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Wie die depressive Zeit rumkriegen?

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Wie soll das funktionieren?

Das A & O ist, dem Psychioater möglichst exakt zu schildern, wie man sich fühlt, welchen positiven und welchen negativen Einfluß das AD ausübt und welche Fähigkeiten verbessert werden müßten. Da man sich das bei wechselnden Medis nicht merken kann, ich aber den Zusammenhang Medis-Befinden für wichtig halte, habe ich immer Buch darüber geführt. In angemessenen Abständen habe ich mit meinem Psycho-Doc einen "Rückblick" gemacht, um mit etwas Abstand die Erfahrungen mit unterschiedlichen ADs zu beurteilen und Strategien (quasi "Plan B") für die Zukunft entworfen. Auf diese Weise mußte ich meine Hoffnungen nicht allein auf das gerade aktuelle AD richten, sondern mir war bewußt "Wenn das eine nicht gut genug funktioniert, ist eben das nächste dran." Zeitweise habe ich 3 ADs in geringen Dosierungen genommen, weil man so die Klaviatur recht fein abstimmen konnte. Ich habe mir auch bewußt gemacht, nach welchem Schema meine Depressionen entstanden sind - nämlich durch gefühlte "Mißerfolge" (z.B. wenn der Aktenberg auf dem Schreibtisch im Laufe des Tages nicht geschmolzen, sondern weiter angewachsen ist). Ich habe einen Carnegie-Kurs gebucht und dabei gelernt, dass ich zu kritisch bin - hauptsächlich mir gegenüber. Und wenn man sich selbst zu kritisch beurteilt, sieht man eben manches als "Mißerfolg", was andere zu Freudentänzen getrieben hätte. Ich habe einen Aufsatz für eine Fachzeitschrift geschrieben - hat meinem Selbstwertgefühl gut getan. Und ich habe etwas vorausschauend versucht zu vermeiden, dass Stress zu 100% von mir Besitz ergreift. Dafür bin ich zeitweise auch sonntags ins Büro gegangen, weil da kein Telefon läutete und ich ungestört arbeiten konnte. Das alles ist nur möglich gewesen, weil ich eine sehr liebe und verständnisvolle Frau habe - ohne sie gäbe es mich nicht mehr.

G|roMt)tixg


Mein zweiter Gedanke (und das weisst du sicher schon selbst), war, dass du dich wie ein Hamster in einem Laufrad abgestrampelt hast und irgendwann war halt keine Kraft mehr da, um wegzulaufen. Dann holen einen die Probleme so oder so ein

Ja, so ging es mir im Studium. Ich glaube mittlerweile habe ich das Laufrad verlassen. Ich kann sehen, wie es sich neben mir weiter dreht, aber ich kann nicht mehr einsteigen.

Ich habe am Anfang gedacht, mit einem halben Jahr Therapie und Medis ist es getan... und dabei merke ich in bestimmten Bereichen noch keinen Millimeter Fortschritt. Und oft passiert es mir, dass ich eine Gewohnheit / ein Symptom überwinde und dafür ein anderes dazukommt. Das frustriert.

Ich habe zwischenzeitlich auch immer mal wieder Therapie versucht, aber wenn es brenzlig wurde bin ich auch immer weggelaufen. Bei meiner jetzigen Therapeutin bin ich seit 4 Jahren, sie sagt ich habe schon viel geschafft. Letztlich denke ich, niemand kann helfen, wenn man sich nicht helfen lässt. Ich habe "etwas böses in meinem Kopf", für jeden kleinen Schritt vorwärts, folgt die Strafe mit Gedanken der Wertlosigkeit. Was möchte ich am liebsten tun? Ich möchte mich hinlegen und nur noch schreien.

Grottig, welches AD nimmst Du in welcher Dosis? Welche ADs hast Du früher genommen, und mit welchem Erfolg? Hat Dir die Psychotherapie mehr genutzt oder mehr geschadet? Und der Absatz in meinem Beitrag, auf den Du Dich bezogen hast, war für schnecke1985 gedacht – für Dich gilt wahrscheinlich etwas Anderes.

Ich weiss, dass dein Beitrag an Schnecke ging. Aber trotzdem passt es auf mich oder irgendwie auch nicht. Ich habe es versucht, wirklich, ich will da raus. Mit der Therapie ist es ein Auf und Ab, jede Woche anders, manchmal habe ich Einsicht, beim nächsten Mal weise ich alles von mir. Mein erstes AD hat mir Null geholfen. Zur Zeit nehme ich 40mg Fluoxetin (seit Okt.2009) und damit ist es besser als ohne, zumindest sind die Suizidgedanken nicht mehr so vorrangig. Insofern ein Fortschritt.

