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"Burn out" – Therapeut, Psychologe, Psychiater?

SGelin/a7x9 hat die Diskussion gestartet


Hallo!

Mein Arzt diagnostizierte mir einen sog. Burn out. Ich tue mir mit diesem Begriff immer etwas schwer bzw tue mir etwas schwer damit ein "seelisches Tief" gleich mit dem m. E. Modewort Burn out zu betiteln.

Kurz nochmal zum Hintergrund: ich bin in einer "mittleren Managementfunktion" eines großen Konzerns tätig. Mache dies jetzt seit 3 Jahren. Im großen und ganzen mag ich meinen Job ausser dieses Hauen und Stechen, Das sich ständige beweisen müssen und Ellenbogengerangel das sehr kräfteraubend ist. Zu meinem Job gehoeren sehr viele Geschäftsreisen – im vergangenen Jahr waren es knapp 50% vom Jahr :-(

Ich würde lügen wenn ich sagen würde dass ich den Erfolg nicht auch genießen wuerde. Aber seit einem guten halben Jahr hab ich das Gefühl ausgelaugt zu sein. Zudem bin ich staendig krank in Form von heftigen Erkaeltungs- und Grippenkrankheiten. Da wegen der ganzen Reiserei keine Gelegenheit zum RICHTIGEN auskurieren ist schleppe ich es immer wieder mit mir rum. Im besten Fall habe ich mal 2 Wochen Ruhe in denen ich nicht krank bin :-/

Seit ein paar Wochen habe ich das Gefühl total "überladen" zu sein. Ich hab da Gefühl ich kann einfach nicht mehr, kann keine Leistung mehr bringen. Ich habe noch Urlaub aber mir graut es davor wieder arbeiten zu gehen. Bisher freute ich mich gegen Ende eines Urlaubes immer darauf bald wieder arbeiten und Gas geben zu können. Mein Job war mir unheimlich wichtig und ich denke ich identifizierte mich auch ein Stue k weit durch meinen Job. Doch seit ein paar Wochen ist das nun anders. Ich bin nur gereiz und schlecht drauf. Mein Partner bekommt dies alles ab (was weitere "Unannehmlichkeiten" mit sich bringt...). Ich könnte nur schlafen, komme morgens nicht aus dem Bett. Ich kannüberhaupt nicht abschalten, träume von der Arbeit usw. (wobei das schon ewig so ist...). Ich bin eigentlich eine sehr starke Frau, habe gerade aber das Gefühl nur schwach zu sein. Ich war beim Hausarzt, er gab mir Neurexan 3x tgl 2 Stk oder bei Bedarf mehr) um erst einmal runterzukommen. Zudem empfahl er mir zu einem Stresstherapeuten zu gehen.

Ist ein Stresstherapeut der richtige Ansatz? Oder wäre ein Psychologe/Psychiater besser? Ich bin sicher es wird nicht so weit kommen aber ich habe Angst da nicht mehr raus zu kommen. Ich koennt ständig heulen, gab das Gefühl es nicht mehr zu packen. Ich kenn das nicht von mir, auch dieses "haengenlassen". Es macht mir Angst...

Antworten
Girottxig


Ich denke ein Gang zum Psychiater wäre nicht schlecht, da kann dein Hausarzt vielleicht einen schnellen Termin vereinbaren, wenn dieser keine offene Sprechstunde hat. Bei einem Therapeuten musst du sowieso mit einer Wartezeit von im Schnitt 6 -9Monaten rechnen.

S\eli_n!a7^9


Ich hab irgendwie Angst dass mein ganzes Leben sich aendert, etwas kaputtgeht oder wie auch immer....

Mein Partner ist seit einem knappen Jahr arbeitslos. Von heute auf morgen ohne Vorwarnung. Er war froh den Job bekommen zu haben da ihm das gleiche vorher schon 2mal genau so unverhofft passiert ist. Und nun wieder! Er sagt selbst ea geht ihm mittlerweile an sie Substanz und ans Ego. Ich bin da, fang ihn auf sowohl mental als auch finanziell. Für mich absolut selbstverständlich!! Vor 3 Jahren haben wir ein Haus gekauft und viel viel Arbeit und Herzblut reingesteckt. Wir wollen unbedingt eine Familie, was uns momentan auch nicht gegönnt zu sein scheint.... Wenn wir Streit haben dann meist wegen Geld (ich habe teilweise den Eindruck für ihn ist es bequem) oder wegen dem Thema Beziehung. Ich habe oft das Gefühl dass er nicht so für mich da ist wie ich ea mir wuenschen würde, gerade auch jetzt. Ich kann mich nicht anlehnen und einfach mal fallen lassen. Oder wir haben Zoff weil bei uns phasenweise kaum "etwas läuft". Will er wirklich Familie (was ich aber schon denke....)?!? Ist er mit mir zusammen weil es bequem und Gewohnheit ist?!? Wo bleib ich??

