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Depressive Freundin macht mich aggressiv

s"erendDipqity8x4 hat die Diskussion gestartet


Hallo liebe Leute!

Ich muss mich grade mal richtig auskotzen, ich bin so wütend, so enttäuscht und hoffe auch auf Rat. Tut mir leid, wird wohl recht lang..

Zur Vorgeschichte verweise ich auf ein Thema, dass ich vor einigen Monaten hier aufgemacht habe:

[[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/598619/]]

Entgegen besseren Wissens und der meisten ratschläge bin ich nun also im Oktober letzten Jahres mit meiner depressiven Freundin zusammengezogen. Im Grunde genommen war es vom ersten Tag an ein Desaster. Unsere Wohnung war ziemlich renovierungsbedürftig, die meiste Arbeit blieb an mir und meiner Familie hängen, die sehr gerne geholfen haben. Anna dagegen machte kaum einen Finger krum. Anfangs sah ich ihr das noch nach, weil sie auch ein wenig erkältet war (auch wenn sie sich meiner Meinung nach mehr als hängen lies). Aber auch in den nächsten Wochen änderte sich nichts daran. Sie lag den ganzen tag vor dem Fernseher, während ihre Kartons kreuz und quer in der Wohnung rumstanden. Außer dem wichtigsten Zeug wie Klamotten und ein paar anderen Dinge hat sie bis heute noch nichts ausgepackt, es stehen noch immer 15 kartons hier rum, die die ganze Zeit im Wohnzimmer lagerten, obwohl ich sie mehrmals darum bat, sie doch zumindest in ihr Zimmer zu räumen, wenn sie sie schon nicht auspacken will. Irgendwann will man es doch auch mal endlich wohnlich haben..

Nun ja, ihr Tagesablauf sah in etwa so aus: um 12 aufstehen, ins Wohnzimmer vorn Fernseher, nachts um 3 davor einschlafen und irgendwann morgens gerädert ins Bett. Und das Wochenlang. Ich hab mich in meinem eigenen wohnzimmer wie ein gast gefühlt, da sie es regelrecht occupiert hat. Wenn sie sich wenigstens in ihr Zimmer verkrochen hätte anstatt die Atmosphäre in der ganzen Wohnung zu vermiesen.. Ich hatte kaum eine Möglichkeit, ihr aus dem Weg zu gehen, die war immer da und sie war immer depressiv. Wochenlang habe ich bei ihr gesessen,ihr zugehört, mit ihr geredet (auch wenn man irgendwann nicht mehr weiß, was man noch neues sagen soll, irgenwann wiederholt man sich ja nur noch), sie versucht aufzumuntern, ihr Hilfe anzubieten. Ich habe ihr so oft gesagt, dass es so nicht weitergehen kann, sie sich endlich wieder professionelle Hilfe suchen soll, weil ich das nun mal nicht leisten kann.. dass sie in eine Klinik gehört. Dass manche Dinge einfach nicht gehen, ich bereit bin, sie bis zu einem gewissen grad zu unterstützen, aber sie dann auch um Hilfe bitten muss, da ich sie ja auch nicht bevormunden will.. und immer wieder: Bitte hol dir Hilfe, so geht es nicht weiter..

So, vor 4 Wochen habe ich sie dann nach einer Panikattacke ihrerseits (ich hab echt gedacht, jemand ist gestorben, so fertig war sie) zum Arzt geschleppt und am nächsten tag zur Klinik begleitet. Nach langem hin und her und meiner Aussage, dass ich sie ungern wieder mit nach hause nehme, wurde sie dort auch aufgenommen. Nun ist sie also in einer Klinik.

Ich war so erleichtert, dass sie nun erstmal gut aufgehoben ist, aber vor allem: Dass ich sie los war. Wenn man das nicht selbst erlebt, kann man sich kaum vorstellen, wie unheimlich belastend das ist, wenn man mit einem so schwer depressiven Menschen zusammenwohnt. ja, ich wusste, dass sie depressiv ist, aber wie das dann im Allag aussieht: Ich hatte echt keine Ahnung. Die ganze Situation geht mir unheimlich an die Substanz und rüttelt gerade vor allem sehr an unserer Freundschaft. Man könnte meinen, dass es mir jetzt, da sie in der Klinik ist und ich von der unmittelbaren Verantwortung (hat sie heute überhaupt schon was gegessen? Oje, sie weint schon wieder.. wie krieg ich sie bloß dazu, etwas zu unternehmen?) befreit bin, etwas besser geht. Aber irgendwie ist das nicht der Fall. Denn jetzt kommt die Wut.. Ich bin so wütend, dass ich eine Verantwortung übernehmen musste, die ich nicht tragen kann und die ich vor allem nicht tragen will. Im Grunde genommen würde ich sie ja gerne besuchen, hab ich bei ihrem letzten Klinikaufenthalt auch getan, aber nun, da ich mich verpflichtet fühle, mich um sie zu kümmern, sträubt sich alles in mir dagegen. Ich will grad einfach nur Abstand von ihr. Nun fängt sie aber an, wieder stundenweise in die Wohnung zu kommen um bestimmte dinge zu erledigen und sich auch langsam wieder daran zu gewöhnen. Sie fordert es indirekt ein, dass ich dann auch da bin und mir zeit für sie nehme. Schließlich sei es dann viel schöner und einfacher für sie, in der Wohnung zu sein. Ich habe aber mein eigenes Leben und eigene Pläne.. und ich möchte vielleicht einfach nur in meinem Zimmer hocken und mein Ding durchziehen, habe aber ein schlechtes Gewissen, wenn ich das machen würde.

