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Wie das Leben wieder an mich ranlassen?

W(ei6ssw~aLldtoMrte


Hallo Setzen6,

habe gerade deine Geschichte gelesen und sehe diverse Parallelen zu meiner. Allerdings halte ich dich für viel stärker als ich es war, obgleich deine familiäre Situation viel schlimmer ist als meine.

Meine Mutter ist seit meiner Jugend ebenfalls psychisch krank, es hat sich immer mehr gesteigert, vor allem seit mein Vater mit seiner Geliebten weg ist, sie kommt mit sich und dem Leben nicht mehr klar, verweigert aber standhaft die notwendige Therapie. Jegliche Hilfe meinerseits brachte gar nichts ausser dass es mich nervlich aussaugte. Sie schwankt auch zwischen aggressiv, schimpft dann nur noch ich wär der schlechteste Mensch der Welt und total hilflos, weinerlich, schwach, sagt mir wie sehr sie mich brauchen würde. Zur Therapie zwingen kann ich sie leider nicht.

Seit ich 20 bin habe ich den Kontakt sehr flach gehalten und so gut wie abgebrochen, da sie mich immer wieder mit in diesen Strudel reisst und fast selbst psychisch krank gemacht hat. Ich konnte einfach nicht mehr. Aus Selbstschutz sah ich mich zu diesem Schritt gezwungen. Anfangs fühlte ich mich sehr schuldig, sie hat mir auch immer wieder ein schlechtes Gewissen eingeredet, aber mittlerweile sage ich mir, dass ich ihr nicht helfen kann. Nur mich selbst retten.

Wie hast du es geschafft immer noch zu deiner Mutter zu stehen (ich hätte diese Kraft einfach nicht)? Dennoch scheint es deutliche Spuren bei dir hinterlassen zu haben...Hast du nie daran gedacht aus Selbstschutz den Kontakt abzubrechen und alles was dich an deine Vergangenheit erinnert hinter dir zu lassen, einfach irgendwo ein neues Leben zu beginnen?

W4eisSswa7ld<toxrte


Ich selbst bin gegangen und habe in der Ferne ein neues Leben angefangen, ohne meine Familie. Habe meine beschissene Kindheit und den miesen Ort wo ich aufgewachsen bin hinter mir gelassen, versuche mich nicht mehr daran zu erinnern und nur noch in die Zukunft zu schauen. Nach einigen Jahren hab ich es geschafft mein Leben endlich auf die Reihe zu bekommen (das wird dir mit Konsequenz und Konzentration auf die wesentlichen Dinge auch gelingen). Natürlich machte dieser Schritt auch eine radikale änderung meines Selbst (Einstellung, Charakter, Gewohnheiten, Erziehung) notwendig. Denn egal wo man hingeht, man nimmt sein Selbst – und somit seine eigenen Probleme ja bekanntlich immer mit. Ich musste erkennen, dass vieles was ich aus meinem Elternhaus mitgenommen habe in Form von durch meine Eltern vermittelte Erziehung/Einstellungen/Erfahrungen schlichtweg kompletter Mist sind.

Versuch das abzuschütteln und dich komplett umzuorientieren, vergiss den Alkohol, die Sexexzesse. Werd zu dem liebenswerten Menschen, der du sein möchtest. Natürlich hat dich die Vergangenheit geprägt, aber verändern kann man sich immer.

Inzwischen habe ich selbst Familie, die ich vor meiner Vergangenheit und auch meinen Eltern konsequent abschirme. Manchmal gibt es Momente, in denen ich wieder an die schrecklichen alten Zeiten denke und darüber weinen möchte, aber dann sage ich mir, dass ich mich dadurch nicht fertigmachen lasse und versuche mich mit anderen Dingen abzulenken. Ich wünschte einfach, dass ich die Erinnerung irgendwie loswerden könnte, daran arbeite ich noch...

Also sieh nach vorn und lass alle negativen Erinnerungen hinter dir, werd ein neuer Mensch, beginn ein neues Leben, sei einfach konsequent und freu dich über die kleinen Dinge des Lebens. Das ist schwer, aber es hilft um mit der Vergangenheit abzuschliessen, viel Glück dabei :)*

A"ußenhdiensxt


Mal was aus meinem Leben: Ich hatte, soweit ich mich erinnern kann, immer irgendwie Kieferschmerzen. Arztbesuche haben mir nicht geholfen, weil keiner eine Ursache finden konnte. Einer hat mal vermutet, dass ich irgendwie einen Schlag abgekriegt habe. Manche haben mir eine Zahnspange empfohlen. Irgendwann hab ich mal zufällig mitgekriegt, dass es an meinen Schlafgewohnheiten liegen könnte. Ich habe nämlich häufig auf dem Bauch geschlafen. Schon als Baby habe ich am besten auf dem Bauch geschlafen, haben meine Eltern mal gesagt. Meistens haben sie mich damals also so hingelegt und das hat sich nun durch mein ganzes bisheriges Leben gezogen.

