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Abitur – ich schaffe es nicht, schwänzen und körperlich fertig

TxhEoar hat die Diskussion gestartet


Ich habe ein Problem mit meinen schulischen Leistungen, ich bin jetzt in der 12. Klasse und 18 Jahre alt. Schule war schon immer ein Problem für mich, ich kam mit 6 Jahren aus Estland nach Deutschland, eine neue Sprache und neue Menschen. Damals habe ich bereits geweint als ich zur Schule musste, das hat sich zwar gelegt aber die Abneigung zur Schule blieb. In der 4. Klasse hatte ich starke Defizite in Deutsch, weil ich bilingual aufgewachsen bin und die Hauptschulempfehlung kam.

Die Hauptschule war die schlimmste Phase meines Lebens, es war eine Demütigung immer der Ausländer auf der Hauptschule zu sein, die Mitschüler waren hart und ich war eben ein sehr emotionaler und ruhiger Junge. Trotzdem schaffte ich es mich mit 2 deutschen Mitschülern gut zu befreunden und wurde nicht gemobbt. Meine Noten haben sich stark verbessert und ich sollte in die Realschule übergehen, doch in diesem Jahr verstarb meine Mutter bei einem Verkehrsunfall. Ich fiel in ein Loch von Kummer und Depressionen, ich hatte durchschnittlich eine 5 in jedem Fach. Aber ich schaffte es immer meine Trauer zu verschleiern und keiner hat wirklich mit mir darüber geredet, der Kontakt zu jedem Freund brach ab, ich war für mich alleine, absolut introvertiert. Später haben sich meine Noten wieder verbessert, ich habe freiwillig die 10. gemacht und dadurch meinen erweiterten Sek. I bekommen, ich war der Abschlussbeste und konnte auf das Gymnasium gehen. Die 11. war einfach, ich musste kaum lernen und hatte wieder gute Noten.

Nun bin ich in der 12. und ich kann nicht mehr, ich weiss nicht wieso, es kommt einfach alles wieder hoch. Wenn ich an meinen Hausaufgaben sitze geht es einfach nicht, es ist nicht so als wäre es zu schwer, aber ich bin einfach ausgelaugt und habe keine Kraft dafür. Wenn ich nur an die Schule denke, bekomme ich Magen- und Kopfschmerzen, meine Augen werden müde und alles blockiert. Heute bin ich nicht zur Schule gegangen, ich kann einfach nicht mehr und ich habe eine Abneigung gegen die Schule, meine Lehrer und gegen das ganze Bildungssystem. Warum muss man Menschen so klassifizieren, das ist keine individuelle Förderung sondern einfach eine Spiegelung der Wertigkeit als Mensch. Auf der Hauptschule habe ich mich auch nicht so gefühlt, als würde ich gefördert werden, sondern dass ich einfach der Dreck der Nation bin und mir schonmal einen Besen nehmen soll.

Ich weiss nicht, was ich machen soll, wie soll es weiter gehen ? Ich kann die Schule nicht einfach abbrechen und für den Unterricht bin ich einfach zu schwach, ich bin psychisch ausgenommen und es geht nicht weiter, ich habe keinen mit dem ich reden könnte...

Antworten
E0quili/zexr


Hey, nicht gleich den Kopf in den Sand stecken. :°_ :)_

Warum muss man Menschen so klassifizieren,

Wirst du denn jetzt, in der 12. Klasse immer noch oder erneut gedemütigt so wie auf der Hauptschule? Wie sieht denn dein jetziger Notendurchschnitt aus? Jetzt, so kurz vor dem Abitur solltest du nicht alles hinschmeißen. Ein gutes Abschlußzeugniss ist die halbe Miete für dein späteres Berufsleben.

Und was hast du für Hobbys? Wenn du dich psychisch ausgenommen fühlst, solltest du einfach mal abschalten und etwas anderes tun. Aber nicht gleich aufgeben.

inmÜb7ergxang


Hey,

Respekt, dass du dich so aus unserem deutschen Bildungssystem hochgekämpft hast!! du bist ein Kämpfer scheinst sehr stark zu sein!! (Andere hätten schon in der Hauptschule aufgegeben!!)

