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Aufgewachsen mit Borderline-Mutter

e<i?nfacfh leben hat die Diskussion gestartet


Hallo ihr Lieben :)_

Ich würde mich gerne mit anderen austauschen, die mit einer Mutter aufgewachsn sind, die Borderline hatte und die vieles in ihrem Leben wieder begradigen mussten, was von der Mutter verbogen wurde; Selbstwertgefühl, Selbstbehauptung, Ich-Empfindung, Vertrauen fassen, Durchsetzungsvermögen, sich in die Gesellschaft eingliedern und Selbstliebe sind ja Dinge, die in einer solchen Mutter-Kind-Beziehung nicht selbstverständlich waren und die man vielleicht erst erlernt hat, nachdem man aus dem Elternhaus raus war.

Ich bin noch nicht sehr lange so weit, dass ich mein Leid aus der Kindheit einordnen konnte. Es kann natürlich auch jemand etwas dazu schreiben, wenn die Sachlage in der Kindheit nur ähnlich war.

Ich freu mich auf euch :)*

Antworten
s,ome"onek to Gtrust


Ich bin noch nicht sehr lange so weit, dass ich mein Leid aus der Kindheit einordnen konnte.

Kann ich gut nachempfinden. Man merkt in der Kindheit durchaus, dass die eigene Mutter schon anders ist, als andere Mütter, weiß aber natürlich nicht, wie man das einsortieren soll.

Meine Mutter hat übrigens Borderline und paranoide Schizophrenie, Zwangserkrankungen und Angst- und Panikstörungen.

S3etzenx6


Ich bin mit einer Mutter groß geworden, die schwer manisch-depressiv ist. Zunächst wechselten sich die Stimmungen monatlich ab, seit etwa 2003 hat sie die Wechsel allerdings täglich. Sie hat einen Tag, an dem sie wahnsinnig viel weint, melancholisch-traurig-gerührt-verzweifelt ist, und am nächsten Tag ist sie sarkastisch, macht sich über alles und jeden lustig (selbst über Behinderte) und nimmt nichts ernst. Das "Problem" ist, dass meine Mutter die Regelmäßigkeit (also einen Tag die eine Stimmung und am nächsten Tag die andere Stimmung) so knallhart zeigt, dass selbst erfahrene Psychologen an ihr scheiterten. Sie ist quasi ein Unikat, denn seit 2003 (da begann ich ihr Verhalten aufzuzeichnen) hat sie nur 2 Mal gegen diese Regelmäßigkeit verstoßen. Ich kann am heutigen Tage berechnen, was sie am Tag xy im Monat xy im Jahr 2014 für eine Laune hat, ob sie sarkastisch ist oder weint.

Ich habe de facto zwei Mütter und beide wissen nichts voneinander. Die eine Mutter verspricht etwas für den nächsten Tag, was die andere Mutter am nächsten Tag dann nicht mehr weiß oder leugnet. Ein Beispiel: Sie verspricht mir einen Tag vor meinem Geburtstag an einem melancholischen Tag, dass sie am nächsten Tag mit mir feiern möchte. Am nächsten Tag hat sie aber ihre sarkastische Stimmung und backt weder einen Kuchen ("brauchen wir doch nicht, du bist eh zu dick, Strom zu teuer, usw...") noch feiert sie. Am übernächsten Tag fragt sie dann, ob sie einen Kuchen backen soll und ob wir nachfeiern wollen, denn "gestern haben wir ja irgendwie nicht richtig deinen Geburtstag gefeiert". Damit lebe ich. Mittlerweile plane ich alles nach ihren Launen, weiß, wann ich sie anrufe (ich komme nur an den melancholischen Tagen mit ihr klar), wann ich ihr ein schönes Gedicht zuschicke, wann ich sie um einen Gefallen bitten kann, usw. Eine medikamentöse Therapie hat nichts gebracht, da meine Mutter an den sarkastischen Tagen (also jeden zweiten Tag!) nicht ihre MEdikamente nimmt, denn "die anderen sind ja krank, nicht ich". Ebenso sagte sie Therapietermine an sarkastischen Tagen ab, denn "was soll ich denn da? Ich bin doch völlig gesund!".

Fazit für mein Leben mit dieser Mutter:

Ich war immer anders. Ich musste alles planen. Ich wurde nicht von Klassenfahrten abgeholt, da meine Mutter meinte:"Du kannst laufen, wir sind früher auch viel gelaufen." Ich stieg also aus dem Bus an der Schule, alle Eltern erwarteten ihre Kinder, ich packte meine Reisetasche und lief heim. Oder sie stand irgendwo weit entfernt mit laufendem Motor, wollte die anderen Mütter nicht sehen, war gehetzt, begrüßte mich kaum, usw.

Wenn Sportfeste waren, buken die anderen Eltern Kuchen. Meine Mutter versprach bei Elternversammlungen an melancholischen Tagen, dass sie natürlich einen Kuchen backen würde, denn wir alle seien ja so süße Kinder, aber wenn der große Tag des Fußballturnieres kam, hatte sie leider sarkastische Stimmung und war nicht bereit zu backen. Tja, und so begann ich, mit 15 Jahren zu planen: Wie kann ich verhindern, dass andere Menschen merken, wie meine Mutter ist? Wie kann ich damit leben?

Dann ging mein Vater, weil er es nicht mehr aushielt, mit "zwei Frauen verheiratet zu sein", von der die eine ihn anhimmelte und die andere ihn auslachte. Mein Bruder begann zu trinken, so floh er. Meine Schwester zog früh aus, machte Karriere und besuchte uns kaum noch.

