» »

Meine Freundin ritzt – wie stehe ich ihr am Besten zur Seite?

tqeh-<ksah hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich denke ich erzähle dazu eine längere Geschichte. Vielleicht kann mir dann eher jemand sagen, wie ich mich am Besten verhalten soll.

Ich bin jetzt mit meiner Freundin 1,5 Jahre zusammen. Wir sind Anfang/Mitte 20. Als ich damals mit ihr zusammenkam, hatte sie gerade wieder mit dem Ritzen angefangen. Bzw. war die Entstehungsgeschichte unserer Beziehung so nervenaufreibend, dass sie vielleicht auch deshalb damals wieder angefangen hat. Wir wohnten übrigens auch von Anfang an zusammen. Sie fühlte sich bei mir wohl und hat gefragt, ob sie erstmal bei mir wohnen kann. Aus dem erstmal wurde dann halt "bis heute".

Das letzte mal hat sie mit 14 oder 15 geritzt, hatte sie mir mal gesagt. Ich wusste am Anfang unserer Beziehung nicht viel damit anzufangen, habe versucht mich zu informieren und mein Bestes zu tun, um ihr irgendwie zu helfen. Ich habe ihr immer wieder gesagt wieviel sie mir bedeutet, dass ich immer für sie da bin und dass es keine Lösung ist. (Das mit der "keine Lösung" war natürlich Schwachsinn, das weiß sie selber. Aber ich habe damals einfach noch nicht so viel über diese Krankheit gewusst und tu es heute nocht nicht ausreichend). Ich war auch für sie da. Ich habe viele Freundschaften vernachlässigt, einige verloren. Wenn ich mich verabredet hatte oder sonst etwas, und ich gemerkt habe, dass etwas nicht stimmt, habe ich abgesagt und sie angelogen und meinte "der andere hat abgesagt". Ich habe immer versucht es nicht so aussehen zu lassen, dass ich das wegen ihr mache. Denn sie hat mir erzählt, dass SV für sie so etwas ist wie Selbstbestrafung. Und das würde sie denke ich nur noch mehr in die Richtung treiben. Ich habe oft versucht mit ihr darüber zu reden. Wir haben uns stundenlang angeschwiegen, bevor sie was gesagt hat bzw. sagen konnte. Ich habe sie öfter damit (also mit rumsitzen, ansehen und auf eine Antwort warten) gedrängt etwas zu sagen und ich weiß nicht, ob das klug war. Mittlerweile hab ich etwas mehr gelernt nicht nachzuhaken und zu hoffen, dass sie damit zu mir kommt. Nur das macht sie leider nicht immer.

Ich hab einfach immer alles versucht und fühle mich doch so hilflos. Vor allem, weil ich immer wieder Fehler gemacht hab/Fehler mache, bei denen sie sich wieder schlecht fühlt und ritzt. Es sind teilweise (für mich) Banalitäten, die sie so verletzten, dass sie geritzt hat. Zum Beispiel, dass ich sie nicht verstanden habe, wie wichtig es ihr ist, dass wir uns Ostern gegenseitig Schokolade in die Schuhe machen.

Sie hat damals (Vor ca. 14 Monaten) mit einer Therapie angefangen. In der ist es auch besser geworden. Die Abstände, wo sie nicht mehr geritzt hat, sind immer größer geworden. Bs zu 2 Monaten oder mehr. Vor ca. 3 Monaten dann hat die Therapeutin gesagt, dass die Therapie ausgesetzt werden bzw. beendet werden kann. Wenn meine Freundin möchte, kann sie nochmal wiederkommen, wenn es ihr wieder schlechter geht. Sie hatte zu dem Zeitpunkt seit Monaten nicht mehr geritzt. Borderline hat sie übrigens nicht (laut Test in der Therapie).

Vor 3 Wochen dann ist sie ausgezogen, weil sie sich nicht über ihre Gefühle sicher war. Trotzdem hat sie mich sehr vermisst, viel geweint und auch das erste mal seit Therapieende wieder geritzt. Und ich glaube vielleicht auch deshalb, weil ich ihr meine Gefühle mitgeteilt habe. Weil ich gesagt habe wie sehr sie mir fehlt und sie mitbekommen hat wie schlecht es mir ohne sie geht.

Sie ist jetzt wieder zu mir zurückgekommen und sie ritzt momentan mehr als je zuvor. Ich kann es mir nur nicht so richtig erklären und ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sagt selber (nachdem sie wiedergekommen ist) wir sollten uns mehr mit anderen Leuten verabreden und nicht mehr so viel zusammen unternehmen. Sie würde in der Beziehung gern mehr Freiheiten haben und wenn wir öfter alleine weggehen, wäre sie "freier" auf Partys, usw, weil ich leicht eifersüchtig werde (aber nicht krankhaft, so dass ich ihr irgendwas verbiete oder so. Ich würde es als normale Eifersucht bezeichnen, die sich bei mir so äußert, dass ich mich zurück ziehe und traurig bin. Wahrscheinlich um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, wenn ich ehrlich bin). Aber ich verabrede mich auch mit anderen und mache ab und an nichts mit ihr und in der Zeit wo ich nicht da bin, ist sie traurig, dass ich allein weg bin und ritzt sich. Nur würde sie nie zugeben, dass es deshalb ist.

