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Das Ende einer Depression

J eryd2raixc hat die Diskussion gestartet


Ich möchte hier etwas mit euch teilen, weil ich seit langen Jahren immer wieder versteckter Leser dieser Foren war. Gestern Abend ist etwas mit mir geschehen von dem ich überzeugt bin, dass es mir nachhaltig in meinem Leben helfen wird. Daraufhin habe ich mich direkt hier angemeldet und habe den folgenden Text hier einkopiert, den ich mit Freundne und Bekannten auf facebook heute Morgen geteilt habe. Da ich aber auch möchte, dass auch Menschen mich hören, die mich nicht kennen, stelle ich diesen Text auch hier vor und bedanke mich im hiermit allen Beteiligten dieses Forums. Ihr habt mir zwar nicht Heilung, aber viel Trost in einer für mich absolut unerträglichen Zeit in Depression gegeben!! @:)

Hab gestern Abend mal so nebenher meine Depressionen, die ich schon seit meiner Kindheit habe, abgelegt und konnte meine erste Nacht seit Jahren!! ohne Wut oder Trauer. Man könnte sagen, ich bin in Ruhe eingeschlafen und als ich heute Morgen aufgewachte, da hab ich festgestellt dass ich mich über mein Leben freue und mich selbst lieben kann!

Das hört sich vielleicht banal an, aber ich teile das h...ier offen mit, weil ich eingesehen habe dass ich Opfer von Kindesmissbrauch bin. Als Kind habe ich unglaubliche Wut verspürt, die daraufhin erblindet ist und sich gegen mich selbst gerichtet hat. Vor meinen Tätern, den Eltern, musste ich schweigen, weil ich befürchtet habe noch schlimmer verletzt oder bestraft zu werden.

Derweil mache meinen Eltern keinen Vorwurf. Ich bin wütend auf sie, aber ich kann sie verstehen, da auch sie sich im gleichen Teufelskreis befinden, in dem ich mich befunden habe. Auch meine Eltern sind Opfer ihrer Eltern und ich vermute, dass auch mit meinen Großeltern der Anfang aller Übel die sich schon durch Generationen hindurch zieht, nicht vollständig zu begründen ist.

All das habe ich ohne Psychotherapie bewältigt, was nicht bedeutet, dass ich diese nicht weiterempfehlen könnte, schließlich gibt es noch andere Krankheitsbilder als Depression. Doch für mich selbst habe ich das getan was ich intuitiv schon immer gewusst habe: die Therapie kann mir höchstens den Weg zeigen, helfen muss ich mir selbst. Ich habe meinen Weg nach 10 Jahren intensivem Suchen endlich gefunden und verstanden. Das Internet war mir dabei eine unschlagbare Hilfe. In Internetforen und Sammelbecken von Gleichgesinnten habe ich so viel Trost gefunden, um nicht von meinen Depressionen und damit einhergehenden Todesbedürfnisses unterzugehen.

Im Moment schreibe ich an einem längeren Text, indem ich mir zur Aufgabe gemacht habe diese Weitergabe des Übels Depression zu ergründen und jeden anderen wachzurütteln versuche, der ebenfalls Opfer von Kindesmissbrauchs geworden ist und es sich nicht eingestehen will.

Diese Internetseite und die dort veröffentlichten Leserbriefe, samt der Lektüre der Werke von Psychoanalytikern Alice Miller ist es mir gelungen den Teufelskreis zu durchbrechen.

[[http://alice-miller.com]]

Antworten
JUoHinthqearmxy


Erst mal herzlichen Glückwunsch zum Ende deiner Depression.

Als ich vor ca 5 Jahren unter Depris litt, konnte ich nicht einmal eine Konversation führen bzw. mich normal unterhalten. Ich kann mir vorstellen wie schlimm das sein muss dem 10 Jahre ausgesetzt zu sein. Wobei es natürlich zahlreiche unterschiede in der Depression gibt.

Bei mir ging das allerdings eher Schrittweise über 3-6 Wochen, dass mein Zustand sich immer mehr besserte, durch Sport, viele Gespräche und Austausch mit anderen.

Dass du trotz 10 Jahren des Leidens keine Therapie aufgesucht hast kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. 2 Jahre nach der Depression litt ich unter furchtbaren Angstzuständen und habe eine ambulante Therapie gemacht. Dadurch sind die Symptome zu 99% verschwunden, und ich lebe quasi ohne Einschränkungen. Kann jedem mit psychischen Problemen nur Raten eine Verhaltenstherapie zu machen, ich hätte im Vorfeld nicht gedacht, dass es sich so positiv auswirkt.

J,erydxraic


Danke für die Anteilnahne!

Um ein wenig näher auf die Depression einzugehen: ich bin jetzt 25 Jahre alt und hatte sie also in der Pubertät. Ich litt ebenfalls unter starken sozialen Einschränkungen, weil ich mich schwer bis gar nicht mitteilen konnte. Ich fühlte mich innerlich tot und litt unter starken suiziden Träumerein. Der Gedanke zu sterben und endlich diese Leere loszuwerden war Zeit meiner Depression ein immerwährender Begleiter.

Mein größtes Problem war: ich habe mit absolut niemandem über meine Gefühle gesprochen. In einer fünfjahrigen Beziehung hatte ich nie auch nur ein Wort zu meinen Problemen an meine Freundin weitergeben können, die selbst unter starken Problemen litt. Auch sie hat nie über sich gesprochen. Irgendwann haben wir uns dann gehasst, weil keiner von uns beiden sich selbst lieben konnte.

