» »

Wie das Leben wieder an mich ranlassen?

S=inc?era


[[http://www.youtube.com/watch?v=8QNhLobf4ew&feature=related Gary Jules - Lucky]]

f"ragnxurso


[[http://www.youtube.com/watch?v=tkJNyQfAprY Pink Floyd – Comfortably Numb]]

SNetNzen6


[[http://www.clipfish.de/video/2713447/wann-kommt-die-flut/ Wann kommt die Flut]]

Das mochte mein Bruder immer.

fQragwnurso


[[http://www.youtube.com/watch?v=UC81i2M30Bc Herbert Grönemeyer – Der Weg]]

S~inc4exra


:)*

Sxet_zen6


Mein Schicksal ist das unabänderliche Unglück meiner Familie.

Meine Möglichkeit ist, damit leben zu lernen.

Ich weigere mich, das ganze Elend als eine Aufgabe zu sehen, die mir gestellt wurde und die ich meistern muss, um mir irgendetwas anderes zu verdienen. Ich weigere mich, dem Elend einen Sinn namens "Lebensaufgabe" anzuziehen.

Sowas darf keine Lebensaufgabe sein. Glück ist Lebensaufgabe, Liebe, Familie.

Aber ich akzeptiere, dass es mich getroffen hat, einfach so, grundlos und unverdient. Dass ich es nicht persönlich nehmen darf, obwohl es mich persönlich betrifft.

Niemand will mich bestrafen und niemand verlangt von mir, dass ich einen Sinn darin sehen muss.

Fakt ist aber, dass es ist wie es ist. Und ich muss dem Aushalten dieses Zustandes, dem Abstreifen der zu massiven Erinnerungen eine Bedeutung und einen Sinn beimessen.

Das Elend ist mein Schicksal. Ihm zu begegnen und mich selbst in Angesicht dieses Zustandes zu ändern, ist möglich.

SzetzTenx6


Mit anderen Worten: Da steht eine Mauer in der Lebenslandschaft. Ich weiß nicht, weshalb sie gebaut wurde, aber sie wurde gebaut.

Und ich möchte mir Gründe überlegen, weshalb ich rüber wollen könnte, was dahinter sein könnte.

Nicht die Mauer zählt, sondern das Dahinter.

Nicht meine Mutter zählt, nicht meine Kindheit, sondern die Möglichkeiten, die geblieben sind.

SIetzexn6


Sie war auch eine gute Mutter. Geliebt hat sie mich. Zu jedem Zeitpunkt.

Auch das sollte man festhalten.

L1ewxian


Das Elend ist mein Schicksal.

Es kann immerhin auch aufhoeren. Irgendwann, auch ohne dein Zutun (auch wenn du es nicht durch bewusstes Zutun beenden kannst).

SXincxera


Das Elend ist mein Schicksal.

Über diesen Satz denke ich die ganze Zeit nach. Unter anderem über die von Dir gewählte?/oder nur benutzte? Gegenwartsform.

Was mir immer wieder dazu in den Sinn kommt:

Ein ehemaliger Studienkollege weigert sich in seinem privaten und beruflichen Umfeld beharrlich, Menschen, die Furchtbares durchleben mussten, als "Opfer" zu bezeichnen. Er spricht von "Überlebenden".

R^edjAppxle


Da steht eine Mauer in der Lebenslandschaft. Ich weiß nicht, weshalb sie gebaut wurde, aber sie wurdeWie gebaut.

Wer oder was hat diese Mauer gebaut? Selbst wenn Du den Grund nicht kennst, kennst Du den Erbauer?

Sie war auch eine gute Mutter.

:)-

Und ich möchte mir Gründe überlegen, weshalb ich rüber wollen könnte, was dahinter sein könnte.

Nicht die Mauer zählt, sondern das Dahinter.

Keine Mauer ist endlos. Wie Lewian schreibt: es – oder die Mauer? – kann aufhören. Und dann den Blick freigeben auf eine ungeteilte Landschaft, die es zu erkunden gilt. In der man heimisch werden kann, die zu einem zu Hause wird.

SGe^tIzenx6


@ Lewian:

Es kann immerhin auch aufhoeren. Irgendwann, auch ohne dein Zutun (auch wenn du es nicht durch bewusstes Zutun beenden kannst).

Ja, das hoffe ich auch. Gleichzeitig bin ich bemüht hinzusehen, was ich doch durch Zutun ändern kann.

@ Sincera:

Das Elend ist mein Schicksal.

Ich meine damit nicht das Elend der Welt und Elend allgemein. Ich meine dieses Elend mit meiner Familie.

Über diesen Satz denke ich die ganze Zeit nach. Unter anderem über die von Dir gewählte?/oder nur benutzte? Gegenwartsform.

Für mich ist dieses Elend Vergangenheit und Gegenwart. Aber es gibt nicht nur dieses Elend, es gibt auch Leben, Hoffnung, Zukunft. Ich bin nicht verdammt, ewig darunter zu leiden.

Ein ehemaliger Studienkollege weigert sich in seinem privaten und beruflichen Umfeld beharrlich, Menschen, die Furchtbares durchleben mussten, als "Opfer" zu bezeichnen. Er spricht von "Überlebenden".

Ich sehe mich auch nicht als Opfer, aber doch irgendwie als Teilhaber. Einer, der es überleben muss.

Alle Menschen haben es irgendwie schwer, ich habe es nicht schwerer. Aber dieses Relativieren mildert nicht unbedingt meine Traurigkeit darüber.

@ redApple:

Wer oder was hat diese Mauer gebaut? Selbst wenn Du den Grund nicht kennst, kennst Du den Erbauer?

