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Absichtliche Provokation

GIeda|nkesnflue'ge hat die Diskussion gestartet


Schönen guten Abend,

ich denke gerade viel zu oft über mich selber nach.

Vielleicht auch darum, weil ich merke, dass ich etwas an MIR und an meinem Leben ändern MUSS.

Hier kann man sich ja Gott sei Dank anonym outen und ich würde mich sehr freuen, Eure neutralen Meinungen zu einer ...hmm....gewissen dunklen Ecke meines Wesen zu hören.

Mir fällt gerade auf, dass es schwierig ist, das Kind beim Namen zu nennen. Ist es Buhlerei um Aufmerksamkeit, weil ich nicht einfach sagen kann, dass es mir schlecht geht und ich mal eben ein "offenes Ohr" brauche?

Ich erinnere mich daran, dass ich das tw. schon als Kind gemacht habe. So bin ich in der Schule (gerade bei Lehrern, die ich mochte) absichtlich negativ aufgefallen, habe dafür auch in Kauf genommen, ausgeschimpft oder bestraft zu werden. Zu Hause hingegen war ich "unauffällig". Meine Mutter war in mehreren Phasen meiner Kindheit sehr krank. Ich war es gewohnt, Rücksicht zu nehmen und Verantwortung zu tragen. Ich habe da auch bereits früher einen Zusammenhang gesehen. Zu Hause waren die Rollen manchmal vertauscht und hatte dann mehr auf den Schultern als ich tragen konnte. "Draußen" hingegen war ich Kind - wenn auch nicht unbedingt immer ein nettes ;-). Es war nicht so, dass ich zu Hause keine Liebe bekommen hätte - im Gegenteil; ich habe ein ganz warmes Gefühl, wenn ich an meine Kindheit denke. Aber ich wollte aus geschildertem Anlass besonders "lieb" sein.

Für das Kind von damals habe ich Verständnis. Selber ärgert mich jedoch, dass ich als inzwischen erwachsene Frau solche Verhaltensmuster tw. immer noch habe (wenn ich es mit Abstand betrachte). In Situationen, in denen ich mich irgendwie ohnmächtig fühle, provoziere ich manchmal Aufmerksamkeit, indem ich mich "blöde" verhalte, völlig unnötigen Streit riskiere. Dabei bin ich vom Grundsatz her sehr harmoniebedürftig. Aber in diesen Situationen suche ich manchmal die Konfrontation, nur um zu erfahren, dass ich dem anderen zumindest nicht gleichgültig bin. Im Grunde ist es eine Art von Manipulation - und das fühlt sich für mich selber im Nachhinein (mit Abstand) auch nicht gut an. Vor allem riskiere ich natürlich nonstop dadurch, wichtige Menschen zu verlieren. Ich habe zwar überhaupt kein Problem damit, mich zu entschuldigen und ich versuche es dann auch wieder gut zu machen. Trotzdem wäre es natürlich besser, ich würde nicht immer wieder zumindest ähnliche Fehler machen.

Kommt das jemandem bekannt vor? Oder weiß mir jemand Rat bzw. hat sonst eine Idee?

Antworten
GHeda+nkeJnfluexge


Aktuell ist eine Freundschaft von mir in Gefahr - und meiner Meinung nach auch, weil ich da zu weit gegangen bin...und mich zu oft so verhalten habe, wie oben beschrieben.

G.edaPnkenfFluegxe


Schade, dass kein einziger etwas dazu schreiben möchte.

GredankZenflzuxege


Ich schreibe mal einfach weiter ;-D .

Mir ist noch etwas eingefallen, was da mit reinspielt.

Ich bin schon immer für meine Meinungen/Überzeugungen eingetreten; habe diese artikuliert auch wenn das Nachteile einbrachte.

Ich bin jedoch nicht gut in der Lage, persönliche Enttäuschungen zu artikulieren....einfach zu sagen: das hat mir wehr getan....das hat mich verletzt. So stauen sich manchmal über zu lange Zeit Dinge an. Ich glaube aber, dass das in einem gewissen Maße viele Menschen haben (dieses Problem), oder?

TviaMar@ia


Hallo,

das, was Du da oben von Dir und Deinem Verhalten beschreibst, finde ich nahezu eins-zu-eins bei meiner "besten Freundin" wieder – in Anführungszeichen, weil diese Freundschaft gerade ernsthaft in Gefahr ist.

Was ich bei Dir gut finde, ist dass Du reflektierst und überlegst, was Du tun kannst, um sozial verträglicher zu werden. Hast Du mal über eine Verhaltenstherapie nachgedacht?

Alles Gute!

