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Unfreiwillig nett oder kein Selbstbewusstsein?

s@cVhteueWi?lkdkatzxe hat die Diskussion gestartet


Hallo Leute,

ich muss was loswerden... heute, bei meinem letzten Praktikumstag kam wieder etwas hoch, das mich schon lange sehr belastet.

Ich bin unfreiwillig nett und zuvorkommed und alles. Hinzu kommt natürlich mein sehr geringes Selbstbewusstsein.

Am letzten Tag des Praktikums haben mir die Kollegen ein Geschenk gemacht und ich hab übermäßig gegrinst, mindestens 1000 Mal Danke gesagt und weiß der Teufel was. Meine Gedanken, die mir durch den Kopf schossen waren: Ich hab doch eh kaum was geleistet und ein anderer Gedanke war dann noch, dass sie das eh machen müssen, etwas schenken. Mein Körper war angespannt, als die Leute so da vor mir standen und ich habe einfach viel Scheiß geredet. Ja, blabla... auf das Geschenk konnte ich dann nur mit "Wow, Ahh" eingehen, obwohl ich ja innerlich total im Fluchtmodus war. Danach saß ich dann noch am PC und konnte aber kein einziges Mal klar denken, sondern habe mir eingebildet, dass ich jetzt noch nicht deutlich mich bedankt habe. Ich war so nervös. Und weiß der Teufel was.

Wenn ich dann Bekannten davon erzähle, dann sagen sie immer: Ja, nimm das doch an, und dein Wesen ist doch so toll... nimm doch an, dass man dich mag.

Das Schlimme ist aber, dass ich eigentlich gefühlt gar nicht so nett bin. Es ist eben immer dieses Unterwürfige, diese Angst vor Ablehnung, die mein Verhalten bestimmt.

Und deswegen fällt es mir schwer, mich so anzunehmen. Ich will auch mal jemand sein, der sich

ENTWEDER ernsthaft über das Geschenk freut, damit ich mich auch ernsthaft und nicht aus reinem PFLICHTGEFÜHL bedanken kann... ODER einfach jemand sein: Ne, das war doch jetzt nicht nötig! Und dann sowas wie, ihr spinnts doch! sagt...

Ich komme grad gar nicht klar und ich weiß nun wirklich nicht, wie ich die Sache interpretieren kann. Ist es wirklich ein geringes Selbstbewusstsein, dass ich eben die Sache nicht annehmen kann (erlernt aus viel Kritik im Kindesalter) oder ist es diese Angst vor Ablehnung, dass ich es eigentlich gar nicht annehmen will, es aber aus Pflichtgefühl und Angst tu ???

Kann mir jemand vielleicht eine Antwort darauf geben? Ich blick nicht durch!!! LG

Antworten
A2ns(harxy


Ich denke es ist bei dir eine Mischung aus beidem. Du hast angst abgelehnt zu werden und nicht genug Selbstwertgefühl/Selbstvertrauen um zu sagen "ok, nicht jeder mag mich ich steh aber zu der Person die ich bin"

Dabei würde ich das gar nicht auf das Geschenk beziehn. so wie du es schreibst hast du ein generelles Problem mit deinem Selbstwertgefühl und der Angst vor Ablehnung.

Kollegiale Geschken würde ich übrignes höflichkeitshalber in so einem Fall annehmen. Sie haben sich gedanken gemacht, Geld und Zeit investiert. Sowas abzulehnen würde sie vor den Kopf stoßen. Außerdem würden sie anders reagieren, wenn du nicht gut genug gewesen wärst.

Du hast gute Arbeit geleistete.

Kann es sein, dass IMMER das Gefühl bei Lob hast, dass du es eigentlich gar nicht verdienst?

s\cheTueWildwkatzxe


Hallo Anshary, vielen Dank für deine Antwort. Ich bin irgendwie grad am Durchdrehen. Weil ich jetzt auch noch Schiss habe, dass in meiner Persönlichkeit "Verträglichkeit" aus den Big Five zu sehr drin habe. Das ist eine Persönlichkeitsausprägung, die scheinbar angeboren ist. Aber es ist auch Tatsache, dass ih kein Selbstbewusstsein habe und deshalb einfach nichts mache, das ich vielleicht gerne tun würde (obwohl ich meistens sowieso in Gegenwart anderer nicht genau weiß, ob ich nun wirklich will oder nicht... also z.B. einfach Kopfhörer ins Ohr, z.B. bei ner Mitfahrgelegenheit).