Des weitern muss ich gestehen, ich komme aus einem Umfeld (ein Dorf in Rheinland-Pfalz) in der es vor Feindseligkeit nur so wimmelt, wie ich mir jetzt eingestehen kann. Aus meinem kindlichen Freundeskreis und denen Menschen mit denen ich regelmäßig zu tun hatte, es waren ungefähr sieben Kinder, gab es keinen der nicht entweder unter Missbrauch durch Schläge seitens der Eltern oder Diskreminierung und Denunzierung litten. Mein gesamtes Umfeld war vergiftet und wir haben alle, also meine Freunde und ich, uns starken Alkoholexzessen hingegeben. Einige können sich bis heute nicht dacon lösen. Auch ich verbrachte viel Zeit meiner Jugend zwischen dem 16. und 24. Lebensjahr unter häufigem Alkoholisiert-sein. Ich war Alkoholiker, so wie viele meiner Freunde.

Set meinem 13. Lebensjahr habe ich mich mit den tiefsten Abgründen der Menschheit beschäftigt. Holochaust, Massen- und Serienmörder, Völkermorde, etc. Dinge die für dieses Alter allesamt ungeeignet sind. Nicht dass man es vor jungen Menschen leugnen müsste, aber ich beschäftigte mich krankhaft oft und "professionell" mit diesen Dingen, wollte sie ergründen und las Bücher von Polizei-Analytikern (umgangssprachlich Profiler), um mich über Mörder aufzuklären. Ich selbst spürte in mit Mordgelüste und träumte von Gewaltsamen Zerstümmelungen anderer Menschen. Allerdings trugen diese Menschen in meinen Träumen nie Gesichter, was ich heute als bline Wut, also nicht auf einen Menschen gerichtet sehe. Allerdings galt diese Wut meinen Eltern, das habe ich nun eingesehen.

In meinen Recherchen über die Übel dieser Erde kam ich um Psychologie nicht herum. Und nach Jahren intensivem eigen-Studium der psychologischen Wissenschaft, meist durch Bücher, habe ich gemerkt dass ich diese recht gut durchschauen konnte. Ich halte mich nicht für ein Genie, aber einen intelligenten Menschen und ich weis, eine Therapie hätte mir nicht geholfen. Ich wollte nicht mein Verhalten ändern, sondern musste ergründen was mit mir in meiner Kindheit geschehen ist, da ich an einer kompletten Kindesamnesie litt. Meine ersten Erinnnerungen an mich selbst setzen im 12. Lebensjahr oder später ein. Ich hatte sovieles verdrängt und ich wusste intuitiv es wird wichtig sein diese Dinge zu ergründen.

Mein Bruder, der 3 Jahre älter ist als ich ist in Therapie geganen. Diese hat ihn schon ein Stück weit verändert, aber ich habe gesehen wie schwach diese Veränderung im Vergleich zu dem war, was ich unter einer Befreiung von meiner Depression sehe. Als mein Bruder in Therapie ging, erfuhr ich von meinen Eltern, dass diese ebenfalls eine Paartherapie aufsuchten, kurz nachdem sie heirateten und meinen Bruder gebaren. Ich sehe noch heute wie wenig diese Therapie vor allem meiner Mutter geholfen hat. Als meine Freundin in Therapie ging, litt ich unter starken Verlustängste. Ich hatte es bereits geahnt. Die Therapeutin schlug vor, sie solle sich von mir trennen, was ich heute im Rückblick als tatsächlich gesund für uns beide empfinde. Ich pfege noch gelegentlichen Kontakt zu meiner Ex und sehe ihr an und höre es an den Dingen die sie mir erzählt, dass sie in so weiter Ferne von einer Heilung steht. Immer die selben Probleme und keine Änderung.

4 sehr wertvolle Menschen aus meinem unmittelbaren Umfeld waren in Therapie und es hat ihnen kaum geholfen. So habe ich es sein lassen und glücklicherweise viel über meine Kindheit und meine Misshandlung, die teils aus Schlägen und teils aus Diskreminierung bestand, herausfinden können. Alice Miller und Fritz Rieman waren dabei die wichtigsten Autoren die mich SEHEN ließen, was mit mir in meiner Kindheit geschehen ist, wei ich vor lauter Angst vor wiederkehrenden möglichen Schmerzen meine komplette Kindheit verdrängte und endlich zu begreifen begann, dass ich meine Wut nicht blind in mir herumtragen durfte, sondern sie zielgerichtet meinen Eltern vor die Füße zu werfen.

Meine Eltern sind keine bösartigen Menschen. Ich weis dass meine Mutter sich so schlecht vorkam als sie mich schlug, weil sie von falschen Glaubensvorstellungen und Erziehungsratgebern beeinflusst war. Und meine Beziehung zu meinem Vater hat mich die Natur und alle Lebenwesen zu lieben gelehrt, weswegen ich nie selbst aus Mitleid anderen gegenüber gewalttätig werden wollte, mich aber dafür selbst bestraft habe und mich selbst innerlich tötete.

Ich habe jetzt duchschaut was dieser Missbrauch mit mir gemacht hat. Er hat alle sozialen Beziehungen meiner Umgebung vergiftet. Ich bin nicht der einzige misshandelte meiner Generation. Ich will gar nicht darüber nachdenken wie viele Opfer es tatsächlich gibt! Und da habe ich auch meine Antwort über das Übel der Welt und deren Entsteheung: verschiedene Grade von Machtmissbrauch der autoritären Eltern gegenüber ihren hiflosen, weil körperlich unterlegenen, Kindern. Ich hoffe andere Menschen ermutigen zu können dasselbe einzusehen wie ich das habe.

