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Mir gehts schlecht nach 2 Monaten Psychotherapie

jbugxe hat die Diskussion gestartet


Irgendwie verstehe ich mich grad nicht und kann nicht so richtig einschätzen, was das ist. Ich habe vor 2 Monaten eine psychoanalytische Therapie begonnen und seitdem geht es mir schlechter als vorher. Ich habe eigentlich wegen einer ziemlich belastenden Trennungssituation begonnen, in der ich immer noch so halb drinstecke. Die war ziemlich schlimm und ich musste sogar eine einstweilige Verfügung vor Gericht erwirken, damit er mich endlich in Ruhe lässt und nicht mehr bedroht.

Aber irgendwie ist das in der Therapie bisher gar nicht so richtig das Thema. Es ist recht schnell in den Hintergrund getreten und es kommt laufend anderer "Mist" aus meiner Vergangenheit an die Oberfläche, bei dem ich eigentlich immer dachte, ihn verarbeitet zu haben. Z.B. ein Unfall meiner ganzen Familie, bei dem meine Mutter fast gestorben wäre.

Und im letzten Gespräch, ich weiß auch nicht, warum ich das eigentlich erzählt habe, kam dann die Sprache auf eine Situation, in der ich mit 18 war. Da bin ich bei jemandem ins Auto gestiegen, der mich nicht wieder aussteigen lassen hat und mir - nach allem was danach herauskam - etwas antun wollte... allerdings hatten wir einen Unfall, bei dem sich das Auto mehrmals überschlagen hat, bevor es überhaupt soweit kommen konnte. Also habe ich immer gedacht: Gut, ist ja noch mal gut ausgegangen. Nix passiert außer einem kurzen Schock wegen des Unfalls. Aber auch da ist mir ja nichts passiert...

Nunja, und dieses Thema hatten wir vor drei Tagen in der Therapie und seitdem stehe ich irgendwie so halb neben mir. Ich hab das Gefühl, ich könnte ständig auf Knopfdruck heulen und weiß nicht mal warum. Und das ganze ist plötzlich wieder irgendwie präsent. Andererseits begleitet mich die ganze Zeit das Gefühl, dass ich mich nicht so anstellen soll und aus einer Mücke keinen Elefanten machen muss. Schließlich ist das ganze 15 Jahre her!

Ich würde das auch eigentlich gern mit meinem Therapeuten besprechen, aber durch die Pfingstferien habe ich jetzt 14 Tage "Therapiepause" und weiß jetzt nicht wohin mit meinen Fragen.

Vielleicht hat ja irgendjemand eine gute Idee, wie ich das wieder "unter Kontrolle" kriege...

Antworten
K<MooTdxy


Eine psychoanalytische Therapie ist keine Gesprächstherapie und auch keine Verhaltenstherapie.

Sie soll die unbewusste Zusammenhänge in deinem Leben aufdecken.

Es ist recht schnell in den Hintergrund getreten und es kommt laufend anderer "Mist" aus meiner Vergangenheit an die Oberfläche, bei dem ich eigentlich immer dachte, ihn verarbeitet zu haben.

Das ist völlig normal und auch gewollt bei dieser Therapieform. Zum einen scheint mir, dass du wenig bewusst verarbeitet, sondern eher verdrängt hast. Das kommt irgendwann an die Oberfläche. So wie eben jetzt.

Vielleicht hat ja irgendjemand eine gute Idee, wie ich das wieder "unter Kontrolle" kriege...

Das klingt wie "ich will wieder funktionieren", aber so einfach ist das nicht. Lass zu, was dir passiert, setz dich damit auseinander. Es ist ein Weg Geschehenes zu Verarbeiten, dich selbst kennenzulernen, zu verstehen, was dir und was mit dir passiert.

A3mixta


Meiner Meinung nach hast du die falsche Therapieform gewählt.

Hauptsächlich Hintergründe erkennen, Vergangenheit aufarbeiten => Psychoanalyse.

Hauptsächlich aktuelle Probleme bearbeiten, besser klar kommen => Verhaltenstherapie.

In der aktuellen Situation auch noch zusätzlich Vergangenes an die Oberfläche holen... kein Wunder, dass es dir noch schlechter geht als zuvor.

j1uge


Danke für Deine Antwort! Ich bin eigentlich auch wirklich offen dafür, dass die Therapie Dinge an die Oberfläche bringt. Aber im Moment geht es mir echt dreckig damit. Ich habe neulich 2 Stunden heulend auf dem Küchenfußboden verbracht. Und vor zwei Tagen, als ich mal nicht gezwungen war, die Kinder zur Schule zu bringen, bin ich den ganzen Tag nicht aus dem Bett gekommen und habe GAR NICHTS gemacht. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass ich ständig heulen könnte, völlig reizbar bin, nur noch meine Ruhe haben will, auf meine Kinder nicht richtig eingehen kann, mich nicht mehr konzentrieren kann (was beim Arbeiten echt lästig ist) und ich mich zu nichts mehr aufraffen und mich über nichts richtig freuen kann. Ich habe jetzt zwei Wochen Urlaub und normalerweise freue ich mich auf so etwas. Ich hab den Eindruck, als würde ich im Moment grad nur existieren, aber nicht wirklich am Leben teilnehmen. Irgendwie fühlt sich alles grad komisch und weit weg an. Und ich bin sonst nie so in mich gekehrt und grüble ewig vor mich hin. Manchmal fühle ich mich fast wie weggebeamt...