Also mit Lob kann ich theoretisch umgehen, wenn ich selber denke, etwas gut gemacht zu haben. Obwohl ich da auch erstmal ein komisches Gefühl habe, aber es kommt zumindest bei mir an. Bei dem Praktikum hatte ich eben das Gefühl, dass ich all die Arbeit getan und durchgezogen habe, obwohl ich von Anfang an eigentlich wieder weg wollte, weil die Arbeit irgendwie stupide war, weil ich generell grad in ner schwierigen Phase bin und naja, ich hab auch teilweise sehr wenig geleistet, da ich mich schlecht konzentrieren konnte. Was halt war ist, dass ich brav zu jedem Mittagessen mitgegangen bin und immer freundlich war und eben auch jeden Schmarrn artig erledigt habe. Meine Gefühlslage hat aber, denke ich, keiner mitbekommen bzw. als Heimweh interpretiert (?!). Und deswegen fühlte ich mich dann auch schlecht, weil ich im Grunde froh war, wegzukommen und dann sowas, was ja immer auch verbunden ist mit: Denk an uns! und dann fragten sie noch, ob es mir gefallen hätte...

Aber ja, ich wollte natürlich auch keinen vor de Kopf stoßen. Trotzdem war das Gefühl einfach unerträglich. Und mein Zustand danach.

Mich belastet meine Höflichkeit und ich denke mir, wenn es rein am Selbstwertgefühl liegt, dann kann ich ja auch noch was ändern...

Ich hatte so ein Problem schon damals, da hat eine "Freundin" immer gewollt, dass ich was mit ihr mache. Und ich habe niemals etwas gesagt, in Gedanken habe ich sie aber gehasst. Und bei sowas wäre ja Angst vor Ablehnung egal... ich wäre ja froh geewesen, sie loszuwerden. Ich hab aber solche Angst gehabt. Ich verstehe das nicht?! Das ist wie Aschenputtel, die aus irgendeinem Grund auch nichts gegen die bösen Stiefschwestern sagt?!?! Doch welchen Grund könnte ich gehabt haben?

Also ist das schon sowas wie ne Art keine Selbstwertgefühl oder was ist das? Ich sollte ja eigentlich aufhören zu grübeln.... Gruß, ich

a:ukg233


Zum Begriff "Selbstwertgefühl" möchte ich anmerken. Dieses ist nichts, was man erwerben kann wie einen Magisterabschluss oder Lehrabschluss. Selbstwertgefühl erwirbt man sich im Laufe seines Lebens. Es gibt Menschen, die können sich ein solches Gefühl von den ersten Lebensjahren an erwerben, wohl eher seltene Fälle. Die meisten Mitmenschen müssen sich dieses Gefühl mühsam über die Jahre hinweg erwerben. Und dann ist es nicht immer in gleicher Stärke und zu jeder Zeit verfügbar. In mancher Situation ist es ausreichend vorhanden und erfüllt seinen Dienst, in anderen Situationen fragt man sich nachher, wo war es nur?

Nach einem solchen Geschenk wie geschildert am Ende des Praktikums hätte ich schon gefragt, was dazu bewogen hat, dieses Geschenk zu machen. Warum nicht solche Rückmeldungen einfordern? Sie sind wichtig zur eigenen Standortbestimmung.

AOnsxhary


hallo scheueWildkatze,

ich kann dir leider nicht sagen, woher dein gerunges Selbstwertgefühl kommen könnte. Ich kann auch vertsehen, wenn du ein komisches Gefühl hast, wenn du den Leuten sagst das du es toll gefunden hast, es aber nicht so war. Würde mir auch so gehen. Dennoch können sie der Meinung sein, dass du gute Arbeit geleistet hast. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Die klingst wie jemand der sich nicht recht traut zu sich und seiner Meinung/Bedürfnissen/Interessen etc zu stehen, wenn jemand anderes dabei ist. Kann das vielleicht sein, oder liege ich da falsch?

WAat3erli


Ich weiß gar nicht so sehr, wo das Problem ist. Dein Praktikum ist jetzt vorbei? Na ist doch gut... ich meine sowas muss nicht immer Spaß machen und so... das ist doch völlig ok. Umso besser, wenn es bei den anderen ganz anders rüberkommt. Ich finde da kann man schon danke sagen und bisschen flunkern, wenn man gefragt wird, obs gefallen hat. Und nicht drüber nachdenken, ob man ein Geschenk verdient hat... sondern einfach freuen, dass man nicht wirklich viel machen musste und sich keiner beschwert hat, das ist doch cool. Jetzt kannste dich freuen, dass es zuende ist. Und dass du einen netten Eindruck hinterlassen hast. :-D

