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Was ist ein Kind seiner Mutter schuldig?

L!ouisBiHanxa hat die Diskussion gestartet


Die Frage kommt nicht von ungefähr: Ich (mittleres Alter) habe, seit ich vor 15 Jahren von zu Hause ausgezogen bin, ein zunehmend schlechtes Verhältnis zu meiner Mutter (um die 70). Wir beide leiden darunter, ganz ohne Frage. Wenn man meiner früheren Therapeutin glauben schenken kann, so bin ich recht ungeborgen aufgewachsen, ohne Schutz oder so was wie Trost. Genau dies erwartet meine Mutter inzwischen von mir - und ich bin weder fähig noch willens, dies zu leisten. Einfach aus dem Grund, weil vieles von mir derart kaputtgegangen ist, dass ich heute und wohl auch in Zukunft eine ziemliche Bürde zu tragen habe.

Ich distanziere mich so gut es geht von ihr. Ich vermeide Telefonate, die fast immer in Streit ausarten, hinterher fühle ich mich wie ausgesaugt und benutzt. Trotzdem ruft sie immer wieder an - weil "ich ja ihr Kind bin". Ich mag sie auch nicht um mich haben, auf Besuch oder so, weil es spätestens am 2. Tag kracht. Sie provoziert mich, kennt ja meine wunden Punkte, und wenn ich sie dann angehe, kotzt sie mir ihren Frust und ihre Enttäuschung über mich vor die Füsse und beschimpft mich heftigst. Kurz: Ich vermeide so gut es geht jeden Kontakt. Das letzte Mal hab ich sie vor 1,5 Jahren gesehen und habe auch kein Verlangen nach einem gemeinsamen Weihnachtsfest.

Vor ein paar Wochen nun starb ihr Bruder, er wohnte im Nachbarort, ein Mann, der gewalttätig war und Spaß daran hatte, seine Familie zu misshandeln und zu demütigen. Ich war nicht traurig über das Ableben dieses Despoten, weil er auch mich als Kind ständig beschimpft und gedemütigt hat – ohne dass meine Mutter sich hinter mich gestellt hat, versteht sich. Meiner Mutter ist durch seinen Tod wohl nun klar geworden, dass auch sie nicht mehr die Jüngste ist und hat das letzte Telefonat dazu benutzt, wieder Stunk zu machen. Erst fing es harmlos an, dann sagte sie mir, sie hätte meine Adresse ihrer Schwägerin gegeben (zu der ich keinen Kontakt habe). Zuvor hatte sie schon mal meine Telefonnummer einfach einer Schulfreundin von vor 25 Jahren gegeben, und ich habe ihr später gesagt, dass sie nicht einfach so meine Nummer weggeben soll sondern den anderen um seine Nummer bitten und sie mir geben soll. – Daher habe ich nun gesagt, es wäre mir lieber gewesen, wenn Du mich vorher gefragt hättest, ob das okay ist, das haben wir doch letztens besprochen, und ich habe mit dieser Familie im Prinzip nichts am Hut. Sie ist völlig ausgerastet, hat angefangen herumzuschreien, sie wäre jetzt ganz alleine, wenn sie sterben würde, dann würde ich es nicht mal erfahren und sie würde verscharrt wie ein Hund, weil es ihre Tochter gar nicht interessiert. Ich habe ihr gesagt, ich würde es schon über die Ämter erfahren, und sie meinte, großartig, ich habe ein Kind alleine großgezogen (sie hat sich scheiden lassen) und so viel dafür getan, und jetzt bist du mal dran was für mich zu tun. Ich erfuhr bei der Gelegenheit auch gleich, dass sie eine Patientenverfügung hat und ich für alles verantwortlich bin, wenn sie mal nicht mehr selbst entscheiden kann. Auch hier sagte ich ihr, es wäre besser gewesen, du hättest mich vorher mal darauf angesprochen. Woraufhin sie wieder völlig austickte und ich wieder zu hören bekam, was ich mir seit Jahren anhören darf: Ich bin egoistisch, undankbar, kümmere mich nur um meine eigenen Probleme und anderer Leute Probleme gingen mir am A**** vorbei. Mit "andere Leute" meint sie aber generell nur sich, sie liebt es, mir das Gefühl zu geben, ich wäre isoliert gegenüber der Welt. Wenn sie sterbe, würde ich vielleicht nicht mal kommen, weil ich ja kein Geld habe.

