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Mein Leben mit der Migräne – versunken in Depressionen und Angst

D*unkFelbwunt20 10 hat die Diskussion gestartet


Hallo Med1-User!

ich, 22 Jahre alt, leide seid 1994 unter häufig wiederkehrenden Migräneanfällen mit Aura. Diese äußern sich in erster Linie in Kopfschmerzattacken und vegetativen Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Hinzu kommen neurologische, d.h. vom Nervensystem ausgehende Ausfallerscheinungen (Lähmungen, Spachstörungen, Gesichtsfeldausfälle), Depressionen und Angst.

Ich kenne mich mit den Behandlungsmöglichkeiten der Migräne selbstverständlich bestens aus, es läuft momentan auch ein Antrag für eine Behandlung im Rahmen der "Integrierten Versorgung Kopfschmerz" im westdeutschen Kopfschmerzzentrum. Psychologen sind dort auch vor Ort, es wird aber noch sehr lange dauern und solange kann ich einfach nicht mehr warten meine Gefühle mit jemanden zu besprechen.

Ich war bis vor einem Jahr wirklich ein anderer Mensch, war auf vielen Konzerten, ich war glücklich, viel mit Freunden unterwegs. Zwischendurch litt ich immer wieder mal an Depressionen, diese traten aber Phasenweise und niemals so schlimm wie jetzt auf, "Angst" das ich mal einen Anfall bekomme hatte ich schon immer, aber ich konnte dennoch mein Leben genießen. Es ist diese neue Angst, die ist jetzt mein Begleiter, die ist wirklich schrecklich und gemein...

Ich habe zwei Situationen/ bzw. meine Stimmung mit diesem Gefühl aufgeschrieben und hoffe mir kann vielleicht jemand helfen, oder doch wenigstens Mut machen!

Sorry, es wird lang:

Antworten
D*unkeflbuntx2010


Meine Angst macht mich kaputt! Meine Angst macht meine Beziehung kaputt! Meine Angst macht mein Leben kaputt!

Ich habe Depressionen, ich kann schlecht einschlafen, ich träume unheimliches Zeug, ich bin gereizt und reagiere schnell wütend und unpassend, ich versuche sowenig soziale Kontakte zu haben wie möglich, ich weine viel, ich bin unglücklich.. Wenn jemand bei uns zu Besuch kommt wird mir heiß und ich fühle mich unwohl in meiner Haut. Besuche bei Freunden meide ich.

Gestern war Weihnachten. Auf dem Weg zu meinen Eltern hat sich in meinem Kopf alles um meine Migräne gedreht, mir wird schlecht. Draußen liegt so viel Schnee, es sieht wunderschön aus, es wär bestimmt lustig wenn ich meinem Schatz mit Schneebällen bewerfe und wir dabei lachen – aber ich will nur so schnell es geht zu meinen Eltern kommen, damit ich mich, nur für den Fall das ich einen Anfall bekomme, sofort hinlegen kann.

Es war schön bei meinen Eltern, aber im Hinterkopf hatte ich wieder nur diesen einen Gedanken: "Bitte keinen Anfall, bitte!" Nachts wieder nach Hause gelaufen, meine beste Freundin und ihr Freund kommen zu uns, die Musik ist recht laut, alle reden durcheinander, und plötzlich wieder diesen Gefühl von Unwirklichkeit, mein Herz fängt an zu rasen, ich versuche ruhig zu atmen und zu lächeln, aber ich denke nur daran das ich mich lieber hinlegen würde und wünsche mir das alle weg sind, es soll ruhig sein und ich will mich verkriechen. Ich kann keinen Spaß haben und checke im Inneren ob alles normal ist, blinzel wie verrückt um zu gucken ob ich Sehstörungen bzw. eine Aura habe. Ich will jetzt wirklich alleine sein! Noch 2 Stunden und alle sind weg, mein Freund und ich sind alleine, mir geht es wieder besser. Ich lege mich hin, kann aber erst viel später einschlafen.