GVedan8kenflsuege


Hallo TiaMaria,

danke für Deinen Beitrag.

Es tut mir leid, dass Du quasi "auf der anderen Seite stehst" (dort wo es eigentlich niemals "Fronten" geben dürfte - in einer Freundschaft).

Nein, eine Therapie habe ich noch nie (wirklich) angestrebt. Ich hatte mal darüber nachgedacht, als mir ein Schicksalsschlag (Todesfall in der Familie) über Jahre hinweg jegliche Lebensfreude genommen hat. Ich konnte mich dann aber nicht wirklich dazu überwinden. Ich habe da als gewisse "Berührungsängste".

Was ich beschrieben habe, ist ja auch nicht immer gleich ausgeprägt. Wenn es mir "normal" gut geht, kann ich diesen "Drang" unterdrücken bzw. verspüre ihn erst gar nicht...

Wünsche Dir, dass Du diese Deine beste Freundin noch nicht aufgibst.....

Toia|Marsia


Hallo,

dass es in einer Freundschaft keine Fronten geben soll, ist ein so einfacher und so richtiger Gedanke...

In meinem Umfeld – sowohl privat als auch beruflich – gibt es inzwischen recht viele Menschen, die teils wegen sehr großer, teils wegen weniger großer Probleme, Therapien gemacht haben – zum großen Teil mit viel Erfolg. Was zählt, ist, dass man unter einem Problem leidet und dieses aktiv ändern möchte.

Und wenn man die Therapeuten als "Dienstleister an der Seele" sieht, können auch Berührungsängste verschwinden.

Eine andere Freundin von mir ist ähnlich, aber ebenfalls so reflektiert, dass sie das Problem für sich sieht und anerkennt. Da ist es für mich einfach, damit umzugehen: in dem Moment, in dem sie meine Grenzen überschreitet, gehe ich und setze mich diesem Verhalten nicht mehr aus.

Ich weiß, sie ist so, sie weiß, ich bin so – und wir sind uns nicht böse.

Bei dieser meiner besten Freundin sieht es anders aus: Sie findet es völlig normal, gelegentlich (bzw. häufig in letzter Zeit) völlig über die Stränge zu schlagen, was ihr Verhalten mir gegenüber betrifft, akzeptiert es aber nicht, wenn ich diese Situationen nur bedingt ertrage- sprich, ich soll neben ihr sitzen bleiben, wenn sie gerade nicht mehr mit mir spricht und mich wie Luft behandelt, um nur ein Beispiel zu nennen.

Auf Kritik – die ich wirklich vorsichtig formuliere – reagiert sie ebenfalls mit um-sich-schlagen, Freundschaft in Frage stellen usw. Das macht es schwierig für mich, weil für mich das Reden über bestehende Schwierigkeiten einfach dazu gehört und ich kein Blatt vor den Mund nehmen will – es geht halt nicht nur um sie, sondern genauso um mich.

Aber genug von mir.

Du schreibst, dieses Verhalten träte bei Dir immer dann auf, wenn es Dir nicht so gut gehe.

Genau da sehe ich die Gefahr: Gerade in schlechten Zeiten braucht man doch stabile Beziehungen, oder? Und genau diese stellst Du dann zur Disposition. Da braucht es ein starkes Gegenüber – und vor allem eines, was Bescheid weiß. Sprichst Du mit Deiner Freundin/ deinem Freund darüber?

Entschuldige den etwas wirren Schreibstil – bin erkältet, etwas fiebrig und mein Hirn ist vernebelt.... {:(

Grüße! TiaMaria

G#edankenfPlueege


Hallo,

ich hoffe doch, dass es Dir inzwischen besser geht :-) !

Wie Du Deine Freundin beschreibst, klingt sie einfach ziemlich launisch/zickig - divenhaft. Sicher kann man da Parallelen zu mir erkennen ;-) . So ganz erkenne ich mich darin aber nicht wieder. Wenn ich mich in so eine Situation manövriere, fühle ich mich fast ohnmächtig...aber das negative Gefühl in mir ist dann zu dominant, als dass ich es noch unterdrücken könnte.

Ich bin dann fast froh, wenn mein Gegenüber mir in so einer Situation früh Grenzen setzt - das ganze also nicht weiter eskalieren kann.

Ich merke, dass es verdammt schwierig ist, so "pauschal" darüber zu schreiben......weil es natürlich ganz verschiedene Konflikte in Beziehungen gibt....ich aber nur bestimmte Situationen meine, in denen eine "manipulatives Teufelchen" in mir wütet.

