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Wie finde ich heraus, ob ich eine bipolare Störung habe?

PGroble1mLVeb|enx84 hat die Diskussion gestartet


Ich leide unter einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung, mit der ich gerade wieder akut in Mischung mit Depressionen zu kämpfen habe. Ich lese sehr viel im Internet über diese Krankheit, um, bis ich einen Therapieplatz gefunden zu haben, mir so gut wie es geht selbst helfen zu können. Ich bin an mehreren Stellen darüber gestolpert, dass Menschen mit eben der zwanghaften Persönlichkeitsstörung oft auch an einer bipolaren Störung leiden. Auch hierzu habe ich jetzt etwas gelesen und bin der Meinung, dass schon einiges auf mich zutrifft. Ich bin kein Hypochonder, der etwas liest und dann denkt, er hat es. Aber in diesem Fall...

Das, was ich gelesen habe, war nicht sehr beispielhaft. Evtl. gibt es hier Menschen, die unter der bipolaren Störung leiden und mir weiterhelfen können?

Und, wichtig, wie finde ich heraus, ob ich das wirklich habe? Gehe ich einfach zum Hausarzt und lasse mich darauf testen? Oder muss ich dafür auf die Therapie warten?

Ach so, ich sollte vielleicht noch schreiben, weshalb ich denke, dass ich eine bipolare Störung habe.

Wenn ich die letzten Jahre zurückdenke, hatte ich immer wieder depressive, oder aber auch extrem kreative Phasen. Indizien für eine "manische" Phase bei mir wären:

1.übertriebenes Selbstbewusstsein oder Größenwahn => ich hatte wirkich schon Phasen wo ich der Meinung war, ich könne die Weltherrschaft an mich reißen... weil ich so toll und klus bin :(v

2.gesprächiger als üblich oder Drang, zu reden => viele viele Leute anrufen und reden reden reden... im Moment, in meiner Depression, mag ich nur meine Ruhe haben...

3.Ideenflucht oder subjektives Gefühl, dass die Gedanken rasen => dadurch unkonzentriertheit, weil ich mir selbst nicht folgen kann

4.Zerstreutheit (Aufmerksamkeit wird zu leicht zu unwichtigen oder belanglosen externen Reizen gezogen) => ich vergesse was Leute mit vor 10 Sekunden erzählt haben, weil ich mit den Gedanken ganz woanders bin bzw. mich ablenken lasse

5.Zunahme zielgerichteter Aktivitäten (entweder sozial, am Arbeitsplatz oder in der Schule oder sexuell) oder psychomotorische Unruhe => trifft alles zu...

6.exzessive Beschäftigung mit angenehmen Tätigkeiten, die höchstwahrscheinlich negative Folgen hat (z. B. ungehemmter Kaufrausch, sexuelle Taktlosigkeiten, oder törichte geschäftliche Investitionen) => Laufende Kredite für unüberlegt angeschaffte Dinge... :-(

Kriterien für eine majore depressive Episode:

1.depressive Stimmung fast den ganzen Tag, beinahe jeden Tag => im Moment auf jeden Fall... seit ca. 2 Wochen.

2.deutlich vermindertes Interesse oder Freude bei allen, oder beinahe allen Aktivitäten fast den ganzen Tag, beinahe jeden Tag => auch zutreffend, depressiv halt

3.Ab- oder Zunahme des Appetits beinahe jeden Tag. => Trifft auch gerade zu...

4.Schlaflosigkeit oder übersteigertes Schlafbedürfnis beinahe jeden Tag => seit 2 Wochen.

5.psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung fast jeden Tag => langsamer beim Gehen, beim Essen und auch beim Arbeiten :-(

6.Erschöpfung oder Verlust der Energie beinahe jeden Tag. => Alle paar Minuten die Überlegung, ob ich mich nicht lieber krank schreiben lasse...

7.Gefühl der Wertlosigkeit oder ausgeprägte und unangemessene Schuldgefühle (die auch wahnhaft sein können), beinahe jeden Tag => natürlich, und daraus resultierend Angst vor Folgen...

8.verminderte Fähigkeit, zu denken oder sich zu konzentrieren, oder Entscheidungsunfähigkeit beinahe jeden Tag => selbst die kleinste Entscheidung fällt mir gerade unendlich schwer... und auch hier wieder die Konzentrationsschwäche oder auch die Unfähigkeit an mögliche Folgen oder notwendige Schritte einer Entscheidung nachzudenken.

9.wiederkehrende Todesgedanken (nicht nur Furcht zu sterben), wiederkehrende Suizidgedanken ohne spezifischen Plan, oder ein Suizidversuch oder eine konkrete Planung eines Suizid.

=> auch das ist leider wieder da...

Was mache ich jetzt... :°(

Antworten
S*unflo_werU_73


Zu einem vernünftigen Psychiater oder in eine Klinik gehen.

Persönlichkeitsstörungen und eine Depression schließen sich nicht aus, kommen sogar häufig miteinander vor und beeinflussen sich gegenseitig.

Bei den "manischen" Phasen müsste detailliert abgeklärt werden, ob es echte manische Phasen waren oder sog. hypomane Phasen (= schwächere Variante). Wann das erste Mal aufgetreten, was erlebt, welche Reaktionen im Umfeld, wie lange gedauert, wie das Befinden hinterher.

Auf echte manische Phasen (die nur kurz dauern, d.h. wenige Tage) folgen quasi immer tiefe depressive Abstürze. Bei hypomanen Phasen ist dies weniger extrem.

Je nachdem, ob grundsätzlich erst Depression oder was Manisches da war, gibt es dann unterschiedliche Diagnosen (Bipolar I, Bipolar II, evtl. kommt auch noch rapid cycling in Frage).