Ich hab jetzt angefangen, das umzustellen, und muss sagen, es ist wirklich schwer. Eine Nacht, wo ich nur 1 oder 2 mal aufwache, ist schon ein Erfolg. Manchmal drehe ich mich auch wieder auf den Bauch, weil mir die Kieferschmerzen lieber sind als die totale Übermüdung am nächsten Tag. Aber es bewegt sich was. Heute habe ich zum ersten mal durchgeschlafen, auf dem Rücken @:)

_$Tsu%na*mi_


Fabelhaft. :)^

_uTsunqaxmi_


Setzen

Es ist viel weniger deine persönliche Wahl, als der Umstand, dass du viel zu oft nicht wählen, sondern nur ertragen und aushalten konntest.

Gibt es überhaupt Kinder die wählen können?

Nein.

Es gibt Kinder, denen es so schwer gemacht wird, in das Leben hineinzuwachsen, dass sie schon gestorben sind, bevor sie überhaupt leben konnten.

Und nun misst du (immer noch) mit zweierlei Maß. Anderen Menschen würdest du die Geschehnisse und Erfahrungen deiner Vergangenheit niemals zumuten wollen, aber für dich selbst denkst du, dass ja alles ertragbar und verbesserbar gewesen sein soll.

Ich denke in der Tat, dass ich die Dinge tragen muss. So, als würde dies meine Bezahlung für mein Dasein sein. Ich will niemandem zur Last fallen und denke, mir mein Leben verdienen zu müssen. Vielleicht durch das Tragen dieser Last.

Wohl verstehen wir beide nicht ganz dasselbe unter Leben.

Das Leben leitet und geleitet alles und jeden, allerdings auf kostenfreier Basis. Insofern ist das Leben sehr großzügig. Eher sind es Menschen, die für ihre Anwesenheit und Begleitung eine "Bezahlung" einfordern. Das Leben leitet und begleitet einen auch, wenn "die Taschen leer sind". Das Leben ist gebend, nicht verlangend. :)z

Wenn ich hier so lese, dann hast du dich immer sehr, sehr bemüht, dass die Dinge anders sind, obwohl es einfach nicht in deiner Macht stand und sehr, sehr viele Menschen schon längst an der Akzeptanz oder den weiteren Bemühungen zerbrochen wären.

Bemüht habe ich mich, aber oft falsch: Durch Wut, Beleidigungen, usw. Ich war kein liebes Kind, ich war zornig und verzweifelt. Habe Dinge kaputt gemacht und geschrieen. Ich wollte, dass sie mich hören und dass sie aufwachen.

Ich sehe nichts Schlimmes darin. Vielleicht war es genau richtig. Zumindest würde ich es meinem Kind nicht übelnehmen, sondern versuchen zu verstehen und Abhilfe zu schaffen.

Nein, du warst stark, diszipliniert, liebevoll und tapfer.

Ich war nicht diszipliniert. Ich war wütend, bis ich in die Pubertät kam. Da begriff ich dann, dass das alles nichts brachte und verstummte. Als meine Klassenkameraden pubertär aufdrehten, wurde ich still. Das Leben erschien mir sinnlos und jegliches Bemühen umsonst. Da kam die Stille, die blieb.

Ich empfinde dich als sehr diszipliniert – jetzt –, wobei ich denke, dass Disziplin für dich einen sehr großen Raum in deinem Leben einnimmt, aber natürlich auch nicht schon immer da war. Ich finde auch, dass der Begriff "Kinder" und "Disziplin" zurecht nicht sonderlich gut zusammenpassen.

Deswegen hast du überlebt und machst weiter.

Ich mache weiter, weil ich noch immer hoffe und glaube. Weil ich immer mal wieder Menschen kennen lerne, die Liebe wert sind. Menschen, die es zu kennen lohnt.

Du machst weiter, weil du dich zu einer verständnisvollen, liebevollen und starken Frau entwickelt hast, wobei ich damit nicht sagen will, dass das nicht schon immer in dir gewesen wäre. Und natürlich ist deine Hoffnung und Glaube gerechtfertigt, dass du immer wieder Menschen kennenlernen wirst, welche dieselbe Melodie spielen, welche du kennst und dir lieb ist.