Ich muss zugeben, es gab einen Mensch der mich zwar nicht verstand, aber dem ich mich anvertrauen wollte, jemand der mir zugehört hat und mich ernst nahm. Ich weis nicht ob ich es ohne diese Person geschafft hätte. Deswegen will ich nicht ausschließen dass eine Therapie jemandem helfen kann, der wirklich niemanden um sich hat. Doch muss das Ziel einer Therapie meiner Meinung nach eine tiefenpsychologische sein und ergründen was das Kind so geängstigt hat. Eine Verhaltenstherapie halte ich im Anschluss für sinnvoll.

Deswegen hast du jointhearmy vermutlich nach 2 Jahren diese Angstzustände bekommen, weil diese nicht aufgearbeitet waren, die Depression auslösenden Symptome aber schon, die du so nur vermieden hast. Intuitiv wusste ich: ich muss meine Ängste bekämpfen und das habe ich nun geschafft. Ich habe das wütende, traurige und allein gelassen, sogar missachtete Kind in mir gefunden, habe ihn mir vorgestellt (dazu habe ich alte Fotographien von mir aus Fotoalben gesucht). Ich habe mich als Junge angeschaut und in meinen Erinnerungen von ihm, so wenig es auch waren, beobachtet. Er war so eingeschüchtert und hat auf jemanden gewartet. Jetzt bin ich bei ihm. Seit gestern Abend stellte ich ihn mir immer wieder vor, wie ich ihn anlächle, wie er daraufhin zurücklächelt und ihn aus seinem Gefängnis (mein Kinderzimmer in dem ich oft wegen Hausarrest saß) genommen, ihn an der Hand gepackt und denke immerzu an ihn. Ich werde mich nie wieder zurücklassen!

Meine Depressionen waren so stark, immerwährend, jeden Tag, jeden Abend habe ich mich in den Schlaf gequält, mich immer wieder in den Schlaf geweint und es unerträglich gefunden, am nächsten Morgen aufzuwachen und aus dem Bett aufzustehen.

Seit gestern Abend, als ich mein eigenes kindlichen Ich an die Hand nahm, ihn nicht mehr verdrängte, da war die Depression in einem Schlag fort und jetzt bin ich glücklich. Nicht übertrieben und hysterisch, wie ich das zeitweise zwischen der nächsten depressiven Phase hatte, sondern wirklich erlöst von Jahrelangen Schmerzen.

Danke für jeden der sich die Zeit nimmt dies hier zu lesen.

F"lacxk


Set meinem 13. Lebensjahr habe ich mich mit den tiefsten Abgründen der Menschheit beschäftigt. Holochaust, Massen- und Serienmörder, Völkermorde, etc. Dinge die für dieses Alter allesamt ungeeignet sind.

Das kenne ich, habe auch fast die ganze Holocaust Literatur, und andere eher düstere Autoren, eingesogen (Kafka, Bernhard, Hermann Burger, Robert Walser, Kertesz, Borowski, Amery, Celan, etc), daneben mich aber vor allem mit tödlichen Krankheiten beschäftigt :-) Immerhin habe ich dann Nanturwissenschaften studiert, weil ich dachte, das sei eine klare, definierte Welt, ohne die diffusen Bedrohungen. Nun, das ist sie nicht :-)

Seit gestern Abend, als ich mein eigenes kindlichen Ich an die Hand nahm, ihn nicht mehr verdrängte, da war die Depression in einem Schlag fort und jetzt bin ich glücklich.

Und wie ging das konkret? Die Wut will man ja gerade unbedingt vermeiden, jedenfalls ich. Um an die Wut und den Schmerz zu kommen, hilft mir die Therapie schon.

MVanmon43


Danke, dass Du uns so viel von Dir mitgeteilt hast... Ich hoffe von Herzen, Deine positive Einstellung und Deine "Gesundung" begleiten Dich weiter!!! Alles alles Gute!!! :)* :)* :)*

m~ol4lix2


Seit gestern Abend, als ich mein eigenes kindlichen Ich an die Hand nahm, ihn nicht mehr verdrängte, da war die Depression in einem Schlag fort und jetzt bin ich glücklich. Nicht übertrieben und hysterisch, wie ich das zeitweise zwischen der nächsten depressiven Phase hatte, sondern wirklich erlöst von Jahrelangen Schmerzen.

Glückwunsch das du es geschafft hast.

Du wirst aber dennoch des öfteren dein inneres Kind an die Hand nehmen müssen und es begleiten und ihm beistehen müssen.Es tauchen immer mal wieder Probleme auf die schmerzhaft sind,doch sie werden dich nicht überrollen wie in früheren Phasen,denn du kannst das innere Kind jetzt beschützen.Als Erwachsener bist du stark. :)z

KWongoP-\Ottxo


Vielen Dank für Deinen offenen und tiefgehenden Beitrag, er hat mich sehr berührt. Es freut mich, dass Du es geschafft hast, zu Dir selbst zu finden, und ich wünsche Dir, dass Du Dein leben jetzt in der Freiheit genießen kannst, die Du Dir immer gewünscht hast.

Wenn ich solche Beiträge lese, dann habe ich manchmal das Gefühl, dass fast alle von uns irgendwie auf einer Reise zu sich selbst sind. Ich lese gerne davon, wenn jemand wie Du seinen Weg gefunden hat, denn es macht mir Hoffnung für mich selbst und alle anderen, die noch "auf dem Weg" sind. Ich selbst mache seit zweieinhalb Jahren eine Therapie, um mit meiner Vergangenheit, meinen Ängsten und meiner Wut abschließen zu können. Mir persönlich hilft sie sehr.

