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Körperlichkeit innerhalb von platonischen Freundschaften

B9E oA gLUHV hat die Diskussion gestartet


Ich fand es viele Jahre lang recht befremdlich, wenn ich mitgekriegt habe, wie sich platonische Freund/innen untereinander mit Kosenamen anreden, Bussis geben und insgesamt sehr körperlich miteinander umgehen, also Händchenhalten beim Shoppen, Kuscheln beim DVD-Abend et cetera. Fand das albern, teilweise kindisch und einfach too much. Habe es von mir gewiesen, belächelt und geglaubt, sowas bräuchte ich nicht. Seit einiger Zeit merke ich jedoch, dass ich mir mit dieser Abwehrhaltung eigentlich etwas vorgemacht habe und es doch ganz schön fände, wenn mich jemand mal "Süße" nennen oder zur Begrüßung umarmen würde. Doch sogar jetzt, wo ich es hier völlig anonym schreibe, spüre ich, wie mir die Schamesröte ins Gesicht steigt. Es ist mir p e i n l i c h, dass ich mir das wünsche und zugleich sehen ich mich danach.

Habe darüber nachgedacht, warum das so ist und denke, dass es mit meiner Kindheit zusammenhängt. Ich verstehe mich zwar gut mit meiner Familie, aber generell gab es wenig körperliche Zuwendung, dort wurde sich nicht umarmt oder geküsst. Als Kind habe ich nicht darüber nachgedacht und als Teenager fand ich es sogar cool, weil ich mich nicht von einer betüttelnden Mutter lösen musste, wie meine Freundinnen. Jetzt bin ich aber Mitte 20 und merke, dass mir etwas fehlt.

Meine Frage ist nun, wie ich damit umgehen soll. Ob ich einen Psychologen brauche, der mir das durch Gespräche "austreibt", die Sehnsucht "wegtherapiert", indem ich Ursache und Wirkung theoretisch erschließe, danach damit abschließe oder ob ich mich einfach auf die Suche nach einer derartigen Freundschaft machen soll, in der ich das bekomme, wonach ich mich sehe. Da stellt sich dann die Frage, wie man das angeht, denn ich habe Freunde, aber eben keine, die mich umarmen oder anderweitig herzen würden.

Ich habe das Gefühl, dass alle um mich herum solche Freundschaften führen, aber bei mir gehen sie auf Abstand. Was sicher auch daran liegt, dass es mir schwerfällt, selbst den ersten Schritt zu machen. Wahrscheinlich denken alle, dass ich z.B. nie und nimmer mit "Süße" angeredet werden möchte – ich dachte es bis vor kurzem ja selbst noch :-/

Wie würdet ihr das jetzt angehen? Ich kann ja schlecht zu einer Freundin sagen: "Du sprich mich demnächst bitte mit Kosenamen an und umarm' mich mal." Ich denke, sowas muss sich ergeben, aber wie? Wie ist das bei euch? Habt ihr immer den ersten Schritt gemacht?

Antworten
Nqorm<alern_Kxerl


Hmmm...ich weiß was du meinst.

In meiner Familie war das eigentlich auch immer so, bzw. habe ich mich schon früh davon distanziert.

Später war ich dann allerdings eine lange Zeit recht einsam.

Mittlerweile habe ich einen kleinen Freundeskreis und diese "Lörperlichkeit" wie du es nennst, ist ganz selbstverständlich, wobei das nicht von mir ausging.

Am Anfang war ich sogar etwas überfordert damit, weil ich das so nicht kannte.

Heute finde ich es eher komisch, dass ich wenn ich meine Brüder verabschiede, wir uns nichtmal die Hand geben.

Das mit den Kosenamen kenne ich auch, sowas kommt eigentlich von alleine.

Ich würds an deiner Stelle vielleicht einfach mal ausprobieren...kannst ja auch damit anfangen wenn ihr locker seid und mal was getrunken habt oder so.

s_chnFieki


fang doch mal klein an.. z.b. ne umarmung zum geburtstag von deiner freundin, also wenn du ihr geburtstag wünschst.

