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Leichter hang zur Depression – Permanentes Nachdenken

D4a Sc3ierntifxic hat die Diskussion gestartet


Hallo liebe Forengemeinde von Med1,

nachdem ich folgenden Artikel gelesen habe, entschloss ich mich dazu, nun auch mal mein Anliegen hier vorzutragen.

[[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/228104/]]

Grundlegend habe ich mich heute auf die Suche nach solchen Themen gemacht, weil ich (malwieder) gemerkt habe, dass mein permanentes nachdenken oder grübeln, in eine Richtung abdriftet, die nicht gesund (nach meinen Vorstellungen) sein kann.

Aufgrund der vielen Suchergebnisse bei Google, zu diesen Themen, versuche ich an dieser Stelle einen etwas weitreichendere "Selbstanalyse" von mir.

Grundlegend habe ich ein kleines Problem mit meinen Gedankengängen. Ich bin permanent am Nachdenken – zu den unterschiedlichsten Themen – ob nun Politischer-, Wirtschaftlicher-, Mathematischer- oder Psychologischer Natur. Hier ist mir des Öfteren aufgefallen, dass ich mich sehr oft in Details verliere und mich auch solange nicht zufrieden gebe, bis ich eine "Eierlegende Wollmilchsau" konstruiert habe (was mir wirklich in den seltensten Fällen gelingt).

Ich vermute bisher, dass diese Detailversessenheit, in meinem Berufswunsch seinen Ursprung hat – Programmierer.

In diesem Beruf, kann ich auf jedes Detail eingehen – jedoch merke ich zunehmend, dass dies in der realen Welt eben nicht so ist – Kontrollverlust bei Details; Dies wirkt sich extrem negativ auf mein Verhalten aus. Passt mir beispielsweise die aktuelle Windstärke, oder Windrichtung im freien nicht, werde ich extrem Aggressiv, was teilweise dazu führt, dass ich meine aktuelle Tätigkeit, aufgrund von Frustration, einfach nicht weiterführen kann (scheinbar lasse ich das "große-ganze", woran ich gerade arbeite, vollkommen aus den Augen). In diesen Augenblicken, würde ich am liebsten alles in meiner unmittelbaren Nähe kurz und klein schlagen, Sachen durch die Gegend werfen, etc. pp.

Dazu kommt es jedoch in den wenigsten Fällen; Ich neige dazu, meine Umgebung mit recht hochwertigen (teuren) Utensilien auszustatten, weshalb ich glaube, dass ich diese Aggression gegen mich richte. Da ich diese Aggressionen irgendwie ausleben muss (ich kann mich in solchen Momenten nicht beruhigen), habe ich angefangen, mit meinen Fäusten gegen Wände zu schlagen, oder einfach einen Liter Wasser zu trinken (was in solchen momentan – ich denke abhängig von meiner Art in solchen Momenten zu trinken – einen stechenden Schmerz in meinem Kehlkopf auslöst). Zusätzlich scheine ich mir in solchen Momenten auch permanent irgendwelche Beziehungen zu mir sehr nahestehenden Personen, zumindest temporär, zu "zerstören". –

Vor knapp einem Jahr, habe ich mich in die Psychiatrie einweisen lassen. Damals gab es einen kleinen Umbruch in meinem Leben. Ich war zu diesem Zeitpunkt knapp 3 Jahre mit meiner damaligen Freundin zusammen. Kurz nach meinem21. Geburtstag, ist meine Großtante gestorben – einer der wichtigsten Bezugspersonen für mich. Ich habe das Haus und das Auto geerbt und nachdem mein Finanzielles Standbein gut aufgestellt war, entschloss ich mich (alleine) in das Haus meiner Großtante einzuziehen. Das erste Mal aus dem Haus meiner Eltern raus – 80km weit weg.

In den ersten Wochen hat dies prima funktioniert, bis ich nach knapp einem Monat gemerkt habe, dass der Kontakt zwischen mir und meiner Freundin vollkommen abgebrochen ist. Damals war mir das eigentlich ganze recht – ich hatte genug mit Studium und Arbeit zutun und fand die ruhe ganz abwechslungsreich, bis sich irgendwann meine "wochenendlicher" Cannabiskonsum, auf die komplette Woche ausgedehnt hat. Ich fing an sie zu vermissten; knapp 6 Monate später hatte ich sie (mal wieder) am Telefon und hörte von ihr, dass sie nun keine Lust auf reden hat und zu ihrem neuen Freund zurück ins Bett möchte, woraufhin ich ins Krankenhaus gefahren bin.

Aufgrund erhöhter Selbstmord Gefahr wurde ich sofort in die dortige Psychiatrie eingewiesen.