Interessant fand ich vor allem das:

Und da habe ich auch meine Antwort über das Übel der Welt und deren Entsteheung: verschiedene Grade von Machtmissbrauch der autoritären Eltern gegenüber ihren hiflosen, weil körperlich unterlegenen, Kindern. Ich hoffe andere Menschen ermutigen zu können dasselbe einzusehen wie ich das habe.

Ich glaube, dass unsere Eltern genau so hilflos waren wie wir, sie konnten es einfach nicht besser, obwohl sie das wahrscheinlich wollten. Wenn ich "Missbrauch" höre, denke ich immer an sexuellen Mißbrauch oder an gewalttätige Elternteile, aber ich glaube, es gibt auch emotionalen Missbrauch – oder Diskriminierung, wie Du es genannt hast. Und wodurch entsteht (Macht-)Missbrauch? Meiner Meinung nach durch fehlendes Selbstwertgefühl oder sonstige eigene Probleme. Die wenigen Menschen, denen ich in meinem Leben begegnet bin und die wirklich "mit sich im Reinen" waren, hatten es nicht nötig, sich über andere zu erheben oder zu mobben und zu diskriminieren.

Und wer missbraucht wird, wird später entweder selbst Täter oder muss sich lange mit den Folgen herumschlagen. Aber wie kann man diesen Kreislauf durchbrechen?

m4ollxi2


Und wer missbraucht wird, wird später entweder selbst Täter oder muss sich lange mit den Folgen herumschlagen. Aber wie kann man diesen Kreislauf durchbrechen?

Ich denke in dem man erkennt was einem angetan worden ist und warum man selbst so reagiert.Das Erkennen warum das so ist,danach kann ich Aufbauarbeit leisten und ich muß meinen "Peinigern"vergeben können,sonst habe ich immer diese Wut und den Zorn in mir der mich hindert.

Die meisten Menschen benötigen Hilfe und Anleitung,gesunden müssen sie von allein.

Es ist oft ein langer steiniger Weg und der Rucksack ist schwer.

Viel Erfolg allen die diesen Weg gehen müssen. :)_

Jberyd-raixc


Dass mir hier so viele mit ihrer ehrlichen Anteilnahme begegnen und mir auch meine Heilung zu glauben scheinen, da einige mich um Hilfe oder Meinung fragen, rührt wie ich glaube daher, dass ich von mir behaupten kann, einen vollkommen ungeschönten und ehrlichen Brief verfasst zu haben, was ich lange Zeit einfach nicht konnte.

Bevor ich auf einzelne User eingehe möchte ich nochmals bekräftigen, dass ich meine Heilung nicht als eine Phase auffasse, sondern ich tatsächlich, wie durch ein Wunder könnte ich sagen, nur war es eben kein Wunder, von meiner Depression befreit bin. Ich hatte noch nie diese Gelassenheit und Ruhe in mir gespürt wie diese letzten Tage. Ansonten war ich in immer wiederkehrenden Abständen unruhig, zappelig, abgelenkt, hatte große Konzentrationsschwächen. Das waren allesamt Zwischenphasen, in denen das innere Kind in mir, wie ich heute vermute, Zeit geben wollte, um über die Depressionen nachzudenken, welche das Kind in mir auslöste. Doch in dieder Zeit habe ich nichts geändert und wurde mit dem nächsten Sturz bestraft. In dieser Absturz-Phase fühlte ich mich unsicher, stotterte nicht direkt, aber musste mit einer sehr abgehackten und unsicher wirkenden Sprache zurechtkommen und natürlich das Gefühl von absoluter Leere, völliger Einsamkeit, zu denen sich noch Todeswünsche und Selbstverletzungen gesellten (in Form von Verbrennen mit Streichholz oder Feuerzeug oder Schlage mit der Faust gegen meinen Kopf).

Da ich mich am Samstagabend davon befreit habe, kann auf aussenstehnde so wirken, als könne erst die Zeit erweisen ob die Depression vorrüber ist oder nicht. Ja, es sieht so aus und nein, sie kehrt nicht wieder.

Ich fühle den Unterschied. Keine Nervosität mehr. Und meine Sprache ist wie ausgewechselt. Letzte Woche hatte ich Schwierigkeiten manche Sätze zu beenden und wurde auf der Uni von Kommilitonen nach Vorträgen kritisiert, ich habe eine Sprache, bei der es fast unmöglich wird mir zu folgen. Und jetzt: ich spreche langsam, fließend, setze die richtigen Pausen. Meine Aussprache-Defizite rührten von meiner Depression her. (wer den Film the kings speech kennt, weis von was ich rede.)

@ molli2:

So findet sich auch meine Überleitung zu deinem Kommentar. Ich werde mein damaliges Ich, das misshandelte und wütende Kind, immer wieder an die Hand nehmen und das muss ich. Ich bin zwar von der Depression befreit, aber ich bin überzeugt dass sie wiederkehrt sobald ich das, was meine Eltern mit mir gemacht haben, wieder zu leugnen oder schönzureden beginne. Doch warum sollte ich das je wieder tun? Ich bin glücklich und befreit. Jeglicher Druck ist von mir abgefallen. Meine Träume haben sich geändert.

Plötzlich muss ich niemandem mehr was beweisen, nicht mal mehr mir selbst gegenüber. Denn ich habe mir bereits etwas bewiesen. Ich spüre jetzt nur noch das befriedigende Bedürfnis zu leben und mich mitzuteilen, auf dass auch andere werden verstehen können und die tatsächliche Erlösung erfahren, der ich zuteil wurde.