BXE oA LUxV


Am Anfang war ich sogar etwas überfordert damit, weil ich das so nicht kannte.

Das ging mir vor ein paar Jahren mal so und ich könnte mir noch heute (auf Deutsch gesagt) in den A**** beißen, dass ich damals so blöd reagiert habe, die Person abgewiesen und wahrscheinlich ziemlich vor den Kopf gestoßen habe. Was würd ich dafür geben, wenn mir heute nochmal so jemand begegnen würde, der einfach auf mich zugeht, total offen und herzlich ist. Aber das habe ich damals echt verbockt, vielleicht kriege ich jetzt die Strafe dafür und muss einsam bleiben :°(

Ich würds an deiner Stelle vielleicht einfach mal ausprobieren...kannst ja auch damit anfangen wenn ihr locker seid und mal was getrunken habt oder so.

Da fängt das Problem eigentlich schon an, weil "locker" gibt es bei mir und meinen Freunden eigentlich nie. Es sind alles Freundschaften, die aus Geschäftsbeziehungen entstanden sind und wir treffen uns nie Zuhause, wo es mal ein wenig gemütlicher werden könnte, sondern nur außerhalb zum Essen, wo man nach spätestens 2 Stunden und dem Dessert wieder geht. Viel getrunken wird da nicht, Stimmung kommt keine auf.

BdE A pLxUV


fang doch mal klein an.. z.b. ne umarmung zum geburtstag von deiner freundin, also wenn du ihr geburtstag wünschst.

Ich habe es schon an Weihnachten versucht, also mir vorgenommen, aber es fällt mir so schwer, weil das da wirklich niemand macht und ich dann die erste wäre, die nach Jahren, in denen es immer gleich abläuft, einfach die "Regeln" ändert, wenn ihr versteht was ich meine. Es ist da einfach nicht üblich, sich zu umarmen, ich kriege es nur mit, dass sie es bei anderen tun, also außerhalb unseres Kreises, wenn jemand einen anderen Bekannten trifft, der nicht zur "Geschäftsclique" gehört, sondern z.B. ein Freund aus Kindertagen ist.

NYormalve[r_Kexrl


Hmmm...keine Ahnung ob man da was machen kann.

Verkehrst du nur in diesem einen Kreis?

Sonst könnte man sich sagen, such dir Freunde die dir geben was du brauchst, allerdings finde ich solche Ratschläge real kaum umzusetzen.

B=E Ay LUV


Verkehrst du nur in diesem einen Kreis?

Ja, bisher eigentlich ausschließlich.

Sonst könnte man sich sagen, such dir Freunde die dir geben was du brauchst, allerdings finde ich solche Ratschläge real kaum umzusetzen.

Das ist ja im Grunde auch meine Frage, wie ich das angehen kann. Wie finde ich jemanden, der mir das gibt, was ich brauche, ich kann ja schlecht eine Kontaktanzeige aufgeben à la "Suche Freunde, die Umarmungen und den Gebrauch von Kosenamen nicht scheuen" oder so ähnlich :-/ ;-D Und irgendwie finde ich das auch seltsam, wenn ich mich sozusagen gezielt auf die Suche mache, weil ich immer dachte, Freundschaften müssen sich einfach so ergeben, es ist ja keine Dienstleistung, die ich da in Anspruch nehme, also wenn ich jetzt gezielt suche, komme ich mir vor, als benutze ich denjenigen dann.

BAE A xLUV


Schreibt ruhig einfach mal, wie das bei euch ist, wie sich in euren Freundschaften Körperkontakt ergibt / ergeben hat, ob das einfach so kommt und ich die einzige bin, die sich Gedanken darüber macht %:|

MEnemo|s#yyne


Hey,

also ich gehöre auch zu denen, die auf Abstand gehen, wenn es um Körperlichkeiten zwischen Freunden geht.

Ich weiß selbst nicht wieso, ich finde es befremdlich, fühle mich sofort unwohl, wenn mir jemand "zu nah" kommt. Mit meiner besten Freundin gibt es am Geburtstag mal eine Umarmung, sonst nicht, also auch nicht zur Begrüßung, wie es bei vielen üblich ist.