Worauf bist du denn diagnostiziert, wenn ich fragen darf? (sonst musst du natürlich nicht antworten)

Posttraumatische Belastungsstörung, Depression, Borderline, dissoziative Persönlichkeitsstörung.

Morgen früh werde ich mit meiner Psychiaterin sprechen.

Gorotctixg


und dabei merke ich in bestimmten Bereichen noch keinen Millimeter Fortschritt. Und oft passiert es mir, dass ich eine Gewohnheit / ein Symptom überwinde und dafür ein anderes dazukommt. Das frustriert.

Kannst du deine Fortschritte annehmen?

s;chneBckex1985


Ja und nein.

Mittlerweile hab ich eine recht laute innere Stimme, die mich vor Blödsinn warnt und mir sagt, dass ich die Thera usw. durchziehen muss und vorwärts schauen muss.

Aber da gibt es noch die dunkle, die selbstzerstörerische Seite, die Angst vor dem Gesundwerden hat. Oft kämpfen diese zwei Seiten in mir und ich muss zugeben, dass ich auch eine gewaltige Angst vor der Gesundung habe. Ich habe Angst, diese dunkle Seite loszulassen :-( und dafür schäme ich mich auch :-(

atnt~hoxm


Hey, passt auf euch auf und jeder ist liebenswert und WERTVOLL :)_

G.rotxtig


Aber da gibt es noch die dunkle, die selbstzerstörerische Seite, die Angst vor dem Gesundwerden hat. Oft kämpfen diese zwei Seiten in mir und ich muss zugeben, dass ich auch eine gewaltige Angst vor der Gesundung habe. Ich habe Angst, diese dunkle Seite loszulassen :-( und dafür schäme ich mich auch)

Du glaubst garnicht, wie du mir damit aus der Seele sprichst. Die dunkle Seite bietet auch eine gewisse Sicherheit, irgendwie. Ich soll etwas loslassen, was mir lange Zeit auch das Überleben gesichert hat. Vom Verstand her kann ich vieles begreifen, verstehen, analysieren, etc. Die Gefühlsseite sieht aber anders aus. Aber wir sollten uns dafür nicht schämen, eigentlich.

a2nthxom


:°_

sechnemcke}19>85


Ach Grottig, bin ich jetzt erleichtert, dass du nicht auf mich einhackst! :)_ :)*

Ich noch niemandem von dieser Angst erzählt, weil ich mich immer so für diese Gefühle geschämt habe. Denn einerseits leidet man ja unter den psychischen Beschwerden und dann so seltsame Ängste vor der Gesundung ":/

Ich soll etwas loslassen, was mir lange Zeit auch das Überleben gesichert hat.

Nach dieser Formulierung hab ich gesucht! Genauso ist es!

Vielleicht spielt in diese Angst auch rein, dass die "dunklen Gefühle" in einem ganz versteckten Winkel der Seele ganz lange völlig isoliert von außen existiert haben – niemand durfte davon wissen. Und plötzlich soll man im Seelenstriptease-Verfahren grad diese geheimen Winkel ausfegen und erhellen. :-o

R4. QSamixon


liebe leute, ich habe die ganzen beiträge gelesen, habe habe mich zu fast 100% darin wiedergefunden.

ich habe mittlerweile meinen therapeuten gewechselt, naja, mittwoch die erste stunde. mein erster therapeut konnte mir nicht helfen – oder hatte kein interesse?! er saß mir gegenüber und hatte die arme vor der brust verschränkt und war ständig kurz vor dem einschlafen. sein hauptinteresse – so kam es mir jedenfalls vor – galt seiner uhr (hoffendlich ist die zeit bald rum) und etwas zu erfahren, was IHN interessierte und wovon er noch keine infos hatte (zb. meine zeit im DDR-knast). da wurde er munter.

ich habe auch vor kurzem eine reha in einer LVA-klinik mit dem ergebnis, rente wegen erwerbsminderung. toll ":/

und jetzt? meine frau geht arbeiten und ich hocke mit 55 zu hause rum und kann mich zu nichts aufraffen, hab nur trübe gedanken und komme mir als schmarotzer vor, weil ich von dem verdienst meiner frau leben muß. ich selbst habe seit januar keinen pfennig einkommen und bis die rentenkasse endlich zahlt, gehen auch noch minimum 2 monate ins land.

was bin ich eigentlich?

nichtsnutz, schmarotzer, versager!!!

mit so einem mann ohnt es sich, vereiratet zu sein.

noch dazu, wo wir im september unseren 1. hochzeitstag hatten.

ist doch alles nix wert!!!!

