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Wie das Leben wieder an mich ranlassen?

S|etSzexn6


Was soll ich lassen? Die Geschichte? Die Tapferkeit?

S"etzxen6


Mich hat heute jemand gefragt, ob ich meine Mutter liebe.

Eine kleine, sehr kurze Frage, die ich nicht beantworten konnte.

Wenn man mich gefragt hätte, ob ich sie hasse, hätte ich verneint. Da bin ich mir sicher.

Aber der Rest?

Ich glaube ehrlich gesagt immer mehr, dass ich die Beziehung mit meiner Mutter irgendwie verstehen und regeln muss, um bei mir anzukommen. Denn immer wenn ich über mich nachdenke, denke ich unweigerlich auch an meine Mutter. Vor ein paar Jahren waren wir in einer tiefen Symbiose gefangen, aus der sie mich jeden zweiten Tag aggressiv herausschob, um mich dann am nächsten wieder hineinzuziehen.

Heute sehe ich mich definitiv außerhalb dieser Symbiose. Und dennoch scheint es nicht geklärt zu sein. Jetzt bin ich außen ratlos.

Mein Therapeut hat mir vor 2 Jahren geraten, dass ich ihr mal einen Brief schreibe, den ich nicht einmal abzuschicken brauche. Ich habe das nie getan.

GKro@txtig


Wenn man mich gefragt hätte, ob ich sie hasse, hätte ich verneint. Da bin ich mir sicher.

Aber der Rest?

Also ich erlebe die Gefühlswelt hinsichtlich meiner Mutter als stark ambivalent, Hass war allerdings nicht dabei. Die Gefühle von neutral, Ekel, Mitleid Schuldgefühle, Sehnsucht, bis im stillen Kämmerlein ist sie meine Mutter. Hat du mal versucht in dich hinein zu hören, welche Gefühle du mir ihr verbindest? Bleiben diese gleich?

Die Frage nach dem "Rest" klingt irgendwie als müsstet du irgendetwas fühlen. Ist das so? Oder als hättest du eine anerzogene Erwartung deiner Mutter gegenüber irgendwelche Gefühle haben zu müssen. Aber man kann sie nun mal nicht erzwingen.

S3etze0n6


Also ich erlebe die Gefühlswelt hinsichtlich meiner Mutter als stark ambivalent, Hass war allerdings nicht dabei. Die Gefühle von neutral, Ekel, Mitleid Schuldgefühle, Sehnsucht, bis im stillen Kämmerlein ist sie meine Mutter.

So hätte ich es auch beschrieben. :)z

Hat du mal versucht in dich hinein zu hören, welche Gefühle du mir ihr verbindest?

Ja, aber ich ertappe mich dabei, dass ich sie mir schönmale in den Gedanken. Eher damit beschäftigt bin, Entschuldigungen für ihr Verhalten zu suchen, anstatt meine eigene Position und meine Gefühle (vielleicht auch Wut) zu hinterfragen.

Bleiben diese gleich?

Sie hängen elementar von ihrer Stimmung ab.

Die Frage nach dem "Rest" klingt irgendwie als müsstet du irgendetwas fühlen. Ist das so?

Ein für mich neuer Gedanke. Aber will man nicht irgendwie die Dinge definiert wissen? Zumindest grob wissen, wo man ihr gegenüber steht?

Oder als hättest du eine anerzogene Erwartung deiner Mutter gegenüber irgendwelche Gefühle haben zu müssen.

Meine Mutter hat mir nicht anerzogen, sie lieben zu müssen. Aber ihre Leidensmine und ihre ewige Not haben in mir doch das Gefühl verursacht, irgendwie verantwortlich dafür zu sein, sie zu retten.

Aber man kann sie nun mal nicht erzwingen.

Die Gefühle sicherlich nicht, aber Handlungen kann man erzwingen. Ich habe immer versucht zu handeln, als würde ich sie lieben.