Ich hatte Probleme Frauen anzusprechen. Das lag daran, dass ich nicht einmal eine sichere Sprache hatte, wie sollte ich da jemanden von mir überzeugen können. Dann wäre noch hinzugekommen, dass ich einer möglichen Freundin meine Depressionen gestehen müsste, weil sie ein Recht auf Wahrheit hat. Welche Frau will mit jemandem zusammen sein, der weint und sich nicht im Griff hat, sie also als potenzieller Ehemann in ferner Zukunft, nicht wirklich für sie sorgen kann, wenn ich das noch nicht einmal für mich konnte.

Heute habe ich zwar nicht das verzweifelte Bedürfnis eine Frau kennenzulernen, aber ich will tatsächlich nichts anderes mehr, als mit Menschen zu reden und ein Teil meiner Liebe zu allen Lebewesen, die nach meiner Depression noch übriggeblieben ist, verbreiten und mit Menschen teilen.

Jderydr`aic


@ Flack und molli2:

Ihr habt beide ein wenig von euch geschrieben und ich ermutige euch dazu, mehr zu schreiben. Ich werde es sicherlich lesen und meine Meinung dazu abgeben. Ich kann dabei natürlich keine verbindlich richtigen Antworten geben, ich habe keine Psychologie studiert, obwohl ich mich über Jahre hinweg in meiner Freizeit sehr intensiv und interessiert damit auseinandergesetzt habe. Doch kenne ich so viele Menschen denen eine Therapie nicht geholfen hat, oder nur für kurze Zeit. Darunter gehören auch meine Eltern (die eine Paartherapie hinter sich haben), mein Bruder und meine Ex.

Ich bin überzeugt davon, dass etwas in deren Therapie nicht wirklich klar wurde: das völlige Zugeständnis ihnen allen selbst gegenüber, dass sie Opfer von Missbrauch in der Kindheit waren. Allein diese Wahrheit auszusprechen und mir mein verkümmertes kindlichen Ich vorzustellen, wie es unter Wochenlangem Stubenarrest in der immer gleichen Ecke saß, und habe es zum ersten mal völlig erkannt, ohne zu beschönigen, dass ich vielleicht diese Strafe verdient hätte oder das meine Eltern nur das beste für mich wollte. Nein! Ich wurde misshandelt und als ich es aussprach, da lächelte mir der kleine Junge entgegen. Zwar in meiner Vorstellung, doch habe ich es gespürt. Im Moment des Lächelns ist die Depression verschwunden und ich habe vor Glück geweint.

Flack, du hast geschrieben dass du deine Wut unterdrückst und molli2, du hast davon geschrieben, dass man den Menschen, deinen Tätern vergeben muss. Beides muss ich mit aller Kraft verneinen! Das ist nicht der Weg zur Heilung. Das ist der Auslöser der Depression!

Ich war Gefangener der Angst vor der Wut. Ich glaubte immer, da ich nicht nur unter suizid-Gedanken litt, sondern auch unter Mordgedanken, dass ich, wenn ich wirklich wütend werde und mich gehen lasse, jemand umbringen könnte. Doch das wollte ich nie (nebenher bemerkt: ich glaube der einzige Unterschied zu mir und einem Mörder ist tatsächlich der, dass er keinerlei Empathie oder Menschenliebe in seiner Kindheit erlenrt hat, was ich ganz entschieden habe. Ohne diese Liebe die mir meine Eltern neben dem Missbrauch vermittelten, wäre auch ich zum Mörder geworden). Das hört sich alles sehr schockierend an, doch ist es nichts als die Wahrheit. Wie goethe sagt "ich bin nicht hier um zu gefallen, ihr sollt was lernen"

Ich habe mich also immer und meine Wut im Zaum gehalten, da ich glaubte, es sei blinder Wut und ich wollte niemandem eine Ungerechtigkeit tun, habe mich nie geschlagen oder Leute angepöbelt. Doch als ich es endlich geschafft habe auf meine Eltern wütend so sein, so sehr ich sie auch liebe und schätze, da hat sich diese Wut zwar nicht aufgelöst, aber in eine gesunde Wut verwandelt. Ich fühle mich noch sehr wütend, ja, ich war eine so lange Zeit verltezt und all die Wut die nach der Depression geblieben ist, kann ich jeweils in Portionen all den Menschen zuweisen die mir in meiner Kindheit viel oder auch wenig geschadet haben. Die Wut ist kanalisiert und kann niemanden treffen, der sie nicht verdient hat.

Da wir als Kind immer schutzlos waren, auf Hilfe, Nahrung und Pflege angewiesen waren, unsere Eltern uns alles geben mussten um zu überleben (wir mussten uns auf sie verlassen, um regelmäßige Mahlzeiten zu erhalten – so banal das auch klingen mag), mussten wir einstecken was sie uns antaten. Deswegen verdrängen Kinder. Es ist ein Selbstschutz, um am Leben zu bleiben, um die schlimmen Dinge zu vergessen und die guten zu glorifizieren, um unseren Eltern zu gefallen, auf dass sie sich weiterhin um uns sorgen.

Intuitiv habe ich nie die Lüge der GLücklichen Kindheit und Jugend geglaubt, die so viele Menschen auftischen. "Früher war alles besser." und solche heuchlerische Sprüche. Ich hatte keine schöne Kindheit, gute Momente, ja auch die, aber schlechte und schlechte und ich war hilflos der Willkür meiner Eltern ausgeliefert. Früher war nie etwas besser. Die Generation meiner Großeltern waren im Krieg. Der Vater meines Vaters war in Stalingrad und hat russische Soldaten, Menschen erschossen. Der Vater meiner Mutter musste in seinem sechsten Lebensjahr mit dem Selbstmord seines Vaters zurechtkommen. Das war nie etwas schön. Die Kette des emotionalen Missbrauchs und des körperlich gewaltsamen hat dort schon begonnen und war bereits viel früher schon am Werke.

