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Warum können Mütter sich nicht entschuldigen?

d+orvemifxasol


Ich habe jetzt ein kleines Problem: Mir ist das alles zuviel auf einmal und ich weiß nicht recht, wo ich weitermachen soll.

Ich bin jetzt mit dem sich öffnen beschäftigt, das Isabell vor ein paar Tagen angesprochen hat.

Da ihr mich nicht kennt, sage ich mal etwas über mich. Für mich ist das nicht einfach so, dass man zu mir sagt "Du musst Dich mal öffnen" und dann tue ich es. Das dauert. Es gibt jetzt ja viele Dinge wo ich noch etwas zu sagen könnte, und ich weiß nicht, was es ist, wo man dann sagt: Ich habe mich geöffnet.

Ich habe mal aufgeschrieben unter welchen Bedingungen meine Mutter groß geworden ist. für mich ist das etwas sehr persönliches. Ich fühle, wie es meiner Mutter geht, wenn sie im Bunker sitzt. Ihr würdet vermutlich sagen: Was soll denn jetzt diese Kriegsberichterstattung? Deshalb habe ich den Beitrag nicht abgeschickt.

Meine Mutter hat ihre Kindheit im bunker verbracht (gefühlt). Hat sich eigentlich da irgendjemand für entschuldigt? Nein, natürlich nicht. Adolf Hitler und der 2. Weltkrieg haben meiner Mutter die Kindheit versaut. Dafür entschuldigt sich auch keiner. Natürlich habe ich eben noch geschrieben. Ist das eigentlich "natürlich"?

Meine Mutter könnte genausogut wie ich so einen Faden aufmachen: Warum muss sich eigentlich niemand bei mir entschuldigen? Ehrlich gesagt ich finde, es müsste sich jemand bei meiner Mutter entschuldigen (und natürlich genauso bei allen anderen Kindern aus der Kriegszeit, die so unter dem Bombenterror gelitten haben wie meine Mutter).

Meine Mutter gehört zur "schweigenden Generation". Das sind die Menschen, die keine Fragen stellen, weil sie alles gesehen haben (Menschen die auf der Straße liegen, verblutet, keine Zeit sie aufzuheben). Und sie müssen keine Fragen beantworten, weil sie zu jung sind, um als Täter infrage zu kommen.

Wenn ich mir meine Mutter da im Bunker vorstelle, sie tut mir leid. Vielleicht tut sie Euch auch leid, wenn ihr sie Euch jetzt so vorstellt. Das ist ein ganz anderes leid tun. Für Euch ist das ein fremder Mensch. Für mich ist das meine Mutter. Ich leide mit meiner Mutter, so wie ihr wohl auch schon mal mit einem Menschen gelitten habt, der Euch nahesteht, als es ihm sehr sehr dreckig ging. Ich hoffe mal ihr habt so etwas noch nicht erlebt, denn diese Form von Mitleid ist absolut sinnlos und überflüssig. Ich leide, aber meine Mutter hat ja nichts davon, denn ihr geht es durch mein Leid ja auch nicht besser.

Ob es wohl noch irgendjemand gibt, der sich bei meiner Mutter entschuldigen könnte. Es gibt wohl nur noch Menschen, die sagen: Ich kann da ja auch nichts für.

Meine Mutter hätte eine Entschuldigung verdient, denn so geht man mit Menschen einfach nicht um. Nur wer oder was hätte sich da eigentlich entschuldigen können. Ich weiß es nicht.

Viele haben geschrieben, es gibt sicherlich so einiges wo für ich mich entschuldigen müsste, auch wenn ich es nicht weiß. Ich glaube für meine Mutter wäre es viel besser und wichtiger, wenn ich ihr etwas schenken könnte: Eine Entschuldigung für das Grauen im 2. Weltkrieg. Sicherlich könnte ich so etwas schreiben. Aber in wessen Namen eigentlich?

Ich weiß nicht wie oft Euch es schon so gegangen ist: Diese Welt ist ungerecht. Oft bleibt einem nicht mehr, als das so hinzunehmen. Da rutscht einem leicht mal ein einfach rein: Das muss man einfach hinnehmen. Es ist nicht einfach. Es ist schwer. Vielleicht so schwer, dass ich nicht mehr kann.