Heute hätten wir Schlitten fahren können, es hätte meinem Freund sicher Spaß gemacht, auch wenn es arschkalt draußen ist… Er telefoniert mit den anderen, in mir zieht sich alles zusammen und mein ganzer Körper sträubt sich. Ich merke wieder diese Gereiztheit, ich gucke nach draußen, es ist total hell, der Schnee blendet mich. In meinen Gedanken versuche ich mich dazu zu zwingen mitzugehen… es macht doch bestimmt Spaß, andererseits denke ich daran wie ich mich die ganze Zeit fühlen werde, Übelkeit, Angst, "Fluchtgedanken".

Ich weiß nicht ob es ihm klar war das ich nicht raus gehen will, dass ich mich mal wieder nicht mit unseren Freunden treffen will, aber er sagt plötzlich dass er gar keinen Bock hat. Wir schreiben eine SMS und sagen ab. Dumme Ausrede. Es wird freundlich genervt darauf reagiert. Tja… jetzt habe ich wirklich ein schlechtes Gewissen meinem Freund gegenüber. Zwei Stunden später raste ich wegen einer Kleinigkeit aus, knalle die Tür zu, schmeiße mich in mein Bett und heule. Er ist wirklich toll, er versucht mich zu trösten, ist hilflos, versichert mir dass er mich liebt und überredet mich dazu mal kurz raus zu gehen. Ich sage nichts weil ich nichts sagen kann und gehe mit... Auf halber Strecke müssen wir uns beeilen, ich bekomm schon wieder Panik. (Ich rede nie über meine Panik, ich will mich nur beeilen weil es ja so kalt ist.)

So sieht es im Moment aus. So ist es im Moment. Der Moment zieht sich nun schon über ein Jahr.

Und jeden Tag sieht es fast genauso aus. Morgen zum Beispiel würde ich gerne mit meinem Freund zu einem befreundeten Paar gehen. Ich habe wirklich Lust dazu, aber ich weiß dass meine Angst mich wieder auf die Couch fesselt… Ich kann nicht mehr so leben, ich will doch nur wieder ganz normal sein! Was soll ich denn nur machen? Ich lebe im Moment einen Alptraum und alles fühlt sich so irreal an.

S/unDfloXweRr_73


Was hat sich geändert? Du schreibst, Du hast schon so lange Migräne, dass es Dir aber erst seit einem Jahr schlechter geht. Was ist da passiert?

Und vielleicht gibt es doch gar keinen so direkten Zusammenhang zwischen Migräne und den aktuellen Problemen, sondern die sind letztlich unabhängig davon?

S@aMml1emxa


Ich an deiner Stelle würde mir Hilfe holen bei einem Psychotherapeuten.

jjoge


hast du dir schon mal den rücken von einem Osteopath ansehen lassen?

f9lipfolop76


Was für "unheimliches Zeug" träumst du?

Welche Gefühle hast du bevor die Migräne losgeht?

Was hat sich in deinem Leben verändert?

D@un/kelbu@nt201x0


@ Sunflower_73

Ich kann keinen genauen Zeitpunkt nennen an dem sich die Situation so drastisch geändert hat.

Nur das ich dieses Jahr einige Anfälle hatte, auf einer Hochzeit, beim Minigolfspielen, auf nem Konzert, beim Spazieren gehen, auf der Arbeit... usw. Es kommt jedes Mal so überraschend und ich hasse dieses Gefühl so sehr wenn ich auf einmal kein Schild auf drei Meter erkennen kann und überlegen muss wie ich jetzt am schnellsten ins Bett komme, was die anderen wohl jetzt denken, das ich allen den Spaß kaputt mache... Glaubt mir, die wenigsten Menschen nehmen Migräne ernst.

Jede Verabredung wird inzwischen für mich zu einem riesigen Problem! Ich weiß es nicht genau, aber ich denke schon das mein Problem, bzw. die Angst mit der Migräne zusammenhängt!

Dieses Jahr verlief einfach nur furchtbar belastend für mich.

Mein Frauenarzt hat mich gegen Röteln geimpft. Zu diesem Zeitpunkt war ich schwanger. Es war noch so früh das man es noch nicht wissen konnte. Ich hatte eine Fehlgeburt.

Ich musste operiert werden, bei der Narkose hatte ich so ein Herzrasen das ich dachte ich würde sterben.... vielleicht war das schon der Auslöser der Angst?

