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Empfinde keine Freude mehr – stumpfe ich ab?

A_zra(exl hat die Diskussion gestartet


Hallo,

seit etwa 2 Monaten fällt mir auf, dass ich immer emotionsloser werde und eigentlich an nichts so richtig Freude empfinde. Genau genommen war es mein Chef, der mir im Büro sagte, dass ich immer passiver werde, mich nie ärgere, nie freue, nie schimpfe – wie eine Maschine. Und da hab ich nachzudenken begonnen. Er hat recht – so bin ich wirklich (geworden). Beruflich gibt es nichts, was mich umhaut, aber auch nichts, was mich freut. Und wenn ich morgen keinen Job mehr hätte, wärs mir irgendwie auch egal. Genauso würde es mich aber auch nicht glücklicher machen, wenn ich ab morgen das Doppelte verdienen würde.

Dieses Gefühl macht sich mittlerweile auch im Privatleben breit. Ich komme nach Hause, esse mit meiner Familie, bringe die Kinder ins Bett, sehe 2 Stunden fern, gehe selbst ins Bett, stehe morgens auf, mache Frühstück und gehe arbeiten. Meine Frau und ich reden immer weniger mit einander. Meist telefoniert sie mit einer Freundin oder wir sitzen stumm vor dem Fernseher und lassen uns bedudeln. Sexuell läuft seit Wochen (sogar Monaten, ich erinnere mich nicht mehr an unser letztes Mal) gar nichts mehr.

Nächsten Monat ziehen wir in eine neue Wohnung. Auf der einen Seite wäre das eine tolle Chance, wieder neu anzufangen. Aber solange ich dieses Gefühl habe, dass mir irgendwie alles egal ist und ich an nichts mehr Freude empfinde, wird es wohl nicht besser. Ich kann nicht richtig weinen und nicht richtig lachen. Auch bin ich extrem antriebslos. Ich nehme mir laufend Dinge vor, schiebe sie aber permanent vor mir her. Auch meine ganzen früheren Hobbies (Musik, Sport, lesen, basteln, Abends fortgehen) interessieren mich nicht mehr. Das selbe ist mit meinen Freunden: das letzte Mal, wo ich mich mit ihnen getroffen habe, war vor 6 Monaten. Und obwohl ich weiß, dass ich mich selbst ausgrenze, fehlt mir der Antrieb, zum Telefon zu greifen und mir ein Treffen auszumachen.

Ich stecke irgendwie in einem tiefen Loch fest, als wäre ich im Laufe der letzten Monate komplett abgestumpft. Ich habe aber keine Erklärung dafür. Ich weiß nur, dass mir in meinem Leben eigentlich nichts Freude macht. Ich lebe in den Tag hinein und die Zeit vergeht einfach so ziellos – ein Tag folgt dem nächsten. Und von Tag zu Tag wird dieses Gefühl beklemmender. Ich bin tief drin unglücklich und würde am liebsten schreien... aber ich kann nicht und ich weiß nicht, warum. Mir fällt kein Grund ein, der mich bedrückt. Eigentlich könnte ich genauso gut glücklich sein. Meine Frau versucht immer wieder mit mir darüber zu reden, aber ich sag immer "es ist nichts" oder höre ihr gar nicht zu. Und damit ist die Diskussion auch schon wieder beendet. Ich wüsste wirklich nicht, was ich ihr sagen sollte. Mir fehlt eigentlich nichts. Ich bin gesund, habe einen interessanten Job, keine gravierenden privaten Probleme... Aber ich spüre, dass sich meine Frau (und auch meine Kinder) mehr und mehr von mir entfernen. Zumindest schwärmt mir meine Frau immer wieder von anderen, besseren, tolleren Männern vor und mindestens 1x täglich fällt das Wort "Scheidung".

Was soll ich bloß tun? Wie kann ich aus diesem Gefühlsloch wieder herauskommen? Bin für Tipps sehr dankbar!!!

Liebe Grüße,

Antworten
k]amilldcKhxen


Das klingt, als könnte eine Depression dahinterstecken. Es wäre sicher hilfreich, sich damit mal bei einem Therapeuten zu präsentieren und nach seiner Meinung zu fragen. Kann auch in die Richtung Burnout gehen. Vielleicht liegt es auch an deiner problematischen Ehe.

Ziemlich viele Menschen erleben solche Probleme mal, und da ist es doch schön, dass man sich Hilfe holen kann.

Ich wünsche gute Besserung.

A:zraxel


Hallo Kamillchen,

darüber habe ich auch schon nachgedacht. Das Problem ist nur, dass eigentlich alles gut läuft. Ich habe einen Job, der mir Spaß macht, gute Arbeitszeiten bietet und wenig Stress beinhaltet, ziehe bald in eine größere Wohnung, habe eine gesunde Familie, habe gerade eine halbjährige Fortbildung positiv absolviert und eigentlich keine Sorgen, für die es nicht eine Lösung gibt. Und genau darum verstehe ich auch nicht ganz, was mit mir passiert. Es ist, als wäre ich ein neuer Mensch, der alles hinter sich gelassen hat, was ihn früher einmal ausgemacht hat.

Ich fühle mich wie ein Tier in einem unsichtbaren Käfig. Es ist ein Gefühl, das mich beklemmt und mir Angst macht, weil ich eigentlich immer ein sensibler und mitfühlender Mensch war und diese Gefühlkälte von mir nicht kenne. Meine Gedanke rotieren permanent. Ständig frage ich mich, wer ich bin, was ich will und warum ich so antriebslos bin.

Heute geschah etwas, das mich ein wenig wachgerüttelt hat. Ich stand am Herd und habe das Abendessen gekocht. Meine Frau stand neben mir und half mir ein wenig. Ich sagte ihr ohne lange nachzudenken, dass ich ihre Hilfe sehr schätze, dass sie eine intelligente, einfühlsame und tolle Frau wäre und ich stolz auf sie bin. Daraufhin umarmte sie mich und küsste mich innig. Da habe ich etwas gespürt, das ich schon seit längerem nicht mehr gespürt habe – ich kann es nicht genau beschreiben, aber dieser Kuss hat mir heute den ganzen Abend ein Gefühl von Wärme, Geborgenheit und Glück gegeben. Ich war zum ersten Mal seit langem gut drauf.

Vielleicht hast du Recht und unsere Ehe ist einfach so sehr eingeschlafen, dass ich quasi auch "eingeschlafen" bin. Umso mehr Hoffnungen lege ich in den Wohnungswechsel in 1 Monat, neu anzufangen – neues Umfeld, neue Möbel, mehr Platz.

Liebe Grüße

keamiqllchxen


Hast du deiner Frau erklärt, dass du dich leer fühlst? So wie hier? Das wäre vielleicht nicht schlecht.

Vielleicht auch ein Urlaub zu zweit?

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