich mal scherzhaft sagen. Elontril hab ich gerade 1 Woche genommen, aber das war nichts. Noch schlimmere Kopfschmerzen und ständig wie auf Speed.

Nun hat der Doc mit Venlafaxin gegeben, Stimulanzien (MPH, also Ritalin und so) eigenen sich nicht für alle und dazu zähle ich, sagt der Doc. Wenn man eh schon Tendenzen in Richtung Angststörung hat, dann kann das voll nach hinten losgehen. Jedenfalls meint er, die Venlafaxin sind super und bei AD(H)S nach MPH gleich 2. Wahl. Meine Bedenken äusserte ich, aber er sagte, da muss ich mir null Gedanken machen. Meine Psychologin hab ich angerufen und sie war immer gegen Pillen, aber bei Venlafaxin sagte sie aufeinmal, die sind gut und ich soll sie nehmen.

Ja ja..., google, aber ich hab echt nur Horrorberichte über Venlafaxin/Trevilor gelesen. Ganz übel, auch das Absetzen. In meinen Augen ist das totales Teufelszeug. Ich hab echt keinen Bock auf diese Nebenwirkungen (Schwitzen, Zittern, Unruhe, Übelkeit, Herzrasen etc.).

Ist das wirklich so schlimm? Ich soll mit 37,5 mg anfangen und nach 3 Wochen auf 75 mg. Dem Doc geht es um das Wirkprinzip (selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) und Alternativen gibt es da wohl nicht.

Ich hab echt Angst vor den Nebenwirkungen. Aber schlecht wäre es nicht, wenn es mir mal besser gehen würde. Aber ich frage mich, ob es wirklich so ein Hammermedikament wie Venlafaxin sein muss. Ich müsste sie eigentlich schon 3 Tage nehmen, hab aber noch nicht angefangen. Angst.

Sorry wegen dem langen Text.

Antworten
ZCwacCk44


Hallo Sascha_S, also um gleich hinten anzufangen: Venlafaxin ist nicht das einzige SNRI. Es gibt also Alternativen (z.B. Duloxetin, Mirtazapin). Wenn Du möchtest, dass es Dir besser geht, wirst Du Deine Angst wohl überwinden müssen. Ich habe Dir wahrscheinlich schon früher einmal geschrieben, dass die im BPZ aufgezählten NW auftreten können, aber nicht müssen, dass auf Psychopharmaka jeder Patient sehr individuell reagiert und deshalb eine 1:1-Übertragung persönlicher Erfahrungen auf Dritte nicht möglich sind, dass man Statistiken über NW durch Googlen nach dem Wirkstoff unter sanego.de nachlesen kann und dass man auch das Medikament wechseln kann, falls die NW inakzeptabel sein sollten. Ich habe bis zu 225 mg Trevilor ohne NW probiert, aber es konnte mein Depression nicht zuverlässig unterdrücken - kann bei Dir ja ganz anders sein.

E}lKlaOgant


Hallo Sascha

die NW treten ja eh "nur" in der Anfangsphase auf. Und wenn du mit der niedrigsten Dosis anfängst, halten sie sich vielleicht auch noch in Grenzen. Wobei ich beim hochdosieren immer wieder neue NW's hatte. Aber allgemein waren die bei mir nicht so schlimm. Morgens Übelkeit, bzw halt nachdem ich sie genommen hab und Durchfall ein paar Tage. Aber wie Zwack schon schrieb, bei jedem läuft es anders.

Kürzlich hab ich nen Faden von einer gelesen, die hat Venlafaxin nach 3 Tagen schon wieder abgebrochen weil ihr die Nebenwirkungen zu heftig waren.

Was ich mich frage ist, wie lange du das Medikament dann nehmen sollst? Deine Beschwerden sind dann wohl eher weniger psychischer Art? Mit einem AD wird doch normalerweise ein Patient psychisch stabilisiert und "ins Leben zurück geholt".