Ich habe das Krankenhaus noch am selben Tag verlassen – um anschließen von meinen Eltern die Hausschlüssel (Großtante und Elternhaus), sowie die Autoschlüssel abgenommen zu bekommen. Glücklicherweise konnte mich meine Schwester vor einem Rauswurf bewahren. In den Monaten danach ging es mir immer schlechter. Es erschien mir fast so, dass ich keine rationalen Gedanken mehr fassen konnte – und an dem Cannabis Konsum hat sich auch nicht wirklich viel verbessert (wobei ich das auch nicht als mein größtes Problem gesehen habe). Ich habe zwei verschiedene Psychologen aufgesucht – im Krankenhaus haben sie mir nicht gesagt, dass ich manisch depressiv bin und Starke Anzeichen eines Burn-outs zeige (Spitzenarbeitszeit bei mir: 96 Überstunden in einer Woche – nach jedem Kalenderjahr hatte ich noch mindestens 20 Urlaubstage + 250-400 Überstunden – in Summe habe ich "nur" 3 Jahre gearbeitet).

Der erste Psychologe hat es sich meiner Meinung nach etwas einfach gemacht – nach der ersten (und letzten) Sitzung meinte er zu mir, dass ich einfach vom Kopf her schon etwas weiter bin, und dass es verständlich ist, dass ich damit nicht allzu viele soziale Kontakte habe.

Die dritte und letzte Therapeutin, hat nahezu alle meine Probleme auf meine Eltern geschoben (mit denen es gerade in meiner Kindheit – bis zum 15. Lebensjahr) recht viele Probleme gab. Ich trage wohl "eine Menge" Traumata mit mir herum.

Nach drei Sitzungen habe ich dann auch diese Behandlung abgebrochen, da es mir schon wesentlich besser ging – ich wollte nur wieder fit für die Arbeit und das Studium sein.

Die damalige Trennung von meiner Freundin, bevor sie ihren neuen kennengelernt hat, ging von mir aus.

Nun bin ich mittlerweile wieder aus meinem Elternhaus ausgezogen und erkenne, dass ich mich wieder in eine leichte Depression reinmanövriere. Auch, wenn ich mittlerweile aus dieser aufzehrenden Firma ausgetreten bin, hat sich mein soziales Umfeld nicht vergrößert. Ich habe (anscheinend) immer noch viel Zuviel Zeit zum Nachdenken.

Grundlegend frage ich mich nun, was ich dagegen (gerade gegen das permanente denken) tun kann. Solange ich über mathematische Formeln nachdenken, ist das alles noch in Ordnung, nur denke ich nun auch vermehrt "emotional" – über irgendwelche fiktiven Situationen, deren einzige Lösung ich partiell im Selbstmord sehe ;glücklicherweise fiktiv.

Meinen Konsum versuche ich nun wieder etwas einzuschränken, wobei dieser nie wirklich extrem war. Meine aktuell gut funktionierende Lösung ist – nichts im Haus haben, und zu geizig sein, etwas Neues (aus knapp 60km Entfernung) zu holen.

Liebe Grüße aus dem Norden

Da Scientific

Antworten
Kmetzerlin


Also ich würde mir überlegen, nochmal eine Therapie zu starten und diese auch "durchzuziehen". Viel scheint mir da ja noch nicht gemacht bzw. bearbeitet worden zu sein.

Was war denn mit dem zweiten Psychologen? ???

Dann würde ich mir das mit den Cannabiskonsum nochmal insgesamt überlegen, Drogen sind keine gute Hilfe und kein guter Ratgeber, meine Meinung.

K5et4zeri[n


Und hier ist noch ein (relativ neuer) Selbsthilferatgeber, mit dem du schon mal "alleine" arbeiten kannst

- Gudrun Görlitz, "Selbsthilfe bei Depressionen", Klett-Cotta Verlag, 1. Auflage Januar 2010.

Aber ich bezweifle, daß dieser alleine dir helfen kann.

S-chwarhzeNacht


Hallo Da Scientific!

Meiner Meining nach bist Du überdurchschnittlich intelligent!

Dadurch siehst Du natürlich noch mehr, was in der Welt und bei Dir falsch läuft.

Mir erging es die erste Zeit am Gymnasium so, daß ich ganz alleine war, weil ich einfach mit den Kindern in meinem Alter absolut nichts anfangen konnte, sie waren mir zu kindisch und unreif.

Erst später hat sich das geändert und bis heute habe ich nur wenige Kontakte und werde sicher von manchen Leuten als arrogant angesehen, aber das ist mir egal.

Lieber wenige Kontakte, dafür aber Gute.

Je älter man wird, um so schwieriger wird es sowieso mit den Kontakten.

Du bräuchtest Menschen, die Dir intellektuell gewachsen sind und mit denen Dich vielleicht ähnliche Interessen verbinden.

Keine Sorge, ich will Dir keinen VHS-Kurs empfehlen... ]:D

Aber als ich in Bonn wohnte, gab es von der Uni dort das "Studium Universale", wo man gegen wenig Geld(oder sogar kostenlos) bestimmte Kurse der Uni besuchen konnte.

