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Wie lange wart/ seid ihr in Therapie? "Fertig therapiert"?

STinneZstäxter


Danke @:)

Eine psychische Krankheit ist was anderes als ein Beinbruch.

In gewisser Weise kann man es vergleichen, finde ich. Es gibt einen oder mehrere Auslöser, z.B. ein Schlag mit dem Hammer aufs Bein, danach ist das Bein gebrochen. Auch wenn der Auslöser nicht mehr besteht und man sich des Auslösers völlig bewußt ist, bleibt das Bein dennoch gebrochen, oder wächst krumm wieder zusammen.

Mag sein, daß sich viele psychisch Kranke der Ursachen, des Auslösers nicht bewußt sind, und es ihnen hilft, wenn sie ihn erst einmal kennen. Aber wie sieht es aus z.B. bei Burnout oder Wochenbettdepression, oder der Art von Depression die man früher als "endogen" bezeichnet hat? Da gibt es nicht viel Auslöser zu suchen, und selbst wenn er bekannt ist, ändert das nichts am Fortbestehen der Depression.

Wenn man verstanden hat, warum etwas total schief gelaufen ist, kann man es ändern und wird dadurch ein Stück gesünder.

Siehe ein Stück weiter oben, ich glaube nicht, daß man das verallgemeinern kann. Wenn man z.B. versteht, daß bestimmte Umstände eine Hormonumstellung herbeigeführt haben, kann man daran nichts ändern (war nunmal so), auch nichts für die Zukunft lernen, und mir fällt es schwer zu glauben, daß man dadurch gesünder wird. Anders sieht es natürlich aus bei gelernten, schädlichen Verhaltensweisen, die nicht so einfach zu erkennen und aufzudröseln sind.

Aber es gibt ja immer mal wieder schwere Belastungen im Leben und auch dann will ich nicht mit Depression reagieren

Das ist das, was ich meine...schwere Belastungen hat jeder mal im Leben, und als "es geht mir gut" oder einen Heilerfolg würde ich bezeichnen, wenn man, eben wie vor dem Ausbruch der ersten depressiven Episode, auf so eine Belastung nicht mit Depression, sondern einer ganz normalen Verstimmung reagiert.

Ist sowas realistisch?

R ussel5l4


Aber wie sieht es aus z.B. bei Burnout

Bei einem Burn-out setzt der Betroffene sich selber so hohe Standarts das er sich auf dauer überfordert um sie zu erfüllen und so ausbrennt.

oder Wochenbettdepression,

Auch hier hat die jungen Mutter oftmals den Anspruch perfekt sein zu müssen.

oder der Art von Depression die man früher als "endogen" bezeichnet hat?

Es hat sich erausgestellt, das es diese Form der rein endogenen Depression garnicht gibt, sondern immer eine Vulnabilität, in frühen Lebensphasen erworben, vorliegt. Bei einer Depression kommen immer viele Ursachen zusammen.

Da gibt es nicht viel Auslöser zu suchen, und selbst wenn er bekannt ist, ändert das nichts am Fortbestehen der Depression.

Doch, es ändert sehr viel.

Es ändert die innere Einstellung und dadruch ist man nicht mehr so verletztlich, oder fühlt sich für andere nicht mehr so verantwortlich, übernimmt aber stattdessen die Verantwortung für sich selber. Das ist ungemein wichtig.

Das ist das, was ich meine...schwere Belastungen hat jeder mal im Leben, und als "es geht mir gut" oder einen Heilerfolg würde ich bezeichnen, wenn man, eben wie vor dem Ausbruch der ersten depressiven Episode, auf so eine Belastung nicht mit Depression, sondern einer ganz normalen Verstimmung reagiert.

Ist sowas realistisch? Wenn es sich um normale Belastungen handelt wie sie jeder schon mal hat, dann ist das realistisch.

Ich allerdings hatte im vergangenen Jahr Extrembelastungen, die wohl nahezu jeden umgehauen hätten.