Ich habe gelernt wütend auf meine Eltern, diese unberührbar heiligen meiner Kindheit, zu sein und das war die Lösung. Nicht Wut unterdrücken, sonst erleben. Und zwar genauso zu erleben wie das damalige Kind das ich war, es gefühlt haben muss.

Ich muss zugeben, ich habe meine Eltern noch nicht darauf angesprochen. Geredet haben wir bereits viel. Meine Mutter hat mir gestanden, ihr hätte es auch weh getan mich zu schlagen. Uns beiden also! Warum hat sie es dann aber getan? Weil es brauch war? Weil in meiner Kindheit die Anti-Autoritäre Erziehung beschmunzelt wurde? Weil sie es in einem Ratgeber gelesen hatte, dass man dem Kind Grenzen setzen muss, die unter jeden Umständen eingehalten werden sollen?

Ich habe keine Probleme mehr damit meine Eltern darauf anzusprechen, werde es noch an diesem Wochenende tun, wenn ich wieder in die Heimat fahre. Im Moment studiere ich woanders. Der Grund warum ich jetzt sage, dass ich am Wochenende keine Probleme damit habe: ich habe nicht nur keine Depressionen mehr, sondern auch meine Angst ist fort.

Ich litt schon immer unter Klaustrophobie und Höhenangst. Heute habe ich mit einem Freund eine Radtour gemacht, die über eine Brücke führte, unter der ich stark in die Tiefe blicken konnte. Ich muss es mal in einem Kletterpark austesten. Ich würde mich nicht wundern wenn die Höhenangst nicht mehr da oder weniger extrem wäre.

Deswegen sage ich: unterdrückt eure Wut nicht. Denkt aber daran, wo sie herkommt. Bei mir waren es die Eltern. Und lasst euch nicht auf dieses Vergebungsgeschwätz ein. Vergeben ohne zuvor gehasst und beschuldigt zu haben, ist nicht vergeben, sondern vergessen und darüber schweigen was der Täter getan hat. Denkt daran: ihr seid das Opfer und in der Vergebung gewinnt der Täter, wenn dieser nicht Reue verspürt und sie Euch gegenüber bekräftigt. Wenn er keine Reue verspürt und absolut nicht einsieht was er falsch gemacht hat, dann hat er keine Vergeung verdient.

Ich weis es ist schwer die eigenen Eltern zu beschuldigen, gerade wenn man sie, wie ich, gleichzeitig auch liebt. Doch ich pauschalisiere nicht meine Eltern darauf böse zu sein und hasse sie nicht in ihrem Wesen, sondern nur für diese Dinge die sie mir angetan haben. Und dass muss ich, sonst wird das innere Kind mich immer wieder über Depressionen darauf hinweisen.

Ich bin mal gespannt was meine Eltern sagen werden wenn ich sie konfrontiere.

Fql|ack


Jerydraic, ich bin mit Dir in allem einverstanden. Das Ziel ist es natürlich, die Wut und den Schmerz zu fühlen. Vergebung kann erst danach kommen, sonst ist sie nur aufgesetzt. Aber willentlich erzwingen kann man die Wut und den Schmerz nicht. Es geht auch nicht bei allen in einem Rutsch, wie anscheinend bei Dir. Und viele brauchen dabei die Hilfe einer Therapie. Eine gute Therapie leistet meiner Erfahrung genau, dass man an diese Gefühle herangeführt wird. Je früher die Erlebnisse, desto grösser jedoch die Widerstände, und desto diffuser auch die Erinnerungen. Zudem war meine Mutter ja das Opfer, sie wuuste und weiss es irgendwie, dass etwas falsch mit ihr ist (auch wen sie es gleichzeitig mit aller Kraft verdrängt) dass sie keine Liebe geben kann, und sie hasst sich dafür, schämt sich dafür und fühlt sich schuldig. Die ganze Zeit hat sie es kompensiert mit vergifteter Aufopferung, damit, dass sie nichts getan hat, weil sie es wollte, sondern weil sie dachte, sie müsste es, um ein guter Mensch zu sein. Opfer sind die schlimmsten Täter, weil sie gleichzeitig nie Verantwortung übernehmen für ihr Handeln. Sie sind ja Opfer, nicht Täter. Auf Widerstand, auf gesundes Wehrhaftigkeit reagieren sie mit Zusammenbruch und Selbsthass. Was es noch schwieriger macht, Wut zu empfinden.

Im Kopf bin ich auch so weit wie Du, innerlich noch nicht. Mein Weg ist schrittweise, und ich geniesse die Fortschritte. Die Schuldgefühle sind viel kleiner, wenn ich auf Widerstand stosse bei andern Menschen. Die Erwartungen anderer lähmen mich nicht mehr so stark, etc. etc.

FulaIck


Ich bin mal gespannt was meine Eltern sagen werden wenn ich sie konfrontiere.

Sei vorsichtig, dass Du nicht zuviel kaputt machst. Wichtig ist ja, dass Du mit Dir im reinen bist.

JjeFry]draxic


@ Flack:

Auch ich stimme dir in allem zu was du geschrieben hast. Meine Mutter ist Opfer ihrer Eltern und die wiederum ihrer. Wie weit das zurückgeht kann ich unmöglich sagen, doch glaube ich, dass dieser versteckte Hass in unserer Gesellschaft sehr weit verbreitet ist und weit zurückgeht. Meine Großeltern lebten im 3ten Reich. Dass dort ein ungezügelter unde Menschenverachtender Hass im Umlauf war, ist ja kein Geheimnis. Natürlich war nicht jeder aktiver Nazi, doch ich finde es erschreckend zu wissen, wie viele Menschen tatsächlich in der NPD waren. Der Onkel meiner Mutter, der Großvater eines guten Freundes, deren Sturmabzeichen (die offizielle Annerkennung für getötete Menschen) im Garten vergraben wurden um all die Grausamkeiten zu begraben die stattgeufunden haben. Mit der Überwindung meiner eigenen Verdrängungsmechanismen verstehe ich jetzt auch, wie es Menschen geben kann, die zum Beispiel den Holochaust leugnen können.

