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Unfreiwilliger Umzug -> Heimweh und Depression

F?l!aclhmanxn hat die Diskussion gestartet


Erstmal hallo, ist mein erster und hoffentlich nicht letzter Beitrag hier...

Ich bin momentan in einer mehr als unguten Situation, die sich in 2 1/2 Jahren zwar auflösen wird, aber bis zum Sommer 2013 dauerts halt doch noch lang (wenn die Welt bis dahin nicht sowieso schon untergegangen ist).

Also, zur Erläuterung: Ich bin 16 Jahre alt und wurde in Wien geboren, wo ich auch aufgewachsen bin. Dort hab ich mich sehr sehr wohl gefühlt, super Freundeskreis, keine sonstigen Probleme, also quasi alles tiptop. Im Sommer 2009 (ich war 14) musste ich dann schließlich mit meiner Mutter nach Graz (200 km auseinander) ziehen. Das Ganze ist gegen meinen Willen passiert, was meine Mutter auch wusste, es war ihr allerdings entweder egal oder meine Meinung nicht gewichtig genug für die Entscheidung, im Endeffekt spielt das aber auch keine Rolle. Für mich war klar, dass ich nach der Matura wieder nach Wien ziehen würde.

Noch dazu musste kurz vor dem Umzug mein Hund, der für mich mich wirklich wie eine Schwester war, eingeschläfert werden (die Krankheit konnte bis zuletzt aber nicht diagnostiziert werden). Darauf hat sich meine Mutter nach ca. 1 Monat einen neuen Hund genommen (wieder gegen meinen Willen), den ich kurz gesagt nicht leiden kann, was ganz bestimmt mit dem vorhergegangenen Verlust zusammenhängt. Ums ehrlich zu sagen bin ich über das Ganze auch nach 1 1/2 Jahren noch nicht so wirklich hinweg.

Wie auch immer, schließlich war ich zu Schulbeginn quasi zum 1. Mal hauptwohnsitztechnisch in Graz (ich war schon früher dort, aber höchstens 4 Tage).

In der Schule selbst hab ich dann nie so richtig den Anschluss gefunden. Ich bin zwar generell kein unsozialer Mensch, aber irgendwie konnte ich nie so richtige Kontakte knüpfen. Mittlerweile fehlt mir dazu ehrlich gesagt auch die Motivation. Ich werde zwar in keinster Weise irgendwie ausgeschlossen, aber als Teil der Klasse fühl ich mich auch nicht wirklich.

Irgendwann hab ich dann die Vermutung gekriegt, dass ich depressiv sein könnte. Irgendwie war ich die ganze Zeit müde, motivationslos, manchmal auch ein wenig verzweifelt. Mit der Diagnose dürft ichs wahrscheinlich auch ganz gut getroffen haben, auch wenns bei mir nie wirklich schlimm war. Zwischendurch hatte ich eine Phase, wos mir psychisch zwar wirklich nicht gut ging, mittlerweile hat sich das wieder auf einen moderaten Level eingependelt. Wenn ich aber an meine Zeit in Wien zurückdenke, dann kann das auf keinen Fall etwas sein, womit ich nicht zufrieden sein muss.

Mein größter psychischer Rückhalt sozusagen sind die Wochenden und Ferien, die ich, soferns zeitmäßig geht, bei meinem Vater in St. Pölten (64 km auseinander) verbring. Das ist zwar nicht direkt Wien, aber quasi neben Wien mein 2. Zuhause, und manchmal bin ich trotzdem noch in meiner Heimatstadt. Dann fühl ich mich (fast) wieder wie "der Alte" sozusagen, wenn ich dann wieder nach Graz zurückmuss spür ich aber, wie quasi ein Schatten in meine Seele kriecht (ich hoffe ihr könnt euch das halbwegs vorstellen).

Ich habe wirklich sehr starkes Heimweh nach Wien. Noch dazu kommt, dass ich eine immer stärkere Abneigung bzw. manchmal direkt Hass gegen Graz bekomme. Mir erscheint an dieser Stadt nichts lebenswert, sogar bei einem Grazer Kennzeichen (und das sieht man dort eben doch recht häufig) ziehts mich innerlich zusammen, bei einem Wiener das Gegenteil. Außerdem kommt dazu, dass ich einen ganz anderen Dialekt habe als die Leute hier, womit ich mir wieder irgendwie wie ein Fremder im eigenen Land vorkomme. Außerdem hab ich doch einen gewissen Wiener Schmäh (einfach googeln), der hier so gut wie gar nicht verstanden wird.

Ich hätte nie gedacht, wie sehr mir meine Heimat abgehen könnte, bis ich sie quasi verloren hab. Zurück kann ich wie am Anfang angesprochen erst wieder im Sommer 2013, wenn ich meine Matura hab. Wenigstens bin ich so nicht pessimistisch für die Zukunft eingestellt.