G^aenvseb}lRue8mchen2x2


Oh wow hier haben sich ja doch ein paar zusammen gefunden. Danke für ihre Berichte. Ich werde heute abend alles mal in Ruhe durchlesen.

Das ist das, was ich meine...schwere Belastungen hat jeder mal im Leben, und als "es geht mir gut" oder einen Heilerfolg würde ich bezeichnen, wenn man, eben wie vor dem Ausbruch der ersten depressiven Episode, auf so eine Belastung nicht mit Depression, sondern einer ganz normalen Verstimmung reagiert.

Nun ich denke dass es das durchaus gibt. Oder dass es zu mindestens häufiger so passieren wird. Trotzdem ist meine Meinung dass man immer noch Rückfall-gefährdeter in jeglicher Hinsicht ist als jemand der noch nie so ein extremes Tief erlebt hat.

Also ich denke immer noch wesentlich schneller bei Problemen auch an Selbstmord als es meine Freundin vermutlich tun wird. Trotzdem habe ich eben Mittel gelernt um diese Tiefs durchzuhalten, ohne extrem dort hinein zu rutschen.

Die Frage ist doch auch, wie lange muss es mir gut gehen nach der Therapie um deiner Vorstellung zu entsprechen?

Wenn es mir gut ging, dann mache ich eine Therapie und dann geht es mir 1 Jahr lang gut, dann habe ich z. B. eine Trennung oder einen Tod zu verkraften und das ganze Drama geht von vorn los? Was bedeutet dass dann – das die Therapie nicht erfolgreich war oder dass ich wie jeder bis dahin gesunde Mensch einfach in dem Moment in eine Depression falle (hat dass dann zwingend etwas mit meiner Vorerkrankung zu tun)?

Ist sowas realistisch? Wenn es sich um normale Belastungen handelt wie sie jeder schon mal hat, dann ist das realistisch.

Ich allerdings hatte im vergangenen Jahr Extrembelastungen, die wohl nahezu jeden umgehauen hätten.

Genau das meine ich.

Ich glaube bei vielen Erkrankungen kann man nur lernen damit umzugehen, eine Heilung ist gar nicht möglich. Ich weiß nur noch nicht bei welchen dass der Fall ist. ":/

Wenn man z.B. versteht, daß bestimmte Umstände eine Hormonumstellung herbeigeführt haben, kann man daran nichts ändern (war nunmal so), auch nichts für die Zukunft lernen, und mir fällt es schwer zu glauben, daß man dadurch gesünder wird.

Aber bei einer hormonell entstandenen psychischen Erkrankung wird man doch auch nicht ausschließlich mit Gesprächs-/Verhaltenstherapie arbeiten, sondern im Wesentlich mit Medikamenten, oder?

LniselotZtexe


Über 5 Jahr und noch immer gestört. :)=

nHajaGnazguEt


Ich sehe es momentan für mich als Heilerfolg, dass ich mit den neuen Belastungen (Arbeitslosigkeit und Stellensuche) meistens entspannt umgehen kann und nicht in meine alten Muster zurückfalle.

Das ist das, was ich meine...schwere Belastungen hat jeder mal im Leben, und als "es geht mir gut" oder einen Heilerfolg würde ich bezeichnen, wenn man, eben wie vor dem Ausbruch der ersten depressiven Episode, auf so eine Belastung nicht mit Depression, sondern einer ganz normalen Verstimmung reagiert.

:)z Immunität gibts leider keine, nur Erfahrungen und Handwerkstzeug.

Syin]nestätxer


Immunität gibts leider keine, nur Erfahrungen und Handwerkstzeug.

Und das ist wohl die Wahrheit.

Es fällt trotzdem schwer einzusehen, daß Millionen von Menschen immun sind, und man selbst infolge von Kinkerlitzchen in ein Schema verfällt, welches sich Millionen von Menschen nicht einmal vorstellen können.

Einmal krank, und immer vulnerabel.

Wie kann man, wenn man dies weiß, die ursprüngliche Sorglosigkeit, dieses Gefühl von "es kann doch eigentlich gar nichts Schlimmes passieren" wiederherstellen?

