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habe ich versagt? - ich fühle mich so schuldig!

mcisisissixpi hat die Diskussion gestartet


Hallo!

In der Nacht von vorgestern zu gestern ( also von Dienstag zu Mittwoch) klingelte meine Nachbarin bei uns Sturm. Ich öffnete verschlafen die Tür. Da sagte sie mir unter Tränen, das ihr Mann oben zu ihr gesagt hätte, ihm sei schwindelig, und er danach umgekippt ist. Den Notruf hätte sie schon gewählt. Halb nackt wollte ich nicht los laufen, also zog ich mich schnell an. Das dauerte ca. 4-5 Minuten. Als ich ihre Wohnung betrat, kam auch schon der Notarzt.

Sie fingen sofort an zu reanimieren, ich war geschockt. Ich hab doch nicht an sowas schlimmes gedacht. Nach 25 Minuten hatten sie bei ihm wieder einen Herzschlag. Jetzt liegt er in der Klinik,er hatte einen schweren Herzinfarkt. Das Herz ist wieder top, aber er ist hirntod. Die Ärzte schätzen, das er ca. 15 min ohne Sauerstoff war. Er wird wohl die nächsten 48 Stunden nicht überleben, dabei hat er sich so gefreut, das erste mal Opa zu werden und dann werden es noch Zwillinge :°(

Hätte ich das verhindern können, wenn ich halb nackt und sofort zu ihm gegangen wäre und schon angefangen hätte zu reanimieren? Ich mache mir solche Vorwürfe! :°(

Antworten
Eqleo}nora


Ich finde nicht das es deine Schuld war. Sagen die vom Notdienst einem nicht eigentlich das man 'ne Herzmassage + Beatmung machen soll, bis die da sind? Ich meine schon.

Ist ja auch egal – aber bei solchen Dingen hat NIEMAND Schuld. Es ist passiert.

jaun:ipe&r


Schlimme Geschichte. :°_

Aber mach dir keine Vorwürfe, du blockierst dich nur. Solche Dinge treffen einen immer unvorbereitet und wenn du nicht vom Fach bist, kann soetwas passieren.

Vielleicht fühlst du dich besser, wenn du den Erste-Hilfe-Kurs auffrischst und bist, falls du wieder eine ähnliche Situation erlebst, besser gewappnet.

m2issis0sipxi


Das schlimme ist, mein Mann ist Rettungsassistent, wir haben einen Notfallkoffer zu Hause und ich hätte sofort gewußt was zu tun ist, zumal ich aus der Altenpflege komme. Ich wollte da nur nicht nur im String bekleidet rüber laufen. Ich habe auch nicht gleich an sowas schlimmes gedacht, er ist die letzte Zeit öfter mal umgekippt und wieder aufgestanden.

m0iss6iss6ixpi


Was die in der Leitstelle gesagt haben, weiß ich nicht. Seine Frau hatte ja angerufen. Ich weiß auch nicht wie sie das zu denen gesagt hat.

jvuniiper


Oh...

%:|

Trotzdem bringen dich Vorwürfe nicht weiter. Du kannst nicht mehr ändern was passiert ist, nur noch damit leben.

Es trifft einen wohl immer unvorbereitet. Jeder weiß, solche Dinge passieren, aber irgendwo im Kopf sitzt der Gedanke 'Es wird schon nicht so schlimm sein.'

Manchmal aber leider doch.

:)*

m`issis_sipxi


Ja leider.

Hätte ich doch auch nur geahnt was los ist....jetzt im Nachhinein sage ich mir, scheißegal ob ich angezogen oder nackt war, ich hätte auf jeden Fall schlimmeres verhindern können, auch wenn es nr 5 Minuten gewesen sind...

j5uni7per


Mal eine andere Frage: Kann man abschätzen, welche Schäden bei wieviel Minuten Sauerstoffmangel auftreten? Hätten ein paar Minuten alles ändern können?

Ich habe letztes Jahr meinen Vater verloren, sie haben ihn 45 Minuten lang wiederbelebt, er lag noch zwei Wochen im künstlichen Koma

E$le7ononrxa


Du wusstest aber eben nicht was los ist. Hätte-wäre-wenn bringt dir nichts als Kopfzerbrechen.

Dir ist nichts vor zu werfen – du hast nicht Hilfe verweigert, du warst sofort bereit, wusstest ja aber nunmal nicht was wirklich los ist. Mach dich nicht fertig.

EZlevonorxa


Ich denke mal das die Sauerstoffsättigung im Blut ausschlaggebend dafür ist, ob jemand ein-zwei Minuten länger "durchhält" oder nicht. Aber mit dieser Thematik bin ich nicht vertraut.