Meine Mutter und ich. Sie hat mich dazu erzogen, nichts zu erwarten und überall das Schlechte zu sehen. Gleichzeitig tat sie mir weh. Wir haben beide an dieser Mauer gearbeitet.

Keine Mauer ist endlos. Wie Lewian schreibt: es – oder die Mauer? – kann aufhören. Und dann den Blick freigeben auf eine ungeteilte Landschaft, die es zu erkunden gilt. In der man heimisch werden kann, die zu einem zu Hause wird.

Danach strebe ich. Und ich bemühe mich.

RedApple

R.edAxpple


Sie hat mich dazu erzogen, nichts zu erwarten und überall das Schlechte zu sehen.

Nichts zu erwarten...... wie ist das zu verstehen? Der erste Satz der mir zu "erwarten" einfällt, ist "Erwartungen können enttäuscht werden. Wer keine Erwartungen hat, kann auch nicht enttäuscht werden". Ist das eine Haltung, welche Du durch die Krankheit Deiner Mutter zwangsweise eingenommen bzw. eingetrichtert bekommen hast?

Das Schlechte sehen..... was ist/war für Deine Mutter schlecht? Und wie hat sie Dir ihre Wertung vermittelt?

S,etzexn6


Nichts zu erwarten...... wie ist das zu verstehen?

Dass man nicht erwarten darf, dass es stabile Bindungen gibt. Dass Zusammenhalt funktionieren kann. Und dass man immer damit rechnen muss, dass jede Schwäche ausgenutzt wird. Schwäche war tabu, weinen war tabu, Angst war tabu.

Der erste Satz der mir zu "erwarten" einfällt, ist "Erwartungen können enttäuscht werden. Wer keine Erwartungen hat, kann auch nicht enttäuscht werden".

Genau.

Ist das eine Haltung, welche Du durch die Krankheit Deiner Mutter zwangsweise eingenommen bzw. eingetrichtert bekommen hast?

Sie hat mir diese Haltung vorgelebt.

Das Schlechte sehen..... was ist/war für Deine Mutter schlecht?

Zugegebenermaßen war sie sehr durch das Schicksal gestraft, hat ihren Bruder durch Mord verloren, die Schwester lebt schwerstkrank im Heim. Die Ehe meiner Großeltern war wohl auch nicht das Wahre. Und ihre eigene Ehe, also die Ehe mit meinem Vater, war durch Verzicht, Machtkämpfe, Trotz und Betrug geprägt. Meine Mutter hat überall erfahren, dass das Leben grausam sein kann. Sie war ein Opfer, das stimmt. Jeden würde ein solches Leben aus der Bahn werfen. Aber sie hat sich nie um Optimismus bemüht. Sie hat Freude schon von vornherein ausgeschlossen.

Und wie hat sie Dir ihre Wertung vermittelt?

An aggressiven Tagen äußert sich dies durch Zynismus. Sie lachte über alles, auf meine Bitte, meinen Bruder bitte in seine Schranken zu weisen (er feierte Alkohol- und Sexexzesse zuhause), reagierte sie mit: "Dann zieh doch aus, wenns dich stört. Ist doch alles normal, meinste in den Kommunen wars früher anders!?" Da war ich 13. Sie nahm nichts ernst. Nahm mir wichtige Medikamente weg, mit der Begründung es sei Einbildung, was mich dann letztendlich ins Krankenhaus brachte. Wir bekamen oft kaltes Essen, da man Strom sparen könne. Man dürfe sich einfach nichts "gönnen", weder langes Duschen, noch warme Räume oder warmes Essen.

An Heultagen weint sie über all das Schlechte. Nahm mich in den Arm, sagte, ich sei alles für sie. Sie müsse das mit Papa ertragen, das sei eben so. Das Leben sei böse und unfair und wir müssten das aushalten.

Ich fragte sie, ob wir nicht gehen könnten, raus aus der Situation, aber sie verneinte, man sei ja angewiesen auf das Geld, das er nach Hause bringe, sie bekäme doch bestimmt keinen Unterhalt für uns und arbeiten könne sie ja nicht, dafür sei sie zu krank.

Ich habe mich nach Freude gesehnt. Nach Heiterkeit. Nach "Wir schaffen das schon". Nach "Wir backen jetzt Plätzchen und feiern Weihnachten."

Ich habe ihr geglaubt, denn sie ist ja meine Mutter. Habe ihre Sichtweise übernommen und zugleich doch auch gemerkt, dass ich eigentlich anders bin: Optimistischer, freudvoller, offener. Ich mag Menschen und Begegnungen.

Und so war ich jahrelang hin- und hergerissen zwischen meinem eigentlichen Wesen und den Prägungen und Parolen, die ich durch sie erlebte.

S"inIcexra


Das Elend ist mein Schicksal.

Ich meine damit nicht das Elend der Welt und Elend allgemein. Ich meine dieses Elend mit meiner Familie.

So hatte ich es auch aufgefasst.

Schicksal war das Wort, das in diesem Zusammenhang in meiner Wahrnehmung von Dir nicht passte. Und zwar ausschließlich in der Form: XYZ ist mein Schicksal. Das klingt für mich so in Stein gemeißelt. Ich nehme Dich nicht wahr als jemanden, der sich in sein Schicksal fügt, der resigniert. Im Gegenteil. Du reflektierst, bewertest die Dinge für Dich und beginnst mit dem Ausmisten.

Für mich ist dieses Elend Vergangenheit und Gegenwart. Aber es gibt nicht nur dieses Elend, es gibt auch Leben, Hoffnung, Zukunft. Ich bin nicht verdammt, ewig darunter zu leiden.

Jetzt weiß ich, dass Du es ähnlich siehst, ich hatte den einzelnen Satz wohl überbewertet.

:)*

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH