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Verschleppte Depression

RZuhrKpott1 hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

eigentlich finde ich solche Foren nicht so wirklich "passend"...aber wenn man erstmal selber betroffen ist....naja! Also - ich bin 33 Jahre alt, beruflich ganz gut erfolgreich, single, man sagt recht "nett anzuschauen", habe eine nette Familie, nette Freunde etc. Natürlich ist der Job öfter stressig, aber das hat wohl jeder mal.

Bei mir fing alles im Mai letzten Jahres an. Ich saß in einem Meeting und als ein "unschönes" Thema auf den Tisch kam, fing mein Herz an zu rasen und ich musste aufstehen und an der frischen Lust spazieren gehen, da ich sonst das Gefühl hatte, durch zu drehen. Ich bin dann nach Hause, aber es trat keine Besserung ein -nach mehreren Stunden Puls von 130-150 Schlägen bin ich ins Krankenhaus. Nach Beta-Blocker IV es dann halbwegs wieder. Alle weiteren anderen kardiologischen Untersuchungen waren unauffälig.

Ich habe dann Beta Blocker 47,5 gr 2mal täglich verschrieben bekommen. Leider wurde es damit nicht besser. Ich merkte ständig meinen Herzschlag, verstärkt abends, manchmal konnte ich nicht schlafen, weil ich das Herz so gespührt habe. Nun, ich dachte mir, dass ich mir das einbilde und sensibilisiert darauf bin aufgrund des o.g. "Vorfalls".

Nachdem ich zwei weitere "Anfälle" von Tachykardien hatte (ohne das es dafür einen besonderen "Anlass" gab, also irgendwelche "aufregenden" Situationen, wurde mir im Krankenhaus ein Event-Rekorder implantiert. Zweimal habe ich dann damit auch entsprechende Episoden aufgezeichnet in den darauffolgenden Wochen. Eine Ursache konnte allerdings nicht gefunden werden. Die Ärzte nannten mir - ich nenne es mal "das Übliche" - Stress, zu wenig Sport und etwas Übergewicht als Grund.

Da mir von den Beta Blockern oft schwindelig war, wurde ich umgestellt auf Procoralan 7,5 2mal täglich.

Seitdem ich dies nehme, wurde es noch etwas schlimmer. Ständiges Herzklopfen. Daraufhin wurde mir zusätzlich noch Bisoprolol verschrieben, welches ich 2mal täglich nehmen, 2,5gr. Meiner Meinung nach nutzt dies aber so gar nix.

Das ganze hat sich mittlerweile so weit entwickelt, dass ich permament eine Art "Angst" bekomme in bestimmten Situationen. z.B. in Meetings, wenn ich im Stau stehe, wenn ich vor einer Gruppe von Menschen reden soll. Mein Herz klopft mir dann bis zum Hals, ich bekomme weiche Knie, kann nicht mehr reden, muss auftstehen und mich bewegen. Natürlich fängt man an, dann solchen Situationen am besten aus dem Weg zu gehen.

Ich bin stets ein lustiger Mensch gewesen, habe immer die größte Klappe von allen gehabt usw. ;-)

Das hat sich nun alles geändert. Mittlerweise merke ich meinen Herzschlag 24h am Tag. Wenn ich abends auf der Couch liege habe ich einen so harten Herzschlag, dass ich ihn überall im Körper merke - in den Findern, im Kopf usw. Dies hat dazu geführt, dass ich immer öfter besagte "Angstattacken" bekomme.

Meine Hausärztin tippt auf "verschleppte Depression". Ich nehme nun seit 16 Tagen Vadoxan 25gr abends vor dem schlafen gehen eine Tablette. Für den "Notfall" habe ich Gityl 6mg bekommen, welche ich vierteln soll. Beide Medikamente wirken meiner Meinung nach überhaupt nicht. Einen Termin bei dem Neurologen bzw. Psychater habe ich natürlich erst für Dezember bekommen.

Ich weiß nicht so ganz, wie es bis dahin "überstehen" soll. Ich fühle mich nicht leer, bin nicht schlapp, nicht lustlosmache, gehe weiterhin aus, treffe Freunde und Familie, ins Fitnesstudio etc. Nur ist immer dieses Herzklopfen dabei, egal wo man ist. Das ganze dann manchmal "nicht zum aushalten" über Stunden. Und dann diese Angstattacken dazu manchmal bzw. nun immer öfter. Bis jetzt konnte ich es auch auf der Arbeit mehr oder weniger "verheimlichen", allerdings hatte ich letzte Woche so eine Angstattacke, dass ich mich nicht konzentrieren konnte und das Gefühl hatte, ich stehe neben mir. Daraufhin musste ich mir einen Krankenschein nehmen.

Alles war super, bis dieses Herzklopfen los ging. Ich habe den Eindruck, dass der Rest alles nur hieraus resultiert. Aber wenn man dies den Ärzten erklärt, dann halten diese einen für bescheuert.

Kommt dies jemandem gekannt vor?

Viele Grüße!

Antworten
a5myxle


Für mich klingt das eher nach einem Burn-Out ?!

Kannst du dich für kurze Zeit mal aus dem Job rausziehen – eine Kur, dass würde ich dir dringend empfehlen.

Ansonsten wünsche ich dir gute Besserung :)*

ZxwaCckx44


Ruhrpott1, wahrscheinlich liegt Deine Dosierung zu niedrig. Bei Valdoxan wird eine Dosissteigerung auf 50 mg empfohlen, falls 25 mg keine zufriedenstellende Wirkung entfalten. Ich nehme selbst Bromazepam, aber von 1.5 mg merke ich auch keinen Paukenschlag-Effekt, sondern es ergänzt sich eher harmonisch mit meinem Cymbalta. Wenn Du gegen plötzliche Panik ein Notfallmedi brauchst, käme auch Tavor in Frage. Zur Dauermedikation ist es wegen seines Suchtpotenmtials zwar ungeeignet, aber wenn man damit haushalten kann .... Manchmal reicht es ja schon zu wissen, dass man ein wirksames Notfallmedi nehmen könnte. Letzter Rat: Vergiß Deine Hausärztin und laß Dir eine Überweisung zu einem Psychiater geben. Die haben auf diesem Gebiet einfach mehr Erfahrung. Kombinationen von Psychopharmaka sind heute zwar Stand der Technik, aber wenn der Arzt erfolgreich sein will, braucht er dazu schon ein goldenes Händchen.

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