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Prodromalphase Schizophenie?

C>hrisx_24 hat die Diskussion gestartet


Hallo.

Ich muss zuerst kurz von mir erzählen. Ich bin Mathematiker, 23 Jahre alt und habe einige psychische Beschwerden, die mir große Sorgen bereiten.

Es fing alles mit Beginn meines Studiums vor 4 Jahren an. Damals war ich gerade mit dem Abitur fertig und hab mit großer Begeisterung ein Mathematik-Studium angefangen. Ich war schon immer höchst begabt in Mathematik und Schach (viele Wettbewerbe schon während Schulzeit mit vielen Auszeichnungen, täglich an Problemen geforscht).

Das Studium ist mir natürlich entsprechend vom Inhalt her leicht gefallen.

Nur schon zu Beginn fingen wie gesagt die Symptome an: Depressionen und Angstzustände. Ich war die ganze Zeit davon besessen irgendwie krank zu sein und hab viele Ärzte aufgesucht und war oft für Wochen nicht fähig die Wohnung zu verlassen wegen Depressionen / Trauer. Das hat sich dann aber auch immer wieder gelegt, kam sozusagen in Schüben.

Außerdem kam völlige Isolation hinzu, keine Kontakte, bin nie zur Uni gegangen (außer zu Prüfungen) etc.

Später kamen dann die "komischen" Vorstellungen dazu. Ich hab z. B. immer das Gefühl, wenn ich unter vielen Menschen bin, dass die meine Gedanken "hören" können. Ich schaue ihnen genau ins Gesicht und hab das Gefühl sie reagieren auf etwas, was ich lediglich gedacht habe. Das obwohl ich natürlich weiß, dass das rational nicht möglich ist, aber das Gefühl ist halt da. Außerdem hab ich oft das Gefühl in Musikstücken direkt angesprochen zu werden, also das es praktisch um mich geht oder mir etwas mitgeteilt werden soll (schwer zu erklären).

Auch hab ich massive Konzentrationsprobleme, bin dauernd nervös und habe Zukunftsängste.

Ich hab tausend Gedanken aufeinmal im Kopf, fang oft Projekte an und kann sie aber nicht beenden.

Ich hab auch Schwierigkeiten mich genau zu erinnern.. was ich z. B. den Tag oder die Woche vorher genau getan habe. Dabei hatte ich früher ein exzellentes Gedächtnis.

Dazu kommen noch Schlafstörungen. Ich gehe jeden Tag später ins Bett. Mein Rhythmus ist total aus dem Gleichgewicht. Manchmal schlafe ich von 4 Uhr morgens bis 14 Uhr mittags, manchmal von 15 Uhr nachmittags bis 0 Uhr nachts etc..

Jetzt hab ich natürlich Angst das könnten erste Anzeichen einer schwereren psychischen Erkrankung sein, z. B. Schizophrenie...

Ich weiß, dass mir jetzt viele raten werden zum Psychiater zu gehen, aber ich habe Angst davor, dass ich gleich eingewiesen werde, wenn ich von meinen komischen Gedanken erzähle. :-(

Gibt es hier Leute mit ähnlichen Symptomen und muss ich mir Sorgen machen, dass es der Anfang von Schizophrenie sein könnte?

Danke.

Antworten
Goro2tt[ig


Du bist nicht schizophren, sonst könntest du das nicht

Das obwohl ich natürlich weiß, dass das rational nicht möglich ist, aber das Gefühl ist halt da.

Depressionen und Angstzustände.

Dagegen lässt sich etwas tun. Ich kann dir hier nur den Rat geben, tatsächlich zum Psychiater zu gehen.

SDunflloweLr_873


Vorab:

Es gibt KEINEN Grund, Dich einzuweisen. Du bist nicht akut und vollständig wahnhaft; Du stellst keine akute Gefährdung für Dich oder andere da.

Aber:

Angesichts Deiner Symptome würde ich Dir tatsächlich raten, zum Psychiater zu gehen. Oder – noch besser: Wenn Du in einer Stadt mit Uniklinik und angeschlossener Psychiatrie wohnst: Frage dort nach, ob man eine Psychosesprechstunde hat. Wenn ja, mache dort unbedingt einen Termin zur weiteren Abklärung. Und selbst, wenn man keine spezielle ambulante Sprechstunde hat, würde ich Dir raten, Dich dort vorzustellen.

Einfacher Grund für diese Empfehlung:

Niedergelassene Psychiater variieren sehr in ihren Diagnostikfähigkeiten. In einer Uniklinik bist Du besser aufgehoben.

Deine Symptome KÖNNTEN Ausdruck einer Depression sein. Der verschobene Rhythmus, Konzentrations- & Gedächtnisstörungen,... sind typische Depressionssymptome. Eine schwere Depression kann sogar mit sog. psychotischen Symptomen einhergehen.