Bei Bekannten muss ich es wohl ab und an hinnehmen, aber es geht nie von mir aus und mittlerweile merken es die Menschen auch und lassen es.

Wie man da wieder umschwenken kann.. ich weiß es nicht (ich habe ja auch nicht das Bedürfnis dazu). Ich glaube, am besten würde sowas bei neuen Menschen gehen, die man noch nicht kennt und die so unvoreingenommen das "übliche" machen.

Ich muss sogar gestehen, mich schrecken Leute ab, die da zu sehr drauf fixiert sind, ich fühle mich in dieser Gruppe dann unwohl und fange sie nach einer gewissen Zeit an zu meiden (verbaue mir also selbst etwaige Freundschaften).

Lustigerweise habe ich bei meinem Freund keinerlei Probleme, ganz im Gegenteil, der soll mich am besten die ganze Zeit irgendwie "anfassen" (also nicht unbedingt in sexueller Sicht, das natürlich auch, aber einfach nur, wenn man nebeneinandersitzt irgendeine Berührung oder nah zusammensein etc.)

M/nemo'syyxne


ach PS: ich habe mir schon viele Gednaken gemacht, wieso ich so anders "ticke", was mit mir falsch läuft. Es ist ja eher eine Seltenheit, dass man so distanziert und reserviert ist..

aber ich kann es mir nicht erklären ":/

BpE AA xLUV


Ich muss sogar gestehen, mich schrecken Leute ab, die da zu sehr drauf fixiert sind, ich fühle mich in dieser Gruppe dann unwohl und fange sie nach einer gewissen Zeit an zu meiden (verbaue mir also selbst etwaige Freundschaften).

So habe ich das auch jahrelang gehandhabt. Ich finde es rückblickend echt fies von mir, wie hart ich über "solche" Leute geurteilt habe, ich habe das alles total weit von mir weggeschoben und wirklich in meinem tiefsten Inneren geglaubt, dass so ein "Getue" nicht "meine Art" ist.

Ganz los bin ich von den abwertenden Gedanken auch noch nicht, denn wie gesagt, obwohl ich hier anonym schreibe, merke ich, dass es mir total peinlich ist, ich einen roten Kopf bekomme und mich selbst total albern finde. Ich wäre emotional lieber wieder so distanziert und abgeklärt wie die Jahre zuvor.

Lustigerweise habe ich bei meinem Freund keinerlei Probleme, ganz im Gegenteil, der soll mich am besten die ganze Zeit irgendwie "anfassen" (also nicht unbedingt in sexueller Sicht, das natürlich auch, aber einfach nur, wenn man nebeneinandersitzt irgendeine Berührung oder nah zusammensein etc.)

Das geht mir übrigens auch schon immer so, in Partnerschaften bin ich eine totale "Klette", das liegt auch daran, dass der Partner der einzige Mensch ist, den ich überhaupt so nah an mich herangelassen habe, andere kennen mich gar nicht wirklich, wissen nicht viel über mich und deshalb wollte ich ihnen körperlich auch nie nah sein. Vielleicht kenn ich auch einfach nur die falschen Leute ":/

E^ins`amxeSeele


Also vllt tanz ich da jetzt aus der Reihe, aber ich finde, Umarmungen sind irgendwie eher was für jüngere Generationen, so unter 30. Wenn ich mir jetzt vorstellen würde, meine Eltern mit ihren 50+ würden ihre Freunde umarmen, käme mir das irgendwie schräg vor.

Und Freundschaften aus Geschäftsbeziehungen klingen für mich auch nicht so wirklich nach Freundschaft sondern mehr nach "Bekannten"... Wo man eben irgendwo trotzdem noch distanziert mit einander umgeht, weil man mit den Kunden/Kollegen/etc. eben im Job was miteinander zu tun hat... Halt etwas oberflächliches, mit denen man nicht über alles redet und auch nicht mehr Zeit miteinander verbringt, als ein obligatorisches Essen.. Vllt belehrst du mich hier eines besseren, es klingt für mich in deinem Fall nur halt so.