Aber ich schweife ab, auch wenn dies ein sehr wichtiges Thema ist, dass vor allem falsch aufgeklärt wurde. In meinem Schulunterricht wurde unverblümt gelehrt was damals geschehen ist. Wir haben ein KZ besucht und all das. Ich fand, der Geschichtsuntericht mit diesem Thema war der ehrlichste Unterricht den ich in meinem Leben erhalten habe, doch über die Ursachen konnte/wollte jeder nur schweigen.

Mir ist sehr bewusst dass meine Mutter ein Opfer ist. Und ich glaube sie hat unter ihren Eltern mehr gelitten als ich unter meinen. Doch das befreit sie nicht von ihrer Verantwortlichkeit als Täter. Ich liebe meine Mutter, gerade aus dem Grund dass ich weis und sehen kann wie auch sie unter ihrern Ängsten leidet, deswegen glaube ich nicht dass sie ein bosartiger Mensch ist und man sie lieben kann. Wie weit ihr Verdrängungsprozess sie gefangen hält, darüber kann ich jetzt keine Aussage machen, doch glaube ich dass sie sehr stark verdrängt hat, denn sie glorifiziert ihre Eltern sehr stark. Aber ich glaube auch dass sie intelligent ist. Da ich ein Produkt meiner Eltern bin und auch ich verstanden habe, glaube ich, dass es auch ihr möglich ist. Sie ist noch nicht so alt und körperlich geschwächt, dass sie eine Veränderung ihres Kreislaufes, dass solche eine Befreiung der Angst sicherlich mit sich trägt, nicht verkraften könnte. Bei noch älteren Menschen würde ich mir tatsächlich sorgen machen, dass sie keinen Herzinfarkt vor lauter Angst bei einer Konfrontation erleiden werden.

Ich weis wie ich an meine Eltern herantreten werde. Mit Liebe und Verständnis für ihre Gefühle und Ängste, aber ganz sicher werde ich dass was mich bedrückt, nie wieder zurückstellen.

Ich freue mich für dich, dass auch du die Schritte merkst die dich ans Ziel und dein Ende der Depression führen. Ich habe 10 Jahre gebraucht um zu verstehen und irgendwann macht es auch bei dir Klick und du verstehst es nicht nur, sondern kannst es auch fühlen. Dann hast du es geschafft.

Ich kann viel wissen und verstehen, dass bemerke ich in meinem Studium, aber wenn du es auch fühlen kannst, mit deiner eigenen Intuition, dann erhält es einen vollen Wahrheits-Charakter und dies ist genau das was jede Wissenschaft auszuschließen versucht. Immer nur das theoretische lehren, immer nur das objektive und nicht das subjektive, weil diese keine Wahrheit enthalten kann. In Wahrheit muss beides im richtigen Verhältnis stehen. Alles was ich schon immer wusste, bestätigt sich mir immer wieder und gerade jetzt, wo ich die Depression überwunden habe, wird mir so vieles klar.

@ Kongo Otto

ersteinmal, dein User-Name ist sehr interessant! Gibt es da eine Geschichte zu? ;-D

Du hast nach Menschen gefragt die sich über andere erheben oder dikreminieren. Die kenne ich natürlich auch. Ich war Jahre lang Opfer dieser Menschen. Meiner Meinung nach (und wieder muss ich hinzufügen, ich bin kein Psychologe, nur jemand, der von sich selbst glaubt, viel Menschenveständnis zu besitzen), sind dies Menschen, die genau die selben Problemen haben wie der depressive. Ich glaube das habe ich aus Frits Riemanns Grundformen der Angst. Ein wichtiges Buch! Auch diese Menschen wurden schwer verletzt, enttäuscht oder geschlagen. Nur haben ihre Eltern sie gelehrt, sich gegen andere zur Wehr zu setzten. Ich habe einen guten Freund, in dem ich genau diese Züge erkenne. Nach außen hin wurde er als Kind immer von den Eltern verteidigt, in der Schule vor Lehrern, im Sportverein vor dem Trainer, usw. Deswegen haben diese Menschen mehr Selbstvertrauen und ein sicheres Auftreten, doch zu Hause liegen bei ihnen die gleichen Ängste und Kindheitsgeschichten wie auch beim depressiven. Deswegen werden solche Menschen Rechthaber oder jene werden, die sich gerne unter Alkoholeinfluss mit anderen Schlagen wollen. Alkohol ist in unserer Gesellschaft so stark akzeptiert, dass jeder mal einen Kontrollverlust im Rausch als Ausrutscher und nicht als schlimm anerkennt. Doch dass es Menschen gibt, die bewusst trinken um die Legitimation zum Schlagen zu erhalten, dass sehen viele Menschen nicht.

Ich habe mein Selbstvertrauen erlangt, auch wenn meine Eltern mir keine gaben.

