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Trauma im Säuglings-/ Kindesalter

m&iri*8x0 hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen *:)

Neuerdings interessiere ich mich für das Thema, da ich Ursachenforschung für meine eigene psychische Entwicklung betreiben will. Ich stelle mir die Frage, ob gewisse Ereignisse im Säuglings- und Kindesalter einen erheblichen Einfluss auf das spätere Leben haben können.

Einmal gab es da zum Beispiel einen Autounfall als meine Mutter im 6. Monat mit mir schwanger war. Das Auto hat sich damals überschlagen und meine Mutter hat mit ihrem Kopf die Beifahrerscheibe durchschlagen und war dann bewusstlos. Mit mir war laut Ultraschall alles in Ordnung. Ich stelle mir dabei die Frage, ob ich davon etwas mitbekommen habe könnte. Vielleicht eine unterbewusste Angst?

Als Säugling bin ich außerdem mal mit der Nase voran vom Wickeltisch gestürzt weil meine Mutter mich kurz allein gelassen hatte. Meine Mutter erzählte, ich war tagelang ausser mir kaum noch zu beruhigen.

Naja, vieles kann ich nicht rekonstruieren, da ich auf Erzählungen angewiesen bin. Nach und nach erfährt man immer wieder solche Geschichten und versucht sie mit eigenen Erinnerungen zu kombinieren.

Können solche frühen Ereignisse im Unterbewusstsein verankert bleiben und als Folge die Entwicklung beeinflussen? Kann soetwas durch z.B. liebevolle Zuwendung wieder neutralisiert werden? Oder ist es eher Quatsch eine Verbindung zu suchen, da sich ein Säugling solche Dinge nicht "merken" können?

Was ich z.B. bei mir selbst feststellen kann ist, daß es mir schwerfällt zu vertrauen und ich sehr gerne auf Abstand bleibe. Emotional kann ich mich schwer binden und bin allgemein sehr mistrauisch und skeptisch. Vielleicht kommt das ja von meiner frühen Angst.

Ist euch vielleicht auch etwas in der Kindheit passiert, das euch irgendwie geprägt hat?

Viele Grüße,

miri *:)

Antworten
SChotjxo


Hm. "Unkaputtbar" sind Säuglinge sicher nicht, aber wenn wesentliche Dinge gestimmt haben, dann glaube ich nicht, dass solche vereinzelten frühen Ereignisse großartige Folgen haben. Die Kleinen sind robuster, als man denkt - sonst wären wir alle längst im Arsch. ;-)

_-Felzicex_


selbstverständlich prägt die kindheit einem sehr. im guten, aber auch im schlechten. das darf nicht unterschätzt werden. was meiner meinung nach, viel zu häufig passiert.

nicht jeder mensch reagiert auf alles was so passiert, gleich. jeder hat eine andere konstitution und ist weniger oder mehr sensibel. die gleichen dinge können bei 5 menschen total andere auswirkungen haben.

da ein säugling im bauch seiner mutter sich nicht als eigenständiges wesen begreift, aber dennoch schon gefühle hat die es aber direkt durch die mutter wahrnimmt, fühlt es alles so, wie die mutter es fühlt ( es ist mit ihr direkt verbunden, auch noch im ersten lebensjahr, bis es sich dannn anfängt als eigene person wahrzunehmen)

so kann ein baby im mutterleib durchaus geprägt werden. wenn eine mutter viele ängste hat in der schwangerschaft, einen schock erleidet, sehr oft sauer ist oder depressiv, bekommt das kind das ungefiltert mit über. natürlich kann es diese gefühle nicht einordnen und es von sich abstrahieren. aber allle negativen gefühle machen ihm angst, weil sie ja unangenehm sind und nicht eingeordnet werden können.

so kann dieser unfall durchaus etwas mit dir gemacht haben. wie sich das nun genau bei dir äussert, kann ich nicht sagen. es kann sich in ängsten zeigen, in bestimmter unsicherheit usw. muss aber nicht.

der sturz vom wickeltisch löst in einem baby ganz bestimmt ängste aus. denn es ist gefallen und hat sich schrecklich wehgetan dabei. auch wenn ein baby sowas "vergisst", heisst das nicht, das es im unterbewussten nicht dennoch irgendetwas auslöst.

meinem sohn ist zb dasselbe passiert. er fiel mir vom wickeltisch. bis heute hat er mühe mit sich fallenlassen zb beim "purzelbaum " oder sonstigen überschlägen die man im turnunterricht oftmals machen muss. er kann es nicht genau erklären, aber da ist eine angst, die ihn zurückhält. ich kann mir gut vorstellen, das dies von damals herrührt.