Ein guter Freund meines Vaters, mit dessen Söhnen ich aufgewachsen bin ist an einem Herzinfarkt gestorben.

In unserem Freundeskreis gab es einen Selbstmord. Das war im Sommer, ab diesen Zeitpunkt ist meine Migräne wieder so schlimm zurück gekommen.

Ich bin seid einem Monat arbeitslos!

@ Samlema

Es läuft bereits ein Antrag bei der Krankenkasse. :)z

Duun5kelxbunti20x10


@ Joge:

Nein habe ich noch nicht, aber ich war bereits beim Neurologen, beim Orthopäden, beim Allgemeinmediziner, bei verschiedenen Heilpraktikern, beim Akkupunkteur, beim Augenarzt, beim Zahnarzt etc. pp. Alles ok! Auch mein Rücken und Becken sind in Ordnung. @:)

Beim Psychologen wurde ich schon öfters gegen Depressionen behandelt. Ist aber schon über 5 Jahre her.

@ flip flop:

Was für "unheimliches Zeug" träumst du?

Ich träume viel vom Tod. Manchmal sterben Leute in meinem Unfeld, manchmal sterbe ich. Letztens habe ich geträumt das mir total heiß wird, meine Augen anschwellen, mein Arm taub wird und statt mir zu helfen wird das Licht einfach aus gemacht!

Welche Gefühle hast du bevor die Migräne losgeht?

Tage oder Stunden vor dem Anfall bin ich sehr gereizt und angespannt. Ich werde schnell wütend und fange streit an. Es ist eine richtig heftige Wut gegen die ich nicht ankämpfen kann. Das habe ich schon seid frühster Kindheit. Ich schreie und heule dann auch wie ein Kind. Ich komme dagegen einfach nicht an.

Das ist aber kein Migräneauslöser, sondern die Migräne löst diese Gefühle aus.

Was hat sich in deinem Leben verändert?

Siehe bei der Antwort über diesem Beitrag! *:)

D$unakel&bunt20"10


@ flipflop:

Achja, uns WENN die Migräne dann tatsächlich losgeht werde ich ganz ruhig, versuche nicht zu weinen und gucke dann das mich jemand abholt.

W(ildkaYter


Sicher alles leichter gesagt als getan !!!

Die persönlichen Beziehungen pflegen, Hilfe holen bei einem Psychotherapeuten.

Alles Gute !!!

D>unZke/lbuntx2010


Hallo Wildkater,

genau das ist auch mein Ziel! Aber es ist wirklich leichter gesagt als getan! ;-)

Danke, Liebe Grüße!

adnthoxm


:)_

DNunkvelbu}nt.201x0


So, jetzt sitze ich schon wieder seid 3 Stunden doof auf der Couch rum uns weiß nichts mit mir anzufangen! Ich geh jetzt duschen. Um 15.00 Uhr kommt meine "Schwiegermama" und ich habe überhaupt sowas von gar keinen Bock!

Mal gucken ob der Tag heute besser wird. Ich versuche ja immer mir Dinge vorzunehmen, zum Beispiel spazieren gehen, ne Freundin besuchen... stattdessen sitze ich dann aber bewegungslos rum! Ich bin total phlegmatisch und kann nichts tun!

Hat jemand Tipps? ":/

fClipfl[olp76


Oder deine Gefühle und Gedanken lösen die Migräne aus...? Du hast viele unschöne Dinge erlebt! :°_ Ich vermute, dass es deinem Körper/deiner Seele zu viel wird und sie dich durch die Migräne auffordert, dich auszuruhen, zu schonen und die Erlebnisse zu verarbeiten?!

Bei mir kommen die Symptome, wenn ich keine Lust habe, nicht will oder hilflos bin. Ich weiß aber leider noch nicht genau, woher diese Gefühle ursprünglich stammen bzw warum ich so stark darauf reagiere....

fZlipQflhopZ76


Tod steht in Träumen, so viel ich weiß, für einen Neubeginn bzw Wandel – also eher positiv zu deuten. Achte darauf, was dir dein Unterbewusstsein sagen möchte und lass es zu. Ich weiß, das ist nicht einfach, aber dein Unterbewusstsein beschützt dich! ;-)

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