Manchmal habe ich Angst festzustellen DAsS sich alles ändern muss. Ich mein eigenes Leben fuer mich leben muss.

Sgel_inax79


Hat keiner nen Rat oder eine Anregung für mich? :-/

ZPwaWck4K4


Oh, oh, oh, das sind nicht wenig Probleme auf einmal. Wenn Dir der Begriff "Burn out" nicht gefällt, ersetze ihn doch einfach durch "Depression". Zunächst einmal die Bemerkung, dass Menschen, die hohe Ansprüche an sich selbst stellen, besonders gefährdet sind. Ich kenne das. Der Mechanismus scheint so zu funktionieren, dass man z.B. mindestens am Ende der Woche den Schreibtisch leer gearbeitet haben will - wenn das nicht klappt, empfindet man das als Mißerfolg. Nun kommt der Arbeitsanfall ja oft in Wellen, und da kann es schon passieren, dass man für ein paar Wochen "Land unter" sieht. In diesen Wellentälern ist es oft schwer vorstellbar, dass auch wieder mal andere Zeiten anbrechen. Vielleicht könntest Du auch einen Teil Deines Arbeitsgebietes abgeben, aber ich kenne auch die Sorge, dass man dann vielleicht unterbeschäftigt sei zumal ja manchmal gilt (war wenigstens bei mir so): Je größer das Arbeitsgebiet, desto mehr interessante Fälle. Wenn das Ego diese interessanten Fälle als Anreiz braucht und die Firma die Qualität eines Mitarbeiter daran mißt, wie genial er (möglichst viele) interessante Fälle löst, kommt man natürlich in eine Zwickmühle. Jetzt könnte man meinen, es sei eine ganz einfache Arbeitsüberlastung - klar, man kann jeden Mitarbeiter so belasten, dass er an seine Kapazitätsgrenzen kommt. Ein besonderes Erlebnis war da aber sehr erleuchtend für mich: Ich hatte einen Carnegie-Kurs gemacht von 19:00-22:00, danach ging es zum geselligen Zusammensein in eine Weinstube, auf dem Nachhauseweg habe ich noch ein anderes Paar nach Hause gefahren, und als ich um 01:30 nach Hause kam, habe ich meine Frau aus dem Bett geholt, weil ich ihr bei einer Flasche Wein noch so viel erzählen wollte. In diesem Augenblick fiel auch mir auf, dass der Stress (ich hatte den Kurs als Antistress-Seminar betrachtet) nicht allein ausschlaggebend sein kann, sondern dass es offenbar auf die Motivation ankommt. Andernfalls hätte ich um 01:30 schon längst zusammengebrochen gewesen sein müssen. Die Motivation hat natürlich vom Arbeitgeber zu kommen. Mit Eigenverantwortung und Lob kann man Mitarbeiter ganz schön motivieren. Wenn die Arbeitgeber doch nur mehr Gebrauch davon machen würden!

Wenn Du schon ahnst, dass es nicht mehr weit bis zu Deinem Zusammenbruch ist, sei vorsichtig: In einer Vorstufe ist man nämlich schon so weit vorgeschädigt, dass man verteidigungsunfähig ist (gegen Tadel, gegen Mehrarbeit, gegen alles). Du mußt deshalb reagieren und Dir Arbeit vom Hals schaffen, bevor Du in diese gefährliche Vorstufe eintrittst. Und: Niemand ist unersetzlich. Man merkt das, wenn jemand aus dem Team das Zeitliche segnet. Die Maschine läuft immer weiter, dann eben mit anderer Besetzung. Niemand sagt übrigens: "Der arme Kerl, dem man so viel Arbeit aufgebürdet hat!" Vielmehr heißt es dann: "Der Mann hat sich überarbeitet. Selbst schuld - das hätte er doch wissen müssen."

Und was Deinen Partner angeht, mit dem es ab und zu "nicht so richtig läuft": Wenn man arbeitslos ist, fühlt man sich leicht unnütz und überflüssig. Zur Depression ist es dann nicht mehr weit. Und Libidoverlust kann ein Depressionssymptom sein.

SNelin^a=79


@ rianakamie:

danke, ich komme gerne darauf zurück! :-/

Generell noch eine Frage: sollte ich nun eher zu einem (Stress-)Therapeuten gehen oder zu einem Psychologen oder eher zu einem Psychotherapeuten? Was ist ueberhaupt der Unterschied, wann ist was/wer "angebracht"?

Z1wacGkx44


Selina, wenn Du in einer Großstadt wohnst und es finanziell stemmen kannst, würde ich an Deiner Stelle einen Carnegie-Kurs machen (steuerlich absetzbar).

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