Da hört sich zumindest vorübergehendes "funktionieren" eigentlich erstrebenswert an...

jwugxe


Eine Verhaltenstherapie habe ich aber schon gemacht und die hat mir gar nicht weitergeholfen. Ich komme - mal ganz pragmatisch gesehen - im Hier und Jetzt eigentlich ganz gut klar und die VT hat mich da nicht wirklich weitergebracht... Deswegen habe ich ganz bewusst etwas anderes gewählt...

JCunim4onxd90


Hallo Juge,

ich denke, dass es sehr wichtig ist, seine Vergangeheit zu verarbeiten, weil sie einen zu dem Menschen macht, der man gerade ist.

Meistens kommen solche Dinge auf, wenn es einem sowieso schlecht geht, weil man keine Kraft mehr hat, Vergangenes zu unterdrücken.

Auch wenn es velleicht komisch klingt, ich bin mir ziemlich sicher, dass es unbewusst sehr viel Kraft kostet, Ereignisse zu verdrängen.

Lass sie zu, nimm dir die Zeit alles zu verarbeiten. Dann erst ist es vom Tisch und du wirst freier. Ich brauche dafür immer sehr lange und den Schmerz auszuhalten ist nicht leicht, doch es geht vorbei.

Im Übrigen freut es mich zu lesen, dass du dir Unterstützung geholt hast. Es gehört schon etwas Mut dazu, sich einzugestehen, dass man Hilfe nötig hätte.

Mit der Psychologie ist es eben leider auch nicht wie mit Halsschmerzen, das Problem ist leider nicht nach 1 Woche kuriert... Also nicht aufgeben und weiter so!

K0Moeody


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Überhaupt habe ich den Eindruck, dass ich ständig heulen könnte, völlig reizbar bin, nur noch meine Ruhe haben will, auf meine Kinder nicht richtig eingehen kann, mich nicht mehr konzentrieren kann (was beim Arbeiten echt lästig ist) und ich mich zu nichts mehr aufraffen und mich über nichts richtig freuen kann.

Das ist "normal". Du beschäftigst dich mit deiner Vergangenheit. Mit einschneidenden Erlebnissen und versuchst sie zu verarbeiten. Und das ist harte Arbeit. Nicht im Sinne von Steinen, die zu schleppen sind, sondern das fordert emotional deine ganze Kraft.

Deine Gefühle bahnen sich ihren Weg. Trauer, Wut, Erschöpfung – das sind alles Zeichen dafür, dass sich bei dir eine Menge tut.

Auch wenn deine Kinder vielleicht etwas zu kurz kommen, hab kein schlechtes Gewissen. Vielleicht hast du einen Partner, der dich entlasten kann?

jrugxe


Danke, Junimond! Du hast ganz recht, das viele Dinge hochkommen, wenn es einem sowieso schlecht geht. Aber warum mich gerade ein Ereignis, an das ich so lange nicht bewusst gedacht habe, so aus der Bahn wirft, ist mir irgendwie unklar. Selbst wenn das vielleicht damals was traumatisches war, kann sich das doch nicht nach so vielen Jahren auswirken, oder? Meine Eltern und mein Partner wollten davon jedenfalls nichts hören und waren der Meinung, ich solle da jetzt nicht mehr daraus machen, als es eigentlich war! Was ich ja auch versuche. Aber heute muss ich die ganze Zeit daran denken und krieg die Gedanken nicht weg...

KYMo`ody


Selbst wenn das vielleicht damals was traumatisches war, kann sich das doch nicht nach so vielen Jahren auswirken, oder? Meine Eltern und mein Partner wollten davon jedenfalls nichts hören und waren der Meinung, ich solle da jetzt nicht mehr daraus machen, als es eigentlich war! Was ich ja auch versuche.

Ja, so ein Ereignis kann sich noch Jahre später den Weg an die Oberfläche kämpfen, manchmal sogar Jahrzehnte später.

