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Meine Tochter ritzt sich

MOa+nEuegla1y9x70 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

meine Tochter ist 14 1/2 und ich hatte bislang immer gedacht, sie sei ein glücklicher Teenager mit vielen sozialen Kontakten!

Am letzten Freitag als ich bereits zugesagten Übernachtungsbesuch abgesagt habe, da vor einiger Zeit eine teure Sonnenbrille meiner Tochter verschwand und ich zunächst eine Klärung haben wollte, tickte meine Tochter völlig aus (schreien, Türen knallen usw )

Ich habe wenig reagiert, weil ich von der Woche einfach fertig war und habe mich in die Küche gesetzt um etwas zu essen. Mein Kind setzte sich mit einer provokativen Haltung dazu und fragte mich nach einer Weile, ob ich mich nicht für mein Kind interessiere! Meine Antwort: "Momentan, wenn Du Dich so respektlos verhällst,wie eben, nicht wirklich", war natürlich völlig daneben.

Es folgte die Eröffnung meiner Tochter " Du bemerkst ja nicht einmal, dass ich mich ritze" Ich hatte es in der Tat nicht bemerkt!

Ich habe für morgen einen Termin mit einer Hausärztin vereinbart, die wir im Februar wg einer Erkältung, als Vertretungsärztin, für unseren Hausarzt aufgesucht haben. Meine Tochter und ich waren begeistert von dieser Ärztin, die meine Tochter gar nicht kannte, aber vor Untersuchung ein ausführliches Einführungsgespräch gesucht hat hat. Sie hatte viele Fragen, (Antworte nur wenn Du willst ) hast Du schon mal geraucht, hast Du einen Freund Sex und so weiter. Lange Rede .... Mein Kind hat einen Narren an dieser Ärztin gefressen. Es wird wohl darauf hinaus laufen, dass wir eine Überweisung bekommen, dennoch wäre es mir lieb, mich mit Betroffenen Eltern oder selbst Betroffenen zu unterhalten oder Anregungen zu bekommen.

Dank Euch schon mal!!! Manuela

Antworten
c6hi,b]a8.6


Hallo Manuela...

in der tat kenne ich dass nur das ich in meinem freundeskreis des öfteren erlebt habe...

ich habe eine freundin die es anfangs im sichtbaren bereich gemacht hat später hat sie sich die beine geritzt.. später war es aber die sucht danach sich zu ritzen..

am anfang war es um aufmerksamkeit zu bekommen so wie deine tochter dich fragte hab ihr doch eigenlich ein offenes verhältnis und sie will ja dass du es weisst das ist ein gutes zeichen und wenn ihr eine ärztin gefunden habt die sie mag ist doch alles gut dass sie sich öffnet..

rede mit ihr sei ihr eine freundin und die sorge als mutter musst du in dem gespäch mal abschalten und genau erfragen und nicht sofort den freundeskreis verbieten dann treffen sie sich heimlich und alles wird schlimmer...

lade sie ein und rede mit ihnen sind sie deutlich älter?kannst du sehen ob sie sich auch ritzen du musst ein scharfes auge haben aber immer die coole mutter sein..freundin....

schimpfen klappt eher nicht sie will sich dir gegenüber ja mitteilen nutze es aus..

lg chiba

aXu[g2g33


Es ist gut, dass Deine Tochter Vertrauen zu einer Ärztin hat. Sie sollte aber das Gespräch mit der Ärztin allein führen können! Ohne Mutter im Hintergrund!

Ritzen ist ein Ventil – ob absichtlich ausprobiert oder bereits als Ventil genutzt, das ist vielleicht nicht so wichtig.

Zu denken gibt der Satz: "Am letzten Freitag als ich bereits zugesagten Übernachtungsbesuch abgesagt habe, da vor einiger Zeit eine teure Sonnenbrille meiner Tochter verschwand und ich zunächst eine Klärung haben wollte, tickte meine Tochter völlig aus (schreien, Türen knallen usw ) "

Gab es keine andere Möglichkeit die Sonnenbrillenfrage zu klären?

Zum Rest gibt es sicher kompetente Mütter.

