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Komme nicht mehr ganz klar mit meinem Leben

G&olde8ner_LHerbst hat die Diskussion gestartet


Hallo Med1-User,

ich habe schon seit Jahren ein Problem, was ich nicht loswerden kann: ich lebe fast nur noch in der Vergangenheit. Kurz zur Vorgeschichte:

Aufgewachsen bin ich in ganz feindlicher dörflicher Umgebung irgendwo am A... der Welt, immer davon träumend nach der Schule dieses Kaff endlich verlassen zu können, dies war meine einzige Motivation. Das Leben dort war alles andere als schön, auch meine Eltern waren mir als Kind keine Hilfe bzw. keine Beschützer (eigentlich nie). Ihr Standpunkt war, dass sich jeder von uns selbst durchbeissen muss, also sollte ich selbst mit den Anfeindungen und Attacken klar kommen. Schwierig für ein Kind.

Als ich endlich mit der Schule fertig war bin ich zur Ausbildung einige hundert km weggezogen, dies brachte auch einen Bruch mit meinen Eltern mit sich, zu denen ich heute gar keinen bzw. kaum noch Kontakt habe. Wir kontaktieren uns nur via einen Bekannten wenn es wirklich etwas ganz dringendes gibt. Wie und wo ich jetzt lebe oder wie sie jetzt jeweils leben wissen wir voneinander nicht. Dies ist traurig, aber nicht zu ändern. Darum geht es aber jetzt nicht.

Am Ausbildungsort habe ich mich von Anfang an heimisch und frei gefühlt. Es war wie eine Befreiuung, endlich raus aus den Ketten des kleinkarierten dörflichen Lebens und der unerträglichen Bevormundung durch die Eltern. 10 Jahre habe ich an diesem wundervollen Ort verbracht (kein Dorf, sondern grössere Stadt), dort auch meinen Freund kennengelernt, mit ihm später Kinder bekommen. Die Ausbildung und später der Beruf machten meistens Spass, ich konnte endlich so leben wie ich wollte ohne mir von meinen Eltern Vorgaben machen zu lassen, besuchte verschiedene Kurse, war Mitglied im Sportverein, ging oft aus, hatte Freunde und Bekannte dort – kurz: ein soziales Leben (also das totale Gegenteil zu meinem vorherigen Leben in dem blöden Kaff wo ich mich nur verkrochen habe).

Ich habe nur gute Erinnerungen an die Zeit – und genau das ist das Problem: ich werde sie einfach nicht mehr los obwohl wir schon vor Jahren weggezogen sind. Immer wenn ich Fotos oder Unterlagen aus der Zeit finde oder nur eine kleine Sache mich irgendwie an eine Begebenheit erinnert, bekomme ich schrecklich Heimweh, wünsche mir dass ich die Zeit zurückdrehen könnte und breche in Tränen aus wie ein kleines Kind. Dies ist mir vor meinem Freund sehr peinlich und er hat auch wenig Verständnis dafür, deswegen heule ich meist im "stillen Kämmerlein" oder nachts.

Aufgrund von Arbeitslosigkeit waren mein Freund und ich gezwungen an einen anderen Ort (Kleinstadt) zu ziehen um wieder in Lohn und Brot zu kommen (Entscheidung: dort bleiben und arbeitslos oder wegziehen und Arbeit haben), was ich anfangs auch nicht als so gravierend schlimm empfand (hatte irgendwie die Illusion, dass es nur temporär wäre und wir bald wieder zurückkehren würden, ich lebte die ersten Jahre hier wie in Trance) und eigentlich bin ich mit meinem jetzigen Leben nicht unglücklich, es ist ganz anders als damals, aber nicht unbedingt schlechter. Eigentlich kein Grund zum Jammern.

Nur ein soziales Leben haben wir am neuen Ort noch immer nicht. Einige Bekannte gibt es aber schon. Der Ort ist nicht so besonders gross obwohl es kein Dorf ist. Die Leute kennen sich hier schon ihr Leben lang und es ist schwer als Neuling in die bestehenden Strukturen hineinzukommen. (Das war zu Ausbildungszeiten natürlich einfacher, da gab es eine Menge junger, zugezogener Leute, die offen für neue Kontakte waren.) Eine Bekannte lebt hier bereits seit 30 Jahren und hat immer noch keinen Anschluss gefunden. Sie meint, dies liegt an der Mentalität der Leute, sie sind halt zurückgezogen und verschlossen gegenüber neu zugezogenen.

Kulturell oder Sportvereinmässig hat der Ort leider auch nicht viel zu bieten (ist mir aber nicht mehr so wichtig), wollten wir z.B. ins Kino oder irgendwo Spass haben müssten wir länger fahren und dann verhältnismässig viel dafür bezahlen. Zu später Stunde wäre es auch nicht mehr möglich, da wir sonst nicht wüssten wie wir zurück fahren könnten.