Zu meiner Situation: Mit Problemen gehe ich grundsätzlich nicht zu ihr. Sie macht sie nämlich nur schlimmer. Ich habe 20 Jahre lang Vollzeit gearbeitet bis zum Zusammenbruch, denn bei dieser jähzornigen und teilweise sehr aggressiven, unreflektierten Frau ist ein überangepasstes Kind aufgewachsen, dass sich gegenüber Kollegen nicht zur Wehr setzen kann und praktisch kaum über Abwehrfunktionen verfügt. Seit dem Zusammenbruch arbeite ich auf 400Euro-Basis und habe Angst, mit Kollegen zusammenzuarbeiten.

Zusammengenommen mit dem Einkommen meines Mannes können wir uns gerade über Wasser halten, und das wohl nur, weil wir beide an einem Strang ziehen und sehr diszipliniert sind.

Momentan treibt mich nun der Gedanke um, zu was bin ich meiner Mutter gegenüber verpflichtet? Ich wüsste nicht mal, wie ich ein Begräbnis finanzieren sollte, wir haben absolut keine Reserven. Was, wenn sie pflegebedürftig ist? Über meine Schwelle kommt sie nicht, weil sie würde mich endgültig kaputtmachen. Also ein Heim. Wie soll ich das aber finanziell tragen? Ich bräuchte dringend Zahnersatz – aber kein Geld. Neue Brille – kein Geld. Muttern schafft es immerhin, zweimal im Jahr in den Urlaub zu fahren, nicht großartig, aber immerhin. Mein Mann und ich können nicht mal übers Wochenende weg.

Es tut mir leid, dass das alles herzlos klingen muss. Ich bin kein gefühlskalter Mensch, führe eine innige und liebevolle Ehe, seit fast 12 Jahren. Und ich fände es so schön, eine liebe Mutter zu haben, die einen auch mal aufbauen könnte - sie würde es tausendfach zurückbekommen. Aber diese Frau hat viel kaputtgemacht und würde immer weiter und weiter machen, sie ist so extrem sprunghaft in ihren Gefühlen und Äusserungen, eben ist man noch toll, weil man was Tolles gemacht hat, und einen Atemzug später kann sie schon völlig ausrasten und einen beschimpfen. Sie hat keine Einsicht, und wenn sie austickt, ist sie fast wie ein Tier, es ist ihr absolut egal, was das in mir anrichtet. Sie ist so manipulativ, versucht mich über mein Gewissen zu erpressen und meint anscheinend, man könnte sich Liebe und Fürsorge erzwingen. Ich habe so einen Hass ihr gegenüber, und sie tut mir gleichzeitig auch leid. Ich fühle mich seit ihrem Anruf und ihren Hasstiraden und Beschimpfungen fertig. Hatte vor ein paar Wochen Schwindel, Übelkeit und Kopfweh, was vor einer Woche fast weg war. Seit dem Anruf sind die Beschwerden wieder da.

Welche Verpflichtungen habe ich als Kind dieser Mutter?

Antworten
pHaxtch


Welche Verpflichtungen habe ich als Kind dieser Mutter?

Um es kurz und knapp zu sagen: Kaum bis garkeine. In dieser Situation solltest du endlich mal an DICH denken, dich weiter distanzieren, DEIN Leben leben.

Vieles was du geschrieben hast, spiegel meine Mutter wieder. Ich bin ua. wegen ihr mit 15 Jahren von zu Hause ausgezogen und wohnte nun über 300km von ihr weg. Ich kann nur von mir sprechen; Ich habe auch oft das Gefühl, ich sei ihr etwas schuldig. Schließlich ist sie meine Mutter und hat mich auch mit meinen 2 Brüdern allein "erzogen". Genau Betrachtet war sie einfach nur da, trank Alkohol und hat uns Kinder allein gelassen, Wir haben uns alle 3 selbst erzogen. Also für was soll ich dir danken? Warum soll ich für sie nun da sein, wo sie es früher nie war, nein sogar bis heute nicht ist? Ich bin ihr nichts schuldig, ich werde sie auch nicht pflegen, sollte das mal von Nöten sein. Sie hat mich auch nicht "gepflegt". Aber soll man Gleiches mit Gleichen vergelten? JA, in meinen Fall (und wahrscheinlich auch in deinem) sollte man es. Denn es würde mich (und dich) weiter kaputt machen. Sie hatte ihre Chance(n)!

