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Jugendsünden – Bewältigung/Existenzängste

hwawrdy&_ha)rxd hat die Diskussion gestartet


Hi,

Da mein alter Username obsolet ist ein kurzes Vorwort: Ich habe gute Erfahrungen in diesem Forum. Jedenfalls erhoffe ich mir hier ein wenig Aufklärung.

Nun zur Story:

Ich bin mittlerweile in den Mittzwanzigern angekommen und fühlte mich eigentlich auch recht wohl. Jedoch hatte ich auch einige – ich nenne es mal bedenkliche – Karriereansätze in meiner Vergangenheit. Aus mir persönlich unerfindlichen Gründen strahlte ich eine gewisse Attraktivität aus. Vom ersten Casting zum ersten Shooting dauerte es nicht lange. Mir wurde kurz nach dem Schulabschluss eröffnet, dass ich das Zeug zum Fashion-Model habe. Da keine Widerworte aus meiner nächsten Umgebung kamen, nahm ich (auch in Ermangelung zeitnaher Alternativen – die Wahl meines Studienfachs fiel mir schwerer als gedacht) diese Chance wahr. Kurz nach der Veröffentlichung meiner ersten Fotos wurde eine Berliner Agentur auf mich aufmerksam und bot mir einen netten Vertrag an, welchen ich auch gerne annahm.

Um euch die weiteren Einzelheiten zu ersparen: Ich befand mich in einem vordergründig netten Umfeld. Leider war das hintergründig – wer hätte es gedacht? – rein monetär ausgeprägt.

Mein nächstes Ziel war eine Partneragentur im fernen New York. In der Annahme, mich lediglich im Laufe einer Woche auf den Trip vorzubereiten, fuhr ich nach Berlin und zog in die Model-WG in welcher neben wenig fester Nahrung vor allem Drogen aus der Schwulenszene konsumiert wurde. Am zweiten Tag meines Aufenthalts wurde mir von meinem Chef angedeutet, dass ich ein Shooting in Berlin zu absolvieren hätte um mich "zu beweisen". Nach 30minütiger Autofahrt befanden ich und ein Kollege aus derselben Agentur in einem Sanitärfachgeschäft. Dort wartete die BRAVO "That's me!" Crew...

Als der Spuk vorüber war und ich schließlich in der BRAVO in all meiner "Pracht" zu sehen war, ging mein Leben den Bach herunter. Meine Heimatstadt war ein Minenfeld geworden – über Nacht (genauer Donnerstagnacht – dem Erscheinungstag). Zu ertragen war das für mich mit sehr viel Alkohol. Dieser ließ mich die Schmähungen vergessen oder nicht wahrnehmen. Leider nahm ich auch nicht wahr, wie meine damalige Beziehung zerbrach. Über die letzten Jahre lernte ich durch eine Mischung von Verdrängung und Freundes-Selektion damit zu leben. Aber das wird jedes Mal gründlich durcheinander geworfen, wenn ein neuer Mensch von dieser Aktion erfährt. Meine typische Reaktion ist: Alkoholmissbrauch und soziale Isolation.

Meine Zukunftsängste liegen darin begründet, dass ich bislang immer weglaufen konnte, nun aber meinen ersten "bindenden" Job angetreten habe und das daher nicht mehr so einfach geht.

Vielleicht gibt es ja jemanden, der ähnliches erlebt hat und eventuell einen Tipp parat hat, der es ermöglicht mit dieser Tatsache zu leben und trotzdem Facebook mit Klarnamen zu benutzen.

Antworten
g#atio


Warum nimmst du es nicht so, wie es ist: eine Jugendsünde. Akzeptiere es, denn ändern kannst du es nicht.

Du warst eben jung und brauchtest das Geld. ;-D ;-)

T?hom|ascxat


Hast du immer noch Alkoholprobleme?

fuutur@e09?


Hi, ich hatte vllt. ein vergleichbares Erlebnis und will es jetzt mit einer Verhaltenstherapie versuchen.

Durch eine "Jugendsünde" änderte sich mein Leben schlagartig zum negativen.

