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Der Selbstbetäubung entkommen

F;oe2rdcVh en hat die Diskussion gestartet


Hallo Leute,

Tja, mal wieder ich. Ich komm mal direkt zum Punkt.

Seit drei Jahren war ich mit einem jungen Mann mal mehr, mal weniger zusammen, den ich an meiner Schule kennengelernt hab. Nennen wir ihn hier mal J. Wir sind durch ne Menge Höhen und Tiefen gegangen und... naja, eine wie ich finde sehr gute Beziehung gehabt. Im Januar kam dann die endgültige Trennung.

Meine erste Reaktion war Traurigkeit. Ich weinte mich in der Nacht, in der wir gesprochen hatten in den Schlaf.

Als ich aufwachte schien es mir besser zu gehen. Ich konnte das Problem nicht mehr fühlen. Energetisch begann ich, ein bisschen räumlichen Abstand zu ihm aufzubauen und mir selbst Erfolgserlebnisse zu verschaffen, mit Sporteln + Ernährungsumstellung, Färben der Haare, Flirten und damit, mich mit ein paar Leuten in Amerika im Internet anzufreunden. Wir schreiben einander und telefonieren viel über einen Skype-Gruppenchat. ^^

Und dann fingen schleichend ein paar Sachen an. Ich verbrachte immer mehr Zeit online, teilweise hing ich 10 oder mehr Stunden im Internet herum, am Stück. Ich bekam paranoide Attacken ohne Ende – zugegeben, ich hab die Amis über einen gruseligen modernen Mythos kennengelernt, aber normalerweise müsste ich längst über den ersten Schreck hinweg sein. Ich hab aber immer noch Angst, nachts zu schlafen wenn ich allein in der Wohnung bin. Ich bekam Heißhungerattacken vor allem nach Süßigkeiten und Fastfood (Gott sei Dank hatte ich selten was zuhause und meine Faulheit war dem Run auf McDoof im Weg). Meine Hemmschwelle, Alkohol zu trinken sank merklich. Ich flirtete so offensiv, dass ich mich teilweise im Nachhinein schämte (nicht weil es schlecht ankam, sondern weil es unüblich für mich ist). Zwischendurch, wenn sich Freunde Zigaretten anzündeten, erwischte ich mich öfters dabei fast sehnsüchtig darauf zu starren, obwohl ich bisher sehr überzeugter Nichtraucher bin.

Dann letzten Samstag besuchte ich J, weil wir noch immer Freunde sind und ein paar Filme gucken wollten. Ich hab mich nie zuvor gezielt betrunken, aber dieses Mal verlangte ich ein Glas nach dem anderen. Als ich wirklich betrunken wurde, brachen plötzlich all die Gefühle aus, die ich vorher nicht gespürt hatte – die immer noch vorhandene Liebe zu ihm und der Schmerz der Trennung. Es brach richtig böse aus, inklusive hysterischer kleiner Lachanfälle und vieler, vieler Tränen.

Als ich im Nachhinein darüber nachdachte wurde mir langsam klar, dass ich versucht habe mich selbst irgendwie zu betäuben. Das Bedürfnis dazu ist auch immer noch da und stark. Ich bemühe mich im Moment darum, einen großen Bogen um Alkohol und Zigaretten zu machen, aber habe dafür eine Packung After Eight neben mir stehen, der ich nicht widerstehen konnte. Was tue ich gegen dieses Bedürfnis, die Gefühle wieder zu begraben? Wie kuriere ich den Schmerz aus? Ich kann J nicht einmal aus dem Weg gehen. Er wohnt quasi bei mir um die Ecke, ist Nachbar von einigen meiner engsten Freunde – und Teil meines Freundeskreises sowie so ziemlich jeglicher Stammaktivität, die ich mit meinen Freunden mache. Ich habe ehrlich Angst, Dummheiten zu machen, oder sogar eine Sucht zu entwickeln.