Ja, in der Tat......dieses Verhalten von mir ist eine gute Möglichkeit, sich in schweren Zeiten das Leben noch schwerer zu machen. Ist die Flut vorüber, sehe ich dann, dass der Schaden letztendlich vor allem an mir selber hängen bleibt.

Nein, so wirklich ausgesprochen habe ich meine Gedanken (zu mir selber) in "live" noch nie.

Liebe Grüße!

G3eda\nkVelnflueQge


Aktuell ist eine Freundschaft von mir in Gefahr - und meiner Meinung nach auch, weil ich da zu weit gegangen bin...und mich zu oft so verhalten habe, wie oben beschrieben.

Ich glaube, ich bin zumindest diesbezüglich "überm Berg". Wir haben viel gesprochen - uns gegenseitig gesagt, was uns am jeweils anderen stört. Jetzt, wo es wieder "besser" läuft, merke ich erst, was das für eine Belastung war und was ich da "riskiert" habe. Ich hoffe, ich finde für mich selber einen Weg, solche Situationen zu vermeiden, weil ich mich letzendich immer nur selber damit strafe.

GEendaQnkenflhuexge


.....mir ist unlängst wieder etwas ähnliches passiert.

Vorausgegangen war dem jedoch ein "offenes Ansprechen". Er meinte jedoch, ich sei nur gereizt...und würde da was "unnötig aufbauschen"...aber er ignoriert seit zwei Jahren, dass mich "diese Sache" stört und nicht mehr gewillt bin, das so hinzunehmen.......

Ich habe oft einfach kein Mittel, mit frustrierenden zwischenmenschlichen Konflikten umzugehen. Sie belasten mich über Gebühr....und ich "flüchte" mich dann in dieses Verhalten, das ich eigentlich selber nicht leiden kann.

s#chnatBterguxsche


Vielleicht hilft es Dir, ein paar Grundsätze zu beachten. Mir fällt da der Unterschied in der Wahrnehmung auf. Für Dich ist es ein "offenes Ansprechen". Für ihn ist es Gereiztheit. Es ist für ihn auch ein "unnötiges Aufbauschen", während Du das Gespräch für notwendig hältst. Auf beiden Seiten ist die persönliche Bewertung der Grund für die jeweilige Wahrnehmung.

Oft entwickelt sich eine solche Bewertung erst im Gespräch. Du kannst ein wichtiges Thema auf verschiedene Weise ansprechen. Es ist nicht einfach, sich dabei in die Position des Gegenüber zu denken. Aber wenn man das gelernt hat, wird vieles leichter. Vor allem aber werden damit solche Gespräche fruchtbarer.

Wenn mir jemand meine Fehler vorhält, reagiere ich instinktiv mit Ablehnung auf die negative Bewertung. Dann kann ich zwar vom Kopf her gegensteuern und mir sagen, ich sehe mir das mal in Ruhe an, um festzustellen, ob an den Vorwürfen etwas dran ist. Aber was für ein Aufwand das ist! Sagt mir dagegen jemand, wie er sich bei meinem Verhalten fühlt, dann habe ich praktisch die gleiche Information ohne Bewertung. Ich habe nichts, was ich dabei ablehnen könnte. Ich kann mich frei entscheiden, ob ich die Gefühle des Gegenüber als überzogen ablehne oder ernsthaft darüber nachdenke und eventuell sogar daraufhin an mir arbeite. Denn er hat mich ja nicht einmal aufgefordert, mich zu ändern. Diese Freiheit meiner Entscheidung beflügelt mich.

So versuche ich es auch selbst zu halten. Daher weiß ich, dass es wirklich Übung braucht. Denn nicht immer gelingt es mir. Vor allem braucht es die innere Ruhe für solche Gespräche. Ich möchte über meine Emotionen erzählen, sie aber dabei nicht verspüren. Ich möchte eine Veränderung des Verhaltens des Anderen bewirken, aber selbst nicht von anderen Leuten verändert werden. Das heißt, die Souveränität, die ich mir ihnen gegenüber bewahren möchte, sollte ich auch meinem Gegenüber lassen. Und das alles gelingt mir nur, wenn ich auf Bewertungen der Person und Forderungen an sie verzichte und dafür ganz bei mir bleibe. Ich spreche dann nur über meine Gefühle und eventuell meine Wünsche. Denn mit den Steinen zwischen uns möchte ich eine Brücke bauen und keine Mauer.

G,ed~anken@fl;uege


Hallo Schnattergusche,

danke für Deine Zeilen @:) .

"Solche" Gespräche gab es über "dieses" Thema schon viel.