Dieser gute Freund ist genauso wie ich. Wir haben gemeinsam unseren Schmerz durch Alkohol betäubt, vielmehr diesen missbraucht. Vor einem halben Jahr habe ich mit dem Rauchen begonnen. Immer wenn ich auf einer Party erschien und mir jemand ne Tüte zum Kiffen angeboten hat, habe ich sie ohne ein Wort zu sagen genommen. Seit Samstag lebe ich ohne Depression und ich verspüre kein Bedürfnis mehr auch nur einen Tropfen Alkohol zu trinken und sehe keinen Sinn mehr darin, diese stinkenden Glimmstengel mir in den Mund zu stecken. Sogar mein morgendlicher Kaffee schmeckt mir nicht mehr so gut wie vor der Depression. Ich kann von mir behaupten dass auch mein Drogenkonsum, jede Sucht und auch jeder Zwang von mir gelöst hat. Doch dazu habe ich 10 Jahre gebraucht.

Ich habe es ohne Therapie geschafft, das betone ich ja immer wieder. Das heißt nicht, dass sich ein Mensch der sich nicht mehr zu helfen weis, keine suchen sollte, sondern, dass man es aus eigener Kraft tatsächlich schaffen kann. Wenn ich sage, ich konnte es ohne Therapie, heißt das doch folgendes: jeder mit Therapie kann es nur umso einfacher schaffen. Doch auf jeden Fall muss jeder der sich therapieren lässt von seinem Therpeut fordern, die Wut zuzulassen und darauf bestehen, eine tiefenpsyhologische Therapie zu machen und mögliche Kindesmisshandlungen aufdecken. Ich glaube werd das nicht tut, kann kein langfristiges Glück erreichen. Ich weis von was ich spreche, ich habe es 10 Jahre nicht gekonnt, aber jetzt verstehe und fühle ich es.

Ich wünsche jedem von ganzem Herzen, er oder sie möge ihren Weg zum Glück finden. Es gibt diesesn Weg, ganz sicher. *:)

mLollix2


Jerydraic

Mir stellt sich die Frage ,wie soll ich "Täter"konfrontieren wenn sie nicht mehr leben oder dement sind?

Oder wie frage ich den Menschen der mir "böses" getan hat als ich sehr klein war und nicht weiß wie er überhaupt aussieht ?

Wie verhalte ich mich wenn ich selbst zum "Täter" geworden bin und schwer damit leben kann?

Denkst du nicht das da ein Vergeben die Variante ist um selbst weiterleben zu können?

Ich denke jeder Mensch muß da seinen Weg finden.

Ich habe auch eine Genesung über das innere Kind erhalten und konnte mich mit mir aussöhnen.

Ich sehe für mich in Vergebung eine Befreiung.Vergessen kann ich es nicht,doch es schmerzt nicht mehr.

J3ery@dr5aic


@ molli2

Das sind sehr gute Fragen wie ich finde.

Ich muss aus meiner Erfahrung sagen, dass ich schon einige Jahre wusste dass meine Mutter mich geschlagen hat und wir konnten sogar darüber reden. Ich weis dass sie selbst keine schöne Kindheit gehabt hat und auch darüber haben wir bereits geredet. Ich habe ihr schon längst vergeben, sogar schon bevor die Depression mich verlassen hat. Doch um zu meinem inneren Kind zu finden, musste ich genau auf diese Sachen die mich so verletzt haben wütend sein können. Das hat in mir die Depression gelöst. Ich bin wütend über das was passiert ist, obwohl ich bereits davor vergeben habe. Dein Punkt ist richtig, wenn der Täter nicht mehr lebt, dann ist man erlöst, oder mit sich selbst im reinen wie man so schön sagt, ohne eine Konfrontation.

Meine Motivation für die Konfrontion ist folgende: ich denke dass auch meine Mutter sich ihren Ängsten stellen könnte und auch sie erlöst wird. Dazu kommt noch mein Bruder, der ähnliche Symptome wie ich hat, nur noch schlimmer. Er trägt noch mehr Schmerzen in sich als ich getragen habe. Deswegen finde ich diese Konfrontation so wichtig, weil alle davon prfitieren könnten, denn sie haben die erlösende Wirkung noch nicht völlig begriffen. Ich hätte ja auch nicht gedacht dass ich mich von so vielen Dingen trennen konnte. Nicht nur die Depression, sondern auch diverse Ängste und meine Kommunikation hat sich auf der Stelle verbessert. Ich empfand diese Aufnahme meines inneren Kindes als ein Geschenk dass ich gerne weitergen möchte.

Das einzige Problem sehe ich jetzt nur in einer Sache, die mich heute den ganzen Tag schon beschäftigt habe. Nämlich ob sie es verstehen werden. Meine Eltern und mein Bruder. Oder ob sie weiterhin verdrängen wollen. Ich habe selbst lange dafür gebraucht und ich erwarte kein blitzschnelles Veständnis, vielleicht in der Zeit und mit einigen Buchlektüren. Ich weis aber gerade von meiner Mutter, dass sie sehr starke Verdrängungserscheinungen hat und ich fast fürchte dass sie nicht annehmen wird was ich sagen muss. Für intelligent genug es zu verstehen halte ich meine Mutter allemal, ich weis nur nicht ob sie den Schmerz ihrer Kindheit nocheinmal erleben will/kann.

Ich habe jetzt zwar keine Angst davor, aber ich würde meine Mutter sehr bedauern. Wichtig für mich ist nur, dass ich dazu nicht schweigen kann. Ebenn noch habe ich mit mir gehadert, ob es nicht egoistisch ist meine Eltern zu konfrontieren, weil deren Schmerz vielleicht ZU groß sein könnte, aber dann bewege ich mich wieder in Denkmustern, die meine Depression verursachten, nämlich der Verharmlosung. Ich vermute, für all das gibt es keine gute Lösung, aber ich bin es mir selbst schuldig und meinem Bruder und meiner Mutter ebenso.

Danke für die Antworten. Neue Denkanstöße helfen enorm. @:)

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