Im besten Falle hast du ein wenig Macht über dich, nicht damit du das Leben anderer zufriedenstellend leben kannst, sondern dein eigenes.

Ich denke, besser kann man es nicht formulieren. Doch ich weiß nicht, wie das funktioniert: Das "zufriedenstellend leben".

Das "zufriedenstellend leben" ist vielseitig in seinen Interpretationsmöglichkeiten. Ganz nüchtern betrachtet ist es nur eine "Worthülse", hinter der sich verbirgt, dass sich dein Leben – wie du darauf reagierst und wie du es führst – für dich gut und richtig anfühlt, und es sich auch über längere Zeit bestätigt und somit bewahrheitet.

Nichts auf der Welt wird dir die Richtigkeit mehr bestätigen, als dein langfristiges Gefühl, dass es so ist.

S:ebtzefnx6


@ Weisswaldtorte

Danke für deinen Beitrag. @:)

ich halte dich für viel stärker als ich es war, obgleich deine familiäre Situation viel schlimmer ist als meine.

Ich weiß nicht, ob man Stärke miteinander vergleichen kann. Jeder ist doch stark irgendwie.

Meine Mutter ist seit meiner Jugend ebenfalls psychisch krank, es hat sich immer mehr gesteigert, vor allem seit mein Vater mit seiner Geliebten weg ist, sie kommt mit sich und dem Leben nicht mehr klar, verweigert aber standhaft die notwendige Therapie.

"Schön", dass du mich verstehst. Auch wenn ich es dir natürlich anders gewünscht hätte.

Jegliche Hilfe meinerseits brachte gar nichts ausser dass es mich nervlich aussaugte.

Das kenne ich gut. Ich bin immer "mitgeschwungen" bei ihren Stimmungen um sie zu begleiten.

Seit ich 20 bin habe ich den Kontakt sehr flach gehalten und so gut wie abgebrochen, da sie mich immer wieder mit in diesen Strudel reisst und fast selbst psychisch krank gemacht hat.

Obwohl ich 300 Kilometer wegzog, habe ich das nie geschafft. Ich beglückwünsche dich zu diesem Schritt. Wie hat sie es aufgenommen?

Wie hast du es geschafft immer noch zu deiner Mutter zu stehen (ich hätte diese Kraft einfach nicht)?

Indem ich es nicht geschafft habe, nicht mehr zu ihr zu stehen. Das eine bedingt das andere. Wie ich es geschafft habe? Ich weiß es nicht.

Dennoch scheint es deutliche Spuren bei dir hinterlassen zu haben...Hast du nie daran gedacht aus Selbstschutz den Kontakt abzubrechen und alles was dich an deine Vergangenheit erinnert hinter dir zu lassen, einfach irgendwo ein neues Leben zu beginnen?

Ich habe hier ja ein neues Leben begonnen, schaffe alles irgendwie alleine, gehe die wichtigsten Schritte alleine. Examensfeier: Alleine. Trennung vom Partner: Alleine. Wohnungssuche: Alleine. Alles alleine.

Habe meine beschissene Kindheit und den miesen Ort wo ich aufgewachsen bin hinter mir gelassen, versuche mich nicht mehr daran zu erinnern und nur noch in die Zukunft zu schauen.

Richtig so. Ich schaue auch nach vorne, mit der Vergangenheit bin ich versöhnt und sie ist nicht mehr zu ändern, allerdings sehe ich immer meine Schäden.

Ich musste erkennen, dass vieles was ich aus meinem Elternhaus mitgenommen habe in Form von durch meine Eltern vermittelte Erziehung/Einstellungen/Erfahrungen schlichtweg kompletter Mist sind.

Ich weiß das auch. Dennoch fällt es mir schwer, sie abzulegen.

vergiss den Alkohol, die Sexexzesse.

Mache ich schon. Trinke kaum noch und bin einem Mann treu. x:)

Natürlich hat dich die Vergangenheit geprägt, aber verändern kann man sich immer.

Genau das ist aber der springende Punkt: Wie sehr kann man sich noch verändern?

Inzwischen habe ich selbst Familie

Das ist ein großer Schritt Richtung Zukunft. Meine Schwester hat auch Familie und ist seitdem "raus" aus der Vergangenheit.,

Also sieh nach vorn und lass alle negativen Erinnerungen hinter dir, werd ein neuer Mensch, beginn ein neues Leben, sei einfach konsequent

Das ist unglaublich schwer.

und freu dich über die kleinen Dinge des Lebens.

Das gelingt mir sehr gut. :)z D

@ Tsunami:

Wohl verstehen wir beide nicht ganz dasselbe unter Leben.