Und das nächste Mal wenn du was blöd findest, dann gehst du halt eher... machs doch einfach (vorausgesetzt du hast die Wahl, denn Essen kaufen fände ich persönlich jetzt wichtiger, als nen doofen Job hinzuschmeißen, wenn er noch halbwegs erträglich ist und man sich halbwegs mit wenig Arbeit gut durchwurschteln kann ;-)). Solange die Sachen nicht auf Dauer sind, kannst du auch ruhig mal was machen, was du nicht 100%ig toll findest, das machen ganz viele (und viele sogar auf Dauer :-/ ). Freu dich einfach, dass du es gut überstanden hast. Da hast du auch ein Geschenk verdient, BESONDERS, wenn du dich quälen musstest. Das Geschenk ist da quasi Pflicht! ]:D

m'nxb


Hallo! Ich schreib auch mal was dazu... :)

Wenn ich dann Bekannten davon erzähle, dann sagen sie immer: Ja, nimm das doch an, und dein Wesen ist doch so toll... nimm doch an, dass man dich mag.

Sie "mögen" dich... aber sie können dich offensichtlich nicht sehen. Nicht sehen, wie es in dir drin aussieht, nicht sehen, wie es dir geht. Wie soll man jemanden mögen, den man nicht sehen kann? Sicher, es ist gut gemeint. Aber wenn du dieses "mögen" annehmen würdest, würdest du gleichzeitig der Situation zustimmen, dass du nicht gesehen wirst, und dass dir dieses "mögen" ausreicht. In meinen Augen wäre das ein Stück Selbstverletzung... sich selbst auf eine oberflächlichere Ebene zu degradieren...

Das Schlimme ist aber, dass ich eigentlich gefühlt gar nicht so nett bin.

Das hat nichts mit nett sein zu tun, es ist reiner Selbstschutz...

Es ist eben immer dieses Unterwürfige, diese Angst vor Ablehnung, die mein Verhalten bestimmt.

...wenn du authentisch wärst, dann würdest du sie damit konfrontieren, dass sie es nicht geschafft haben dein wirkliches Wesen zu sehen... dass sie vielleicht gar nicht damit umgehen könnten... dass sie das falsche Geschenk ausgewählt haben (materielle Geschenke können übrigens niemals ein Ersatz für wirklich tiefe Bedürfnisse, z.B. so gesehen und angenommen werden zu wollen wie man ist, sein) etc. Kann es sein, dass du in Wirklichkeit Angst davor hast, Menschen in so einer hilflosen Situation zu sehen? Dass sie sich Mühe gegeben haben und am Ende erkennen müssen, dass es "nicht genug" war? Oder z.B. der Wut, die sie fühlen, wenn du sie damit konfrontieren würdest?

Ich komme grad gar nicht klar und ich weiß nun wirklich nicht, wie ich die Sache interpretieren kann. Ist es wirklich ein geringes Selbstbewusstsein, dass ich eben die Sache nicht annehmen kann (erlernt aus viel Kritik im Kindesalter)

Zur Kindheit: Für Kinder, insbesondere ganz kleine, ist die Aufmerksamkeit der Eltern überlebensnotwendig. Deshalb passen sich Kinder optimal an ihre Eltern an (sie werden zum Spiegel für die Eltern): Wenn du damals viel Kritik erfahren hast, dann hast du in dieser Kritik Aufmerksamkeit erfahren (selbst ein Kind, das geschlagen wird, erfährt Aufmerksamkeit, deshalb provoziert ein Kind auch eher, geschlagen zu werden, als ignoriert/übersehen zu werden...). Aber da die Kinder ja nur "Spiegel" sind, kritisieren die Eltern in Wirklichkeit sich selber. Sie können es aber nicht erkennen, weil sie in diesem Punkt blind sind. Hattest du als Kind ein ähnliches Gefühl? Dass du, dass dein wahres Wesen, was du brauchen würdest und was dir gut tun würde, von deinen Eltern nicht gesehen wurde? Gibt es Parallellen zu deinen heutigen Erfahrungen? In deiner Kindheit hast du Strategien entwickelt, um Nähe zu deinen Eltern zu bekommen. Möglicherweise indem du die Kritik über dich ergehen lassen und nicht widersprochen hast. Das könnte auch heute noch deine Strategie sein, Liebe und Anerkennung zu erfahren... ein möglicher Ausweg besteht darin, sich den früheren Erfahrungen und Gefühlen zu stellen, zu trauern, und sie so nach und nach aufzuarbeiten...

Selbst-Bewusstsein ist übrigens kein schwammiges Ding, das von alleine oder durch bestimmte Verhaltensweisen entsteht, sondern dadurch, dass man sich intensiv mit sich selbst und seinen Gefühlen auseinandersetzt und herausfindet, wofür sie stehen... was einem selbst wichtig ist, und wo man sich nur anderen unterordnet, und aus welchem Grund (wo der "Gewinn" hinter dieser Unterordnung liegt).

oder ist es diese Angst vor Ablehnung, dass ich es eigentlich gar nicht annehmen will, es aber aus Pflichtgefühl und Angst tu ???