Allerdings irgendwann ist jeder am Ende seiner Kräfte, insbesondere wenn der Druck wächst und man alleine mit allem dasteht. Du hast sehr viel mitgemacht und musstest wahrscheinlich vieles davon auch ganz alleine verarbeiten, wie z.b. den Tod deiner Mutter. Mein herzliches Beileid!!

Jetzt, in der 12. wächst der Druck wieder und alte Erinnerungen und Ängste kommen hoch--- das ist verständlich und normal vor dem Hintergrund deiner außergewöhnlichen Geschichte, vom "Immigrantenkind", das mit 6 Jahren in eine neue Welt kam, sich überall neu integrieren musste zum Hauptschüler zum Gymnasiasten. Du hast immer viel Druck ausgehalten und die Schule war wohl immer ein Knackpunkt, ein Ort an dem besonders viel – mehr als von den deutschen – von dir gefordert wurde. Als jemand, der die Sprache nicht sofort gut spricht, war die Integration und das Erbringen von Leistungen viel schwieriger und ja – in der Tat, das deutsche Schulsystem ist extrem selektiv und es gibt auch kein Konzept zur individuellen Förderung für Schüler mit Migrationshintergrund. (– Im Gegensatz zu anderen Ländern wie den Niederlanden, Frankreich etc.)

Aber das ist nicht der springende Punkt. Ich glaube es geht hier nicht um eine Motivationsschwäche oder ähnliches, sondern du bist einfach komplett überlastet mit allem was passiert ist und hast enorm viel verdrängt und jetzt lastet der Druck auf dir, es schaffen zu wollen/zu müssen. Alles was wir verdrängen, beeinflusst unsere Wahrnehmung und Verarbeitungskapazität, das Unbewusste und Verdrängen von Angst und Schmerz verschlingt einfach sehr viel Energie. Energie die dir jetzt fehlt.

Ohne zu wissen, wie es in deiner Seele aussieht: Deine Reaktion auf diese belastenden Erlebnisse ist normal und menschlich. Du hattest damals niemandem zum Reden, keine Unterstützung und hast verdammt viel alleine durchgemacht.

Die Schule ist allerdings der Ort, an dem du ausschliesslich an deinen Leistungen gemessen wirst und das ist verdammt brutal, besonders wenn es dir als Mensch gesamt einfach nur schlecht geht.

Aber wir können das System nicht ändern, du kannst nur versuchen dich selbst als Mensch, als Persönlichkeit und deine Bedürfnisse (!!!!!) besser zu verstehen. Du musst selbst das selbst tun, niemand wird es für dich tun.

Die Beschreibung deines Lebensweges, die Belastungen und die jetzigen Krankheitssymptomen erinnern wirklich bedenklich an das Burnout-Syndrom.

Wahrscheinlich sind auch die schulischen Leistungen nicht das Problem an sich, eher ein Symptom von etwas tieferem.

Bitte nimm deine Symptome ernst, und sprich mit jemandem darüber!! Du weisst selbst, dass es in dir steckt und du es schaffen kannst! Das Abitur ist nicht das Problem, es ist etwas anderes!! manchmal muss man sich erst von seelischen, emotionalen Lasten befreien und sich freischwimmen, damit man den Kopf für die Aufgaben im Leben frei hat!!!

Darf ich fragen, in welcher Ecke Deutschlands du wohnst?

Cburr?aLn


Hmmm, das Schuljahr hat gerade erst angefangen... Hast du schon mal mit deinem Hausarzt darüber geredet? Du hast ja keine schönen Erfahrungen gemacht und da vielleicht Redebedarf, den ein Psychologe stillen könnte. Möglicherweise schreibt dein Doc dich auch für eine Woche krank- ist nicht ideal, aber manchmal tut das schon gut.

Ich kenne das Gefühl, man ist so lange zur Schule gegangen und irgendwann kann man einfach nicht mehr. Am schönsten ist es dann, wenn man vom Umfeld hört, wie toll es ist noch Schüler zu sein und dann man die Zeit genießen soll- so viel Freizeit hat man ja niiie wieder... %-| Bei mir war es so, dass ich 9 Stunden jeden Tag ab der Oberstufe in der Schule war, eine Stunde Fahrzeit hatte, dann zwei Stunden Hausaufgaben erledigen musste, Referate und Präsentationen erarbeiten musste, Zusatzaufgaben zum Üben fürs Abi bekam und in den Ferien durfte man dann diverse Lektüren lesen in Deutsch, Englisch und Französich. Unterm Strich habe ich mehr geackert als ein normaler Arbeiter- als Schüler wird von einem verlangt 12 Stunden (mit Hausaufgaben) am Tag hochkonzentriert zu sein und zwar von morgens 7.30 Uhr bis spät abends.

Und wenn du Abi machst, dann darfst du dir innerhalb von ein paar Monaten nochmal 7 Jahre Schulinhalt in 6 Fächern reinprügeln. Herrlich.

Das laugt verdammt aus und durchs G8 ist es jetzt noch schlimmer geworden.

-

Wenn du also das Gefühl hast eine Woche Freizeit nützt dir etwas, dann nimm sie dir. Du hast nichts davon, wenn du kurz vorm Abi zusammenbrichst oder abbrichst.

Wenn du meinst, dass dir das nichts nützt, dann sprich mit deinem Hausarzt darüber.

Kleine Aufmunterung: Nach dem Abi kannst du dir etwas suchen, was dich ien Jahr beschäftigt, aber dir auch Spaß macht. Mach nicht gleich ne Ausbildung, nimm dir eine Auszeit. Nimm einen kleinen Nebenjob an oder mach ein Soziales Jahr, werd Au Pair oder Zivi.

Und wenn du dieses Jahr das Abitur nicht schaffst, dann ist das wurscht! Es ist keine Schande, wenn man wiederholt- zumal du einen verdammt harten und tollen Gang hinter dir hast! Sich von der Hauptschule hochzuarbeiten und kurz vorm Abi zu stehen ist eine klasse Leistung! Zumal du ja nicht mal von hier kommst. :)z

ThhoOaxr


@ Equilizer

Naja, ich finde man wird jetzt einfach mehr respektiert und man muss sich nicht schämen zu sagen, dass man auf die Hauptschule geht, natürlich sollte man das generell nicht aber in dem Alter hat man das Selbstbewusstsein eben nicht, ich jedenfalls hatte es nicht. Und letztes Jahr lag ich bei ~2,2 jetzt kann ich das schlecht einschätzen, haben noch keine Klausuren geschrieben.

Bitte nimm deine Symptome ernst, und sprich mit jemandem darüber!!

Ich weiss nicht mit wem ich darüber reden soll, es wär komisch wenn ich es meinem Vater sagen würde, ich weiss auch nicht, dass würde mir nicht gefallen.

Darf ich fragen, in welcher Ecke Deutschlands du wohnst?

Nördlich, in Ostfriesland.

Hast du schon mal mit deinem Hausarzt darüber geredet? Du hast ja keine schönen Erfahrungen gemacht und da vielleicht Redebedarf, den ein Psychologe stillen könnte.

Davor habe ich angst, ich will zu keinem Psychologen. Ich würde mich einfach schlecht fühlen, ich weiss nicht wie meine Verwandten darüber denken würden. Es ist einfach ein schwerer Gang, den ich nicht bereit bin zu gehen, ich will normal sein und meine Probleme selber lösen können.

Cyurhran


Wozu schreib ich eigentlich einen ellenlangen Beitrag, der dann scheinbar nicht mal gelesen wird??

T~h3oaxr


Wozu schreib ich eigentlich einen ellenlangen Beitrag, der dann scheinbar nicht mal gelesen wird??

So lang war er nun auch wieder nicht. Ich habe deinen Beitrag gelesen und zwar mehrmals, ich verstehe nicht worauf du hinaus willst ?

I+n-Kogu Nxito


....Du mußt das anders sehen.

Dein soziales Umfeld, so , wie Du es im Moment kennst, wird bald aufhören zu existieren.

Alle Routinen, alle Freunde, alle settings werden nun gemischt.

Insofern vesuche, die Schule und die Rolle als Schüler als etwas Vertrautes willkommen zu heißen.

Denn bald ist es vorbei.

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