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Wieso finde ich schlimme Dinge sexuell erregend?

SBaschxa45


Ich glaube, ich verstehe was du meinst, marika. Ich kann es leider noch nicht so genau sagen, so genau aufdröseln, ob ich mir da teilweise etwas habe einreden lassen oder ob ich wirklich selbst ein Problem damit habe. Das hängt sicherlich irgendwie zusammen bei mir, weil schon der Gedanke eine Rolle spielt, dass ich das mit der Erfahrung doch nicht gut finden "darf", sondern darunter leiden "sollte". Andererseits spüre ich aber auch selbst von mir aus einen Unterschied, also um bei dem Kuchenbeispiel zu bleiben: Ich mag ihn nicht immer, sondern finde ihn ja selbst manchmal gerade zu abscheulich. Ich bin nach dem Essen nicht nur satt, sondern ekle mich auch ein bisschen vor dem, was ich mir da aus Gier hineingestopft habe.

Schwer zu beschreiben :-/

Und es belastet mich natürlich insofern, als dass das Thema dadurch so oft präsent ist. Ich hätte lieber sexuelle Vorlieben, die mich nicht immer wieder an meine Kindheit erinnern.

R-lmkmp


Ich würde gerne ja zum Schokokuchenthema gerne etwas zufügen. Unabhängig von der Oma, kann es ja sein, dass man auch so gerne Schokokuchen isst. Nur weil die Oma früher oft welchen hatte, heißt das ja nicht, dass man das deswegen mehr oder weniger mögen muss.

Sbaschxa45


Unabhängig von der Oma, kann es ja sein, dass man auch so gerne Schokokuchen isst.

Das stimmt, die grundsätzliche Neigung kann unabhängig davon existieren, also vielleicht (wahrscheinlich?) hätte ich auch ohne die damaligen Erfahrungen eine devote masochistische Neigung. Das kann ich für mich schon annehmen. Mich wundert nur, um in dem Bild zu bleiben, dass ich immer wieder von genau dem Kuchen esse, von dem mir früher so speiübel geworden ist. Dass ich nicht nur Kuchen mag, sondern wirklich genau den, dessen Zutaten ich früher eklig fand und die mir nach dem Essen auch Bauchschmerzen bereiten.

Das ist das, zumindest für mich, das Verrückte daran. Wenn der Kuchen bei der Oma schmeckte, klar, wieso soll man ihn dann nicht später auch noch mögen. Aber wieso mag ich heute etwas, das ich früher zum Kotzen fand? Dass ich damals nicht essen wollte und auch heute noch, wenn nicht dieser seltsame Hunger aufkommt, echt widerlich finde? :-(

RSlmmxp


Die meisten fahren auch Fahrrad weiter, obwohl sie mal gestürzt sind.

Vielleicht hilft das... ?!

SKaschax45


Muss ich mal drüber nachdenken ":/

S3ascHha45


Es ist ja nämlich weniger wie Fahrradfahren, sondern eher wie das ständige bewusste Stürzen. Also wieso baue ich immer wieder denselben Unfall, wieso schlag ich mir heute freiwillig die Knie auf, statt eine andere Route zu fahren...

Relmxmp


Die Frage ist, aber, ist es wirklich stürzen oder doch nur Radfahren... genau das ist ja dein Problem.

DEieKqrupexmi


mhhhh, damals fandest du es schrecklich und es hat dich traumatisiert. Und, da du Therapeuten nicht magst bzw ihre Hilfe nicht in Anspruch nimmst, ist dieses Trauma unbearbeitet in dir. Nun spielst du diese Erlebnisse immer wieder durch, nur diesmal mit positiven Gefühlen in der Hoffnung, dass damit der Schmerz und die Erniedrigung von Damals verschwinden...

Ist das vielleicht ein Ansatz?

a/.fUish


Das sollte man bei solchen Spielchen vernünftigerweise vereinbaren, aber dann bringt es mir nichts. Wenn ich weiß, dass ich es abbrechen kann, erregt es mich kaum, deshalb begebe ich mich schon in mehr oder weniger gefährliche Situationen ohne Codewort.