Ansonsten umarme ich eigentlich nur Männer aus freien Stücken, ich mags ganz offen gesagt nicht, die Brüste von anderen Frauen an mich gepresst zu bekommen. Bei Frauen halt ich da mehr Abstand. Und "Süße" nenn ich außerhalb des Internets auch keine, das wirkt so kindisch auf mich... Bin übrigens 20...

BVE AI L?UxV


ich habe mir schon viele Gednaken gemacht, wieso ich so anders "ticke", was mit mir falsch läuft

Wie war das denn bei dir in der Kindheit, bei der Familie? Gab es da viel Körperkontakt, Kuscheln et cetera? Oder war das auch eher unüblich? Ich kann mich zum Beispiel gar nicht daran erinnern, dass mich meine Mutter mal in den Arm genommen hat, selbst dann nicht, wenn ich mir als Kind weh getan hatte oder so.

Eninsam/eSeeole


Ach und bezüglich Händchen halten: Bin ich im Kindergarten, wo ich mich paarweise an der hand fassen muss, damit ich nicht verloren gehe? ":/ Vllt haben die alle keinen Partner zuhause, mit dem sie das machen können...

BmE A LUxV


Also vllt tanz ich da jetzt aus der Reihe, aber ich finde, Umarmungen sind irgendwie eher was für jüngere Generationen, so unter 30. Wenn ich mir jetzt vorstellen würde, meine Eltern mit ihren 50+ würden ihre Freunde umarmen, käme mir das irgendwie schräg vor.

Ich beobachte das eigentlich quer durch alle Altersgruppen, letztens zum Beispiel auf einem Geburtstag einer entfernten Verwandten. Ich gratuliere ihr per Handschlag, wie alle aus meiner Familie und die angeheirateten Verwandten sind ihr um den Hals gefallen, alle haben sich herzlich gedrückt und gebusselt.

Und Freundschaften aus Geschäftsbeziehungen klingen für mich auch nicht so wirklich nach Freundschaft sondern mehr nach "Bekannten"... Wo man eben irgendwo trotzdem noch distanziert mit einander umgeht, weil man mit den Kunden/Kollegen/etc. eben im Job was miteinander zu tun hat... Halt etwas oberflächliches, mit denen man nicht über alles redet und auch nicht mehr Zeit miteinander verbringt, als ein obligatorisches Essen.. Vllt belehrst du mich hier eines besseren, es klingt für mich in deinem Fall nur halt so.

Da hast du schon nicht Unrecht, es sind Kontakte, die über das Geschäftliche hinausgehen, also wir reden auch über Familie und andere Dinge, aber so richtig unabhängig vom Geschäftlichen würde man sich wohl gar nicht erst treffen und natürlich spricht man nicht über alles, weil man Angst hat, dass es die geschäftlichen Beziehungen schädigen könnte. ("Man" schreibe ich, weil ich mir sicher bin, dass es den anderen da echt genau so geht wie mir).

Ansonsten umarme ich eigentlich nur Männer aus freien Stücken, ich mags ganz offen gesagt nicht, die Brüste von anderen Frauen an mich gepresst zu bekommen. Bei Frauen halt ich da mehr Abstand.

Das ist auch so etwas, was mich beschäftigt, wo ich mich Frage, ob ich eine Art Mutterkomplex habe oder so, aber, hm, hier kann ich ja ehrlich sein und es einfach mal schreiben, auch wenn ich wieder 'nen roten Kopf dabei krieg: Gerade gegenüber Frauen mit großen Brüsten sehne ich mich nach solcher Körperlichkeit (körperlicher Zuwendung) – klingt sicher verrückt, ich weiß, es ist rein gar nicht sexuell motiviert. Ich assoziiere damit irgendwie Mütterlichkeit, wär gern wieder ein Kind oder so. Ach ich spinn einfach {:(

Und "Süße" nenn ich außerhalb des Internets auch keine, das wirkt so kindisch auf mich...

"Süße" war auch nur ein Beispiel, weil ich das schon so oft von anderen hörte, im Grunde ist mir die liebevolle Koseform egal, ich fände es nur schön, wenn jemand irgendso einen Namen für mich hätte.

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