Das Leben leitet und geleitet alles und jeden, allerdings auf kostenfreier Basis. Insofern ist das Leben sehr großzügig.

Ich sehe das genauso, aber das ändert nichts an folgendem Faktum:

Eher sind es Menschen, die für ihre Anwesenheit und Begleitung eine "Bezahlung" einfordern.

Ich empfinde dich als sehr diszipliniert – jetzt –, wobei ich denke, dass Disziplin für dich einen sehr großen Raum in deinem Leben einnimmt, aber natürlich auch nicht schon immer da war. Ich finde auch, dass der Begriff "Kinder" und "Disziplin" zurecht nicht sonderlich gut zusammenpassen.

Deswegen hast du überlebt und machst weiter.

Ich hatte keine Alternative zu Disziplin.

Das "zufriedenstellend leben" ist vielseitig in seinen Interpretationsmöglichkeiten. Ganz nüchtern betrachtet ist es nur eine "Worthülse", hinter der sich verbirgt, dass sich dein Leben – wie du darauf reagierst und wie du es führst – für dich gut und richtig anfühlt, und es sich auch über längere Zeit bestätigt und somit bewahrheitet.

Lebensaufgabe.

Nichts auf der Welt wird dir die Richtigkeit mehr bestätigen, als dein langfristiges Gefühl, dass es so ist.

Ich bemühe mich.

@:)

Heute war ein angenehmer Tag. Ich war viel unterwegs und habe Dinge erledigt. Die Grundstimmung war gut, ich fühlte mich handlungsfähig und kräftig. Habe ein Buch angefangen zu lesen und es gelang mir konzentrationstechnisch. Morgen fahre ich ein paar Tage weg, worauf ich mich sehr freue. Ich merke, dass sich ein Knoten langsam löst. Dass ich begreife, dass es mein Leben ist, das ich leben muss und darf. Nächstes Jahr muss ich entscheiden, wohin ich versetzt werden möchte (werde einen Ort wählen, an dem ich ein Aufbaustudium machen kann) und irgendwie gibt mir das ein gutes Gefühl: Selbstbestimmheit und Freiheit. Ich kann gehen, wohin ich will. Bin frei. Werde mir eine schöne Wohnung suchen, einen Hund anschaffen (er wird dann ein ausgebildeter Schulhund), vielleicht irgendwann ein Kind mit dem Mann, der derzeit so viel Geduld aufbringt und auch meine Schwächen kennt.

Immer wieder finde ich es unbegreiflich, wie geduldig er ist. Es scheint, nichts könne ihn abschrecken.

Seine Worte sind so zärtlich und kommen immer so unvermittelt in meinen Alltag hinein.

Selbst wenn ich schweigsam bin, hält er zu mir. Das ist so wertvoll...

LFewilan


Setzen6

:)D :)*

Aufgefallen ist mir das hier:

Einer, der zu mir passt. Der charakterlich so wundervoll ist, dass er mein Innerstes zweifelsohne berühren könnte. Aber ich versuche, ihn auf Abstand zu halten. Wenn ich mich offenbaren würde, als was denn dann? als Trauerkloß? Ich denke, das erstickt jedes Verliebtsein im Keim.

Das finde ich gar nicht ausgemacht. Vielleicht koennte er besser verliebt sein in dich als ganzen Menschen mit allen Facetten.

Du bist ja so oder so nicht nur Trauerkloss. Alles andere, was du hast, geht dadurch nicht verloren. Du bleibst intelligent, einfuehlsam, faehig dich und das Leben zu hinterfragen, faehig, dich ueber die kleinen Dinge zu freuen... Du hast alle diese Seiten, nicht nur eine.

Menschen duerfen widerspruechlich sein; sie duerfen ihre Widersprueche bejahen.

Vielleicht tust du dieses nicht, weil du deine Mutter als negatives Beispiel vor Augen hast?

Uebrigens, ich denke, du musst deine Mutter nicht retten. Deine Mutter wird irgendwann sterben. Vielleicht wird sie an ihrem Unwillen sterben, die "richtge" Behandlung anzunehmen. Sie wird nicht daran sterben, dass du sie nicht gezwungen hast. Du wirst nicht schuldig sein; du tust genug. (Man koennte meinen, du tust mehr als genug.)

S-etzexn6


@ Lewian:

Du bist ja so oder so nicht nur Trauerkloss. Alles andere, was du hast, geht dadurch nicht verloren.

Fraglich nur, wie das Verhältnis zwischen meinen guten und schlechten Seiten ist.