Ich versteh Dich gut und ich kann leider keine besonders geistreiche Lösung präsentieren, aber ich für meine Teil denke dennoch: es ist nicht echt. "Echt" wäre der fiese Chef – eine Situation, in die Du Dich nicht freiwillig begibst. Bei den Spielchen weißt Du ja im Vorfeld, dass es Dir Spaß machen wird und lieferst Dich freiwillig aus, da herrscht ein anderes Machtverhältnis, auch, wenn Du Dich relativ hilflos machst. Du tust es eben und nicht der Andere, auch wenn es rein praktisch anders aussieht – ärgs, versteht man das?

Ich find die bisher geposteten Ansätze gut. Ich hab selber einen, aber der ist, wie gesagt, nicht sonderlich ausgereift. Ich denke, wenn man eine wie auch immer geartete seelische Last oder Verletzung mit sich herumträgt, dann arbeitet man mehr oder weniger bewusst ständig daran, irgendwie darüber hinweg zu kommen – man pruckelt daran herum, macht und tut, verarbeitet und/oder kompensiert, jedenfalls immer dagegen. Das ist ja auch richtig und führt hoffentlich irgendwann zur Besserung, aber in gewisser Weise arbeitet man auch gegen einen Teil von sich selbst. Wenn man nun einen Rahmen findet, in dem man für eine Weile damit aufhören kann, kann das eine recht erlösende Erfahrung sein. Man stellt sich seinen Ängsten nicht, sondern man lässt sich von ihnen überrollen. Man wählt ganz bewusst den Sprung kopfüber in den Schmerz, den man sonst zu verhindern versucht. Wo man sonst immer die Balance zu halten versucht, lässt man sich einfach fallen – gegen alle Vernunft und allem, was so nach allgmeinem Standard "richtig" und "gesund" ist. Und weil es eben nicht dieselbe Situation ist wie früher, erhält man praktischerweise positive Gefühle zurück. :-) Jedenfalls so lange, wie man es sich erlaubt und nicht der große Aufpasser oben im Kopf wieder den Zeigefinger hebt.

Ich glaube, wenn man dem Aufpasser vermitteln kann, dass keine Gefahr besteht und dass diese Handlungen kurze Auszeiten, kleine Urlaube vom Marsch in die richtige Richtung sind, dann wird er das irgendwann gelassener sehen und einen auch nicht mehr gleich so arg auf die Finger hauen.

aEdr-iahaxna


Und es belastet mich natürlich insofern, als dass das Thema dadurch so oft präsent ist. Ich hätte lieber sexuelle Vorlieben, die mich nicht immer wieder an meine Kindheit erinnern.

Ich glaube jetzt verstehe ich, was Du meinst. Dann gehen Dir wahrscheinlich danach auch immer wieder blöde Erlebnisse durch den Kopf. Das kann ich mir vorstellen, dass man da drauf verzichten kann.

l5eo7D0


Ich hab das selbe Problem: Ich finde es erregend, überwältigt, benutzt, erniedrigt und gedemütigt zu werden. Und auch ich sehe da Zusammenhänge zu dem, was ich früher erlebt habe, z.T. bis hin zu einzelnen Praktiken...

Ich suche immer wieder danach und in der Situation finde ich es sehr erregend. Danach – wie du sagst, ohne sexuelle Energie – fühle ich mich schlecht und frage mich, warum ich das mit mir machen lasse, warum mich gerade das so erregt.

Es fällt mir schwer, damit umzugehen, weil ich selbst nicht so recht weis, was ich will. Bzw. manchmal will ich eben eine "normale", zärtliche, liebevolle Beziehung und manchmal will ich das andere, das dunkle...