So, wer das alles bis zum Ende gelesen hat, dem kann ich wirklich nur Danke sagen (waren bis jetzt immerhin 3903 Zeichen). Ich glaub es war für mich wichtig, dass ich mich einmal ausschreiben kann, zum darüber reden hab ich noch nicht wirklich wen gehabt.

Wer irgendwelche Erfahrungen oder Tipps hat, dem bin ich natürlich dankbar (in einem Sportverein bin ich übrigens schon), auch Hausmitteln gegen Heimweh (wenn man das bei mir noch so nennen kann) oder Depression bin ich keineswegs abgeneigt, nur halt nix medikamentöses.

Danke noch einmal fürs Lesen :-)

Antworten
T%h4exexn


Also ich glaube das Problem liegt nicht daran, dass an Graz irgendwas schlecht ist (Ok ich kanns nicht beurteilen. Bin Deutscher und bisher weder in Wien noch in Graz gewesen)

Klar kann ich verstehen, dass es extrem scheiße ist mitten in der Pubertät von seinen Freunden, dem gewohnten Umfeld und allem was man lieb gewonnen hat getrennt zu werden. Da entwickelt man natürlich ganz schnell eine Abneigung gegen die neue Stadt, Schule, Wohnung usw.

Mit 14 ist man ja gerne auch mal etwas bockiger und uneinsichtiger als ein erwachsener Mensch (kenn ich von mir selbst :) ) Durch deine Abneigung gegen den Umzug konntest du dich wahrscheinlich nicht richtig auf die neuen guten Dinge einlassen. In der Schule nicht richtig Anschluss finden etc, weil es einem immer im Hinterkopf herumspukt wie schön es doch in Wien war.

Schnell werden gewisse Unstimmigkeiten besonders betont und vielleicht gute Dinge unter den Tisch gekehrt.

Was ich damit sagen möchte ist, dass man offen in die Welt hinausgehen muss, damit sich einem das Schöne im Leben nicht verschließt. Klar kannst du nach deinem Abitur wieder nach Wien zurückkehren, aber so richtig konntest du auch keinen Grund nennen was an Graz so viel schlechter sein soll. Wenn man es wirklich will findet man auch dort wieder Freunde. Bei uns in Deutschland ist das zumindest so, dass ab der Oberstufe alle Klassen aufgelöst werden und man ab da nur noch eine große "Stufe" ist.

Da haben sich zumindest bei uns ganz viele neue Freundschaften gebildet, die es vorher nicht gab.

Ich glaube es ist auch nicht wirklich gut sich so sehr auf Wien zu versteifen. Was machst du denn später mal, wenn du nur einen Job weit außerhalb von Wien bekommst. Da muss man sich ja auch irgendwie anpassen, denn Arbeitslosigkeit ist wohl keine Alternative.

Versuche doch einfach mal das ganze nicht immer nur von der negativen Seite zu sehen. Vielleicht findest du ja eine Freundin mit der du glücklich bist. Dann wirst du gar nicht mehr nach Wien zurückwollen ;-) Soll ja Leute geben die ihre große Liebe 6000 Km entfernt in einem anderen Land gefunden haben ;-)

CYurraxn


So ähnlich gings mir auch, als ich als Kind umgezogen bin. Ich war zwar immer noch in derselben Stadt, aber meine Freunde und mein vertrautes Umfeld lagen genau auf der anderen Seite. Für mich waren das als Kind nicht weniger als deine 200 km und ich hab unser altes Haus sehr geliebt... (Noch heute würd ich das Haus am liebsten kaufen.... %-| )

Wenn ich meine beste Freundin besucht habe, hab ich mich da zu Hause gefühlt (so wie du bei deinem Papa) und wenns dann wieder in mein richtiges, neues Zuhause ging, dann hab ich mich genauso gefühlt wie du in Graz!

Ich hab ewig gebraucht, bis ich die neue Wohnung akzeptiert habe und hab nächtelang geheult. Klar, neue Geräusche, neue Gerüche, keine Möglichkeit jederzeit in 30 Sekunden zur Freundin rüberzulaufen... Als Kind empfindet man das eben als schlimm, auch wenn wir uns grob gesehen noch in derselben Stadt befunden haben...

Was ich damit sagen will: Ich glaube bei dir ist das keine Depression (Google mal. Selbst die "angenehmste" Depression hat noch schlimmere Symptome), sondern ganz normales Heimweh plus das Wissen, dass es sich sowieso nicht lohnt sich in Graz etwas aufzubauen, weil du eh in 2 Jahren nach Wien zurückgehen willst. Ich denke gerade letztes lähmt dich sozusagen.

Helfen kann ich dir nicht wirklich, ich finde du machst schon das beste daraus, indem du die Zeit bei deinem Vater genießt und in Graz eben die Arschbacken zusammenkneifst...

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