Hier fallen mir zwei Dinge ein:

1.) Gegensätze bilden eine Einheit. So gehören z.B. Wut/Gewalt und Hilflosigkeit zusammen, hinter ihnen steckt das selbe Gefühl. Deshalb kommt es auch oft vor, dass Menschen plötzlich vom einen ins andere Extrem wechseln, wenn der entsprechende Partner zu "leben" dieser Gefühle fehlt. Bei dir könnte das heißen: Du sehnst dich nach Anerkennung, und wenn du diese aber tatsächlich bekommst, dann kannst du dein "Muster" aus deiner Kindheit, das für dich persönlich mit der bestmöglichen Erfahrung von Nähe verknüpft ist, nicht merh leben: Du übernimmst dann selbst die Rolle deiner Eltern, indem du z.B. von deiner Freundin nichts wissen möchtest bzw. sie sogar hasst.

2.) Das mit dem Pflichtgefühl bzw. der Angst, zu widersprechen, kann damit zusammenhängen, dass du früher durch die Unterordnung und das Unterdrücken deiner eigenen Impulse ein Stück Nähe und Anerkennung bekommen hast: Du lässt dich kritisieren, stimmst dem zu, und besänftigst damit deine Eltern. Was wäre die Alternative gewesen? Eskalation? Vollständiger Verlust des bisschen Zuneigung, das du noch spüren konntest? Das könnte dann die Motivation für dein heutiges Handeln sein... die Angst, "das bisschen" Aufmerksamkeit auch noch zu verlieren und dann ganz alleine dazustehen...

Kann mir jemand vielleicht eine Antwort darauf geben? Ich blick nicht durch!!! LG

War jetzt ein wenig mehr, und vielleicht auch ein wenig verwirrend, würd mich aber freuen, wenn du trotzdem etwas damit anfangen kannst. Und wenn nicht, dann mach dir keine Sorgen, das ist dann allein mein Problem und ich bin stark genug, es alleine zu tragen – du hast also keine Verpflichtung, in irgendeiner Weise dankbar zu sein ;-) (mal als alternative Möglichkeit, eine Situation zu sehen, im Vergleich zu deiner Geschichte mit dem Abschiedsgeschenk) *:)

Viele Grüße!

s4cheueWi7ldkatxze


Hallo mnb!

hier mal ein paar Anmerkungen zu deiner Antwort, die den Nagel auf den Kopf trifft!

Sie "mögen" dich... aber sie können dich offensichtlich nicht sehen. Nicht sehen, wie es in dir drin aussieht, nicht sehen, wie es dir geht. Wie soll man jemanden mögen, den man nicht sehen kann? Sicher, es ist gut gemeint. Aber wenn du dieses "mögen" annehmen würdest, würdest du gleichzeitig der Situation zustimmen, dass du nicht gesehen wirst, und dass dir dieses "mögen" ausreicht. In meinen Augen wäre das ein Stück Selbstverletzung... sich selbst auf eine oberflächlichere Ebene zu degradieren...

Genau das ist es. Ich schaue nett, ich habe Gesichtszzüge und eine Stimme, dass im ersten Augenblick jeder Mensch sofort denkt, ich sei sowas von sympathisch. Ich habe den Gesichtsausdruck bei jedem Menschen, egal ob er mich nervt oder nicht. Ich kann nicht anders. Und deshalb habe ich auch Freunde, die mich in Wahrheit leider nicht kennen und ich habe mich über die Jahre so sehr bemüht, sie so zu mögen, wie sie mich. Es funktioniert aber nicht. Weil sie mich nicht kennen. Eine Freundin, die nervt mich mit ihrer Art so sehr und ich habe, bevor ich sie näher kennen gelernt habe, mir gesagt, mit ihr könnte ich niemals befreundet sein. Wie es das Schicksal will, ist sie dann an mich rangekommen. Und mich plagen nun immer Schuldgefühle.

Und wenn ich Geschenke bekomme, dann versuche ich mich krankhaft immer darüber zu freuen, und es sind oft Geschenke, wo die Leute sicher sind, dass ich es mag. Weil ich ja in Situation XY so über dieses Ding abgegangen bin. Fast nie war es authentisch, sondern eine überbetonte Zustimmung, um ja dem Gegenüber nicht zu missfallen.

Aber da die Kinder ja nur "Spiegel" sind, kritisieren die Eltern in Wirklichkeit sich selber. Sie können es aber nicht erkennen, weil sie in diesem Punkt blind sind. Hattest du als Kind ein ähnliches Gefühl? Dass du, dass dein wahres Wesen, was du brauchen würdest und was dir gut tun würde, von deinen Eltern nicht gesehen wurde?