Dtant0e200p5


Hallo,

Mach Dir eine Liste mit positiven Aktivitäten. das ist deine Liste und kann etwas ganz

einfaches sein . ein Buch lesen, Musik hören, Tee trinken, Kakau, Chips, Schokolade essen, Liebkingsfilm sehen, duschen, schlafen, schlummern.....

Wenn es Dir schlecht geht, dann machst du etwas von dieser Liste und must Dich nicht erst Fragen, was kann ich jetzt machen?

Hast Du ein Haustier? ein tierischer Freund hilft einen oft.

Es gibt auch Tiergestütztetherapie.

Schau mal nach Entspannungsmetoden. Sznuseln, Training nach Jakobsen, Ergotherapie für psychisch Kranke, Sensorische Integration, Skills...........

Schau mal was ein Notfallkoffer bei Borderline ist. Das hilft auch bei andere Erkrankungen.

Auch ich bin ich Rente wegen der Erkrankung und alleine zu Hause. Ich bin zwar alleine,

aber selten einsam. Ich habe mir Möglichkeiten zur Ablenkung gesucht. Hausarbeit gehört natürlich dazu.

Ich mache mir keinen Druck mit Du soltest jetzt aber mal rausgehen oder Freunde suchen....

Bei Gedanken mir etwas anzutun , sage ich mir, das dieses böse Gedanken sind, die nicht gut für mich sind. und sage Stopp zu mir. verbiete mir diese Gedanken. auch weiß ich, das diese wieder vorrüber geht. Notfalls lege ich mich einfach nur ins Bett.

Versuche mich mit der positiven Liste abzulenken. Spreche aber mit meinen Arzt darüber.

Es gibt Hilfe bei sozialen und finanzellen Fragen. sozial psychiatrische Zentrum SPZ,

Brücken, betreutes Wohnen für psychisch Kranke. Man kann in einer Auszeit auch

finanzell Überleben. Es gibt Krankengeld, Sozial Hilfe, ALG II auch wenn man nicht arbeitsfähig ist. Eine Beratung für die eignene Situation ist aber notwendig.

Es gibt soviele Möglichkeiten.

Schau mal was ich sonst noch hier zum Thema Depression geschrieben habe.

Alles Gute

Dante

GBro.ttixg


Vielleicht spielt in diese Angst auch rein, dass die "dunklen Gefühle" in einem ganz versteckten Winkel der Seele ganz lange völlig isoliert von außen existiert haben – niemand durfte davon wissen. Und plötzlich soll man im Seelenstriptease-Verfahren grad diese geheimen Winkel ausfegen und erhellen

Ich würde es mit einer Wohnung vergleichen. Ich habe wochenlang in der Klinik von Wohnungen geträumt. Die eigene Wohnung ist ja etwas sehr intimes. Ich habe geträumt, dass meine Wohnung immer unsicher ist, ich konnte nicht die Türen abschliessen und jeder konnte rein. Oder ich hätte sie neu einrichten müssen und das hat nie geklappt. Sprich: alte Möbel (wie die alten Verhaltensweisen) raus und neue Möbel (neu gelerntes) wieder hinein.

Ich habe mir bis zu meinem Totalzusammenbruch Ende 2009 immer alles schön geschrieben. War schon als Kind so, ich war ein Kind ohne Gefühle, es gab keine Angst, Trauer oder Wut. Wenn ich das an mich herangelassen hätte dann wäre ich tot, als Kind habe ich die Qualen nicht ausgehalten und weggeschoben. Ich habe Angst, diese Kind anzuschauen.

Vergangene Nacht bin ich aufgewacht, ich habe geheult wie ein Schlosshund, die tränen liefen nur so. Leider kann ich nicht sagen warum, ich habe es vergessen (verdrängt).

@ Samion

Auch bei mir wurde Erwerbsminderungsrente beantragt, im Juni schon. Bis jetzt habe ich keinen Bescheid. Ja, man kommt sich von der Gesellschaft auch noch abgeschoben vor. Das macht es nicht besser. Am Donnerstag habe ich Termin bei der Arge, vielleicht können die mir einen kleinen Job vermitteln.

Nimmst du Medikamente?