@:)

aC.fisZh


Welche Verpflichtungen habe ich als Kind dieser Mutter?

Keine. Du klingst auch nicht herzlos – niemand ist zur Liebe verpflichtet, auch oder besonders nicht seinen Eltern gegenüber. Auch wenn die oder andere das anders sehen. Daran, dass ausgerechnet sie Deine Mutter ist, hast Du schließlich keinen, überhaupt keinen Anteil.

Ich würde Dir raten, bei dieser Sache ganz auf Dich zu schauen. Das kann zu unterschiedlichen Ergebnissen führen – vielleicht tut Dir ein radikaler Kontaktabbruch gut. Den Du dann aber wirklich durchziehst. Vielleicht ist aber eine Entschiedung zu Gunsten des kleinen Moralisten in Dir das richtige für Dich, der Deiner Mutter zumindest irgendwie Pflege und Betreuung zukommen lassen möchte. Das kann man von Außen nicht sagen, ich denke, da musst Du in Dich gehen und einfach mal alle Gefühle und Gedanken zulassen, nachspüren und dann entscheiden.

In jedem Fall ist, denke ich, eine emotionale Distanzierung angebracht. Selbst wenn Du Dich "formal" noch um sie kümmerst, solltest Du versuchen, Dich emotional so wenig wie möglich davon berühren zu lassen. Das ist natürlich denkba schwierig. :-/ So einen richtigen Tipp, wie das geht, habe ich auch nicht. Vielleicht indem Du Dir immer wieder versicherst, dass es Dich keine Verpflichtungen an sie fesseln und dass Du das, was Du tust, tust, weil es richtig (für Dich) ist und nicht, weil sie das irgendwie doch verdient hätte.

pqat.cxh


Ich bin übrigens (morgen) 27 Jahre alt. Und auch ich habe Therapien hinter mir.

KbMoo{dxy


Es tut mir leid, dass das alles herzlos klingen muss.

Es klingt überhaupt nicht herzlos. Und verpflichtet bist du deiner Mutter zu nichts (wie das rechtlich und finanziell aussieht weiß ich nicht) – moralisch jedenfalls.

Du hast sie nicht gebeten, dich auf die Welt zu setzen – das hat sie ganz allein entschieden und dann offensichtlich ziemlich viel falsch gemacht. Warum hast du eigentlich überhaupt noch Kontakt mit ihr?

Der Kontakt hat mit deiner Mutter scheint dir nicht gut zu tun, sondern dich unglaublich zu belasten.

Y9ElecZtra


Ich hätte deinen Beitrag eigentlich gar nicht vollständig lesen müssen, weil es für mich schon auf den Titel nur eine Antwort gibt: Auch der besten Mutter ist man nichts "schuldig".

Wir leben in einer Zeit, in der es ein gut ausgebautes Netz von Sozialhilfeleistungen gibt, das dafür sorgt, dass niemand unter der Armutsgrenze leben muss. Wenn ich meinen Eltern später helfen müsste, dann würde ich es nicht tun, weil sie meine Eltern sind, sondern weil es Menschen sind, die ich mag, mir sehr viel bedeuten und die ich achte. Sie haben mir viel gegeben und somit gebe ich auch gerne viel zurück.