MJuckelsausxchen


Selbst lange betroffen von dem Zwang sich selbst wehzutun kann ich sagen, dass es viele Gründe dafür gibt. Manchmal ist es so schnell vorbei, wie es angefangen hat. Man braucht Menschen mit denen man darüber reden kann. Ich konnte es mit meiner Mutter damals nicht. Ich war 15 als ich es ihr sagen musste. Meine Lehrerin hatte gesagt "Entweder du sagst es, oder ich tus" Naja. Meine Mutter war geschockt weil sie auch nichts mitbekommen hat davon. Irgendwann jedoch hat es aufgehört, mit dem Zwang mich zu verletzten. Ich hab mich minderwertig gefühlt, eine ungeheuren Selbsthass entwickelt. Ich wollte es mit dem Ritzen nie so weit treiben, dass ich daran sterbe. Aber es sollte wehtun und bluten.

Ich kenne beide Seiten. Ich verstehe das Gefühl, wie befreiend es ist wenn das Blut warm am Arm runterläuft. Die Enttäuschung, weil dieses Gefühl einfach nicht lange anhält.

Aber ich kenne auch die "Gegner". Es gibt Menschen die sind totkrank und wünschen sich gesund zu sein, Familie zu haben, Essen und ein Dach über dem Kopf zu haben.

Mach deiner Tochter klar, dass du da bist für sie, dass du sie unendlich lieb hast. Versuche herauszubekommen was der Grund dafür ist dass sie das tut. Dass ihr zu einer Ärztin geht ist eine gute Idee. Es ist einfacher mit jemandem "fremden" zu reden, der nicht am allgemeinen Leben deiner Tochter teilnimmt, damit sie sich öffnen kann.

Ich hoffe die Ärztin kann euch weiterhelfen.

Ich selbst bin seit 5 Jahren "clean". Ich bin stolz darauf da raus zu sein, denn ich hab es allein geschafft, ohne Freunde oder Familie, die mich dabei unterstützt haben. Oft habe ich nochmal gedacht "Hm, damals hättest du dich jetzt geritzt" wenn es mir wirklich schlecht ging und der Selbsthass wieder aufkeimte. Aber dann merke ich, dass ich ess nie wieder tun kann, dass ich mein Leben mit allen Höhen und Tiefen liebe und genieße. Hoffentlich geht es deiner Tocher auch mal so :)

Shheuexpfan


Hallo!

ich will mich auch als betroffene mal dazu Gesellen. Ich hab mich damals mit 14 selbst verletzt. Ich wollte es damals niemandem sagen. Der Grund warum ich anfing war das ich mit 14 von zwei damaligen guten Bekannten Vergewaltigt worden bin. In der Schule hab ich mich immer ausgeschlossen gefühlt. Immer als eine art Opfer bzw. Mobbingopfer. Zuhause hatte ich auch nicht das beste Verhältniss zu meinen Eltern. Denn ich war 14 und voll in der Pubertät und die Eltern waren die Feinde.

Ich hab mich als Mensch nicht mehr wirklich gefühlt. Eher als jemand der da ist, aber von keinem beachtung Geschenkt bekommt. Das Gefühl was Muckelmäuschen beschrieb mit dem Blut runter laufen war für mich auch immer das schönste.

Und der Schmerz den die Rasierklinge auslöste während sie sich in meine Haut "bohrte". Ich konnte es lange für mich behalten und habe es immer gut Versteckt weil ich nicht wollte das es jemand sieht.

Mittlerweile bin ich froh das meine Mutter damals in mein Zimmer kam und mich auf frischer tat ertappte. Und diesen Blick werde ich auch nie vergessen! Sie schaute mich mit einem entsetzlich Traurigen blick an. Und sie fing sofort an zu weinen. Das war natürlich nie das was ich wollte!

Am nächsten Tag rief sie bei einer Psychologin an weil ich mit ihr nicht drüber reden konnte.

Es gibt sehr sehr viele Gründe warum man sich ritzt. Und wenn ihr einen Termin bei der Ärztin habt – umso besser! behalt deine Tochter aber lieber noch ein wenig im Auge und frag sie nicht so viel aus, sag ihr das du immer für sie da sein wirst und vielleicht öffnet sie sich dir von ganz allein.

Ich bin jetzt 21 und habe sogut wie alles verarbeitet. Wenn ich wieder in einem Tief bin oder sonst was fasse ich mir immernoch an die Arme und habe Angst vor Rasierklingen.