Und lass dir das nicht von deinen Eltern oder deinem Partner einreden. Für dich ist das Ereignis traumatisch und das musst du aufarbeiten, denn die Zeit hast du dir offensichtlich nie genommen.

jsuge


KMoody: Naja, mein Partner kennt mich eher gut funktionierend... und ist mit meinen Gefühlsausbrüchen derzeit etwas überfordert. Außerdem habe ich manchmal das Gefühl, dass es mir schon sehr schlecht gehen muss, bevor das jemand merkt (oder es mir jemand glaubt). Und vor meinen Kindern will ich mir das nicht so richtig anmerken lassen und nehme all meine Kraft zusammen! Dadurch wirke ich - glaube ich - nach außen häugig weniger schlimm, als es in mir im Moment aussieht...

gtwend9olyxnn


Eine psychoanalytische Therapie ist keine Gesprächstherapie und auch keine Verhaltenstherapie.

Sie soll die unbewusste Zusammenhänge in deinem Leben aufdecken.

Hm, aber ob das immer so positiv läuft und man hinterher froh drüber ist? :-/ Ich würde eine solche Therapieform völlig ablehnen ... aber die TE hat sie ja bewusst gewählt....

Also dann viel Glück @:)

K2Mooxdy


KMoody: Naja, mein Partner kennt mich eher gut funktionierend... und ist mit meinen Gefühlsausbrüchen derzeit etwas überfordert. Außerdem habe ich manchmal das Gefühl, dass es mir schon sehr schlecht gehen muss, bevor das jemand merkt (oder es mir jemand glaubt).

Natürlich, die Partnerin und Mutter, die alles erledigt, sich gut beträgt und immer "funktioniert". Er lernt jetzt eine neue Seite an dir kennen.

Du hast ein Recht auf deine Gefühle und auf Auseinandersetzung mit deinem Leben und deiner Vergangenheit. Sprich mit ihm darüber. Erkläre ihm, was in dir vorgeht in dieser Zeit. Wenn ihm an dir liegt, wird er sich aufrappeln und die Zeit gemeinsam mit dir durchstehen.

Wichtig ist, dass du immer wieder das Gespräch suchst.

Ich wünsche dir viel Kraft!

K"Moxody


Hm, aber ob das immer so positiv läuft und man hinterher froh drüber ist?

Das kann wohl keiner vorhersehen. Sicher ist diese Art der Therapie weder für jeden Menschen, noch für jedes Problem geeignet.

SUu:nflo4werx_73


Wenn Du selber Hilfe im Umgang mit aktuellen Problemen (und Ursache für die Probleme) haben willst und NICHT NUR in der Vergangenheit graben willst: Dann hast Du die falsche Therapieform.

In dem Fall wäre eine Verhaltenstherapie angezeigt. Da guckt man durchaus auch, welche Dinge in der Vergangenheit einen geprägt haben, bleibt aber eher dabei, wie alte Erfahrungen einen JETZT prägen und JETZT zu Schwierigkeiten fühten, bzw. Einfluss auf eher neuere belastende Situationen haben. Man arbeitet konkret an der Bewältigung.

Bei Psychoanalyse geht's um Erkenntnisgewinn – mit wenig bis keiner konkreten Unterstützung/Hilfe bei der Bewältigung aktueller Dinge.

Da Du aber schon VT-Erfahrung hast: Ja, alte Dinge und deren Verdrängung können ungemein belasten. Und wenn es hochkommt, ist es extrem schmerzhaft. Gerade die Erkenntnis, DASS Altes so belastet/prägt, schmerzt unglaublich. Weil es oft zu einem gewissen Pessimismus führt ("Wie soll ich so was altes noch ändern?").

Letztlich wäre es sinnvoll, Deine Zweifel und Gedanken mit Deinem Therapeuten zu besprechen.

jNugbe


Also, weil die Sprache hier immer auf die Therapieform kommt: Ich finde, dass für unterschiedliche Probleme auch unterschiedliche Therapieformen gut sind. Ich habe keine Angststörung oder Phobie oder etwas ähnliches (da wäre wohl VT wirklich angebrachter) , sondern eine Anpassungsstörung, die laut Diagnosekriterien ohne belastende Ereignisse in der Vergangenheit auch nicht aufgetreten wäre. Das klingt für mich schon sehr nach zumindest etwas tiefenpsychologischem. Das der Therapeut eine Analyse beantragt hat, hat mich auch etwas überrascht. Aber glaubt mir, ich habe mir da viele Gedanken gemacht und finde die Therapierichtung wirklich angebracht.

Bei der VT ist gar nichts passiert. Mein Leben war genauso wie immer. Es hat mich nicht groß zum Nachdenken gebracht und emotional hat sich auch nichts getan... Vielleicht lag es an der Therapeutin, aber rückblickend hat es mir wirklich nicht viel gebracht. Ich weiß, eine Analyse ist oft umstritten und ich sehe auch ein, dass da viel falsch laufen kann. Meist steht und fällt eine Therapie vermutlich mit dem Therapeuten. Und den finde ich dieses Mal eigentlich sehr vielversprechend... *:)

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