Eine Mutter hat durch das reine herauspressen eines Kindes keinen Anspruch darauf, das Kind konnte ja nicht selbst entscheiden, ob es geboren werden will oder nicht. Deine Mutter scheint ausser dem nicht viel richtig gemacht zu haben und somit sehe ich auch nicht, warum du ihr etwas zurückgeben solltest. Man kann jemandem nur etwas schuldig sein, wenn dieser vorhin etwas gegeben hat, das er zurück will. Der Anspruch, etwas zurück kriegen zu wollen ist völlig egoistisch, schliesslich haben sich deine Eltern, so wie die meisten, bewusst dafür entschieden, dich zu kriegen. Wenn deine Mutter nun glaubt, sie hätte das Recht darauf jeden Rappen auf irgend eine Art wieder zu kriegen irrt sie sich. Im schweizer Obligationenrecht steht ganz vorne, dass ein Vertrag, also eine Verpflichtung, nur dann zustande kommt, wenn beide Parteien den übereinstimmenden Willen dazu geäussert haben. Das kann ein Kind gar nicht und es hat somit keine Verpflichtungen, was Eltern tun ist völlig freiwillig und selbst auferlegt. In einer gut funktionierenden Familie ist es einfach oft so, dass die Kinder dann auch gerne freiwillig etwas zurück geben.

Ich weiss nicht genau, wie es vom rechtlichen Standpunkt her aussieht und zu was du gesetzlich verpflichtet bist. Vom moralischen her ist es für mich aber eindeutig, dass du ihr nichts schuldig bist.

YBvettex79


Hallo *:)

Du meine Güte. :-o

Mir fehlen ein wenig die Worte. Und gerade ich bin wohl auch nicht die Richtige, um hier kluge Reden zu schwingen, hab ich doch selbst genug Probleme mit der Bewältigung meiner eigenen Beziehung zu meinen Eltern (habe hier auch einen eigenen Faden dazu), aber aus der Distanz heraus (immerhin geht es hier ja nicht um meine eigenen Eltern), fällt es mir wohl doch etwas leichter, objektiv etwas dazu zu schreiben:

Du hast keine Verpflichtung deiner Mutter gegenüber.

Zuerst mal zum Finanziellen. Ich denke, dadurch, dass ihr euch eine Pflege gar nicht leisten könntet, wird dafür wohl später der Staat aufkommen müssen. Hast du eine Therapie gemacht unter anderem wegen deiner Mutter? Damit liesse sich im Zweifel ja auch belegen, warum du sie bei dir nicht aufnehmen willst/kannst.

Zum Emotionalen. Ich würde mich soweit wie möglich von ihr distanzieren. So wie du schreibst, hast du das ja auch schon getan. Ich denke, das tut dir gut und wenn es dir so schlecht geht, dass du so extreme Beschwerden hast, dann kannst du zu ihr gar keinen engeren Kontakt halten. Nimm Abstand.

Ich weiß, das ist so leicht gesagt. Ich selbst habe immer mal wieder Abstand genommen. Wollte nichts mehr von meinen Eltern wissen. Einfach abschließen mit ihren Gemeinheiten und allem, was sie mir angetan haben.

Und doch kamen sie immer wieder. Doch gab ich immer wieder nach, um mich nicht viel später wieder verletzen zu lassen. Und nun habe ich vor mehreren Wochen wieder den Schlußstrich gezogen, weil ich gemerkt habe, wie schlecht es meinem Sohn mit der Situation geht. Und wenn es schon nicht um mich geht, aber mein Kind geht mir über alles und das lasse ich nicht von meinen Eltern zerstören.

Mir geht es oft nicht gut dabei, weil ich ein schlechtes Gewissen und zweifel habe. Aber wenn ich in mich hineinhorche und weiss, was mir gut tut, dann bleibt eigentlich keine andere Konsequenz.

Ich wünsche dir viel Kraft für deinen Weg :)* :)*

Fyrxeakmxom


Hallo Louisiana,

Tut mir einfach nur leid, was für ein Pech manche Menschen mit ihren Eltern haben. Diesbezüglich kann ich nichts sagen, ich bin/war da vom Glück gesegnet.

Da aber meine Eltern beide pflegebedürftig waren/sind kann ich Dir zu dem Punkt etwas sagen. Niemand kann Dich zwingen, Deine Mutter zu pflegen. Meine Eltern haben damals auch beide eine Patientenverfügung erstellt. Allerdings musste ich die auch unterschreiben. Ob sowas ohne Deine Unterschrift für Dich verpflichtend ist kann ich Dir leider nicht mit Gewissheit sagen.

Sollte Deine Mutter aber in stationäre Pflege müssen und diese nicht selbst bezahlen können, dann wird das Pflegeheim einen Antrag auf eine Übernahme der restlichen Kosten beim Amt für soziale Sicherung und Integration stellen. Und dieses Amt wird dann die Angehörigen des pflegebedürftigen Menschen anschreiben und dann darf man seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse darlegen. Wenn Ihr nicht viel Geld habt, dann dürftet Ihr verschont bleiben. Der Selbstbehalt ist höher als Kindern und Ex-Ehepartnern gegenüber.

Sollte sie dement werden und einen gesetzlichen Betreuer benötigen musst Du auch das nicht zwangsweise übernehmen. Da gibt es dann andere Möglichkeiten. Das gilt zumindest hier in NRW so.

Ich wünsche Dir alles Liebe, viel Glück, viel Mut und ganz viel Kraft :)*

LG Freaky *:)

k)am2ikazxe


bin ich recht ungeborgen aufgewachsen, ohne Schutz oder so was wie Trost.

Mich würde interessieren, ob Du Deiner mutter dies mal gesagt hast und falls ja, wie sie reagiert hat.

M_onitka6x5


Das stimmt nicht so ganz. Eltern und Kinder sind vor dem Gesetz unterhaltspflichtig füreinander, das wird vom Sozialamt überprüft. Wenn sie und ihr kein Vermögen habt, werden aber die Kosten vom Sozialamt übernommen. Selber pflegen musst du nicht. Begräbnis kann auch bezuschusst werden, kann aber sein, dass Restbeträge übrig bleiben, weil das nur Mindestkosten sind.

Wegen der Patientenverfügung solltest du dich mal erkundigen, ich denke, das kannst du anfechten, sowas müssten normalerweise beide unterschreiben.

LvoIuis3iana


Vielen Dank für eure Anteilnahme. Mir ist das alles irgendwie peinlich und ich fühle mich auch irgendwo schuldig für das, was ich hier schreibe, aber ich fühle mich so angefressen.

@ KMoody:

Warum hast du eigentlich überhaupt noch Kontakt mit ihr?

Der Kontakt hat mit deiner Mutter scheint dir nicht gut zu tun, sondern dich unglaublich zu belasten.

Ich habe Kontakt zu ihr, weil ich ihr einziges Kind bin. Das hat sie mir immer wieder gesagt und rein faktisch stimmt das auch. Ich brauche sie nicht mehr, weil das, was mir chronisch fehlt, von ihr eh nicht mehr kommen wird. Aber ich mag das Gefühl nicht, dass sie einsam ist, vielleicht habe ich auch Angst, dass sie sich was antut. Wenn sie früher überfordert war, hat sie das auch angedroht, was mir schon als Kind Sorge gemacht hat. Aber auch vor ein paar Jahren hat sie es schon mal "erwähnt". Ich hasse sie dafür...

@ YElectra.

Eine Mutter hat durch das reine herauspressen eines Kindes keinen Anspruch darauf, das Kind konnte ja nicht selbst entscheiden, ob es geboren werden will oder nicht.

Sie hat im Prinzip mehr getan als mich zur Welt zu bringen. Sie hat mich aufgezogen und versorgt, bei Krankheit gepflegt und wir hatten einen soliden Haushalt, sie ist viel gereist mit mir. Da sie aber heute auch noch gerne unterwegs ist, denke ich, dass das Reisen nicht mirzuliebe war. Wenn ich sie mit ihrer Erziehung konfrontiert habe, meint sie immer: Ich hätte ja auch saufen können oder dich ins Heim geben können... - was ich hochgradig unfair finde, denn ich war ein sehr stilles Kind, das seine Mutter nur dadurch belastet hat, dass es eben nicht so war wie sie wollte und in Kindergarten und Schule Aussenseiterin war. Wenn ich unter Mobbing gelitten habe und traurig war, wurde sie wütend (das war wohl, weil es ihr für mich leidgetan hat, sie aber hilflos war) und hat ihre Wut dann aber irgendwie an mir ausgelassen, also mich beschimpft und mir gesagt, ich sollte mich anpassen. Nur - hilfreich war das für mich nicht. Einmal, ich war wohl 13, meinte sie unter Tränen: Ich habe Angst, dass du dir was antust, aber: wenn du dich aufhängst, hänge ich mich daneben.