KIylixnn


Ich glaube bei vielen Erkrankungen kann man nur lernen damit umzugehen, eine Heilung ist gar nicht möglich. Ich weiß nur noch nicht bei welchen dass der Fall ist.

Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist das definitiv so. Druck, Impulse, Gedanken bleiben. Man kann nur lernen, nicht mehr mit destruktivem Verhalten zu reagieren, es möglicherweise durch anderes zu ersetzen.

Ich denke das trifft auch auf alle anderen Persönlichkeitsstörungen zu. Schliesslich sind auch Dinge im Gehirn verändert, das wird durch Therapie auch nicht anders.

Es fällt trotzdem schwer einzusehen, daß Millionen von Menschen immun sind, und man selbst infolge von Kinkerlitzchen in ein Schema verfällt, welches sich Millionen von Menschen nicht einmal vorstellen können.

Einmal krank, und immer vulnerabel.

Wie kann man, wenn man dies weiß, die ursprüngliche Sorglosigkeit, dieses Gefühl von "es kann doch eigentlich gar nichts Schlimmes passieren" wiederherstellen?

Indem man sich annimmt wie man ist und nicht versucht wie andere zu sein, wie "gesunde" zu sein. Ich würde so nichtmal sein WOLLEN. Ich bin stolz auf das, was ich bisher geschafft habe. Und stolz darauf, viele Symptome als Fähigkeit nutzen zu können. DAS sind Dinge, die man im Nachhinein nur sehr schwer lernen kann. Empathie, (positiv) Manipulieren, Druck aushalten, in Notsituationen einen klaren Kopf behalten und einfach Funktionieren. Und vieles mehr.

Natürlich sehe ich das nicht jeden Tag so.. aber im Grossen und Ganzen... ;-)

Gka[ensfebluemchxen22


Wie kann man, wenn man dies weiß, die ursprüngliche Sorglosigkeit, dieses Gefühl von "es kann doch eigentlich gar nichts Schlimmes passieren" wiederherstellen?

Ich glaube dass kann man nur vorübergehend. Ich habe immer mal wieder Phasen wo ich einfach glücklich bin und sorglos.

Aber ich habe sicherlich eine höhere Sensibilität für psychische Krankheiten und Sorgen. Also ich habe viel mehr Angst vor bestimmten Situationen im Leben als andere, eben weil ich noch immer Angst habe dass ich damit dann nicht klar komme.

Indem man sich annimmt wie man ist

Ja ich denke das ist der Schlüssel zum Erfolg!

Sagt mal, bei Beantragung einer Therapieverlängerung....durftet ihr da den Antrag/das Gutachten vom Therapeuten lesen??

KNetzerxin


:)D

K'ylixnn


Sagt mal, bei Beantragung einer Therapieverlängerung....durftet ihr da den Antrag/das Gutachten vom Therapeuten lesen??

Mein Therapeut hat immer mit offenen Karten gespielt, von daher: JA!

Allerdings sagte er mir auch direkt, dass sich das im Antrag schlimmer anhört als es ist und ich das nicht ganz so ernst nehmen sollte. Über einige Dinge konnten wir dann im Nachhinein auch zusammen lachen :)

M-ollie3nchexn


Verhaltenstherapie seit 55 Stunden. Besserung der Depressionen auf jeden Fall. Minderwertigkeitskomplexe immer noch da und antrainierte Verhaltensweisen ("allen gefallen wollen") leider auch meist noch... Ich glaub "fertig therapieren" muss man sich nach Beendigung der Therapie selbst – wenn man denn will. Den Punkt dass man die letzte Stunde verlässt und sich sagen kann: "So, ich bin geheilt", den gibt's nicht.

Wenn es mir gut ging, dann mache ich eine Therapie und dann geht es mir 1 Jahr lang gut, dann habe ich z. B. eine Trennung oder einen Tod zu verkraften und das ganze Drama geht von vorn los? Was bedeutet dass dann – das die Therapie nicht erfolgreich war oder dass ich wie jeder bis dahin gesunde Mensch einfach in dem Moment in eine Depression falle (hat dass dann zwingend etwas mit meiner Vorerkrankung zu tun)?

Letzteres. Es gibt ja Sachen die hauen jeden um. Der Erfolg einer Therapie hängt ja nicht davon ab, dass man sich anschließend "perfekt" verhält, sondern dass man mit emotionalen Gewittern besser umgehen kann. Das heißt aber nicht dass sie nie wieder stattfinden.

Sagt mal, bei Beantragung einer Therapieverlängerung....durftet ihr da den Antrag/das Gutachten vom Therapeuten lesen??

Nö...

R3ussOel{lx4


He Sinnestäter

Wie kann man, wenn man dies weiß, die ursprüngliche Sorglosigkeit, dieses Gefühl von "es kann doch eigentlich gar nichts Schlimmes passieren" wiederherstellen?

In dem ich mich Annahme wie ich bin und meine Stärken lebe. Und in dem ich zuversichtlich sein kann, auch weitere Krankheitsepisoden meistern zu können. Wenn ich in ein Loch falle, kann ich auch wieder herrauskommen und sei es mit fachlicher hilfe. Es ist keine Kastastrophe für mich, wieder depressiv zu werden.

Rwus^sellx4


He Gaensebluemchen22

Sagt mal, bei Beantragung einer Therapieverlängerung....**durftet ihr da den Antrag/das Gutachten vom Therapeuten lesen?

Meinen ersten Therapeuten/Analytiker habe ich mit Abbruch erpresst, um den Antrag lesen zu können.

Meine ehemalige Verhaltenstherapeutin hat mir angeboten ihn lesen zu dürfen. Habe ich natürlich wargenommen.

Meine neue Gruppenanlytikerin hat gesagt, ich bekomme den Antrag nur über einen Rechtsanwalt und dann ist die Psychotherapie für Sie beendet. Ich werde sie nicht bitten, den Antrag lesen zu dürfen.

G{aenoseb^lu:ebmcheQn22


@ Russel4:

Wahnsinn wie unterschiedlich Therapeuten das handhaben. Ich durfte die Berichte bisher nicht lesen. Aber es würde mich mal interessieren was bei mir drin steht.

Meine neue Gruppenanlytikerin hat gesagt, ich bekomme den Antrag nur über einen Rechtsanwalt und dann ist die Psychotherapie für Sie beendet.

Hast du denn eine Diagnose von ihr oder insgesamt? Mir fehlt das nämlich so ein bisschen.

@ Kylinn

Allerdings sagte er mir auch direkt, dass sich das im Antrag schlimmer anhört als es ist und ich das nicht ganz so ernst nehmen sollte.

Aber das ist doch leichter gesagt als getan. Kommt es einem nicht komisch vor da eine Diagnose/Beschreibung zu lesen die schlimmer ist als es eigentlich ist?! Nimmt man dass dann nicht auch ein bisschen an.

RounsseNlxl4


He Gaenseblümchen

da ich Therapieerfahren bin, merkte ich das sie in den ersten beiden Sitzungen viel diagnostiziert hat und mehr Sitzungen haben noch nicht stattgefunden. Sie hat mir allerdings mitgeteilt, das sie den Patienten mitteilt was diese haben alerdings in einer leienverständlichen Sprache (das heißt für mich, nicht im Wortlaut der Diagnose).

Ihre Begründung: Sie will dem Patienten durch diese Infos nicht schaden. Sie hat übrigens mir auch einzureden versucht das Diagnosen nicht wichtig sind, sondern nur der Mensch. Das habe ich wiederlegen können, indem ich ihr das indikatorische Vorgehen beim Gruppenanlytischen Verfahren vorgelegt habe. (ich bin ja nicht doof, therapiere schließlich selber und weis um den Bedeutung der Diagnostik)

Natürlich ist der Mensch entscheident und das sich der Therapeut auf diesen Menschen und seine Besonderheiten einstellt, aber das gilt grundsätzlich für alle Therapeuten und Therapieverfahren.

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