Ja, ich weiß, ich hätte mich viel eher von ihr abgrenzen müssen, aber das ist gar nicht so einfach, wenn man zusammen in einer wohnung lebt. irgendwann habe ich ihre Kartons dann eben selbst in ihr Zimmer geräumt, weil sie es ja nicht tut. Ich hätte viel eher, viel härter mit ihr reden müssen. Aber wie soll man das machen, wenn sie direkt anfängt zu weinen, ihre verzweiflung über alles stellt und darüber redet, dass das Leben ja total sinnlos ist und man sich ja eh besser umbringen kann. Und je größer die Belastung wurde, desto größer wurde der Wunsch oder besser die Notwendigkeit mich abzugrenzen. Doch das mit dem Abgrenzen funktioniert eben nicht so gut für mich. Ich merke, dass ich ihr gegenüber gefühlskalt werde, inzwischen sogar hochgradig aggressiv und teilweise sogar gehässig. Und je mehr ich versuche, gegen diese Gefühle anzukämpfen und Verständnis für ihr Verhalten zu zeigen, desto aggressiver werde ich.

Heute war sie für ein paar stunden hier, erzählte, dass es ihr im Moment ziemlich gut ginge, optimistisch in die Zukunft sehe und wie schön es ist, dass ich gerade hier bin und sie nicht allein in der Wohnung ist. Anstatt mich für sie zu freuen, musste ich mich derbe zusammenzureißen um keine fiesen, sarkastischen oder gehässigen kommentare abzugeben.

Einer ihrer Mitpatienten hatte ihr gesagt, dass sie doch eine tolle Person sein, dies habe ihr soviel zuversicht gegeben.. In dem moment dachte ich nur: merkst du noch was? Ich war das ganze letzte Jahr nur für sie da, hab versucht, sie abzulenken, ihr gut zu zureden, hab mir den Arsch für sie aufgerissen und mich selber zurückgenommen.. wie oft hat sie sich beschwert, dass sie keine freunde habe und ich immer nur dachte: Danke, und was bin ich? Und dann kommt irgendein dahergelaufener Typ daher und sagt ihr, dass sie toll ist und plötzlich ist das leben wieder schön?? Ja, ich sollte mich für sie freuen, kann es aber gerade gar nicht. Ich bin einfach nur wütend, enttäuscht, gekränkt. Allein der Gedanke daran, dass sie morgen wieder für ein paar Stunden herkommt, macht mich aggressiv, ich kann sie grad einfach nicht am kopf haben. Ich verabrede mich schon mit Freunden, nur damit ich nicht zuhause sein muss, wenn sie kommt. ich will sie grad einfach nicht sehen, nicht hören, nicht in meiner Nähe wissen. Und ganz gewiss will ich nicht mit ihr zusammen wohnen..

Die Situation ist gerade so unheimlich verzwickt, ich kann ja auch schlecht meine kranke Mitbewohnerin (und eigentlich freundin) aus der wohnung werfen. aber mit ihr zusammenleben kann und will ich einfach nicht mehr. Unsere Freundschaft ist durch die letzten monate so belastet, dass ich sie grad einfach am liebsten aus meinem Leben streichen würde. Dabei war sie doch mal eine so gute Freundin, die mir so nah stand. Und sie sieht das alles nicht einmal. Aber das ist wahrscheinlich auch meine Schuld, ich hätte viel eher und ehrlicher mit ihr reden müssen anstatt sie wie ein rohes Ei zu behandeln. Einer depressiven Person vorwürfe zu machen, ist nicht so leicht, da macht man sie doch lieber sich selbst..

Was mach ich bloß? Ich will mich nicht so fühlen..

Antworten
CAoukgarx71


Hallo erst mal. Habe eben Deine Geschichte gelesen und verstehe Dich durchaus sehr gut, auch wenn ich selber eher der Sparte Deines Gegenpartes angehöre. Depressive Menschen sind durchaus schwer , wenn nicht sogar äußerst schwer zu verstehen. Da tu ich mich schon leichter. Ich gehe neimanden auf die Nerven, da ich alleine lebe. Aber nun mal eine Frage! Wie lange bist Du denn schon mit Ihr befreundet ??? ?? Also wie lange kennst Du Sie denn schon?

Dass Sie nun gerade einen Mitpatienten lobt, der Sie ienfach nur toll findet und Dich das echt in Raasche bringt, kann ich durchaus verstehen. Aber da Du ja Ihre "Freundin" bist, sieht sie das nun mal völlig anders, also sie kann es nicht zeigen, wie wichtig Du Ihr eigentlich bist!