Sie hat auch Berührungsängste. Komme ich (wenn auch unabsichtlich) in die Nähe ihrer Brust, wenn ich sie am Bauch streichle, zuckt sie richtig.

Ich weiß einfach nicht, wie ich mich ihrgegenüber am Besten verhalten soll. Einerseits sagt sie wir sollen beide auch mehr mal alleine machen (sie macht es auch. Und wenn ich dann traurig bin, zieht sie es trotzdem durch. Zum Beispiel bin ich von ner Party nach Hause gegangen, weil ich etwas eifersüchtig war und mit den Leuten da nichts anfangen konnte. Sie ist geblieben.). Nur wenn ich das andersrum machen würde, weiß ich genau, dass sie sich ritzen würde. Deshalb würde ich es andersrum nie machen. Ich würde sie in so einer Situation nie allein lassen. Ich habe es mal gemacht. Sie hat sich geritzt. Sie sagt ich solle darauf keine Rücksicht nehmen, aber...wie soll das gehen? Mir tut es jedes mal weh, wenn ich sehe, dass sie geritzt hat. Das habe ich ihr natürlich nicht gesagt. Nur wie sollte ich mich da am Besten verhalten?

Ich wäre sehr froh, wenn jemand schreiben würde, der damit Erfahrung hat und mir sagen kann, was ich machen soll. Vor allem wie ich ihr am Besten helfe. Soll ich ihr nur sagen, dass sie immer zu mir kommen und mit mir darüber reden kann? Oder soll ich es mehr oder weniger wie früher mit Fragen aus ihr "herausquetschen" und versuchen mit ihr darüber zu reden? Mir fällt es auch oft schwer einfach nicht mit ihr zu reden, weil ich selber wissen will, was in ihr vorgeht. Aber ich versuche das zu unterdrücken. Mittlerweile erfolgreich. Trotzdem würde ich es gern wissen.

Eine Therapie möchte sie zur Zeit nicht. Sie sagt, das sei ihr zu anstrengend.

Ich würde einfach alles für sie tun. Alles, damit es ihr besser geht. Nur fühle ich mich einfach hilflos. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Vor allem in bestimmten Situationen in der Beziehung. Beim Streiten bin ich fast jedes mal derjenige, der zurückzieht, weil ich Angst habe, dass sie sich ritzt. Ich kann garnicht richtig streiten, weil mich genau das immer wieder dazu bringt ihr Recht zu geben, damit sie sich nicht schlecht fühlt oder ritzt. Natürlich habe ich ihr das nie gesagt. Überhaupt habe ich mit noch niemandem darüber geredet. Außer am Beginn unserer Beziehung mit einer Person, mit der ich jetzt nicht mehr befreundet bin. Ich möchte auch nicht mit Freunden darüber reden. Ich möchte nicht, dass jemand, der sie kennt, evtl. über sie urteilt.

Und ich dachte hier wäre vielleicht der geeignete Platz dafür zu reden...

Ich muss dazu sagen, dass sie immer versucht es zu verstecken. Ich sage ihr dann jedes mal, dass sie es nicht verstecken braucht und dass ich immer für sie da bin.

Kann mir vielleicht jemand Tipps geben, der mit solchen Situationen Erfahrung hat? Wie sollte ich mich ihr gegenüber am Besten verhalten, wenn sie geritzt hat? Sie überreden mit mir zu reden? Oder ihr sagen, dass ich jederzeit für sie da bin, wenn sie reden möchte und dann so tun, als ob nichts wäre?

Wie verhalte ich mich im Streit?

Wie, wenn es eben so eine Situation ist, dass sie traurig ist, weil ich alleine weggehen würde?

Ich meine ich glaube irgendwie auch nicht, dass es ihr hilft, wenn ich immer zurückziehe. Aber sie würde dann nicht ritzen...was eigentlich die Hauptsache ist.

Wie stehe ich ihr einfach in allen Lebenslagen am Besten zur Seite?

Ich wäre sehr dankbar für Antworten von Leuten mit Erfahrungen in dieser Hinsicht oder von Leuten, die sich vielleicht in meiner Freundin hineinversetzen können, weil sie ähnliches durchlebt haben.

Danke!!

Antworten
a7ugx233


teh-kah, such dir als ersten Schritt einen Psychotherapeuten, möglichst tiefenpsycholog. fund. Psychotherapie, der dir genau erklären kann, was es wahrscheinlich mit dem Verhalten deiner Freundin auf sich hat.

Wundere mich ein wenig, dass hier die Fachleute noch nichts geschrieben haben; es sind genügend Psychologinnen/Psychologen hier im Forum.

Ich würde ihr sehr konsequent bedeuten, dass "Ritzen" keine Lösung ist und sie ihr Problem wirklich aufarbeiten muss. Das kann auch Klinikaufenthalt heißen; kann auch endgültige Trennung bedeuten, da ihr nicht zusammen passt, weil jede Begegnung an ein altes Trauma bei ihr rührt, von dem sie heute scheinbar noch nichts weiß.

Die Vernachlässigung eigener Freunde ihrem Verhalten wegen war bereits ein Zugeständnis zuviel.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH