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Unterschicht, Mittelschicht, Oberschicht – Eure Erfahrungen...

P[fefofermi$nzlikör


Hast du dich denn schonmal mit dem Milieubegriff auseinandergesetzt?

H0eliax 80


Ich arbeite in einer Mensa am Gymnasium, und ja, vieler der Kinder und auch Lehrer vermitteln mir den Eindruck daß sie das Küchenpersonal für "Dreck" halten. Ein seltsames Volk. Kluge Reden schwingen, das können sie alle, aber wenn es darum geht ihr Geschirr abzuräumen versagen sie kläglich. Da haperts bei einigen wirklich an Verstand.

Respekt habe ich vor der Oberschicht keinen, warum auch? Mir ist auch schon passiert das sich so ein kleiner Pimpf in der Mensa vor mir aufbaute und sagte: "Wissen sie überhaupt wer mein Vater ist? Das ist der Herr XY von der Partei YX!! Ich brauche mein Tablett nicht wegzuräumen." (Der Vater war irgendein Lokalpolitiker, kennt kein Schwein). :-o

Ich sagte dann nur daß ich die anderen wähle und er jetzt sein Zeug wegräumen soll, sonst werd ich mir bei der Aufsicht beschweren. (Vor der haben sie alle Respekt ]:D ) Dann ging das auch.

Am liebsten sind mir die Arbeiter. *:)

hkeyer)dahxl


Wissenschaftlich nicht, dh nicht mehr als Wiki hergibt.

Aber aus der Andeutung von Grundbedürfnissen, die gedeckt sein müssen (angepasst an den heutigen Lebensstil) kannst du herauslesen, was ich unter Unterschicht verstehe: Menschen, deren Leben aus anstrengender Arbeit, Sorgen um die finanzielle Zukunft und einer groben Sinnlichkeit besteht.

Du kannst mir aber gerne deine Thesen zum Milieubegriff erläutern.

b0ellagxia


Ich frage mich auch, wie man das eingrenzen soll.

Wo gehöre ich hin?

Arbeiterkind, Realschule, Handwerk, Fachabi, Selbstständig... verheiratet mit einem Akademiker ":/

Oder die Katzenberger?

Hat den IQ von ca. 3 m Feldweg, aber sicher genug auf dem Konto inzwischen.

Bildung? ;-D

Sowas lässt sich nicht klar abgrenzen und das ist auch gut so :)^

Wer das versucht, hat sicher nur Angst um den eigenen Status. :=o

Sicher gibt es Menschen, die in solche Schubladen passen... aber auch genug, die in keine der Schubladen reinpassen... zum Glück.

P!feffer$minzlxikör


Wissenschaftlich nicht, dh nicht mehr als Wiki hergibt.

Aber aus der Andeutung von Grundbedürfnissen, die gedeckt sein müssen (angepasst an den heutigen Lebensstil) kannst du herauslesen, was ich unter Unterschicht verstehe: Menschen, deren Leben aus anstrengender Arbeit, Sorgen um die finanzielle Zukunft und einer groben Sinnlichkeit besteht.

Du kannst mir aber gerne deine Thesen zum Milieubegriff erläutern.

Okay. Hartz4 deckt tatsächlich die Grundbedürfnisse (essen, schlafen, Dach über dem Kopf, bumsen, kacken) ganz gut ab.

Natürlich kann ich herauslesen, was du unter Unterschicht verstehst. So schwer war das nun nicht, keine Sorge. Ich hänge mich jedoch daran auf, dass du wenig Einkommen mit grober Sinnlichkeit, im Zweifelsfall wenig Grips und geringer Bildung in Zusammenhang setzt. Weil DAS stimmt nicht. Deshalb habe ich dir nahegelegt, dich einmal mit dem Milieubegriff (vielleicht auch außerhalb von Wiki?) auseinanderzusetzen, damit du dich überhaupt von Schichtenbegriff lösen kannst. Denn Schicht oder Klasse kann niemals die Facetten der gesellschaftlichen Gruppierungen erfassen, man kann Menschen nicht in 3 Kategorien (Schichtbegriff und Klassenbegriff sprechen beide von nicht mehr als 3 möglichen Kategorien) pressen. Der Großteil wird in der modernen Gesellschaft außerhalb dieser Schubladen liegen.

Ich kann gerne ein Beispiel anführen, was du in jeder Universitätsstadt en masse finden wirst. Ein Paar, einer von beiden arbeitet knapp 200h im Monat für sehr wenig Geld, obwohl er eine abgeschlossene Ausbildung hat. Der andere (oder die andere) besucht die Uni und verdient ein paar Groschen dazu. Finanziell reicht es gerade so, größere Anschaffungen sind nicht drin. Voraussetzungen erfüllt: harte Arbeit, wenig (Frei-)Zeit, finanziell auf dem "ooh, so ein Schuhregal wäre mal toll"-Level.

Beim Abendessen bekommt der an der Uni mal eben eine Einführung in die Digitaltechnik verpasst, beim Bier im Pub wird über die Archetypenklassifikation von C.G.Jung diskutiert und auf der Couch über die moralische Vertretbarkeit von Blauhelm-Einsätzen im Kosovo. Zwischendrin nochmal einen schnellen Abstecher in die Sprachentwicklung im indogermanischen Raum.

Und glaub mir, das ist noch harmlos.

1]tro3


Hier ist eigentlich sehr gut beschrieben, warum in Deutschland die Schichtdurchlässigkeit besonders gering ist. Man umgibt sich eben gerne mit Seinesgleichen. Und man erkennt sich eben an den kleinen Dingen. Und diese Dinge sind eben zB bei Beförderungen wichtiger als zB die tatsächlichen Prüfungsleistungen.

Bei der Besetzung von Spitzenpositionen komme es unter den Doktoren noch einmal zu einer "massiven sozialen Selektion". Um diese zu untersuchen hat Hartmann zwei Klassen gebildet: Promovierte, deren Väter leitende Angestellte waren, und jene mit einem Arbeiter als Papa.

Die Wahrscheinlichkeit, in die erste Führungsebene eines der 400 größten deutschen Unternehmen zu kommen, ist für erstere zehnmal größer – "selbst wenn sie in der gleichen Zeit, im selben Fach, an den selben Unis mit den gleichen Auslandssemestern promoviert haben", betont Hartmann gegenüber science.ORF.at. Nimmt man die Söhne von Geschäftsführern oder Vorstandsmitgliedern, sei die Chance sogar 17 Mal höher.

Interessant empfinde ich auch immer wieder wie der Begriff Bildung verwendet wird. Wenn jemand lange über Schiller reden kann und eine Meinung zur Eurokrise hat, aber nicht weiß, was Android oder ETF und CDS ist, dann beweist dass nur, dass er große Teile der Tageszeitung nicht liest und aufgehört hat, sich um die aktuelle Welt zu kümmern. Kras gesagt: Gebildet, aber dumm und desinteressiert. Wenn solche Leute dann über andere herziehen, platzt mir die Hutschnur.

PzfefCfermin"zlik7ör


Ansonsten, es gibt Texte von Marx, Weber, Bourdieu etc. pp. zu diesem Begriff, es gibt empirische SINUS-Studien.

Und hier ein netter Artikel in der heißgeliebten Wikipedia [[http://de.wikipedia.org/wiki/Klasse_(Soziologie) schön zusammengefasst.]]

hpey%erkdahxl


Danke für deine ausführliche Antwort, Pfefferminzlikör. Ich kann verstehen, dass bestimmte Zusammenhänge nicht sehr schmeichelhaft klingen, und weiß, dass es viele Ausnahmen gibt. Es sind Stereotype, aber auch nicht weniger -werden sie statistisch bestätigt? Ich habe keinen Ahnung, aus persönlicher Erfahrung würde ich es vermuten.Diese Idee der sozialen Verantwortung setzt eine gewisse Zufriedenheit voraus. Das junge Paar in deinem Beispiel gehört wohl nicht zur Unterschicht, das wäre doch lächerlich, wo ich gerade mangelnde gesellschaftliche Weitsicht als Ankerpunkt setzte. Mir wird klar, dass hier über eine High Society -Oberschicht und darauf ausgerichteten Trennungen gesprochen wird, während ich von einem humboldtschen Modell als Trennungsrichter spreche. Der Zusammenhang Geld -Bildung -Verantwortung löst sich, was die ersten beiden Begriffe angeht, langsam auf, da hast du sicherlich recht.

POfeffe=rminzxlikör


Danke für deine ausführliche Antwort, Pfefferminzlikör. Ich kann verstehen, dass bestimmte Zusammenhänge nicht sehr schmeichelhaft klingen, und weiß, dass es viele Ausnahmen gibt. Es sind Stereotype, aber auch nicht weniger -werden sie statistisch bestätigt? Ich habe keinen Ahnung, aus persönlicher Erfahrung würde ich es vermuten.Diese Idee der sozialen Verantwortung setzt eine gewisse Zufriedenheit voraus. Das junge Paar in deinem Beispiel gehört wohl nicht zur Unterschicht, das wäre doch lächerlich, wo ich gerade mangelnde gesellschaftliche Weitsicht als Ankerpunkt setzte. Mir wird klar, dass hier über eine High Society -Oberschicht und darauf ausgerichteten Trennungen gesprochen wird, während ich von einem humboldtschen Modell als Trennungsrichter spreche. Der Zusammenhang Geld -Bildung -Verantwortung löst sich, was die ersten beiden Begriffe angeht, langsam auf, da hast du sicherlich recht.

Natürlich ist es lächerlich, aber vom finanziellen her entsprechen sie eigentlich der Unterschicht. Nur dass sie ein bisschen viel Grips dafür haben. ;-D

Natürlich gibt es noch den klassischen Arbeiter mit wenig Grips und eher wenig Kohle, dafür Schultern wie Hulk. Das steht außer Frage, aber die Tendenz geht immer mehr zur Aufspaltung. Im letzten Abschnitt findest du Tabellen von statistischen Erhebungen, die finde ich äußerst aufschlussreich in diesem Zusammenhang.

Der klassische Arbeiter geht flöten, die klassische bürgerliche Schicht fliegt hinterher und der Rest verschwindet auch so allmählich in der Versenkung – zumal ja heutzutage ein niedriges Einkommen im Elternhaus nicht mehr zwangsläufig zu einem niedrigen Bildungsgrad führen muss – aber trotzdem ist es häufig sicher noch der Fall, das ist wohl wahr. Leider. Soziale Ungerechtigkeiten werden ja dummerweise quasi vererbt, Ideale werden von klein an vermittelt, es wird unterschiedlich viel Wert auf Bildung vermittelt etc.

zgwergenkoXenig-2


Ohne die sogenannte Unterschicht gäbe es keine Oberschicht, so einfach ist das. Von den sogenannten Oberschichtlern könnte wahrscheinlich keiner einen Nagel in die Wand kloppen, oder gar eine Hose kürzen. Und von den Unterschichtlern könnte sich wahrscheinlich keiner auf dem Bösenparkett oder auf dem Presseball bewegen.

Ein aufgeschichteter Haufen fällt meist zusammen, wenn mann eine Mittelschicht entfernt.

Also sehe ich das alles als Ganzes. Die Frage ist einfach: wen lasse ich in mein Umfeld?

Und da entscheidet nicht die Zugehörigkeit zu einer Schicht, sondern der Mensch, wie er ist.

Einem Millionär würde ich, genau wie einem Unterschichtler, die Tür vor der Nsse zu knallen, wenn er sich nicht benehmen kann.

Ist doch alles ganz einfach, oder? Und an der Uni sollte entscheidend sein, wer als Bester abschneidet, und nicht, wer das beste Bankkonto hat. ;-)

7h7eorgrReixs


Sind wir mal ehrlich:

Das Schichtdenken gibt es. Wenn ihr ne Schwiegertochter aussuchen könntet wen würdet ihr wählen?

Jaja keiner wars :=o

Oder guckt euch die Leute an die aus Prinzip nie in A**i einkaufen gehen würden um nicht mit dem normalen Pöpel zusammenzutreffen. Gibts nicht? Gibts doch ;-)

P]fefferm6inzlikxör


Ich kenne aber auch genügend sog. "Unterschichtler", die mit Sicherheit keine Hose kürzen können. Es sind immer noch die Ideale, die vermittelt werden. ;-)

7y7e;rgre[ixs


Und mal zum Thema Uni:

Meint ihr das Kinde von Facharbeitern oder H4Empfängern oft studieren oder sind es nicht doch die von gutverdienenden Eltern, die auch mal ne Nachhilfe anbieten können?

Muss ein Student zahlen so braucht er reiche Eltern oder muss sich nen Job suchen --> bleibt weniger Zeit zum lernen--> auch keine Auslandsaufenthalte – > keine Kontakte von Papi vermittelt.

Stimmts nicht?

bfelOlagixa


Von den sogenannten Oberschichtlern könnte wahrscheinlich keiner einen Nagel in die Wand kloppen, oder gar eine Hose kürzen.

Glaub ich nicht.

Und von den Unterschichtlern könnte sich wahrscheinlich keiner auf dem Bösenparkett oder auf dem Presseball bewegen.

Börsenparkett (gibt es nicht mehr) glaube ich ja noch, aber Presseball... das ist sooo schwer nicht. ;-)

So einfach ist es nicht *:)

7w7erg[reis


Stimmt das kann nur dir Oberschicht sich so prolig geben und Diplome fälschen ]:D

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