Auch meine Freunde geben mir unterschiedliche Ratschläge. Manche sagen, wenn du dich danach schlecht fühlst, dann höre damit auf! Andere sagen, du bist halt devot, steh dazu und lebe es aus! ":/

wRieneLr200x8


ich glaube, die eigentliche frage wird hier nicht beantwortet: WARUM bereitet es jemandem sexuelles vergnügen, verletzt und gedemütigt zu werden? woher kommt das?

ich kann als unbeteiligter mir das nur so erklären, dass man schon von haus aus sehr in dominanzmustern denkt oder irgendwelche erlebnisse hatte, die einen geprägt haben. die beziehung ist ein stiller (oder lauter), ständiger machtkampf. auch wenn viele das wort KINDHEIT nicht mehr hören können, wenn es um psychologische erklärungen geht, es ist ja nur eine theorie von mir: ich kenne die/den eine/n oder andere/n, die auf SM steht. bei allen gab es massive probleme in der kindheit. mutter in jungen jahren bei unfall ums leben gekommen, vater schlägt mutter halbtot, etc. ich will nicht sagen, dass die alle deswegen psychisch gestört sind, sondern, dass es hier situationen gab, die das kind so empfunden hat, dass stärke extrem wichtig ist und keine schwäche gezeigt wird (bzw. werden darf...); und der psychologisch "weichere" teil, die mutter, entweder massiv unterdrückt wurde oder plötzlich weg war. um ein bißchen auszuholen, es gibt studien, die erklären, dass männer, die ganz ohne mutter aufgewachsen sind, sehr viel stärker einen "starken mann" wollen, als andere, weil der "schwache" teil in ihrem leben gefehlt hat und es einen starken mann ja schon gegeben hat: den vater.

um es kurz zu machen: ich glaube, diese lust an der demütigung und dem scherz muss von irgendwelchen erlebnissen in der kindheit herrühren. es muss ja kein katastrophales elternhaus gewesen sein. es reichen schon situationen, in denen brutalität oder führungsstärke vorgekommen ist.

w3ienerr200x8


"...und dem schMerz..."

I+ndividuPalist


Es wurde ja schon gesagt, dass das keineswegs selten ist. Um genau zu sein, es ist schon vor rund hundert Jahren systematisch thematisiert worden, und zwar von keinem Geringeren als Sigmund Freud, der dem Phänomen auch einen Namen gab: [[http://de.wikipedia.org/wiki/Wiederholungszwang_%28Psychoanalyse%29 Wiederholungszwang]]


Mich wundert nur, um in dem Bild zu bleiben, dass ich immer wieder von genau dem Kuchen esse, von dem mir früher so speiübel geworden ist.

Ist es nicht immer das Spiel mit dem Kick, das Kratzen an Tabus? Andere werden vielleicht durch die Vorstellung erregt, etwas "Verbotenes" zu tun, z.B. Sex in der Öffentlichkeit. Dein Kick ist eben, dich dem eigenen "Dämon" zu nähern, der wohlige Schauer beim Blick in den eigenen Abgrund (oder mit welchen Metaphern man das immer umschreiben will)...

Die Erregung setzt ja gewisse Kontrollmechanismen, die sich im normalen Alltag aus Gründen sozaler Anpassung darüber stülpen, außer Kraft, und dann kommen halt manchmal ganz andere Seiten an uns zum Vorschein... :=o ;-) Ist doch menschlich und völlig in Ordnung, solange niemand geschädigt oder gefährdet wird.

a4.fizsh


die beziehung ist ein stiller (oder lauter), ständiger machtkampf.

An Deiner grundsätzlich These, wiener, finde ich nichts auszusetzen (auch, wenn ich mir nicht sicher bin, ob sie 100%ig zutrifft), aber dieser Satz greift nach meiner Erfahrung daneben. Es gibt genug Menschen – leo70 hat es hier ja z.B. gerade formuliert: manchmal möchte er das, manchmal das andere – bei denen sich diese Situationen auf die Sexualität beschränken, während der ganze "Rest" der Beziehung völlig ohne Machtgefälle auskommt.

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