Dort war ich in einem Poesie-Kurs, in dem Gedichte vorgetragen wurden, eigene und fremde. In dem Kurs lernte ich jemanden kennen, der wiederum selbst einen Kurs leitete, in dem geschrieben wurde und so kam eins zum anderen und ich lernte endlich Menschen mit ähnlichen Interessen und Hobbies kennen, die dieselbe Begeisterung für Literatur mit mir teilten, wo man sich gegenseitig inspirierte.

Da gab es wirklich zu allen Themen etwas und sehr interessante Angebote.

Das zu den Kontakten.

Ach ja, bevor Du Dich in die nächst ePArtnerschaft stürzt würde ich versuchen, mit Dir ins Reine zu kommen.

Obwohl es kein besseres Mittel gegen Depression gibt als Verliebtheit und man das ja kaum steuern kann... ;-D

Was mir allerdings große Sorgen macht, ist die Stelle in Deinem Beitrag, in dem Du über Suizid schreibst (zwar "NUR FIKTIV") aber so fängt der Scheiß an.

Ich hatte 2008 eine sehr schwere Depression, konnte kaum noch das Haus verlassen, Null Antrieb, diffuse Ängste, tiefe Leere, Sinnlosigkeit, wollte am liebsten für immer schlafen, das war furchtbar.

Nur der einige Jahre zurückliegende Selbstmord meines Cousins und die Folgen für die Familie haben mich diese "Lösung" nicht in Betracht ziehen lassen.

Später hätte ich nicht mal dafür die Energie gehabt.

"Gerettet" hat mich eine Therapie wegen Sucht, wo ich wieder unter Menschen und in eine feste Struktur kam und erst im Nachinein ist mir aufgefallen, daß ich nicht nur ein bißchen depressiv war, sondern echt schwer depressiv.

Leider ist es immer noch leichter körperliche Krankheiten anzuerkennen, als psychische...zumindest für mich und obwohl immer mehr Leute Therapie machen, ist es doch noch vorurteilsbehaftet.

Geh zum Arzt, solange Du es noch schaffst! Hol Dir vom Hausarzt eine Überweisung zum Psychiater und Psychologen und wenn Du Deinem HA vertraust, kannst Du ihm ja auch schon schildern, worum es geht.

Ich habe mich immer gegen die Stigmatisierung "Depressiv" gewehrt, so als wäre ich dann total gaga und ein willensloses Objekt, mit dem einfach irgendwie verfahren wird, ist natürlich Unsinn.

Dieses Gedankenkreisen, was Du sehr greifbar beschreibst, kommt mir bekannt vor.

Bei mir hat das Formen angenommen, das ist schon heftig, ich bin manchmal mit kleinen Entscheidungen total überfordert, male mir aus was alles nur erdenklich Negative passieren könnte.

Allgemein habe ich eine eindeutig zu pessimistische Einstellung, mittlerweile sehe ich das auch als krankhaft an.

Bin auch in manchen Sachen perfektionistisch veranlagt und denke alle Eventualitäten durch.

Das lähmt einen und verhindert Entscheidungen und Spontanität!

Ich denke, daß es dabei auch darum geht, die Kontrolle zu behalten, selbst wenn das unmöglich ist.

Das kann unheimlich lähmend sein, denn so nehme ich Sachen nur dann in Angriff, wenn auch möglichst alles paßt, was ja meist nicht der Fall ist.

Einen Termin beim Psychiater bekommst Du recht kurzfristig und ich würde dort hingehen, auch wenn es unangnehm ist.

Meist haben die Psychiater aber kaum Zeit und sind dafür da, Psychopharmaka zu verschreiben.

Allerdings kann so jemand Dir schon mal sagen, ob Du etwas pathologisches hast oder nicht und eventuell, wenn Du möchtest, medikatös helfen.

Außerdem würde ich mich bei einem Psychologen anmelden, auch um zu diagnostizieren, was Du denn genau hast.

Ich muß grinsen, denn ich habe auch mit Google Selbstanalyse getrieben... :=o was ja grundsätzlich nicht schlimm ist, sich mal zu informieren, da es mich zumindest auch verunsichert hat, als ich bemerkt habe, daß etwas mit mir wahrscheinlich nicht ok ist...

Da es meist lange Wartezeiten bei Psychologen gibt, würde ich einfach mal einen Termin ausmachen (absagen, falls es doch wieder besser ist, kannst Du immer noch) und zu einem Psychiater und ihm die Situation schildern.

Oft wird eine Depression schleichend schlimmer, versuch einzugreifen, solange es geht und laß klären, was Du tun kannst!

Ich habe nichts gegen Kiffen, aber es steigert die jeweilige psychische Verfassung, ist also, wenn Du Dich eh nicht gut fühlst, wohl besser, es zu lassen!

Schreib doch weiter, wenn Du willst und Alles Gute!

:)* :)* :)* @:)

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