Behandlung:

WENN das Auftreten von etwas Manischem auch ärztlicherseits bestätigt wird (und es sich nicht nur um ausgeprägte, aber normale Hoch's handelt!), wird mit sog. Stimmungsstabilisatoren gearbeitet (z.B. Lithium). Was gut wirkt, aber gewisse Tücken mit sich bringt.

Wichtig ist die psychiatrische Abklärung – und WENN etwas ist, immer auch eine Psychotherapie.

Eine Lithium-Einstellung sollte aber immer unter stationärem Schutz erfolgen, da geringe Spannbreite zwischen wirksamer und gefährlicher Dosis.

PfroblnemLrebUen84


Wie finde ich einen Psychater? Einfach bei gelbe Seiten eingeben? Und wie ist der Ablauf... gehe ich da einfach so hin? Oder vorher nochmal zum Hausarzt?

Mich würde halt interessieren, wie genau eine manische Phase aussieht... ich meine, wenn man frisch verliebt ist, zählt das kaum zu einer manischen Phase, oder? Auch wenn man dann das Gefühl hat, Bäume ausreissen zu können? Und einem in dieser Phase so viele auffällig gute Sachen passieren, dass wiederum der Größenwahn kommt?

aUug~23x3


Welchen Gewinn haben Sie, wenn Sie 20 oder 30 Seiten Abhandlung über manische Phase in einem Lehrbuch gelesen haben? Die angeführten Beispiele sind Hinweise – müssen auf Sie aber nicht zutreffen. Wenn man "über seine Verhältnisse lebt" ist es dem Gerichtsvollzieher egal, ob man gerade in der manischen Phase war und sich verschuldet hat, die Konsequenz muss man auch in der depressiven Phase tragen.

Also – was ist das Ziel ??? ?!!!

Pnrob3lemLebuen8x4


Das Ziel?! Was sollte es anderes als Ziel geben, als das Problem zu erkennen, weiter daran arbeiten zu können um endlich irgendwann zumindest fast GESUND zu sein!?

Gerichtsvollzieher? Kenn ich keinen, ich hab es bisher immer selbst geschafft! Und wenn es knapp werden sollte, würde mich meine zwanghafte Persönlichkeitsstörung eher dazu bringen, 3 Nebenjobs anzunehmen, als es soweit kommen zu lassen! Ich finde diese voreingenommene Haltung eine Frechheit! :(v

S)unflowZer_7x3


Hauptkennzeichen einer manischen Phase:

Die gesamte Umwelt schüttelt nur noch den Kopf und man macht absolut aus dem Raster fallende Sachen. Man beendet keinen Satz mehr, schläft nicht. Kredite für Anschaffungen passen da weniger zu – bei Manien bleibt für sowas Überlegtes kein Raum.

Zum Psychiater kommt man, indem man sich einen sucht und einen Termin macht. Wie jeder andere Arzt auch. Da Du aber schon Therapie-Erfahrung hast, wundere ich mich ein wenig, dass Du da Fragen hast...

Und:

Ist das Thema noch nie am Anfang einer Therapie angesprochen worden? Man macht doch Biografie etc.?!


Eine vernünftige Diagnose ist insofern wichtig, als dass man dann gezielt, v.a. medikamentös, behandeln kann. Außerdem gehen mit einer bipolaren Störung halt Risiken einher (tiefe Depression und Suizidalität, Folgen der Manie), die minimiert werden sollten. Zumal es einfach auch anstrengend ist und man mit einer manischen Phase dermaßen auffallen kann, dass man im gesamten Umfeld für lange Zeit als völlig auffällig gilt (Wohnort, Arbeitgeber,...).

In seltenen Fällen kann es gelingen, bspw. Folgen eines Kaufrausches nach einer Manie abzuwenden. Das gilt i.d.R. aber nur, wenn man stationär aufgenommen wird und DIREKT Dinge der manischen Vortage angeht. Meistens läuft's aber auf Umtauschen, Vertragsrücktritt etc. hinaus. In der Hinsicht hilft einem die Diagnose also wenig...

S#chlumup)fipne-SHanmburxg


Ab in das nächst größere Krankenhaus in eine Institutsambulanz (geht schneller als auf nen Termin beim Psychiater zu warten).

Oder: niedergelassener Psychiater. Entweder direkt anrufen und Termin geben lassen oder den Hausarzt um eine Überweisung und Empfehlung geben.

Ich bin selbst bipolar 2, Deine Symptome könnten auf eine Bipolare Störung passen oder auf Psychosen mit Depressionen... aber da sollte dennoch ein Fachmann ran und eine vernünftige Medkikation.

a&ug2x33


ProblemLeben, im Rahmen einer Psychotherapietagung habe ich heute den Stand des örtlichen Buchhändlers betrachtet: es gibt eine breit gefächerte Literatur zu dem gefragten Thema. Wie man das für sich selbst passende Buch heraus findet, das kann ich auch nicht sagen. Wenn man sich die Bücher, wie auf dieser Tagung, ansehen kann, dann mag es mit der Auswahl noch möglich sein; aus der Ferne hätte ich damit einige Probleme, also z.B. Kauf über einen der Internet-Anbieter.

Hat man Zugang zu einer Uni-Bibliothek, dann könnte man auf diese Weise an Fachbücher kommen, wenn es an dieser Uni einen entsprechenden Studiengang mit Psychotherapie gibt.

Ich hoffe, Sie haben sich über die Frechheit mit dem Gerichtsvollzieher in Maßen geärgert – diese Institution ist Realität und aus Therapien bekannt.

Viel Erfolg.

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