Liebe Monika65, Mae82 und Isabell!

Ich habe Eure letzten ausführlichen Beiträge noch nicht gelesen. Versucht Euch das bitte mal vorzustellen: Ich habe gerade Urlaub. Ich bin gedanklich (beinahe) mit nichts anderem beschäftigt. Und selbst ein so ein langer Beitrag von Euch pro Tag ist fast immer noch zuviel für mich. Ich versuche das alles noch zu lesen, zu würdigen und darauf einzugehen.

dCo]remiUf{asxol


kleine Nachfrage zu meinem letzten Beitrag. Habt ihr das Gefühl, da hat sich jemand geöffnet? Rede ich immer noch um den heißen Brei herum? Heiß oder kalt?

K?Mo`ody


Nein, ehrlich gesagt, habe ich mehr über deine Mutter erfahren, als über dich und dein Problem.

Ich weiß immer noch nicht wer sich bei wem wofür und warum eigentlich entschuldigen soll.

Irgendwann muss man die Vergangenheit auch mal hinter sich lassen, sonst kann man sie auch wunderbar und immer als Ausrede für die eigenen Defizite in der Gegenwart benutzen.

Das eigene Leben leben.

MIaex82


Erstmal: DANKE! @:)

Und entschuldige meine schroffe Reaktion. Ich dachte wirklich: "Jetzt nimmt er mich nicht mehr ernst. Was hat der zweite Weltkrieg damit zu tun, was Mütter ihren Kindern sagen?"

Ob es wohl noch irgendjemand gibt, der sich bei meiner Mutter entschuldigen könnte.

Und was würde eine Entschuldigung deiner Mutter bringen? ":/

Ja, diese Generation hat gelitten. Und es wurde nie danach gefragt, wie es ihnen ging. Im Krieg war eben Krieg, da musste man eben in den Bunker. Jeder hätte es sich anders gewüscht, aber es war eben anders. Man war mit Überleben beschäftigt, so auch in der Zeit danach. Dann ging es darum sich wieder eine Existenz aufzubauen. Die Kinder mussten funktionieren. Taten sie es nicht, wurden sie bestraft. Es musste weitergehen, die schreckliche Zeit des Krieges wollte man so schnell wie möglich vergessen. Darüber reden? Wozu? So dachte man.

Erst in den letzten Jahren geraten die Kriegskinder in den Blick.

Für dich habe ich einen Buchtipp:[[http://www.amazon.de/gp/product/images/3451062127/ref=dp_image_0?ie=UTF8&n=299956&s=books Wir Kinder der Kriegskinder]]. Vielleicht findest du dich und deine Mutter dort wieder?

MeaLex82


Habt ihr das Gefühl, da hat sich jemand geöffnet? Rede ich immer noch um den heißen Brei herum?

Du hast auf jeden Fall besser erklärt, worum es eigentlich geht. Dafür mein Dank.

Und ich habe das Gefühl (!), du hast selber noch keine Worte für das, was dich wirklich beschäftigt.

MYonikax65


Lauwarm. Ich meine verstanden zu haben, dass du ein Riesenproblem mit Schuld und Entschuldigung hast.

Ich weiß nicht wie oft Euch es schon so gegangen ist: Diese Welt ist ungerecht. Oft bleibt einem nicht mehr, als das so hinzunehmen.

Ja, das ist so. Schicksal? Meiner Mutter ging es übrigens ähnlich wie deiner. Wenn sie davon erzählt hat, war ich als Kind immer auf gruselige Art davon fasziniert, habe auch mal gesagt, was für eine blöde Kindheit! Sie meinte dann, es WAR eine Kindheit. Ich weiß nicht, ich hatte nicht das Gefühl, dass ich sie bemitleiden musste. Später hat sie gut gelebt, allerdings starb mein Vater, als sich noch relativ jung war. Das war ungerecht für mich und sie, in meinem Leben war das ganz schlimm. Dann hatte sie noch eine späte Liebe und jetzt ist sie alt und hat eine Superrente, das werden wir mal nicht mehr haben. Wir sind in erster Linie mal für unser Leben verantwortlich, wie man so sagt, jeder muss sein Päckchen tragen. Du scheinst das deiner Mutter mitzutragen, kein Wunder, dass du müde bist. Ich weiß nicht, warum du das machst.