Sonderlich traurig bin ich darüber aber nicht, ich komme auch klar damit, bin eigentlich sogar froh darüber dass uns niemand belästigt und man in Ruhe gelassen wird. Dennoch empfinde ich den Ort nicht als meine Heimat, ich bin ihm gegenüber ganz neutral eingestellt: fühle mich nicht unwohl, aber auch nicht zu Hause oder zumindest "angekommen".

Mein Gefühl sagt mir immer noch (nach Jahren), dass wir hier nur temporär bleiben. Ob es so sein wird, wissen wir natürlich heute noch nicht.

Ich habe mir schon überlegt öfter an den Ausbildungsort zu fahren um Freunde zu besuchen, aber es ist einfach zu weit weg und die Fahrtkosten wären recht hoch. Alle paar Jahre ginge es vielleicht, aber die Familie macht nicht so gerne mit, sie haben keine Lust auf die lange Fahrt.

Inzwischen überlege ich mir (für einige vielleicht unverständlich, ich weiss) was wäre wenn wir einfach kündigen würden und zurück an unseren "Heimatort" ziehen würden, obwohl ich weiss, dass es dort keine Arbeit oder evtl nur Minijobs für uns gäbe, wir also arbeitslos wären ohne Aussicht auf eine künftige Arbeit und wahrscheinlich irgendwann in HartzIV rutschen würden.

Aber: sollte man Arbeit haben vor sein Lebensglück stellen? Was nützt mir die Arbeit wenn ich nicht glücklich bin und weiss, wo ich glücklich wäre?

Mein Heimweh ist einfach so stark und ich möchte wirklich gerne wieder dort leben, wieder glücklich sein (nicht erst wieder zurück ziehen können wenn ich Rentner bin).

So glücklich wie dort war ich noch nie in meinem Leben.

Ich kann mich einfach nicht damit abfinden, dass das damalige grossartige Leben so schnell zu Ende gegangen ist (unglaublich wie schnell 10 Jahre vergehen), dass es jetzt einfach nur noch in meiner Erinnerung existiert.

Ich will es wieder zu meiner Realität werden lassen, das ist mein dringender Wunsch, nur ist das realistisch ??? Was kann ich machen?

Wie geschrieben, hier bin ich nicht unglücklich, aber auch nicht glücklich.

Vielleicht lebe ich aber auch nur in einer Illusion? Haltet ihr das ganze für totalen Schwachsinn oder habt ihr einen guten Tipp was

realistisch gesehen am besten für uns wäre?

Was soll ich machen?

Antworten
mouskaFtnuxss


Hi Herbst, es ist ja immer das selbe. Wenn der eine Partner wo anders ein Jobangebot bekommt und er wegziehen muss, muss der andere Partner mitziehen. Meistens geht die Frau dem Mann hinterher. Alles kündigen und wieder zurück gehen ist natürlich der Schritt nachdem man nicht so ohne weiteres zurück kann. Ich würde an deiner Stelle den Ort nochmal besuchen, Freunde treffe und halt ein Wochenende oder eine Woche da bleiben. Wenn deine Kinder noch im Kindergartenalter sind kannst du sie ohne weiteres mitnehmen und ihnen den Ort zeigen; Wenn sie schon 8 Jahre + sind, dann können sie alleine bleiben...(Papa ist ja auch noch da) ;-)

Viel interessanter als dein Heimweh finde ich das dein Partner dein Heimweh nicht ernstnimmt. Ich finde weinen wegen Heimweh ist das was am aller letzten peinlich ist und sollte nicht im stillen Kämmerlein betrieben werden, weil sich das Gefühl alleine zu sein und das Heimweh selbst nur verstärkt.

Nur mal als Frage: Wieviele Kilometer sind die Orte denn auseinander? Du scheinst was dieses Thema an geht ja die Leittragende zu sein. Weinen wird ignoriert, der Ort ist so weit weg, lange fahrten will keiner machen. Das man da Heimweh nach der guten alten Zeit bekommt ist ja das natürlichste der Welt.

Den Wunsch den Ort nochmal zu besuchen würde ich forcieren. Wenn die Arbeitsumstände in dem alten Ort wirklich so schlecht sind, dann wäre es genau so kopflos jetzt alle Zelte abzubrechen und zurückzugehen. Aber viel wichtiger find ich das dein Heimweh ernst genommen und nicht unter den Teppich gekehrt wird. Nur da müsste dein Partner was dran tun. Kannst ja mal mit ihm intensiv mit ihm reden, vielleicht ist ihm auch nicht bewusst, wie sehr du der alten Zeit hinterher trauerst.

Gruß @:)

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