Ich habe ihm durchaus erklärt, wie sich das für mich anfühlt.....wie er mich dadurch vor Dritten dastehen lässt. Er ist und war dann einsichtig.....aber kurz darauf sind wir wieder beim selben Punkt.....und immer kann er genau für diese Situation natürlich nichts. Ich fühle mich dann einfach respektlos behandelt.

Das ist eine schwierige Kunst, die Du da beschreibst, ja....Emotionen aus etwas zu nehmen, was ganz tief geht......

s\chnQatt:erguGscxhe


Ich fühle mich dann einfach respektlos behandelt.

Du wurdest dann respektlos behandelt. Es kommt auch in der Kommunikation nicht nur auf die Absicht an, sondern vor allem auf die Wirkung. Wenn Du z.B. bei med1 jemandem eine PN schreibst, erscheint unter dem Eingabefeld der Hinweis zu Belästigungen. Doc Schüller hat da eine ganz klare Formulierung gewählt: Im Zweifelsfall entscheidet der Empfänger, was er als belästigend empfindet.

Respekt bedeutet, das Empfinden des Gegenüber ernst zu nehmen. Besonders dann, wenn es von der beabsichtigten Wirkung abweicht. Niemand kann einem anderen Menschen Gefühle vorschreiben. Man kann aber seine eigene Kommunikation auf den anderen Menschen einstellen. Generelle Gereiztheit oder überzogene Bewertung mögen Erklärungen sein, mit denen man sich zu beruhigen versucht. Aber sie ändern absolut nichts an den Gefühlen des Empfängers. Wer ungewollt jemanden verletzt hat, sollte kein Problem damit haben, um Entschuldigung zu bitten. Auch die kann man nicht einfordern. Viele Leute haben gelernt, "'tschuldigung" zu murmeln, und meinen, dass damit alles erledigt sei. Entschuldigen, also von einer Schuld befreien, kann aber nur der, in dessen Augen diese Schuld besteht. Man selbst kann nur darum bitten.

Das ist eine schwierige Kunst, die Du da beschreibst, ja....Emotionen aus etwas zu nehmen, was ganz tief geht......

Mir fallen spontan zwei Möglichkeiten des Umgangs damit ein. Einfach ist keine davon.

Emotionen, vor allem belastende, lösen sich auf, wenn man dem Anderen vergeben hat. Man kann sein Verhalten auch entschuldigen, ohne dass er darum gebeten hat. Was sehr viele Menschen nicht verstehen, weil wir es im allgemeinen anders lernen: Verzeihen heißt nicht, es gutzuheißen! Verzeihen heißt, Gründe für das Verhalten zu kennen, zu erkennen oder zu vermuten, und damit die eigene Abwehr dieser Person aufzulösen.

Vergebung ist oft sehr schwierig. Es reicht nicht, sich zu sagen, ich vergebe dir... Du Ar...lo... Wenn man in sich die Überzeugung aufgebaut hat, du hast schlecht gehandelt, aber ich verstehe die Gründe und umarme dich, ohne Wenn und Aber und Trotzdem, dann ist es für einen selbst eine unglaubliche Befreiung. Sozusagen ein Liebesdienst an der eigenen Seele. Wenn man jemandem, der einen gezielt und absichtlich verletzen möchte, sogar das vergeben kann, verwirrt man ihn, zieht ihn aus seinem Muster heraus und hat gute Chancen, es aufzulösen. Er möchte ja mit seinem Verhalten verletzen. Wenn er aber erkennt, dass der Versuch wirkungslos bleibt oder wird, muss er einen neuen Weg finden oder aufgeben. Nehmen wir an, er findet einen neuen Weg. Auch den kann man verzeihen. Und so kann es weitergehen, bis er dann doch aufgibt. Nur ein völliger Dummkopf rennt immer wieder gegen die gleiche Wand.

Die andere Möglichkeit des Umgangs ist die Vermeidung. In der Regel heißt das, dass man diesem Menschen aus dem Wege gehen müßte. Das fällt auch oft schwer. Wenn z.B. ein geliebter Mensch im Alter verletzende Eigenarten entwickelt, wäre eine Trennung sicher richtig, um sich selbst zu schützen. Aber man entwickelt im Laufe der Jahre auch eine Vertrautheit und Loyalität. Wenn aber der Andere erkennen läßt, dass er keinesfalls einlenken will, dann bleibt nur die Alternative, ihm die Möglichkeiten zur Verletzung zu nehmen.

G8edXanpkenflxuege


Danke für Deinen interessanten Beitrag Schnattergusche!

Hab schon darüber nachgedacht (hatte den Text schon gestern gelesen) und es wirkt noch nach ;-).

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