G;rotttixg


Die Gefühle sicherlich nicht, aber Handlungen kann man erzwingen. Ich habe immer versucht zu handeln, als würde ich sie lieben.

Ok, di magst versucht haben zu erzwingen sie zu lieben. Ich habe jahrelang versucht meine Mutter dazu zu bewegen, über ihren Anteil nachzudenken. Etwas, was sie kategorisch ablehnt und immer schreit "Ich bin nicht Schuld". Ich habe verzweifelt versucht ihr zu vermitteln, dass es nicht um Schuld geht. Es geht darum zu sich eine Situation anzuschauen, zu sehen, ich habe einen Fehler gemacht. Nur mit dem erkennen des eigenen Fehlers, ist man in der Lage eine Situation neu zu bewerten und hat die Möglichkeit in folgenden Situationen anders (richtiger) zu handeln. Hast du dich mal mit Misologie beschäftigt?

Ja, aber ich ertappe mich dabei, dass ich sie mir schönmale in den Gedanken. Eher damit beschäftigt bin, Entschuldigungen für ihr Verhalten zu suchen, anstatt meine eigene Position und meine Gefühle (vielleicht auch Wut) zu hinterfragen.

Erwischt, geht mir ähnlich. Ich habe Angst sie zu verlieren, wobei ich bei verstandesmäßiger Sichtweise feststellen muss, ich habe sie nie gehabt (das Haben ist jetzt nicht gleichzusetzen mit besitzen oder so), sie ist in der Tat und biologisch gesehen eine Mutter, mehr aber auch nicht. Und nur weil es auf dem Papier steht fühlt es sich nicht so an. Das ist irgendwie der Kampf vom inneren verlassenen Kind mit der Sicht eines Erwachsenen.

Ein für mich neuer Gedanke. Aber will man nicht irgendwie die Dinge definiert wissen? Zumindest grob wissen, wo man ihr gegenüber steht?

Nur wenn das Wissen darum für sich selbst gut ist, nicht weil es gesellschaftlich verlangt wird. Zumindest sehe ich das so. Das letztlich umzusetzen, daran kann man sich auch selbst zerfleischen.

Eigentlich möchte ich zu meiner Mutter keinen Kontakt mehr, so fühlt es sich gerade an und es ist ok. Morgen zerfleischt mich der Gedanke wieder und ich bin das böse Kind, ein Kreislauf, zermürbend, endlos...

Vielleicht solltest du ihr wirklich mal einen Brief schreiben, einfach reinpacken was dir einfällt, ohne Nachdenken. Dann legst du ihn in eine Schublade und liest ihn dir nach 4 Wochen (nur als Vorschlag) nochmals durch. Die Sichtweisen und Empfindungen, wirst du feststellen, können sehr verändert sein.

Meine Mutter hat mir nicht anerzogen, sie lieben zu müssen. Aber ihre Leidensmine und ihre ewige Not haben in mir doch das Gefühl verursacht, irgendwie verantwortlich dafür zu sein, sie zu retten.

Sie kann dir garnicht anerziehen sie zu lieben. Ich versuche es anders auszudrücken. Vielleicht hat sie dir anerzogen, ihre Liebe zu "erwiedern".

m7ond+6stetrnxe


Was soll ich lassen? Die Geschichte? Die Tapferkeit?

Weder noch. Dein leben zu leben als sei es eine Tragödie von Shakespeare. Das halte ich nicht für gut.

Die Geschichte ist sehr schön geschrieben.

Eigentlich bräuchtest Du nicht mehr Tapfer zu sein. Ich glaube schon es wäre gut, wenn Du da raus kämst. Aber bevor der Supergau eintritt, ist es natürlich besser, Du bleibst so.

Du kannst durchaus stolz auf Deine Tapferkeit sein, auf Deine Fähigkeit etwas auszuhalten. :)^

maond~+steqrne


Mein Therapeut hat mir vor 2 Jahren geraten, dass ich ihr mal einen Brief schreibe, den ich nicht einmal abzuschicken brauche. Ich habe das nie getan.