auch prägen natürlich das verhalten, der umgang der eltern mit dem kind, den menschen sehr. wenn eltern nicht liebevoll, nicht verlässlich, nicht emphatisch und verantwortungsbewusst bzw konsequent mit dem kind umgehen, auf seine spezielle persönlichkeit eingehen, dann kann so ein kind zb kein urvertrauen aufbauen und bleibt meist zeitlebens ein eher oder sehr unsicherer mensch mit zumeist wenig selbstwert.

ebenso verläuft das, wenn ein kind von den eltern oft verspottet, lächerlich gemacht, nicht getröstet, als baby oft bei seinem weinen nicht reagiert oder mit genervt sein reagiert wurde, das kind geschlagen oder sonstwie gedemütigt wurde.

alles diese dinge können zu ganz schlimmen "störungen" beim menschen führen. da ein kind sich bestimmte "muster" aneignet, um diese schlimmen dinge aushalten, irgendwie verarbeiten zu können.

das kann von einer sozial phobie, bindungsunfähigkeit über borderlinesyndrom bis zu sonstigen verhaltensaufälligkeiten führen unter denen nicht nur der erwachsene sehr leidet und eingeschränkt ist, sondern auch sein umfeld, bzw diese merken, das mit dem menschen etwas "nicht stimmt".

in ganz extremen fällen wo das kind sehr lieblosen eltern, verwahrlosung und arger gewalt und missbrauch ausgesetzt war, kann sowas aus einem kind ein späterer amokläufer, mörder, drogensüchtiger, vergewaltiger oder psychopath machen. denn kein mensch kommt so auf die welt , er wird so * gemacht* ! :°(

aus diesen gründen darf man die rolle der eltern bzw bezugspersonen auf keinen fall unterschätzen und sollte endlich ernstgenommen werden.

die kindheit prägt mehr, als wir gemeinhin bereit sind, anzunehmen, nicht nur durch die eltern, sondern auch durch sonstige erlebnisse.

nicht umsonst heisst es in der transaktionsanalyse, das 1 böses wort, negative kritik nur durch 10 mal positive worte, lobe wieder neutralisiert wird. wir alle wissen aber, wie oft wir schimpfen, destruktive kritik üben und wie wenig aufmunternde , motivierende, aufbauende worte ein kind zu hören bekommt. so sind zum glück nicht alle eltern, aber doch zuviele, wenn man bedenkt, was das mit einem kind macht.

S4h<ojxo


da ein säugling im bauch seiner mutter sich nicht als eigenständiges wesen begreift, aber dennoch schon gefühle hat die es aber direkt durch die mutter wahrnimmt, fühlt es alles so, wie die mutter es fühlt ( es ist mit ihr direkt verbunden, auch noch im ersten lebensjahr, bis es sich dannn anfängt als eigene person wahrzunehmen)

Das ist so stark vereinfacht, dass es schon nahezu Blödsinn ist.

in ganz extremen fällen wo das kind sehr lieblosen eltern, verwahrlosung und arger gewalt und missbrauch ausgesetzt war, kann sowas aus einem kind ein späterer amokläufer, mörder, drogensüchtiger, vergewaltiger oder psychopath machen. denn kein mensch kommt so auf die welt , er wird so * gemacht* ! :°(

Ich bin beindruckt, dass Du so nebenher einige große Rätsel der Menschheit löst - das des Ursprungs der Psychopathie, beispielsweise. Oder auch, ums abzukürzen: Siehe oben.

aus diesen gründen darf man die rolle der eltern bzw bezugspersonen auf keinen fall unterschätzen und sollte endlich ernstgenommen werden.

Wer um Himmels willen nimmt denn die Rolle der Eltern/Bezugspersonen NICHT ernst? Eher wird es doch von gewissen "Fraktionen" extrem übertrieben, da werden die Eltern, speziell die Mutter, zum absoluten Bezugspunkt eines Kindes hochstilisiert, und jeder kleine tatsächliche oder angebliche Fehler wird zur möglichen Quelle schwerster frühkindlicher Traumata aufgebläht.

Bei deutlichen Bindungsängsten jedenfalls würde ich nicht in der allerfrühesten Kindheit nach möglichen Ursachen zu suchen anfangen, das ist ein bisschen wie Kaffeesatz-Lesen ... die Wahrscheinlichkeit, dass es andere, komplexere Zusammenhänge gibt, ist doch weitaus höher. Kindheit ja, als Gesamtbild, einzelne Ereignisse in der frühesten Kindheit jedoch: eher unwahrscheinlich.