Ich schrie und flehte meine Mutter an, gesund zu werden, sich helfen zu lassen. An traurigen Tagen versprach sie, zum Arzt zu gehen. An sarkastischen Tagen sagte sie die Termine wieder ab. Irgendwann drehte sich in meinem Leben alles nur noch um meine Mutter bzw. meine "zwei Mütter". Ich flehte, bettelte, schrie, verzweifelte, sie möge doch bitte normal werden, aber sie verstand mich nur jeden zweiten Tag. An melancholischen Tagen sagte mir, ich sei ein hübsches Mädchen. An sarkastischen Tagen meinte sie, ich sei zu dick.

Dann fraß ich alles in mich hinein und wurde immer dicker.

Nach dem Abitur zog ich weg und merkte plötzlich das ganze Ausmaß meiner Kindheit: Ich hatte keine. Ich hatte nie eine Mutter, die mich lobte, mir Selbstvertrauen gab, mich unterstütze, mir Geborgenheit gab, stolz auf mich war. Naja, doch manchmal. Jeden zweiten Tag.

Und an den anderen Tagen hatte ich eine Mutter, die sich über mich lustig machte. Die mich nicht umarmen wollte. Die vor allem und jedem flüchtete. Die alles lächerlich und übertrieben fand. Die sich schlapplachte über Judenwitze. Die uns kaltes Essen aus der Dose vorsetzte, da der Strom zu teuer zum Kochen sei. Die nicht bereit war, unsere Wäsche zu waschen ("man kann Hosen mehr als eine Woche tragen!") usw. Die uns grob vernachlässigte, verspottete, im Stich ließ.

Wo stehe ich heute?

Ich lerne derzeit, mich selbst anzunehmen. An jedem Tag. Ich versuche unabhängig zu werden von dieser übermächtigen Mutter. Ich versuche nicht mehr zu denken, ihr helfen zu müssen. Ich versuche zu glauben, dass sie so alleine leben kann, wie sie es jetzt tut. Ich versuche damit zu leben, keine Kindheit gehabt zu haben. Ich versuche, mich selbst zu mögen, und zwar regelmäßig und nicht nur alle zwei Tage. Ich versuche, Menschen zu sehen (meine Mutter schottete uns teilweise regelrecht ab, da sie uns nirgendwo hinfuhr zB), ich versuche Familienfeste zu feiern (gab es bei uns auch nicht), ich versuche auf andere Mutter-Kind-Beziehungen nicht neidisch zu reagieren. Ich versuche jeden einzelnen verdammten Tag, irgendwie mit diesen Wunden leben zu lernen. Und ich schaffe es nur selten.

Heute lebe ich 240 Kilometer von meiner Mutter entfernt. Wir telefonieren alle 4 Tage, immer nur an den melancholischen Tagen.

Ich habe einen lieben Partner und versuche, nicht mehr von der Anerkennung meiner Mutter abhängig zu sein. Anerkennung, die ich früher sowieso nur jeden zweiten Tag bekam.

Ich habe nie gelernt, dass mein Verhalten angemessen bewertet wird, d.h. dass auf eine schlechte Tat eine Bestrafung und auf eine gute Tat ein Lob kam. Ich habe nie eine direkte Reaktion auf mein VErhalten bekommen. Kein Feedback. Meine Mutter hat mich nicht erzogen, sondern sie hat je nach Stimmung entschieden. Ich war damals so verzweifelt, dass ich nur noch rumgeschrieen habe. Heute versuche ich, bei Konflikten mit Menschen ruhig zu bleiben und normal zu reden. Aber das schaffe ich noch nicht ganz.

Meine Mutter ist überall, denn sie hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Das ist hart, aber wahr.

Ich bin ein trauriger Mensch, der nie wirklich die Chance hatte, sich normal zu entwickeln.

Aber mithilfe einer Therapie, einem neuen Wohnort, einem eigenen Beruf, einer eigenen Beziehung und irgendwann eigenen Kindern versuche ich, mir einen neuen Kosmos aufzubauen, der ein Gegengewicht zu der Symbiose mit meiner Mutter bildet.

Am wichtigsten war es, zu erkennen, dass meine Mutter trotz ihrer Nichterfüllung ihrer mütterlichen Pflichten für mich überall war. Sie nahm durch ihre Vernachlässigung eine viel zu große Rolle in meinem Leben ein, denn ich wollte sie ändern, heilen, da raus holen. Das war meine Aufgabe und ich fühlte mich wie ein Versager, weil ich es nicht schaffte. Hilflosigkeit war das Hauptgefühl meiner Jugend.

Heute habe ich ein großes Problem mit Nähe, denn meine Mutter stieß mich früher an sarkastischen Tagen durch sarkastische Bemerkungen von sich und zog mich tagsdrauf mit Liebeserklärungen und Tränen wieder an sich. Ich habe nie eine konstante, gute Beziehung erleben dürfen. In dieser Hinsicht bin ich auch in meinen Beziehungen zu anderen Menschen gestört. Ich fühle mich leicht bedrängt und reagiere dann wütend und gelegentlich unfair.

Nach einer langen Therapie und Medikamenten, lebe ich nun ohne Therapien. Ich bin übergewichtig und brauche viel Zeit zuhause, um den Stress wieder abzubauen, den mir die Außenwelt bereitet. Normal bin ich in keinster Weise.

Aber ich bin glücklicher geworden, auf eine manchmal auch etwas traurigere Weise. Bin zufrieden mit meinem Partner, meinem Beruf, meiner Wohnung. Ich komme klar. Nicht mehr, nicht weniger.

Reicht das als Antwort?'

Das war wohl die Offenbarung des Jahres 2010. Und es hat gut getan.

Die Devise lautet: Weiterleben. Die Hoffnung auf emotionale Freiheit nicht aufgeben.

SGebtnze n6


Hilfe, ich habe wohl mit meinem Riesenbeitrag den Faden geschreddert. ":/ |-o :-/

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