Guter Vorschlag. Denk noch mal drüber nach. Ist natürlich ein Vorschlag nach Psychologenart.

Jetzt kommt noch mal ein Vorschlag nach Mond+Sterne-Art. Schenk ihr einen Blumenstrauß. Sie hat es verdient. Sie hat Dich großgezogen. Mit ihrer Krankheit.

S8e_t3zenx6


Mama, ich liebe dich.

Gerotgtixg


Mama, ich liebe dich.

Wie schön, einfach und klar. Lass es auf dich wirken.

S6etIzenx6


Und jetzt weine ich das erste Mal seit Monaten.

fTragTnurxso


Lass es raus, es ist ok.

Swetzlenx6


Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass sie gesund ist.

Oder dass sie wenigstens versucht, etwas gegen die Krankheit zu tun.

Dass sie ihre Aggression erkennt und meine Hilflosigkeit.

Mama, ich hätte mir gewünscht, dass du meine Schwäche achtest. Trost habe ich schon gar nicht mehr erwartet, ich weiß ja, dass du das nicht mehr kannst. Aber Achtung vielleicht? Respekt vor mir?

Du hast mir so wehgetan, Mama.

Ich wollte nicht hören, dass "alles nicht so schlimm sei", und "das ist halt so" und "man darf halt nichts erwarten". Ich wollte gerne, dass du mich ernst nimmst.

Hast du dich nie gefragt, warum ich immer so wütend war?

Warum verdammt war nur ich wütend? Warum warst du nicht einfach mal wütend? Hast nicht Türen geknallt und meinen Vater nicht verlassen? Warum musste ich schreien? Warum hast du nicht geschrieen? Warum wurde deine Aggression nur darin deutlich, dass du uns kein Essen kochtest und unsere Klamotten nicht waschen wolltest? Warum hast du deine ganze verdammte Aggression nicht an denen ausgelassen, die sie verursachten? Warum hast du deinen toten Bruder nicht betrauert? Warum hast du meinen Vater nicht verlassen? Warum hast du deine kranke Schwester nicht betrauert?

Warum hast du so getan, als kämest du mit allem zurecht und zugleich hast du uns jeden verdammten Tag vorgelebt, dass du mit gar nichts zurecht kommst?

Und du hast dich beklagt, dass ich Türen geknallt habe?

Ich wollte warmes Essen haben. Und Geburtstagskuchen. Und ich wollte farbige Snoopyunterhosen mit auf die Klassenfahrt nehmen, ohne von dir als Schlampe beschimpft zu werden. Ich war 13, Mama. 13.

Warum verdammt nochmal hast du deine ganze Traurigkeit runtergeschluckt und dann als Aggression wieder ausgekotzt?

Ich liebe dich Mama.

Aber verdammt nochmal, warum hast du das gemacht?

Man darf nie "Ich liebe dich, aber..." sagen. Das steht in jedem Beziehungsratgeber. Und ich sage es trotzdem:

Ich liebe dich, aber warum hast du deine Trauer nicht da gelassen, wo sie hingehörte?

Spetze.n6


Und ja, Mama, Sex kann verdammt schön sein. Sex ist keine Sünde.

S{etzten6


Ich bin so wütend auf dich. Und das bin ich nur, weil ich dich liebe.

_ATsvunamxi_


Setzen

Ich glaube, deine Mama hat dich geliebt und wird dich immer lieben.

Nur ist es wohl so, dass sie es nicht besser konnte bzw. wusste.

Die Unfähigkeit ändert jedoch nichts an der Schadhaftigkeit von Dingen. Es geht nicht um Schuld, sondern um Unwissen und Unvermögen – und Krankheit.

Man kann zwar Vieles verzeihen, aber schädliches Verhalten nur für einen begrenzten Zeitraum aushalten, ohne sich selbst dabei kaputt zu machen und sich dabei durch (passive) Zustimmung selbst schadhaftes Verhalten anzugewöhnen.

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