S>hHojxo


einzelne Ereignisse in der frühesten Kindheit jedoch: eher unwahrscheinlich

Ergänzende Anmerkung: Aber natürlich sehr bequem, da man sich dann mit scheinbaren Ursachen beruhigen und vielleicht auch rechtfertigen kann, ohne sich wirklich mit seinen Problemen auseinanderzusetzen.

L0ePwiaxn


miri80

Neuerdings interessiere ich mich für das Thema, da ich Ursachenforschung für meine eigene psychische Entwicklung betreiben will. Ich stelle mir die Frage, ob gewisse Ereignisse im Säuglings- und Kindesalter einen erheblichen Einfluss auf das spätere Leben haben können.

Angenommen, du wuesstest die Antwort auf diese Frage: Was wuerde dir das helfen?

cYhnoxpf


@ Shojo

Meine vollste Zustimmung in allen Punkten! Wollte gerade meinen Senf dazugeben, aber du hast das schon wunderbar beschrieben.

W/aterxli


Ich denke schon, dass sowas wie der Unfall für unbewusste Ängste sorgen kann... unbewusst eben deshalb, weil man sich nicht mehr dran erinnern kann, es aber erlebt hat und sowas einfach Angst auslöst oder zumindest Stress. Und die Erinnerung an dieses Gefühl bleibt vielleicht im Unterbewusstsein erhalten.

Aber dass sich Babys "denken": die Mutti hat mich vom Wickeltisch fallen lassen, sie hat mich nicht mehr lieb und ich kann keinem mehr vertrauen, glaube ich nicht. Grade draufgängerische Kinder haben oft schlimme Unfälle beim spielen und trotzdem haben sie danach immer noch keine Angst... also ich denk mal dein fehlendes Vertrauen liegt auch in späteren, anderen Dingen begründet. Meine "Art" wurde z.B. erheblich durch Mobbing geprägt, ich "kann" z.B. nicht laut sprechen, das geht nicht... das ist, wenn einem 2-3 Jahre lang täglich gesagt wird "halts Maul, das interessiert keinen" oder wenn dei Mutter dann auch noch sagt "sei nicht so besserwisserisch", nur weil man grade was gaaaaanz tolles erzählen will weil man stolz auf sich ist. ":/

Wenn du aber keine bewussten Erinnerungen hast, dann könnte es vielleicht wirklich vom Kleinkindalter kommen... ich denke mal auch, dass bei mir da zusätzlich dazu noch einiges gelaufen ist, z.B. hab ich ne Esstörung und das was meine Mutter hatte, als ich 1 Jahr alt war, klingt in den Erzählungen sehr nach Bulimie/Magersucht...

Aber auch wenn du verstehst, weshalb du so bist: das ist alles piepegal, du lebst JETZT und du kannst, egal was passiert ist, SELBST machen, dass es dir besser geht. Es ist immer möglich, solche Vergangenheit hinter sich zu lassen.

m$iBrip80


@ Shojo

Ich stimme dir schon in gewissem Grad zu das einzelne Ereignisse nicht für die Entwicklung verantwortlich gemacht werden können. Aber es könnte doch sein, daß solche Erlebnisse einen Grundstein legen und spätere Vorkommnisse in gewisser Weise verstärken. So ähnlich wie ein negativer Lerneffekt.

@ Lewian

Ich versuche eben den Ursprung meiner Deppression und meiner Ängste zu finden. Vielleicht kann ich das ja dann für mich irgendwie aufarbeiten, um mein Denken zu verändern. Es gibt so einige Verhaltensweisen und Denkmuster, die mir an mir selbst nicht gefallen. Irgendwie dachte ich, das es helfen kann wenn man nach den Ursprüngen sucht.

@ Waterli

Klar ist da noch viel mehr vorgefallen. Ganz deutlich weiss ich z.B. noch, wie mich meine Mutter in einer Stresssituation in die Hand gebissen hat. Da muss ich so 5 gewesen sein. Ich war furchtbar erschrocken und fassungslos. Irgendwann habe ich dann gelernt, das man es einfach über sich ergehen lassen muss bis es vorbei ist. Danach kam dann immer prompt eine Entschuldigung und alles war wieder in Ordnung... Ich habe das so gehasst.

Meine Mutter hatte ausserdem die Angewohnheit mich festzuhalten und zu drücken/zwangszuknuddeln wenn sie ihre Liebe ausdrücken wollte. Mir wäre es viel lieber gewesen, sie hätte sich in irgend einer Form für mich interessiert. Ich bin doch keine Puppe... :(v Ich kann es heute noch kaum leiden, wenn mich jemand festhält und kuscheln will.