Reaktionen auf Konfrontation mit dieser "Jugendsünde" sind wie bei dir auch gesellschaftliche Isolation und Alkoholmissbrauch.

Einige Menschen, denen ich mich anvertrauen konnte haben gemeint: ,,Ich versteh dich. Aber es gibt wirklich schlimmeres, du hast niemandem was schlimmes angetan. Hak es als Jugendsünde ab und schau nach vorne." Zig-mal hab ichs versucht und hab gedacht ich packs, doch immer wieder holt einen alles ein und lässt nie ganz los.

Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen.

Gruss

hwar?d*y_Ohxard


Danke erst Mal für die Antworten.

Eigentlich habe ich kein Alkoholproblem mehr – ich habe es zwar exzessiv betrieben, aber nicht in den (Arbeits-)Alltag übernommen.

Mit der Zeit kommt die Verdrängung – eigentlich ein Schutzreflex. Jedoch ist es (und manchmal regt es mich auf) 5 (!!!) Jahre her und immer noch erfahren es neue Menschen. Das macht natürlich wenig Lust auf "mehr". Menschen haben die Angewohnheit, solche Dinge nicht zu vergessen. Peinlichkeiten haben immer einen Platz im regionalen (oder auch lokalen) Kollektivgedächtnis.

Kurz: jedes Mal, wenn ich wieder mit der Frage/Aussage konfrontiert werde, stürze ich ein Loch zurück aus dem ich immer wieder herauskriechen muss. Das ist kein Fortschritt – das ist emotional unwirtschaftlich!

@future09? Deinen Beitrag habe ich auch gelesen – auch deinen Verweis. Ich denke mal, dass die Problematik nicht wirklich in der Tatsache begründet ist, dass du in einem Bordell warst. Wir leben im 21. Jahrhundert und Prostituierte sind anerkannte Dienstleister. Rein technisch hast du eine Dienstleistung (halbwegs) in Anspruch genommen.

Ich glaube eher, dass du einerseits unter dem Vertrauensmissbrauch deines Bekannten leidest und wahrscheinlich auch ein bisschen von dir selbst geschockt bist. Aber wie du erwähntest: Du warst betrunken.

Was die Frauen angeht: Denen ist das eher scheißegal – wo die Liebe hinfällt ;-)

Ich hatte nach dem Ereignis noch zwei weitere Freundinnen, denen das herzlich egal war.

Was deine Infektionsangst angeht: Mach einen HIV-Test und hol dir Sicherheit. Du wirst dir nichts eingefangen haben. Was denkst du, wie oft die Damen sich testen lassen? Die haben unter Umständen auch noch Beziehungen zu führen in welche sie lieber nichts einschleppen wollen.

rfosa_JSchäfxchen


Ich denke, aus deinem Loch kann dir nur eine Therapie raushelfen. Und, wie hier schon geschrieben wurde, mehr Selbstbewusstsein. Je mehr Angriffsfläche du bietest, desto schlimmer wird es auch. Wenn die Leute merken, dass du da drüber stehst, dann wird es für die irgendwann langweilig. Aber nun gut, das ist für dich anscheinend nicht so einfach. Wie gesagt, dann hol dir Hilfe. Der Therapeut kann das Bild und die Erinnerung aus den Köpfen nicht verschwinden lassen, aber er kann dir einen Weg vermitteln, wie du damit umgehen kannst ohne, dass du dich in Isolation und Alkohol flüchten musst.

Viele machen in ihrer Jugend Scheiß. Manches ist peinlich, anderes ist leichtsinnig und gefährlich. Irgendwann kann man das normalerweise hinter sich lassen. Ich hab auch Dinge getan, für die ich mir heute in den Arsch beißen könnte. Aber ich sehe das als etwas, das einfach zu meinem Leben dazugehört. Das war ein Abschnitt meines Lebens, den ich hinter mir gelassen habe, auch, wenn ich durchaus auch mit Folgen leben muss. Jetzt bin ich schlauer und mache sowas nicht nochmal. Rückgängig machen geht ja schließlich nicht. Man kann nur dran wachsen.

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