E`hemValigmer Nutzeer (#417x903)


Ich kann dir mal von meinen Erfahrungen mit Venlafaxin berichten. Ich bin vor einpaar Jahren mit 37,5 mg angefangen und hatte nur ganz geringe Nebenwirkungen in Form von vorübergehender leichter Müdigkeit und etwas Appetitlosigkeit in der Anfangsphase. Das ging nach maximal 10 Tagen vorbei und ich merkte richtig, wie das Medikament mir half. Ängste, Grübeleien, Panikattacken und Depressionen wurden wesentlich besser. Nach einer Weile habe ich dann nach Absprache mit meinem Doc auf 75 mg erhöht. Ich habe das Venlafaxin einige Jahre genommen. Vor kurzem habe ich es abgesetzt, da ich zwischenzeitlich in Therapie war und merkte, daß ich irgendwie oft müde war. Auch meine Verhaltensmuster, die früher Auslöser für die Ängste und Depressionen waren, haben sich soweit geändert, daß ich mal neugierig war, ob ich es eigentlich noch brauche. Ich habe es also ganz langsam reduziert, bzw. nur noch eine kleine Dosis jeden zweiten Tag genommen und ich habe nichts von diesen besagten Absetzerscheinungen gemerkt. Bis auf leichte Kopfschmerzen und Aufgedrehtheit (wie nach etwas zu viel Kaffee) hatte ich nichts.

Muß also kein Horror-Entzug werden.

Bezüglich des Adhs hat dein Doc recht, Venlafaxin wird auch dort eingesetzt, wenn MPH nicht geeignet ist.

Ich habe mich in der Vergangenheit sehr viel mit dem Thema Adhs auseinandergesetzt und denke, du solltest es probieren. Alles Gute! *:)

Soa2schax_S


Danke für eure Antworten, ist ganz lieb. ;-)

Ja, die NW, wenn sie überhaupt auftreten, sind von Mensch zu Mensch verschieden. Ich werde es probieren müssen und wie mir schon meine Psychologin telefonisch sagte, wenn es nicht geht am Anfang schon, dann lasse ich sie halt weg und am nächsten Tag ist alles ok.

Und der Doc meinte, als ich ihm sagte, ich hab noch 2 Diazepam (aus dem Krankenhaus, aber nie genommen), wenn es schlimm werden sollte am Anfang (Panik) dann soll ich 1/2 nehmen und alles ist schön. ;-D Na ja... Also im Prinzip muss ich nichts befürchten und Notfallmedi wäre da. Die Zeiten, wo ich wegen Panik ins KH fahre sind eh vorbei. Zum Glück.

Was ich mich frage ist, wie lange du das Medikament dann nehmen sollst? Deine Beschwerden sind dann wohl eher weniger psychischer Art? Mit einem AD wird doch normalerweise ein Patient psychisch stabilisiert und "ins Leben zurück geholt".

Das ist alles psychisch. ;-) Körperlich ist alles mehrfach untersucht und es ist ziemlich alles 100% i.O., bis auf die Cholesterin Werte (300), trotz Normalgewicht und viel Bewegung.

Die Suche hat nun fast 2 Jahre gedauert, Tagesklinik (Psychiatrie), gerade 8 Monate Psychotherapie, etliche Psychiater etc. Niemand fand eine klare Diagnose. Bis jetzt, es ist ADS. Wenn man da ohne Probleme durch Leben kommt, muss man nichts machen, gibt es. Allerdings erkennen manche ihr Problem auch nicht oder meinen, es muss alles so sein, wie es ist. Und irgendwann kommt der erstmal völlig unerklärliche Zusammenbruch.

Ich war ein Horrorkind und auch unglaublich hyperaktiv, mich musste man anbinden. Später änderte sich das, was aber auch nicht ungewöhnlich ist. Heute ist aber rückblickend klar, die letzten 20/22 Jahre waren AD(H)S typisch, wie es im Buche steht. Ständig wechselnde Beziehungen, null Durchhaltevermögen, Handlungen ohne Blick auf Konsequenzen, impulsiv, Suchtproblematik, häufig wechselnde Jobs, immer wieder schnell Probleme im sozialen Umfeld, immer wieder Konflikte (bis vor vor Jahren) mit dem Gesetz, Chaot im Straßenverkehr (Raserei, Alkohol, FS weg) u.m.

Körperliche Beschwerden hatte ich nie, bis das vor 2 Jahren anfing. Und laut AD(H)S Psychiater war es nur eine Frage der Zeit und die kommt irgendwann, machmal erst mit über 50 Jahren, bei mir mit 40. Die Wahrscheinlichkeit, an Begleiterkrankungen, wie Depression, Angst-/Panikstörung, Zwangsstörung u.m. zu erkranken, ist bei AD(H)S Leuten um eine Vielfaches höher, wenn man sich nicht um eine behandlungsbedürftige AD(H)S Problematik kümmert.

Laut Psychiater und auch meine Psychologin meinte das, bei mir kommen neben ADS schon einige andere psych. Störungen dazu und darum ist das ADS halt behandlungsbedürftig. Leider ist AD(H)S nicht heilbar, man kann nur mit Psychotherapie daran arbeiten und in fast allen behandlungsbedürftigen Fällen generell mit Medikamenten und nicht nur mal ein paar Monate, sondern Jahre oder immer.

Im Prinzip könnte ich vielleicht mit den psych./phys. Symptomen leben, man kann sich echt an Dauerkopfschmerzen, Missempfindungen, Brett vor dem Kopf, Unruhe etc. gewöhnen, aber eigentlich ist es nicht toll und irgendwann beeinträchtigt es die Lebensqualität doch sehr.

FJariQnKara


kriege ich davon verstopfung?

KWai2x7


Ich habe wegen einer kombinietren Panikstörung/Generalisierte Angststörung Venlafaxin 37,5 mg verschrieben bekommen und wollte fragen in wie weit sich die NW in Grenzen halten können.

Habe schon vor Jahren mal Citalopram genommen und bis vor einiger Zeit Cipralex. Bei Cipralex muss ich sagen das sich kaum NW zeigten. Auch beim absetzen nicht.

Z%wacJk4x4


Kai27, Psychopharmaka wirken auf jeden Patienten anders. Deswegen ist eine 1:1-Übertragung persönlicher Erfahrungen auf Dritte nicht möglich. Wenn Dich die Statistik interessiert, google nach "Venlafaxin" und schau im Referat von sanego.de unter "Nebenwirkungen" nach. Bei Deiner geringen Dosis würde ich allerdings keine NW erwarten - ich hatte bei 225 mg auch keine - allerdings auch keine Wirkung gegen meine Depressionen, aber das kann bei Dir ganz anders sein.

Keai2x7


Bin jetzt bei Tag 2 mit dem Venlafaxin und muss sagen das ich das Medikament bisher echt klasse finde. Bis auf ganz kurze Phasen wo einem Übel ist und ein Druckgefühl im Bauchraum; was beides innerhalb ganz kurzer Zeit auch wieder weg geht.

Mit welchem anderen AD kann man denn die Wirkstärke vergleichen.

Bei Citalopram und Cipralex sind ja 20 mg soviel wie 10 mg Cipralex.

Sle>ma}nn_85


Nehme es seit heute früh! Man war mir schlecht heute! Alles wieder vorbei.

Als "Notfallmedizin" habe ich Diazepam bekommen. Habe gestern eine genommen - wirkt wahrscheinlich noch. Bin gespannt auf Venlafaxin 37,5 mg. Habe sowas noch nie genommen - mein Zustand war und ist nicht tragbar.

KVaxi27


Das gute bei dem Venlafaxin ist das es keine Wechselwirkungen mit dem Diazepam gibt. Aber diese Übelkeit ist schon extrem. Ich habe das bei Citalopram und Cipralex nicht gehabt. Dafür habe ich gezittert und mir war ständig kalt bei der Eindosierung damals.

Kpai2x7


Hat eigentlich jemand unter Venlafaxin/Trevilor Erektionsprobleme gehabt oder sonstige sexuelle Störungen?!

S/unflNowerx_73


@ Kai:

Die kommen unter Venlafaxin seltener vor als unter SSRI, kommen aber vor – und sollten ernst genug genommen werden, um einen Wechsel in Betracht zu ziehen, da ein wichtiges Stück Lebensqualität abhanden kommt.

K aiV27


Ich bin jetzt den 6. Tag unter Venlafaxin 37,5 mg und kann nur positives berichten. Keinerlei starken Nebenwirkungen, null Potenzprobleme und deutlich verzögerter Orgasmus. Also alles in allem ein duftes Medikament.

s=chne%ckel1X985


Ich nehm Venlafaxin mittlerweile über ein Jahr und komme gut damit zurecht :)^

Angefangen hab ich mit 75mg (ich bin aber von einem anderen AD direkt gewechselt, also nicht über die hohe Einstiegsdosis wundern), auf Grund von Depressionen bin ich mittlerweile auf 225mg eingestellt und habe wieder ein Leben.

Meine Symptome am Anfang waren vor allem das Schwitzen %:| aber nach ein paar Wochen wird es besser :)^

Das mag für Gesundis zwar unverständlich klingen, aber ich hab lieber keine Libido und die restliche 90% der Zeit ein glückliches Leben, als Libido und doch Depressionen.

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