Menschen duerfen widerspruechlich sein; sie duerfen ihre Widersprueche bejahen.

Das ist mir (ganz im Ernst) noch nie in den Sinn gekommen, so abwegig erscheint mir das. Lohnt, darüber nachzudenken.

Vielleicht tust du dieses nicht, weil du deine Mutter als negatives Beispiel vor Augen hast?

Ja. Und ich denke an bescheuerte Profile von Männern, die bei "Traumfrau" immer angeben: "Sie weiß, was sie will." Ich weiß nicht immer was ich will, wohin ich muss, was getan werden muss und wo die Grenze ist. Ich bin nebelig.

Deine Mutter wird irgendwann sterben.

Das habe ich gespürt, als ich an ihrem Bett im Krankenhaus stand. Mir ist da die Sterblichkeit meiner Eltern bewusst geworden und irgendwie auch, dass ich im Endeffekt mein Leben nach meinem Willen leben muss, denn wenn ich es für sie lebe, lebe ich es für jemanden, der bald tot vor mir liegt.

Vielleicht wird sie an ihrem Unwillen sterben, die "richtge" Behandlung anzunehmen.

Ja, vielleicht. Sie führt durch ihre Inkonsequenz eine Konsequenz herbei, die unwiderruflich ist: Den Tod.

Sie wird nicht daran sterben, dass du sie nicht gezwungen hast. Du wirst nicht schuldig sein;

Das weiß ich. Es geht nicht nur um Schuld und Versagen. Es geht auch darum, dass ich meine Mama einfach gerne behalten würde, irgendwie.

du tust genug.

Und im Endeffekt entscheiden doch die Botenstoffe in ihrem Hirn über all das Elend, was da über uns eingebrochen ist und einbricht. Bittere Erkenntnis: Dass Krankheiten ganze Lebenswege zerstören.

LveAwixan


Setzen6

Fraglich nur, wie das Verhältnis zwischen meinen guten und schlechten Seiten ist.

Ich finde nicht, dass traurig ueber etwas Trauriges zu sein und ratlos ueber etwas zu sein, wo es schwerlich guten Rat gibt, eine schlechte Seite ist.

Ganz davon abgesehen, dass ich sowieso denke, dass wir Menschen zum vorschnelles Bewerten neigen und das schnelle Unterscheiden in "gut" und "schlecht" uns vielleicht dabei behindert, zu sehen, was alles da ist und wie das alles zusammenhaengt.

Ja. Und ich denke an bescheuerte Profile von Männern, die bei "Traumfrau" immer angeben: "Sie weiß, was sie will." Ich weiß nicht immer was ich will, wohin ich muss, was getan werden muss und wo die Grenze ist. Ich bin nebelig.

Warum laesst du diese Maennern definieren, wie du sein sollst?

Und wieder, ganz davon abgesehen: Gibt auch Maenner, die eine Tiefe zu schaetzen wissen, die daher kommt, dass man auch das Leid kennt, und die Ratlosigkeit, und die Widerspruechlichkeit.

Und im Endeffekt entscheiden doch die Botenstoffe in ihrem Hirn über all das Elend, was da über uns eingebrochen ist und einbricht. Bittere Erkenntnis: Dass Krankheiten ganze Lebenswege zerstören.

Oder dass sie Teil des Lebens sind, wie das Leid und der Tod.

FYlack


Und ich denke an bescheuerte Profile von Männern, die bei "Traumfrau" immer angeben: "Sie weiß, was sie will."

Aha, und ich dachte, das schreiben nur Frauen immer rein ;-D

Ich merke, dass sich ein Knoten langsam löst. Dass ich begreife, dass es mein Leben ist, das ich leben muss und darf.

Das tönt schön!

ljiilxja


:)D

WLebi~sswalWdtortxe


@ Setzen

Wie hat sie es aufgenommen?

Sie hat diverse Druckmittel eingesetzt, alles versucht damit ich wieder nach ihrer Musik tanze. Ständige Machtspielchen, Schauspielerei und Lügen.

Um mich vom Kontaktabbruch abzuhalten, hat sie mich vor sämtlichen ihr bekannten Verwandten, Freunden, Kollegen, ehemaligen Schulkameraden schlechtgemacht. Besonders nach dem endgültigen Kontaktabbruch meinerseits haben sich einige Verwandte und Freunde aufgrund ihrer Schilderungen meiner "Kaltherzigkeit" und "Grausamkeit" von mir abgewandt, darüber bin ich sehr traurig, werde aber trotzdem meinen Entschluss nicht ändern. Inzwischen tut es mir sehr leid, aber ich die Gefühle meiner Mutter gegenüber sind wie betäubt, weiss gar nicht ob sie noch da sind. Dieser ständige Schmerz und die Wut, die ich fühlte wenn sie wieder irgendwelchen Quatsch (zu ihrem eigenen Nachteil) gemacht hatte, war irgendwann einfach zu viel für mich. Nun fühle ich nichts mehr.