Andererseits KÖNNTEN die Symptome genauso gut Anzeichen einer beginnden Schizophrenie sein. Depressive Symptome gehören zur sog. Negativsymptomatik. Stutzig macht mich da halt Dein Gefühl, dass man Deine Gedanken hört (Wahnsymptomatik) oder man Dich in Musikstücken direkt anspricht. Das geht eher in Richtung Schizopgrenie/Prodromalsymptomatik. Dein Alter ist für einen Mann leider auch sehr typisch. Andererseits: Du hast das Gefühl, kannst Dich aber davon distanzieren. WEISST, dass es so nicht sein kann. DAS wäre zumindest bei einer akuten Phase nicht mehr der Fall. Wobei natürlich auch sein könnte, dass aus der Prodromalphase (sollte es eine sein) eine akute Phase werden könnte.

Du siehst:

Eine klare Aussage ist kaum möglich – erst recht nicht via Internet. Die Übergänge sind fließend und man müsste vermutlich gründliche Tests (Fragebögen, klin. Interview, v.a. aber auch Test der allg. kognitiven Fähigkeiten) durchführen, um mehr Klarheit zu bekommen. Selbst dann wird eine Restunsicherheit bleiben – in dem Fall kenne ich es, dass man ggf. ein leichtes Nueroleptikum gibt und schaut, ob sich die Symptomatik verbessert. Gleichzeitig wäre definitiv eine begleitende Psychotherapie sehr sehr sinnvoll – egal, ob es nun Depression oder Prodomalsymptomatik sein sollte.

Ich kann sehr gut verstehen, das Du Angst hast – ist völlig nachvollziehbar. Was ich Dir aber mit auf den Weg geben möchte: SOLLTE es ein Prodromal sein, wäre eine sehr frühzeitige Behandlung das Beste. Weil man Schlimmeres verhindern könnte – und alle mit einer akuten Phase verbundenen Konsequenzen.

Vom Ignorieren reduziert sich das Risiko nicht – aber eine frühzeitige Behandlung ist extrem wichtig.

Einweisen wird Dich niemand. Ggf. könnte der Vorschlag kommen, unter stationären Bedingungen ein Medikament auszuprobieren. Aber da Du (wie oben schon geschrieben) weder akut wahnhaft bist noch suizidal oder eine Gefährdung für andere), kann man Dich nicht zwangseinweisen.

Das passiert erst, wenn jemand wirklich akut psychotisch ist und gar nicht mehr zurechtkommt und sich ggf. dadurch (bspw. ausbleibende Nahrungs- & Flüssigkeitszufuhr; Überzeugungen wie "Ich kann fliegen") akut selbst gefährdet. Oder aufgr. von Wahnvorstellungen (die für die Betroffenen einfach extrem beängstigend sind, um mal den üblichen Horror-Schlagzeilen entgegenzuwirken) aggressiv wird und somit im schlimmsten Fall eine Gefahr für andere darstellt.

Erspare Dir selber (SOLLTE es eine Prodromalsymptomatik sein) eine solche Erfahrung und kümmere Dich frühzeitig um eine Abklärung/Behandlung.

Alles Gute!

NCorde(nx22


Hallo,

hab mir deinen Beitrag 2 mal durchgelesen und konnte Ähnlichkeiten zu meinem ,,Fall'' erkennen. Da ich (wie mein 1. Vorredner) kein Fachmann bin (,,du bist nicht schizophren'' = dummer Beitrag), aber da ich genau weiß, was zu tun ist, hier meine Antwort:

1. Sofort zum HA (am Wochenende zur Notfallpraxis); schildere deine Krankheitsanzeichen und bestehe darauf, dass du in ein Krankenhaus eingewiesen / besser noch zum Facharzt für Psychiatrie überwiesen wirst. (denn wenn solche Anzeichen auf ein Prodromalstadium hinweisen, hast du extremes Glück gehabt, da ein Ausbruch der Erkrankung unter Umständen komplett vermieden werden kann: so wie in meinem Fall).

Ok, das war die Notfallversorgung. Die sollte wie gesagt, SOFORT erfolgen.

2. Im zweiten Schritt wendest du dich an ein Früherkennungszentrum für Psychosen (in jeder größeren Stadt, z.B. das FETZ an der Uniklinik Köln ist sehr zu empfehlen). Falls du keinen Termin auf Anhieb bekommst, soll das dein Arzt für dich regeln.

3. Für deine weitere Behandlung (falls im Früherkennungszentrum) eine Psychose / oder aber besser (und das könnte ich mir bei den Anzeichen VORSTELLEN, ein Psychoserisiko) besteht, suchst du dir einen guten Psychiater und Psychotherapeuten (Internetbewertungen helfen dort oft, den richtigen zu finden).

Hauptsache ist, dass du SOFORT Hilfe suchst. Bei mir konnte so eine Psychose erfolgreich vermieden werden.

Alles Gute,

und PS. Würde mich sehr interessieren, wie es bei dir geklappt hat.

Norden22

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