Ich hoffe für euch das es ihr bald wieder besser geht! @:)

Lg Sheepfan

XxuSx1aakat


Ich habe das früher versucht..zum Teil mit dem Skalpell...aber entweder ich war nicht entschloßen genug oder ich war irgendwie zu doof, bei mir sank das immer nur ein und tat ein bisschen weh, aber es kam nie wirklich Blut.

Wie die anderen schon sagten, es ist halt ein Ventil, wenn die Gefühle und die Herausforderungen zu viel werden und man darüber nicht sprechen kann...vielleicht verwirrt ist oder sich ungerecht behandelt fühlt. Ich hab mich einerseits geschämt, aber andererseits hab ich auch immer gehofft, jemand würde es sehen und merken, wie schlecht es mir geht und mich irgendwie retten.

Ich hatte damals relativ schwere Depressionen, aber gerade weil es zu Hause alles so chaotisch und schwierig war (was Mitauslöser der Depressionen war) konnte ich nicht drüber reden. Und Außenstehenden konnte ich es auch nicht erzählen. Außerdem hatte ich immer das Gefühl, um Hilfe zu bitten wäre ein Zeichen von Schwäche und rumjammern wäre egoistisch. Der Schmerz hat mich erleichtert, außerdem hatte ich da die Kontrolle und wie gesagt, irgendwie war es auch ein Hilfeschrei. Ich hatte halt große Schwierigkeiten, meine Gefühle mitzuteilen (ein bisschen geht mir das immer noch so) und hab immer auf lustig und tough gemacht, aber gegen Abend ging mir dann die Energie aus und ich versteckte mich in meinem Zimmer und weinte und irgendwann wurde der Schmerz zu groß (ich hab mich da dann auch reingesteigert) und ich begann zu versuchen mich zu ritzen oder was Hochprozentiges zu trinken, das dann in der Kehle brannte.

Die Dinge hier klingen dramatisch (v.a. der Post vor mir..das tut mir echt sehr leid für dich!), aber ich glaube solche Sachen sind in einem gewissen Alter auch sehr verbreitet und wenn deine Tochter mit dir redet ist das ein gutes Zeichen. Mit einem guten Therapeuten oder so gibt sich das sicher! Es muss nicht irgendwie grundlegend was falsch sein bei deiner Tochter, die muss eben gerade viel verarbeiten und lernen mit vielem umzugehen. Sieh nicht drüber hinweg, aber nimm es nicht zu schwer. Vor allem weil deine Tochter vielleicht jemanden braucht, der ihr zuhört und mitfühlend ist, aber niemanden der Schuldgefühle hat oder deshalb selbst am Boden zerstört ist. Und was du beschrieben hast sind normale Streitereien zwischen Teenagern und Eltern, das kommt vor und das muss wohl auch so sein. Und auch dass du das nicht bemerkt hast würde ich nicht zu eng sehen: sie hat genug Vertrauen um es dir zu sagen (was vielleicht nicht leicht für sie war) und du kannst ja nicht ständig den Körper und die Gefühlswelt deiner 14jährigen Tochter kontrollieren. es ist gut, dass sie Dinge auch vor dir verbergen kann, sie ist ja ein autonomer, heranwachsender Mensch. ich finde du hast gut reagiert und wünsche euch beiden alles gute!

M]uckel#mLäusc)hxen


Genau wie Xuxakat habe ich auch immer gedacht es wäre ein Zeichen von Schwäche, aber genauso wollte ich doch, dass es die Leute um mich herum bemerken, mich helfen aus diesem Tief herauszukommen.

Letztendlich bin ich es, auch wenn es ohne Hilfe von irgendwem gewesen ist. Bis heute kann ich mit netten Worten, Komplimenten einfach nicht umgehen. Ich bedanke mich nich, ich schweige darüber, als hätte mein Gegenüber nichts gesagt. Es is kompliziert. Aber es liegt einfach daran, dass dieses Gefühl von damals, dass ich im Prinzip wertlos bin einfach noch seine Spuren hinterlassen hat.

Sei für deine Tochter da. Löcher sie nicht mit Fragen, unternimm einfach etwas mit ihr und wenn sie schon den Schritt gewagt hat, dass sie dir sagt, dass sie sich ritzt, wird sie dir auch irgendwann sagen, warum sie es tut.

@:)

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