Das, was du über die Angst vor Zurückweisung bei den Eltern sagst, ist genau das, was ich als Kind jahrelang geübt habe. Besonders schwer war es, meinem Vater genug zu sein. Und schon kleine Sachen haben ihn irgendwie immer verstimmt. Und ich weiß halt, dass ich auf der anderen Seite nie jemanden in seinen Gefühlen verletzen wollte, oder es war die Angst. Meine eigenen Bedürfnisse konnte ich deshalb nie ausleben. Ich weiß gar nicht, was mir gut getan hätte... ich weiß, dass ich innerlich Gefühle hatte, z.T. auch starke Angst und Panikgefühle, aber diese zu zeigen hätte ich nicht gewagt... deshalb hat es nie jemand erkannt, wenn es mir schlecht ging. Ich wollte immer, dass sie es merken, ich dachte, man kann es doch von meinem Gesicht ablesen. Aber jetzt weiß ich, dass man es scheinbar gar nicht kann. Und deshalb war es auch später so, wenn ich mal irgendwas hatte und ich es ausdrückte, dass es abgetan wurde, weil meine Stimme nicht danach klang.

Heute war ich auf einen Geburtstag eingeladen. Da war die Situation schon wieder so. Ich habe im Laufe der Feier gemerkt, dass mich keiner "braucht". So war das Gefühl. Und ich bin immer stiller geworden und irgendwann war ich so in mich gekehrt, dass einer zum Spaß meinte, ich gucke so apathisch. Und genau so war es. Ich war so schockiert. Und ich hatte dieses starke Gefühl des überflüssig Seins... und ich habe lange mit mir gekämpft bis ich sagen konnte, ich gehe jetzt. Denn da waren einerseits die Schuldgefühle, dass das Geburtstagskind denken könnte, mir gefalle es nicht und der Punkt, dass ich ja gehe, weil ich mich überflüssig fühle und nicht, weil ich etwas Besseres vorhabe(doch, hier rein zu schreiben). Ach und ich hatte eigentlich noch ein Geschenk für das Geburttagskind, habe mich aber dann doch nicht getraut, es herzugeben. Wie blöd. Und dabei habe ich mir echt was Nettes einfallen lassen....

Aber wieso weißt du so genau davon, mnb? Und weißt du, wie ich es ablegen kann? Ich interpretiere es schon als eine Art Mangel an Selbstwertgefühl. Weil ich mir bei Menschen, denen es gut geht und niemanden brauchen, überflüssig fühle. Weil ich dann keine eigenen Bedürfnisse entwickeln kann, sondern eingehe. Und das Schlimme ist, ich merke, je älter ich werde, dass mich wirklich keiner "braucht", bzw. ich den Zustand nicht mehr will, zumal er immer, oder fast immer unfreiwillig kommt. Zumal ich auch merke, dass ich so niemals einen Freund finden kann. Ich stehe nämlich meistens auf Männer, die eigenständig sind...

Manchmal denke ich mir, ich bin die Einzige, die so ist und sich aber trotzdem immer zu den "Starken" so hingezogen fühlt. Ich kenne auch andere Menschen mit dieser Art Nettigkeit. Die tun das dann aber gerne und können sich auch immer noch gut Meinungen über die Menschen bilden. Ich kann das meistens nicht. Ich finde immer alle Menschen nett und bin innerlich schon immer mit ihnen befreundet und mich sehen sie aber nicht.

Ach Mann... ich hab vielleicht Probleme ;-) ne aber echt, hab ich schon. LG, Sansa

mxnb


Hallo *:) schön, dass du mit meiner Mail etwas anfangen konntest :-)

Eine Freundin, die nervt mich mit ihrer Art so sehr und ich habe, bevor ich sie näher kennen gelernt habe, mir gesagt, mit ihr könnte ich niemals befreundet sein. Wie es das Schicksal will, ist sie dann an mich rangekommen.

...das zeigt doch schonmal, dass du eigentlich ein sehr gutes Gefühl und eine gute Menschenkenntnis hast :-) Was dir gefehlt hat, war dann wohl die Fähigkeit, es auch konsequent umzusetzen.

Und mich plagen nun immer Schuldgefühle.

Welche Art von Schuldgefühlen, bzw. wem gegenüber? Dir selbst oder deiner "Freundin"?

Das, was du über die Angst vor Zurückweisung bei den Eltern sagst, ist genau das, was ich als Kind jahrelang geübt habe. Besonders schwer war es, meinem Vater genug zu sein. Und schon kleine Sachen haben ihn irgendwie immer verstimmt. Und ich weiß halt, dass ich auf der anderen Seite nie jemanden in seinen Gefühlen verletzen wollte, oder es war die Angst.