Keiner von den Freunden oder Verwandten hat je mit meiner Mutter zusammengelebt, hat sie "live" mit täglichen Heultiraden, Depressionen, Wutanfällen gesehen, erlebt wie sie täglich wirklich dumme Dinge zu ihrem eigenen Nachteil tat, ihre erfundenen Stories anhören müssen, die jeden James-Bond-Drehbuchautor neidisch werden lassen und die zu ihrer Realität wurden. Z.B. behauptet sie steif und fest mein Freund sei an ihrem Unglück schuld, weil er angeblich im Keller eine Folterkammer besitzen würde und mich täglich "brainwashen" würde. Mehrfach behauptet sie vor anderen er hätte mich entführt und zu Schwangerschaften unter Folter gezwungen. Davon ist sie bis heute nicht abzubringen. Ich schirme meine Familie auch aus Angst ab, sie könnte meinem Freund aus Hass z.B. mit der Bratpfanne eins überziehen oder auf sonstige komische Ideen kommen, ich weiss aber nicht ob sie wirklich so radikal werden würde.

Wie kann man mit jemandem vernünftig reden, der Ereignisse und Aussagen erfindet, die nie stattgefunden haben oder Dinge bestreitet, die definitiv stattgefunden haben?

Aus der Ferne " die böse Tochter" kritisieren ist leicht, keiner von ihnen war bereit mit meiner Mutter eine zeitlang zusammen zu leben oder sie zu einem Psychotherapeuten zu begleiten um zu erfahren wie krank sie wirklich ist.

Nun ja, zum Glück ist sie nicht noch alkoholabhängig, ich glaube das hätte mir den Rest gegeben. Ich finde es auch traurig, dass du statt eigentlich deiner Mutter eine Therapie machen musstest und euer Vater sich zurück gezogen hat statt euch zu unterstützen. Du hast recht, die Krankheit zerstört einem und den Angehörigen das ganze Leben, egal was man für gute Absichten und Pläne im Leben hat.

Veränderung ist immer schwer, ich glaube ganz ändern kann man sich nie, arbeite auch täglich an mir die alten Verhaltensweisen und Gewohnheiten nicht wieder hochkommen zu lassen.

Dein vorletzter Post klingt übrigens sehr positiv und lebensbejahend, ganz anders als der Eingangspost. Zukunftspläne zu schmieden und sich Ziele zu setzen hat mir auch viel geholfen. Glückwunsch, es scheint aufwärts zu gehen bei dir @:)

S[etXzenx6


Ich weiß nicht wirklich was passiert, aber:

Irgendwie wird alles besser. Nicht die Umstände, sondern ich. Das schreibe ich nicht aus einem Hoch heraus, sondern viel eher aus einem Grundgefühl, das seit ein paar Tagen anhält.

Sicherlich tragen die Umstände dazu bei: Es ist eine Zeit des Umbruchs, sowohl im positiven Sinne als auch im negativen Sinne. Aber immerhin bewegt sich etwas. Ich habe kaum noch Kontakt zu meiner Mutter, telefoniere etwa einmal die Woche mit ihr. Und auch diese Gespräche verlaufen zwar formal so wie früher (wir sprechen über das Gleiche), aber emotional ist es irgendwie weiter weg. In dem Moment, wo ich auflege, ist das Thema für mich erledigt. Zum einen liegt das sicherlich am immensen Stress, den ich derzeit beruflich habe, aber auch an den Gedanken, die ich mir mache.

Beruflich steht ein großer Wandel im Sommer an, ich habe ein paar Grenzen gezogen, die ich früher nicht zog, habe in den letzten Tagen ein paar Mal was mit Freunden unternommen und dabei viel gelacht. Ich fühle mich irgendwie unabhängig und frei.