@ Yvette:

Hast du eine Therapie gemacht unter anderem wegen deiner Mutter?

Ja, hauptsächlich wegen ihr. Es ist mir auch peinlich, wie im mittleren Alter noch derartig Probleme wegen der Eltern haben kann.

@Kamikaze: bin ich recht ungeborgen aufgewachsen, ohne Schutz oder so was wie Trost.

Mich würde interessieren, ob Du Deiner mutter dies mal gesagt hast und falls ja, wie sie reagiert hat.

Ja, das habe ich ihr bestimmt schon gesagt. Sie meinte mal, sie wäre nicht der Typ der tröstet, sie könne das nicht. Aber ihre Standardantwort ist: Man kann nicht alles auf die Eltern schieben.

Da ist noch eine andere Sache, ich möchte dazu eure Meinung hören: Sie schickt mir und meinem Mann zum Geburtstag und zu Weihnachten je 50 Euro (meistens werden davon laufende Kosten gedeckt). Sie sagt, dass sie uns gerne eine Freude macht, wir sollen uns was Schönes kaufen. Dennoch habe ich das Gefühl, dass sie dies auch aus dem Grund macht, "weil sich das so gehört für eine Mutter", also aus Pflichtgefühl heraus (kleine Anekdote: Sie hat mich als egoistisch beschimpft, als ich nicht auf ihren Vorschlag eingegangen bin, unsere Hochzeit zu verschieben, weil sie zu der Zeit gerade kein Geld für ein Hochzeitsgeschenk hatte. Ich habe ihr zigfach versichert, sie bräuchte keins…) Nun hatte sie mir, als sie mir mitteilte, der Onkel wäre tot, gesagt, sie hätte uns ein Päckchen geschickt, ein Mitbringsel von ihrem letzten Urlaub. Ich bräuchte nichts davon, aber ich habe mich schon vorab ausdrücklich bedankt, in der Hoffnung, eine "Dankeschön-Telefonat" umgehen zu können. Nun ja, einige Tage später, das war unser letztes Telefonat, fragte sie, ob das Päckchen angekommen sei (es waren ein paar schöne Muscheln, obwohl ich mal gesagt hatte, wir haben jetzt genug davon, und etwas Schokolade). Ich sagte ja, und vielen Dank, die Schokolade ist schon weg, wir haben uns gefreut. – Dann später (siehe oberer Post) ist das Gespräch eskaliert, und im restlichen Verlauf durfte ich mir mehrfach ihr Geschrei anhören, wie undankbar ich wäre, sie hätte uns eine Freude machen wollen und ich hätte nicht mal angerufen und Bescheid gesagt, dass das Päckchen da wäre und mich bedankt…. Ich frage ich, warum sie überhaupt was schenkt. Sie sagt immer, um Leuten eine Freude zu machen. Nur – sie hat mir die Freude gründlich verdorben.

Warum schenkt sie Sachen und verhält sich dann so? Ich geb ja zu, ich hab mich um den Anruf (mich zu bedanken) gedrückt. Aber ist das ein Grund, jemanden hinterher derartig runterzumachen?

Und warum beschimpft sie mich so, lässt keine Gelegenheit aus mich spüren zu lassen, wie wenig sie von mir hält und wie "verkehrt" ich bin - um dann zu beklagen, dass ich nicht zu ihrem Geburtstag komme oder sie zu uns einlade? Ich habe sie das zweimal hintereinander gefragt, sie hat ziemlich schnell das "Schlachtfeld" gewechselt. Eine beliebte Taktik um unbequemen Fragen aus dem Weg zu gehen.

KOMoZodxy


Ich habe Kontakt zu ihr, weil ich ihr einziges Kind bin. Das hat sie mir immer wieder gesagt und rein faktisch stimmt das auch. Ich brauche sie nicht mehr, weil das, was mir chronisch fehlt, von ihr eh nicht mehr kommen wird. Aber ich mag das Gefühl nicht, dass sie einsam ist, vielleicht habe ich auch Angst, dass sie sich was antut. Wenn sie früher überfordert war, hat sie das auch angedroht, was mir schon als Kind Sorge gemacht hat. Aber auch vor ein paar Jahren hat sie es schon mal "erwähnt". Ich hasse sie dafür...