Ja... das gehört zusammen. So wie du deinen Vater beschreibst klingt er ziemlich überlastet (ob es nun von der Arbeit, von eigenen früheren Erfahrungen oder Anderem ist). So kann ihn schon die kleinste Kleinigkeit (die nicht in sein Weltbild oder den Bereich seiner Fähigkeiten passt) aus dem Konzept bringen, ihn eine Menge seiner verbleibenden Kraft kostet (die er eigentlich dazu braucht, um seiner Überlastung standzuhalten)... als (kleines) Kind hat man aber ein existentielles Bedürfnis nach Nähe zu seinen Eltern. Und diese Nähe hast du bekommen indem du gefühlt hast (und dieses Gefühl in dir aufgenommen hast), dass du "nicht genug" bist ( -> dass du deinen Vater nicht "retten" kannst – das große Dilemma vieler Kinder!) ... und dennoch hast du es versucht, indem du dich ihm gegenüber möglichst besänftigend verhalten hast, also dir Mühe gegeben hast, wenigstens zu versuchen, "gut genug" zu sein. So hast du die maximal mögliche Nähe zu ihm bekommen... und dein Verhalten war eine Überlebensstrategie, die du gelernt (und weil sie so wichtig war tief verinnerlicht) hast. Es ist deine Art geworden, Liebe und Verbundenheit zu empfinden. Und wie du vielleicht bemerkt hast, lebst du dieses Verhaltensmuster heute auch mit den anderen Menschen in deinem Umfeld...

ich weiß, dass ich innerlich Gefühle hatte, z.T. auch starke Angst und Panikgefühle, aber diese zu zeigen hätte ich nicht gewagt... deshalb hat es nie jemand erkannt, wenn es mir schlecht ging.

...das hört sich nach einem wichtigen Selbstschutz an... stell dir einmal vor, du hättest deinem Vater gezeigt wie es dir geht... wie hätte er wohl reagiert, hätte er überhaupt ertragen können auch noch damit konfrontiert zu werde? (Ich gehe mal davon aus, er wäre aufgrund seiner eigenen Situation gar nicht in der Lage gewesen, dir zu helfen... und hätte dann nur noch intensiver seine Ohnmacht/Hilflosigkeit gefühlt. Übrigens, Hilflosigkeit und Wut/Gewalt sind die selben Dinge, drum kann auch eines so schnell ins andere umschlagen.

Ich wollte immer, dass sie es merken, ich dachte, man kann es doch von meinem Gesicht ablesen. Aber jetzt weiß ich, dass man es scheinbar gar nicht kann. Und deshalb war es auch später so, wenn ich mal irgendwas hatte und ich es ausdrückte, dass es abgetan wurde, weil meine Stimme nicht danach klang.

...da spiegelt dir wohl dein Umfeld dein "Kindheitstrauma"... nicht gesehen zu werden... und dieser Situation machtlos ausgeliefert zu sein.

Heute war ich auf einen Geburtstag eingeladen. Da war die Situation schon wieder so. Ich habe im Laufe der Feier gemerkt, dass mich keiner "braucht".

Hmm, dieses "gebraucht" werden ist ein etwas anderer Aspekt... gab es eine Zeit, wo du jemanden "gebraucht" hättest? Vielleicht jemand, der dich sehen kann? Manchmal entsteht aus solchen Situationen ein Verhalten, wo man selbst anderen Menschen das geben möchte, was einem selbst versagt blieb... eine Art Versuch, seine eigene Vergangenheit zu "retten" indem man die Erfahrung neu gestaltet... bzw. das in die Welt bringt, was dem eigenen Empfinden nach "gefehlt" hat... aber kann auch andere Hintergründe geben...

So war das Gefühl. Und ich bin immer stiller geworden und irgendwann war ich so in mich gekehrt, dass einer zum Spaß meinte, ich gucke so apathisch. Und genau so war es. Ich war so schockiert.

...zum einen der Wunsch, gesehen zu werden... und dann der Schock und die Angst wenn man merkt, dass man vielleicht tatsächlich gesehen wird... weil das dann eine völlig neue Situation ist, mit der man noch keine Erfahrungen hat, nicht gelernt hat wie man mit ihr umgehen kann, und sich dementsprechend unsicher fühlt...

Und ich hatte dieses starke Gefühl des überflüssig Seins... und ich habe lange mit mir gekämpft bis ich sagen konnte, ich gehe jetzt.