Es kommt sicherlich erleichternd dazu, dass meine Familie mir überhaupt nicht mehr reinredet bei meinen Entscheidungen. Es scheint, auch sie hätten dazu gelernt, dass ich alt genug bin, die Dinge vor mir zu verantworten. Ein ganz banales Beispiel: Ich habe mir ein Auto gekauft, das vielleicht nicht wirklich "angemessen" von den PS, dem Preis und ähnlichem her ist. Früher hätte meine Mutter mir so lange an aggressiven Tagen ein schlechtes Gewissen eingeredet, bis ich keine Freude mehr dran gehabt hätte. Sie hat es auch diesmal wirklich versucht, woraufhin ich sagte: "Mama, ich möchte dieses Auto haben, ich bin 25, verdiene mein eigenes Geld und weiß was ich tue." Erstaunlicherweise hat sie dann aufgehört. Als ich das Auto zum ersten Mal fuhr, war ich ganz verrückt vor Glück.

Irgendwie bin ich auch weniger neidisch. Es war jetzt ein paar Mal so, dass Freunde irgendetwas sagten von wegen "meine Eltern..." und ich hörte einfach nur zu und es kam nicht der Gedanke "Ich habe keine Eltern". Viel eher weiß ich jetzt, was ich habe, kenne meine Eigentätigkeit, meine Selbstbestimmtheit.

Ich muss meine fehlenden Eltern nicht mehr betrauern, denn ich brauche sie nicht mehr.

Ich habe mich.

Natürlich bricht immer mal wieder eine große Traurigkeit über mich herein. Weihnachten wird vermutlich schrecklich, weil ich bei meiner Mutter wieder keine Rückzugsmöglichkeit sehe. Aber ich werde es so planen, dass es nur wenige Tage sind und dass ich an diesen Tagen auch möglichst viele Freunde in meiner Heimat wiedersehe, die mir guttun. Ich möchte nicht bedrückt unter dem Weihnachtsbaum neben meiner betrunkenen Mutter und meinem betrunkenen Bruder sitzen. Ich möchte das nicht. Die innerliche Stille und Distanz wird kommen, das weiß ich. Es wird mir auch schlecht gehen. Aber ich bastel mir jetzt schon einen Notfallplan: Wo gehe ich hin, wenn es mir schlechter geht? Wen besuche ich? Woran kann ich mich gedanklich festhalten?

Sie alle werden nicht glücklicher, wenn ich mit ihnen in den Abgrund gehe.

Es ist mein Leben, das sie mir geschenkt haben und das mir zur Verfügung steht.

Zweifelsohne: Es lief alles echt beschissen, aber es ist noch nicht zu spät.

Ich möchte mich verändern. Natürlich werde ich die Setzen6 mitnehmen, die 25 Jahre irgendwie sehr viel gelitten hat, aber es gibt Dinge, die ich dennoch ändern kann: Die Zukunft, das Jetzt. Ich möchte etwas aus dem machen, was ich gelernt habe und erfahren musste. Möchte das nutzen und selbst aus meinen Fehlern kann ich lernen.

Immer wieder fliegt ein Gedanke durch meinen Kopf: Ich bin 25. Es ist noch nicht zu spät.

Es war wie es war, das steht unveränderlich fest. Und jetzt ist es, wie ich es mache und wie es mein Leben und Schicksal mit mir macht. Aber nicht meine Eltern.

"Wohl an denn Herz, nimm Abschied und gesunde." (Hesse).

S4etzNen6


Ich denke im Nachhinein, dass der Aufenthalt bei meiner Mutter im Brustkrebsklinikum von immenser Bedeutung für mich war.

Alle Verwandten waren mit Partner / Kindern da. Ich war die einzige, die dem Ganzen irgendwie alleine gegenüber stand. Als sie weinten, nahm sie jemand in den Arm. Am Tag der Operation konnte keiner kommen. Nur ich saß ganz alleine vor dem OP, mehrere Stunden. Habe nicht gelesen, nur gesessen. Und wer schon einmal alleine vor einem OP saß, weiß wie das ist: Man hat nur sich zwischen den trostlosen Gängen, den hetzenden Ärzten, dem sterilen Ambiente. Man hat nur sich.

Es waren stille Stunden für mich. Ich war so schrecklich einsam und fühlte mich so verlassen von allen. Und genau das war der Schlüsselmoment: Ich bin alleine. Einfach nur unendlich alleine.

Da drinnen wird meine Mutter operiert, für die ich so lange gelebt habe. Sie ist sterblich und irgendwann liegt sie in einem Sarg und dann habe ich niemanden mehr, für den ich leben kann und habe dann bereits viele Jahrzehnte meines Lebens verloren. Zeit, für mich selbst zu leben.

Ich weinte nicht. Auf der Heimfahrt über die Autobahn wurde es mir immer wieder bewusst: Ich bin alleine.