Auf diese Art der moralischen Erpressung würde ich mich nicht einlassen. Deine Mutter ist erwachsen und für ihr eigenes Leben verantwortlich. Wenn sie sich etwas antun will, ist das ihre Entscheidung und du wirst das letztendlich nicht verhindern können – wobei ich denke, dass sie gar nicht mit dem Gedanken spielt, sondern nur weiß, welche Knöpfe sie bei dir drücken muss, damit du springst.

Mein Tip: Kontakt einstellen. Du kannst nichts dafür, dass du ihr einziges Kind bist und sie alles verbockt hat. Das ist ihr Problem – nicht deines.

Und warum beschimpft sie mich so, lässt keine Gelegenheit aus mich spüren zu lassen, wie wenig sie von mir hält und wie "verkehrt" ich bin – um dann zu beklagen, dass ich nicht zu ihrem Geburtstag komme oder sie zu uns einlade?

Und warum lässt du so mit dir umgehen? Du bist ebenfalls erwachsen und kannst sie nicht ewig für dein Leben verantwortlich machen. Du musst genau wie sie anfangen, für dein Leben Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen treffen, Grenzen ziehen.

Deine Mutter wirst du nicht ändern – dich kannst du sehr wohl ändern. Nimm den Kopf hoch, drück die Knie durch, atme tief durch und lass so nicht mehr mit dir umgehen.

Auf der einen Seite beklagst du dich, wie sie mit dir umgeht, auf der anderen Seite lässt du so mit dir umgehen. Fang an zu leben – ohne deine Mutter.

a%.fisxh


Warum schenkt sie Sachen und verhält sich dann so?

Um Dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Vielleicht bewusst, vielleicht ist dieses Muster bei ihr so eingefahren, dass sie es nicht bewusst bemerkt. Ein Geschenk ist etwas, was man aus feien Stücken hergibt. Wenn man etwas für eine Gabe zurück erwartet, ist es ein Tauschhandel und keine Schenkung mehr. Einem Tausch müssen aber beide Beteiligten vorher zustimmen.. Was sie macht, ist nicht schenken, sondern versuchte Erpressung.

Und KMoodys Beitrag stimme ich zu.

MMonikFa6x5


Ich geb ja zu, ich hab mich um den Anruf (mich zu bedanken) gedrückt. Aber ist das ein Grund, jemanden hinterher derartig runterzumachen?

Das kenn ich, meine Mutter war ganz genauso. Wenn du das weißt, was ist so schlimm daran, sich kurz zu bedanken? Ich glaube, dass es auch um die Beachtung geht dabei. Außerdem ist es nervenschonend, wenn man auf die eine oder andere Marotte eingeht.

Sie hat im Prinzip mehr getan als mich zur Welt zu bringen. Sie hat mich aufgezogen und versorgt, bei Krankheit gepflegt und wir hatten einen soliden Haushalt, sie ist viel gereist mit mir. Da sie aber heute auch noch gerne unterwegs ist, denke ich, dass das Reisen nicht mirzuliebe war.

Das klingt doch gar nicht so schlecht. Warum sollte sie auch dir zuliebe reisen? Sicher hat sie das für sich selbst getan, sie hat dich mitgenommen, was doch ganz normal und ok ist.

Manches was du schilderst, erinnert mich an meine Mutter. Ich hatte große Kämpfe mit ihr. Inzwischen ist sie pflegebedürftig und ich hatte sie in den letzten Jahren wieder mehr ins Herz geschlossen. Das Alter und die damit einhergehende Hilfsbedürftigkeit hat einiges geändert.

B.ueKl


Grundsätzlich gar nichtsso einfach ist das!!

Man bekommt doch seine Kinder nicht, damit man von ihnen etwas einfordert!!

Wenn man später vielleicht ein sehr gutes Verhältnis miteinander pflegt entstehen sicherlich einige gegenseitige Verpflichtungen, die aber nicht dazu führen dürfen das sich die Parteien überfordert fühlen.

Was man gibt, gibt man freiwillig, zu fordern wäre falsch!!

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