Gzrotctig


@ Dante

Es gibt soviele Möglichkeiten.

Ja, da hast du recht. Bei uns gibt es einen Verein für psychisch Kranke, da kann man 2mal die Woche Kaffee trinken und Kuchen essen, Gesellschaftsspiele spielen, sich unterhalten, etc. Ich war ein paar mal dort, es ist nichts für mich. Ich fühlte mich total unwohl dort, es waren eigentlich nur Psychose Kranke dort und das ist nun mal eine völlig andere Erkrankung als Depression. Einmal die Woche gehe ich für 1,5h in die Uniklinik, zum arbeiten. Aber das ist nun mal viel zu wenig. Dort ist eine, die hat auch Depressionen, ich würde sie gerne ansprechen, mal etwas mit ihr unternehmen, traue mich aber nicht.

sach+ne%cke198x5


Grottig

Das mit der Gefühllosigkeit kenn ich und nutz ich auch. Ich kann in seeehr vielen Situationen von emotional auf total gefühllos umschalten, was natürlich praktisch ist in dem Moment.

Wohnung klingt auch gut als Vergleich...

Wenn jmd. in meine "Wohnung" einbricht, dann reagiere ich mit Depersonalisation oder Derealisation, geht es dir auch so? Ich hatte in der Thera schon solche Erlebnisse, als die Therapeutin unbedingt mit mir über gewisse wunde Punkte reden wollte und insistiert hat. Passiert mir leider öfter, auch wenn es graduelle Abstufungen gibt. Aber ich merke z.b. im Anschluss an die Therapie oft, dass ich mich an kaum was von dem Gesagten erinnern kann, wie ein Filmriss >:(

@ Dante

Danke für deinen langen Beitrag und die Mühe, die du dir damit gegeben hast :)*

Vieles von den Sachen, die du geschrieben hast, setze ich bereits um. Leider geht das mit dem "drucklos" leben oft nicht so gut... meine letzte schlimme Depression dauerte drei Monate, in denen ich fast gestorben wäre. Und in drei Monaten sammelt sich dann wieder eine ganze Menge an Sachen an, die man nicht immer einfach ignorieren kann.

Finanziell gesehen hab ich keine Möglichkeit, da ich offziell noch Studentin bin. Außerdem komme ich nicht aus D und hier wird Kranken erst finanzielle Hilfe gewährt, wenn man kurz vor dem Abnippeln ist (keine Ironie – das ist so).

@ Samion

Ich drück dich einfach mal ganz still hier :°_ vielleicht hilft dir der Gedanke ein bisschen, dass du mit deinen Gefühlen und Problemen nicht alleine bist :)*

GnrotWtixg


Wenn jmd. in meine "Wohnung" einbricht, dann reagiere ich mit Depersonalisation oder Derealisation, geht es dir auch so? Ich hatte in der Thera schon solche Erlebnisse, als die Therapeutin unbedingt mit mir über gewisse wunde Punkte reden wollte und insistiert hat. Passiert mir leider öfter, auch wenn es graduelle Abstufungen gibt. Aber ich merke z.b. im Anschluss an die Therapie oft, dass ich mich an kaum was von dem Gesagten erinnern kann, wie ein Filmriss

Jepp, kenne ich sehr gut. Wenn meine Thera zu sehr stochert bin ich auch weg, obwohl das schon besser geworden ist. Zu Beginn der Therapie war ich fast nur im Niemandsland. Und ich habe ebenso teilweise grosse Schwierigkeiten mich zu erinnern über was wir eigentlich gesprochen haben. Das geht auch so schnell, meine Threa sagt irgendetwas und in meinem Kopf fällt ein Vorhang, ich kann dann überhaupt nicht kommunizieren, ich weiss überhaupt nicht was ich fühle, denke, etc. Ich würde mir wünschen, dass sie genau in diesem Moment weiter stichelt, damit ich diese Blockade überwinde. Aber das lehnt sie ab, sie sagt, sie würde damit meine Grenze überschreiten. Vielleicht hat sie da auch Recht. Ich weiss es nicht.

sAchne)cke1,985


Hab mich nachmittags für zwei Stunden hingelegt und jetzt noch wie ne Irre geputzt und doch fühlt es sich in mir so leer an. Zudem hab ich megaschiss, weil ich morgen einen Termin beim Mieterschutzbund habe und sich im Anschluss darauf wohl entscheidet, ob ich nochmal 800 Euro für die Wohnung hinlegen muss :-(

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