Meine Mutter hätte selbstverständlich auch eine Entschuldigung verdient für diese Kindheit, aber sie hätte nur abgewinkt und gesagt, das ist vorbei, davon kann ich mir jetzt auch nichts mehr kaufen.

VRa hidxe


Hoi

Bei mir ist es nicht so: ich bin Mutter eines 11 jährigen Sohnes und habe mich schon oft bei ihm entschuldigt. Ich sage ihm auch, dass Erwachsene es so gut wie möglich machen wollen und vor Fehlern nicht gefeit sind.

Mein Sohn und ich haben eine gute Vertrauensbeziehung. Finde sich gegenseitig entschuldigen ist wichtig. Leute die das nicht tun, haben entweder Mühe mit sich selber reflektieren oder sie wollen eine gewisse Vormachtsstellung nicht aufgeben und wollen in der Hierarchie oben bleiben. sie meinen bei Fehlern ertappt zu werden, das schade ihrer Grösse oder sie schämen sich ihrer Fehler.

LG

dEoremi!faslol


(Ich habe einen kleinen Tipp bekommen, vielleicht mal so etwas zu sagen):

Da es hier ja eine virtuelle Selbsthilfegruppe ist, beginne ich mal mit der Vorstellungsrunde.

Also ihr dürft mich doremifasol nennen, benannt nach der italienischen Tonleiter weil ich so harmoniesüchtig bin, ich bin etwas über 40, ich habe eine ausgeprägte weibliche Seite, deswegen verrate ich nicht gerne mein genaues Alter und mogel es manchmal ein bisschen nach unten :-) , ich mag Frauen, steile Theorien und bin Hardcore-Single.

Wenn ich von meiner Ex spreche, meine ich meine Ex-Freundin, mit der ich lange zusammen war, aber das ist inzwischen noch länger her als wir zusammen waren. Ich habe keine Kinder und ich habe auch absolut nicht vor, welche in die Welt zu setzen. Ich bin schon froh, wenn ich mit mir selbst zurecht komme.

L5ian-)Jixll


Ich habe keine Kinder

In welcher Beziehung stehst du dann zu dem "Sohn", der in deinen Augen Messieverhalten an den Tag legt?

dDoremi&fasxol


Nur um das mal klarzustellen: Wenn ihr jetzt auf irgendsowas wartet wie sexueller Missbrauch, Vater erschossen, Bruder verprügelt. Dann wartet ihr Vergeblich. So was wird nicht kommen. Es geht "nur" um Gefühle. Also alle potentiellen Bildzeitungsleser, wenn ihr auf so etwas gewartet habt, tut es mir leid, dass ich Euch unnötig auf die Folter gespannt habe. Ich komme aus einer normalen Familie.

Ich kann ja nicht hellsehen, ich weiß nicht, was in Euch vorgeht, war diese Klarstellung jetzt nötig?

KeMooxdy


Irgendwie kommt mir hier gerade alles Spanisch vor. Erst die Bekannte, obwohl du eigentlich dich selbst meinst, dann der Sohn, den du aber jetzt doch nicht hast?

???

L)i4an-qJilcl


dann der Sohn

...der wieder nach Hause ins Kinderzimmer ziehen könnte?

SFetzeMn6


@ doremifasol:

spanisch oder nicht, aus irgendeinem Grund faszinierst du mich. ":/

w?ispxy


":/

doremifasol

.

Es geht "nur" um Gefühle.

ja, fragt sich jetzt nur um welche?

Also alle potentiellen Bildzeitungsleser, wenn ihr auf so etwas gewartet habt, tut es mir leid, dass ich Euch unnötig auf die Folter gespannt habe. Ich komme aus einer normalen Familie.

Wie kommst Du darauf , dass sich jemand etwas anderes gedacht hat?

Ich kann ja nicht hellsehen, ich weiß nicht, was in Euch vorgeht, war diese Klarstellung jetzt nötig?

nein ;-D

SHeQtzxen6


Ich werde darüber nachdenken.

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