Naja, aber ich sträube mich meine Mutter dafür verantwortlich zu machen wie ich bin oder ihr das alleinig vorzuwerfen. Sie hatte ihre Fehler und kein Mensch ist perfekt. Ich weiss, das sie mich auf ihre Art liebt, aber eine schlechte "Erzieherin" war. Wenn ich aber meiner Mutter verzeihen kann, wieso kann ich mich selbst nicht ändern? Alles was man lernt kann man doch auch wieder verlernen oder ändern. Deshalb denke ich das da aus früher Zeit noch eine ganze Menge in meinem Unterbewusstsein herumspukt. Ich würde es aber nicht ganz so hart wie _Felice_ ausdrücken. Ich denke nicht das ich so gemacht wurde, man ist ja immerhin noch selbst dafür zuständig, das Erlebte zu verarbeiten. Und ob man jetzt aus soetwas stärker wird oder kaputt geht, ist von Mensch zu Mensch verschieden denke ich.

G5rottxig


Hm, ich bin als kleines Kind mal mit so einem Gehwagen die Treppe runtergesegelt, sagt meine Mutter. Vielleicht ist dieser Sturz an allem Schuld? :-/

@ Shojo

:)^

@ TE

Schliesse mich Lewians Frage an.

G,rotWtxig


Wenn ich so lese, was du schreibst, hast du doch genug Baustellen. Ich denke man muss nicht alles einer bestimmten Situation zuordnen, um es zu verarbeiten. Zumal, wenn sich die Erfahrung gehäuft hat und das hat sie sich ja bei dir.

LVe}w4ikaxn


miri80

Das Problem mit solchen "Ursachenfragen" ist, dass man die Antwort darauf nicht wissen kann (es sei denn, du weisst sie selber selber aus deinem eigenen Gefuehl heraus; ein solches Gefuehl stellt sich bei manchen Menschen irgendwann ein).

Denn wenn man das "von aussen" wissen wollte, muesste man eigentlich nicht nur wissen, was passiert ist, sondern auch, wie dein Leben verlaufen waere, waere es alles anders gelaufen. Und das kann niemand wissen.

Man kann auf deine Eingangsfrage insofern nur eine ganz wenig hilfreiche Antwort geben: Kann sein, oder auch nicht. Eine klare und direkte Verbindung zwischen den konkreten Sachen, die du aufgelistet hast, und den Problemen, von denen du erzaehlt hast, sehe ich nicht, aber das muss nicht viel heissen. Es kann auch sein, dass das Zusammenspiel mehrere Sachen ursaechlich war.

Inwiefern die Ursachensuche dabei hilfreich ist, mit deinen Problemen umzugehen, ist auch schwierig zu beurteilen. Ich denke, wenn das ueberhaupt was bringt, muesste die Erkenntnis sozusagen "von innen" kommen. Das Unterbewusstsein muesste sozusagen etwas Vergrabenes hervorholen, um dir die Moeglichkeit zu eroeffnen, damit in neuer Weise umzugehen und hinderliche Verhaltensweisen hinter dir zu lassen. Das theoretische Wissen, dass es bestimmte Ereignisse gegeben hat, hilft alleine nicht weiter, glaube ich.

Und es ist auch immer eine gewisse Gefahr dabei, sich zu sehr daran festzubeissen, dass irgendwelche Ereignisse in der Vergangenheit ursaechlich sind, denn es koennte davon ablenken, in der Gegenwart und Zukunft nach Moeglichkeiten zu suchen, sich zu helfen oder helfen zu lassen.

Wenn ich aber meiner Mutter verzeihen kann, wieso kann ich mich selbst nicht ändern? Alles was man lernt kann man doch auch wieder verlernen oder ändern.

Du bist optimistisch... ich wuerde denken, in vielerlei Hinsicht schon, aber es kann verflucht schwer sein, den "Dreh" zu finden. Da wir so sehr von Unbewusstem gesteuert sind, koennen wir uns kaum einfach "per Beschluss" aendern, und es gehoert zum besseren Leben auch dazu, sich mit gewissen Problemen, die man hat, zu arrangieren, denn die Erfahrung lehrt, dass man auf sich selber nicht so starken Zugriff hat, dass man alles aendern kann.

Es ist ja auch so, dass die alte Frage "anerzogen oder angeboren" nicht abschliessend geklaert ist (und m.E. auch nie geklaert werden wird) und gewisse Eigenschaften von uns eventuell auch einfach "eben so da sind" – bloss welche im Einzelnen das sind, kann ich dir auch nicht sagen. Aber aus meiner Sicht fuehrt ein "experimenteller Ansatz" (ausprobieren, etwas zu aendern, und Erfahrungen sammeln) oft weiter als "nach Ursachen suchen".

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