Aber du hast es geschafft! @:) Das ist doch schonmal etwas... du hast für dich selbst gesorgt :)*

Denn da waren einerseits die Schuldgefühle, dass das Geburtstagskind denken könnte, mir gefalle es nicht und der Punkt, dass ich ja gehe, weil ich mich überflüssig fühle und nicht, weil ich etwas Besseres vorhabe(doch, hier rein zu schreiben).

...wenn du dich in einer Situation nicht wohl fühlst und dann gehst, dann kümmerst du dich um dich. Stell dir mal vor, jeder Mensch würde (oder könnte) auf sich selbst achten und an dem Punkt konsequent Grenzen setzen und für sich sorgen, wo ihm etwas zu viel wird. Dann müsste niemand mehr Angst haben, jemandem zu nahe zu treten... keiner müsste sein Handeln mehr daran ausrichten, was die andere Person der eigenen Meinung nach wollen oder nicht wollen könnte. Denn wenn man für andere Menschen entscheidet, dann besteht immer die Möglichkeit, dass man sich irrt... (so wie bei dir viele nicht sehen konnten, wie es dir geht). Und man projeziert oft seine eigenen Probleme auf Andere, was auch ziemlich lästig sein kann. Niemand kann letztendlich besser wissen, was einem gut tut, als man selbst. Und wenn jeder für sich selbst Verantwortung übernehmen würde, wäre so manches einfacher ;-) ... wenn du dir nun Gedanken darüber machst, was das Geburtstagskind denken könnte, dann übernimmst du jedoch Verantwortung für jemand Anderen. Und dadurch entstehen oft diese ausweglos erscheinenden Situationen... letztendlich ist aber das Geburtstagskind dafür verantwortlich, wen sie einlädt... wenn sie ihre Gäste mag, dann hat sie auch Verständnis dafür wenn sich jemand nicht wohl fühlt und geht. Und wenn sie kein Verständnis hat, dann wäre sie zumindest für mich ein Mensch, dem ich mich nicht einfach unterordnen möchte... dem ich nicht das Recht zugestehe, von anderen (ganz allgemein) zu verlangen, dass sie sich für sie selbst in eine Situation begeben, die ihnen nicht gut tut...

Aber wieso weißt du so genau davon, mnb?

...hab ich lange und intensiv damit beschäftigt :-)

Und weißt du, wie ich es ablegen kann?

...dir immer wieder dessen bewusst werden, was in dir (und in deinem Umfeld) eigentlich abläuft, welche teile von dir berührt werden... das "Ablegen" verläuft in der Regel durch das Aufarbeiten des in der Vergangenheit liegenden Schmerzes (den man dazu nochmals fühlt)... also z.B. die Angst und Panik, von der du oben geschrieben hast... diesen Gefühlen zuzustimmen, der gesamten (vergangenen) Situation zuzustimmen... auch der Tatsache zuzustimmen, dass z.B. dein Vater damals einfach nicht anders sein konnte. Indem man den Schmerz durchlebt, verarbeitet man die Erlebnisse und kann sie irgendwann hinter sich lassen. Was in deinem Fall zum Beispiel bedeuten könnte, nicht mehr das Bedürfnis zu haben, dass andere Leute dich sehen können... sondern dich einfach nicht mehr mit diesen Menschen abgeben, und stattdessen auf die Menschen zu konzentrieren, die mehr von dir sehen/wahrnehmen können (oftmals nimmt man die nämlich gar nicht wahr, selbst wenn man ihnen begegnet... weil man noch in seinen alten Problemen steckt).

Ich interpretiere es schon als eine Art Mangel an Selbstwertgefühl.

...ich hab mal eine schöne Formulierung gelesen:

Selbstwertgefühl als Folge des eigenen Handelns und nicht durch Anerkennung durch Andere

Und das Schlimme ist, ich merke, je älter ich werde, dass mich wirklich keiner "braucht", bzw. ich den Zustand nicht mehr will, zumal er immer, oder fast immer unfreiwillig kommt. Zumal ich auch merke, dass ich so niemals einen Freund finden kann. Ich stehe nämlich meistens auf Männer, die eigenständig sind...

Dieses "brauchen" das du beschreibst würde zu einer Abhängigkeitsbeziehung führen. In einer Beziehung, die auf tiefer Nähe und Gesehenwerden beruht, sind beide Partner (im Idealfall) komplett eigenständig und nicht von einander abhängig. So sind sie sich ebenbürdig, so kann jeder von ihnen frei sein und ohne (inneren oder äußeren) Zwang ein Stück dieser Freiheit aufgeben, um eine gemeinsame Verbindung einzugehen. Und wenn wirklich eine tiefe emotionale Nähe und Verbundenheit besteht, dann wird acuh jeder sowohl auf sich selbst als auch auf den Partner achten können, ganz von selbst. Baut eine Beziehung aber auf Abhängigkeiten auf, dann herrscht immer ein unterschwelliger Zwang, verbunden mit dem Wissen, dass es dem Partner sonst "schlecht" gehen könnte (siehe oben – Verantwortung für Andere übernehmen, aber nicht für sich selbst). Abhängigkeiten sind ein Zeichen für unverarbeitete schmerzhafte Erfahrungen, und diese Erfahrungen machen einen für bestimtme Dinge (und auf für Seiten des Partners) blind.