Antworten
S^ci8pionxo


Ich denke das sind alles Folgen deines Liebeskummers. Wenn du wirklich keinen anderen Ausweg findest als deine Gefühle mit Alkohol, Zigaretten, Essen usw. zu "betäuben", dann würde ich überlegen eine Therapie anzufangen. Es wundert mich aber auch nicht, wenn du versuchst die Gefühle zu betäuben, denn auch wenn du versuchst endlich den Liebeskummer zu J. zu überstehen, triffst du ihn dann immer wieder, da er ja in deinem Freundeskreis ist und es fängt alles wieder von vorne an und du machst quasi keine Fortschritte. Natürlich kannst du es schaffen, dass du deine Gefühle unter Kontrolle hast und J. immer noch regelmäßig siehst und mit ihm deine Freizeit teilst, aber ob das wirklich so gesund ist? An deiner Stelle würde ich erst mal den Kontakt zu J. unterbinden und wenn es wirklich eine endgültige Trennung von seiner Seite aus war, würde ich nicht hoffen, dass es mit ihm nochmal was wird, denn dies führt nur zu weiterem Kummer und Schmerz.

Fpoerdbchen


Ich weiß, dass es die Folgen des Liebeskummers sind. Die Frage ist schlicht: Was tu ich dagegen?

Ich kann den Kontakt zu J eben nicht abbrechen. Wie gesagt, er wohnt fast nebenan und wir haben die selben Freunde. Wann immer ein Geburtstag gefeiert wird oder mehrere aus dem Freundeskreis was zusammen machen, ist er gewöhnlich mit dabei. Ich müsste meinen gesamten Freundeskreis aufgeben um ihm aus dem Weg zu gehen, und das kann ja auch nicht die Lösung sein.

Spcipaiono


Geh doch mal mit paar Freunden in die Disco oder mal so weg. Es muss ja nicht immer der ganze Freundeskreis dabei sein und somit auch kein J. Außerdem kannst du doch dann auch neue Freundschaften schließen. Jetzt stell dir mal vor dieser J. hat eine neue Freundin, die würde er dann sicher auch mit in deinen Freundeskreis einschließen und ich glaube, dass du nicht wirklich begeistert wärest. Was ich damit sagen will ist, dass du den Freundeskreis natürlich nicht aufgeben sollst, aber du sollst dich auch nicht all zu sehr an ihn klammern, vor allem wenn dein Ex-Freund auch in diesem Freundeskreis ist. Vielleicht lernst du in der Disco jemanden Neuen kennen, für den du genauso viel oder sogar mehr als für J. empfindest. Wenn dies nämlich der Fall sein sollte, sollte es kein Problem mehr sein J. anzutreffen.

FQoerdcxhen


Ich bin leider überhaupt kein Ausgehmensch... fühle mich in Diskotheken und Clubs eher unwohl. Es gab mal regelmäßige Tanzparties in der Gegend wo ich gern war, aber die sind leider nicht mehr vorhanden.

Vor allem aber habe ich Angst, dass ich dann wieder zuviel Alkohol zu mir nehme. Nicht dass ich dann am Ende doch wieder auf seiner Türschwelle lande, weil ich angetrunken nicht widerstehen konnte zu ihm zu laufen. :(

Bin eher ein stiller Typ – lese gern, schaue gern Filme oder spiele Pen & Paper. Aber sowas lässt sich eben schwer mit anderen Leuten kombinieren, deshalb ist mir mein Freundeskreis auch so wichtig... das sind halt die Personen mit denen ich schon jahrelang gut befreundet bin und mich wohlfühle.

Ich versuche vernünftig viel rauszukommen, mache jetzt beim Weg zum Einkaufen oder zu Ämtern immer lange Spaziergänge drumherum um einfach ein wenig aus der Wohnung zu kommen. Aber das Bedürfnis nach Süßigkeiten und so geht einfach nicht weg.

Fdoerudchmen


Oh, hatte noch was vergessen.

Es gibt durchaus einige junge Herren, die ich interessant finde und für die ich sicher etwas Ähnliches empfinden könnte. Aber solange ich offenbar noch eine Ersatzbefriedigung suche, ist mir das zu heikel. Ich wurde oft anstelle meiner besten Freundin genommen, wenn sie jemanden abgelehnt hat, und wurde dann in meinen ehrlichen Gefühlen enttäuscht wenn der Andere über sie hinweg war – das will ich nicht jemand anders antun.

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