Und das ist eine Erkenntnis, die nicht nur schlecht ist. Denn wenn man erkennt, dass man alleine ist, erkennt man auch, dass man selbst gut Verantwortung für sich übernehmen muss. Dass man mit sich klarkommen muss, dass man sich um sich kümmern muss, dass man sich auf sich selbst verlassen können muss. Ich kann nicht andere als meine Retter sehen, denn da sind keine anderen. Vielleicht war das der Anstoß, in meinem Alleinsein meine Chance zu entdecken.

Letzte Nacht habe ich geträumt, dass ich vor dem Spiegel stehe. Ich sah meinen Körper und neben mir -rechts und links- meinen Körper als Schatten, nur die Umrisse. So als würde ich nebelhaft links und rechts neben mir stehen. Und plötzlich rutschten diese Schatten zur Mitte, also zu meinem Körper und mein Körper und die zwei Umrisse meines Körpers schoben sich ineinander zu einer Figur. Zugegebenermaßen: Nicht ganz glatt, die Schatten lugten noch rechts und links ein wenig aus meinem Körper heraus, aber im großen und ganzen ergab es einen Umriss.

Ich rutsche gerade in mich herein.

_ATsuna;mix_


Setzen

Finde es erstaunlich und beachtlich, mit welch sanfter und dennoch ungestümen Kraft du dich mit dem Leben und dir selbst auseinandersetzt und dabei meines Augenscheins nach mehr und mehr in das Leben und dich selbst hineinwächst. Alle Achtung.

Sehr metaphorisch gesprochen erscheinst du mir wie ein stetig wachsender Sproß, der die Asphaltdecke aufsprengt.

Vielleicht war das der Anstoß, in meinem Alleinsein meine Chance zu entdecken.

Ich denke, dass das Alleinsein tatsächlich eine Chance ist, eine die man nicht umgehen und wertschätzen sollte, weil das Alleinsein das größte und sicherste Potential ist, welches einem Menschen zur Verfügung steht. Damit votiere ich keinesfalls für ein generelles Alleinsein, sondern dafür, dass man sich selbst ein Rückzugspunkt ist, auf den man im Zweifel immer "zurückfallen" kann – ein Punkt, der einem vertraut und zuverlässig ist – ein Punkt, in dem man sich wiegen kann und Ruhe findet – manchmal absolute Stille.

Ich selbst hatte "die Chance des Alleinseins" über weite Strecken meines Lebens (und immer noch) – teils, weil es sich "so ergeben hat", teils, weil ich es so wollte. Erinnere mich gerade an meine Zeit als (ich glaube) 16-Jähriger, als ich für knappe 6 Wochen "alleine" durch Amerika gondelte. Ich war auf mich ganz alleine gestellt, aber natürlich gab es dort auch viele Menschen, also war ich nicht ganz alleine. Da ich jedoch ohne jegliche "Beziehungskonstellation" unterwegs war, war die Wahrnehmung für mich eine ganz besondere – eine fantastische. Konnte so Vieles wahrnehmen, ganz für mich – nur meine eigene Sicht, nur meine eigene Meinung – unbeeinflusst durch andere. Da waren diese langen Wartezeiten in Bus- oder Bahnhofsstationen, wo ich die Leute mit Interesse und Wohlwollen betrachtete, mir in den kleinen Buchhandlungen winzig kleine Philosophiebüchlein kaufte, welche mir die Wartezeiten enorm verkürzten. Ich war vertieft in das Leben, das andere Land, die kleinen Büchlein. Niemand wollte etwas von mir, ich wollte nichts von anderen. Schön. x:)

Schön war auch die Nacht, in der ich keine Bleibe hatte und somit die ganze Nacht in der U-Bahn von der einen Endstation zur anderen fuhr. Da war dann auch diese ziemlich große Zigeunerfamilie, welche dieselbe Bleibe wie ich hatte.

Schön war auch diese Nacht, als ich nach dem Abschlußfeuerwerk als letzter Gast das Gelände der Universal Studios verlassen habe und mir dann ein Hotelzimmer suchen musste.

Es war ruhig. Es war still. Ich war allein.

Letzte Nacht habe ich geträumt, dass ich vor dem Spiegel stehe. Ich sah meinen Körper und neben mir -rechts und links- meinen Körper als Schatten, nur die Umrisse. So als würde ich nebelhaft links und rechts neben mir stehen. Und plötzlich rutschten diese Schatten zur Mitte, also zu meinem Körper und mein Körper und die zwei Umrisse meines Körpers schoben sich ineinander zu einer Figur. Zugegebenermaßen: Nicht ganz glatt, die Schatten lugten noch rechts und links ein wenig aus meinem Körper heraus, aber im großen und ganzen ergab es einen Umriss.

Ja.

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