Manchmal denke ich mir, ich bin die Einzige, die so ist und sich aber trotzdem immer zu den "Starken" so hingezogen fühlt.

Je nachdem, wie du nun "Stärke" definiertst... wenn du Menschen mit innerer Klarheit und keinen verdrängten Problemen meinst, dann ist das ein gutes Zeichen :-) Es zeigt nämlich, wohin du dich selbst entwickeln willst ;-)

Huch, bißchen arg lang geworden... entschuldige :)D

Viele Grüße!

s_cheuteWilEdka.tze


Hallo mnb,

danke für deine Antwort. Sie klingt für mich sehr plausibel!

Nochmal hierzu: "Indem man den Schmerz durchlebt, verarbeitet man die Erlebnisse und kann sie irgendwann hinter sich lassen. Was in deinem Fall zum Beispiel bedeuten könnte, nicht mehr das Bedürfnis zu haben, dass andere Leute dich sehen können..."

Wie könnte ich den Schmerz durchleben? Kannst du mir da konkret was sagen?

Und ja, mit starken Menschen meine ich eben solche, die Klarheit haben. Diese würde ich so gerne auch bekommen.

Ich habe momentan wirklich das Gefühl, dass es so unabänderbar ist. Es hat sich doch jahrelang in mich hineingefressen, dieses Gefallenwollen und die Suche nach Anerkennung. :(

s\choeueW*ildkhatzxe


...das hört sich nach einem wichtigen Selbstschutz an... stell dir einmal vor, du hättest deinem Vater gezeigt wie es dir geht... wie hätte er wohl reagiert, hätte er überhaupt ertragen können auch noch damit konfrontiert zu werde?

Oh mein Gott, das ist sowas von deprimierend.

Heute war ich auf einen Geburtstag eingeladen. Da war die Situation schon wieder so. Ich habe im Laufe der Feier gemerkt, dass mich keiner "braucht".

Ja ich hatte Situationen, wo ich dachte, dass ich gerne Hilfe hätte, aber ich hätte es nicht gewagt, mich jemandem anzuvertrauen. Ich sehe es auch ein wenig so: Dass eben keinen gefühlten Selbstwert besitze, der es mir sagt: Du darfst auch exisitieren, ohne gerade jemandem zu Diensten zu sein. Ich merke nämlich oft, dass wenn ich jemanden dabei habe, der sich auch nicht auskennt (z.B. weil er schüchtern ist), und der mich dann braucht, dass ich dann viel offener bin und so eine Art Existenzberechtigung in so einer Gruppe fühle.

...zum einen der Wunsch, gesehen zu werden... und dann der Schock und die Angst wenn man merkt, dass man vielleicht tatsächlich gesehen wird... weil das dann eine völlig neue Situation ist, mit der man noch keine Erfahrungen hat, nicht gelernt hat wie man mit ihr umgehen kann, und sich dementsprechend unsicher fühlt...

Oh ja, das kann sein. Dass ich dann tatsächlich erkannt wurde. ich hatte so ein Erlebnis mal, als ich Karaoke gesungen habe. Da war ich für eine Sekunde ich selbst auf der Bühne und ich habe gemerkt, wie der eine gleich darauf aufmerksam wurde. Ich war dann auf einmal sowas von perplex, danach habe ich mich sofort wieder verkrochen. Oder auch beim vor Leuten reden würde mich das authentische Sein vielleicht echt überfordern! OMG, was für Erkenntnisse!

Selbstwertgefühl als Folge des eigenen Handelns und nicht durch Anerkennung durch Andere//

Jah, versuche das seit einiger Zeit durchzuziehen. In meinem Kopf spukt aber meistens dann doch noch der Gedanke an jemanden, der mich vielleicht in meinem Tun sehen könnte und mir seine Anerkennung mitteilt.

Aber immerhin mache ich schon ein wenig Fortschritte. Heut hat mich eine Freundin angerufen und nach ein paar Minuten gefragt, ob der Anruf unpassend ist. Ich klang nämlich ein wenig abwesend, da ich nicht so viel Lust zum Telen hatte;) Juhuu!!! Das ist ein in GIGANTISCHER FORTSCHRITT! (Oder, mnb ???)

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