Euhemaliger9 mNutzer> (#4671x93)


Niemand kann genauso sagen wie es ausgegangen wäre, hätte jemand ein paar Minuten früher mit der Reanimation begonnen. Ich würde mich an deiner Stelle nicht ewig mit dem 'Was wäre gewesen wenn...'-Spielchen quälen.

Ist natürlich schade, dass die Reanimation sekundär nicht erfolgreich war, aber was soll man machen? Würde es als Schicksal abstempeln.

Führe dir vor Augen dass du auch mit dem Notfallkoffer deines Mannes keine Wunder vollbringen hättest können. Wie denn auch? Ich bin selbst im RD tätig und kann dir sagen das man, wenn man alleine reanimieren muss, sich ohnehin nur auf Herzdruckmassage und Beatmung konzentrieren kann. Für Sachen a la i.v. Zugang und Medikamentengabe usw. usf. fehlt in diesem Fall einfach ein zusätzliches paar Arme.

Was ich persönlich äußerst schade finde, ist das sich hier mal wieder mein Eindruck bewahrheitet den ich auch in meinen Dienst immer wieder bekomme. Viele haben leider keine Ahnung von Erster-Hilfe und auch wenn die Herz-Lungen-Wiederbelebung vom Leitstellenmitarbeiter telefonisch angeleitet wird, machen viele gar nichts, warten, oder laufen wie in deinem Fall zum Nachbarn.

Wenn dann der RD nach 10-15 Minuten vor Ort ist und ich seh die Angehörigen neben dem reanimationspflichtigen Patienten mit den Händen in den Hosentaschen stehen, ist es ziemlich wahrscheinlich das es nach einiger Zeit dann oft 'Leider Nein' heißt.

Sprich mal mit deinem Mann darüber. Falls dir das nichts nützt kontaktiere einen 'Seelsorger' oder eine Kriseninterventionsstelle.

mXississNipxi


Danke.

Also mein Mann meinte, das 5 Minuten schon was gebracht hätten...man sagt ja, 4-7 minuten ohne Sauerstoff kann man schadlos überstehen. In Ausnahmefällen auch einige Minuten länger....vielleicht wäre er ja eine Ausnahme gewesen....

Ich geh jetzt ins Bett in der Hoffnung, schlafen zu können. Konnte letzte Nacht schon kaum schlafen und die Ereignisnacht gar nicht...

m[is#siss7ixpi


@ Grognor

Mein Mann und ich reden im Moment über kaum was anderes. Er war leider in der Aussenwache und nicht zu Hause, sonst hätten wir beide reanimiert. Leider erzählt er sehr sehr oft auch das, was du eben erwähnt hast. Seine Frau hätte, statt durchs Haus zu laufen, auch schon beginnen müssen, aber sie dachte mein Mann wäre zu Hause und kam deshalb rüber.

m=is_s,issnipi


Meine Nacht war wieder sehr kurz. Kaum eingeschlafen klingelte mein Handy. Die Nachbarin vom Haus nebenan sagte,ihr Kind wäre blau, ich solle doch schnell mal rüber kommen. Der Kleine ist 9 Monate alt, erbrach sich im Bett und hat dies aspiriert.Es ging ihm schnell wieder gut, trotzdem rief ich einen RTW.Danach hatte ich ihre anderen beiden Kinder für den Rest der Nacht. Man man, warum bin immer ich diejenige >:( Mal sehen was als nächstes kommt {:(

Zu meinem Nachbarn: Sein Zustand ist unverändert, heute kommt ein Spezialist und man soll sich aufs schlimmste vorbereiten.... :°(

E-hemaliKger| Nutzerj (#4671x93)


Hi mississipi,

Hm, ich weiß nicht wie es dir diesbezüglich geht, aber ich würde dir raten bezüglich deiner ich nenns mal 'präklinischen Hilfestellungen' eine Grenze zu ziehen. Bevor du weißt wie dir geschieht, bist du die private Ambulanz für sämtliche Wehwechen deiner Nachbarn und ihrer Freunde.

Ich finde es schrecklich, dass sich die Leute offensichtlich nicht mehr zu helfen wissen und mit Ereignissen, die man locker mit einer gewissen Basiskenntnis (z.B. nach einem Erste-Hilfe-Kurs) bewältigen kann, offensichtlich total überfordert sind. Merkt man ja seit geraumer Zeit auch im Dienst, in manchen Nächten fahren wir nur zu Leuten mit grippalen Infekten / Schnupfen / Knieschmerzen seit 3 Jahren usw. usf. :(v

Was mich interessieren würde: Wie hast du erkannt dass das Kind das Erbrochene aspiriert hat...?

Zu deinem Nachbarn mit Status post Reanimation: Lass das nicht zu nah an dich ran. Den meisten Menschen hilft es wenn sie einfach mit einer Vertrauensperson darüber reden, was du ja mit deinem Mann schon machst. Jedenfalls: Friss das nicht in dich hinein sondern sprich darüber.

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