Ihr kennt Euch schon länger und den Mitpatienten eben erst seit kurzem.

Weißt Du, das schlimme an den Depressiven ist nun einfach mal, dass Ihre Stimmung relativ häufig und auch grundlos wechselt, was es dem gegenüber nicht unbedingt einfacher macht. Ich spreche da aus eigener Erfahrung und kenne mich da durchaus aus.

Warum bist Du denn überhaupt mit Ihr zusammen gezogen?

Deine eigenen Nervemn scheinen so langsam aber sicher selber blank zu liegen, so dass Du Dir einfach nicht mehr zu helfen weißt.

Depressive Menschen kannst Du keinesfalls mit nichtdepressiven vergleixchen, da sie einfach anders und sensibler ticken. Ist einfach so

P=fiffer>lixng


Ich weiß nicht ob dir das hilft, aber ich möchte etwas zu dem Umzug sagen:

In einer depressiven Phase das gewohnte Umfeld zu wechseln ist eigentlich nie gut. Ein Umzug dürfte dazugehören, dass kann also die Depression noch gefördert haben.

Und zum anderen kann man als Depressiver einfach keine Kartons einfach so mal auspacken, weil man darum gebeten wird. Man kann sich nämlich gar nicht vorstellen, dass diese Aufgabe machbar ist und dass sie ein Ende hat. Ich hatte das in meiner Hoch-(oder besser Tief)Phase der Depression auch, dass ich die nicht mal mehr die einfachsten Dinge im Haushalt gepackt habe, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass ich das irgendwie schaffe oder dass es zumindest viele Tage dauert. Und wenn ich nach 2 Stunden fertig war, war ich unheimlich überrascht.

Depressive verlieren oft die Fähigkeit, ihre Zukunft zu planen, alles was über den Moment und den aktuellen Tag hinausgeht, ist nicht relevant, beziehungsweise nicht mehr geistig greifbar. Dass es wohnlich wird, hat vielleicht einfach keinen Stellenwert mehr gehabt bei deiner Freundin, weil sie soweit nicht planen konnte.

Es spricht m.E. aber nichts dagegen, ehrlich zu ihr zu sein und ihr zu sagen, dass dir der Umgang mit ihrer Depression schwer fällt und dass dich das unglücklich macht. Du kannst ihr sagen, dass du eigentlich nicht damit leben kannst, dass alles unordentlich und unerledigt bleibt. Dann kann sie dieses Problem nämlich in der Therapie bearbeiten und vielleicht verschwindet es. Oder ihr zieht wieder auseinander. Aber falls du kannst, lass ihr damit noch ein wenig Zeit.

S7inHnes]xter


Was mach ich bloß?

Du ausziehen, oder sie ausziehen. Rede mit ihr, möglichst bald.

Sagt dir jemand, der die Situation mitgemacht hat, was vermutlich zu einem guten Teil zur Entwicklung seiner eigenen Depression beigetragen hat {:(

s%eren;dipixty84


Hallo ihr beiden..

danke erstmal für eure Antworten. Vielleicht muss ich noch mal ein paar Dinge klarstellen, ich war vorhin noch sehr in meiner wut und meinem Frust gefangen und hab wild drauf los geschrieben.

Wir kennen uns bereits seit 5 jahren, wirklich gut befreundet sind wir aber erst seit 2 1/2 jahren. Dass depressive Menschen nicht immer so leicht zu händeln sind, war mir auch schon vor unserem zusammenziehen klar. Ich habe, bevor wir zusammen gezogen sind, 3 Jahre allein gewohnt und mich dann doch wieder in eine WG zurück gesehnt, einfach mal jemanden zum quatschen haben und nen gemeinsamen fernsehabend machen.. gemeinsam kochen. Meiner Freundin gefiel es in ihrer alten Wg überhaupt nicht mehr, da sie sich als reine Zweck-Wg entpuppte und sie zwischenmenschliche Nähe vermisste und sich ein wenig geselligkeit wünschte. Wir haben vorher ausgiebig und oft über ein mögliches Zusammenwohnen gesprochen. Wie wir uns das vorstellen und wo unsere Grenzen liegen, wo unsere Fehler sind (die man bisher vielleicht noch nicht so wahrgenommen hat) und wie man mit Konflikten umgeht. Zu dem Zeitpunkt, als wir uns entschieden haben zusammenzuziehen und unsere bisherigen Mietverhältnisse kündigten, schien meine Freundin auf dem guten weg zu sein, auch mit ihren damaligen Therapeuten hat sie diese Entscheidung besprochen (die Idee aus ihrer bisherigen WG auszuziehen, bestand schon länger).

Dass es für einen depressiven Menschen eine unheimlich große Hürde sein kann, ein paar karton auszupacken, kann ich voll und ganz verstehen. Wie gesagt, auch ich kenne depressive Phasen aus meinem Leben und kann das nachvollziehen (wenn vielleicht auch nicht in allerletzter Konsequenz, weil ich dem viel eher ein Stop gesetzt habe und ziemlich schnell gegenmaßnahmen eingeleitet habe und nicht wie sie konsequent über Monate Hilfe abgelehnt habe). Ich weiß wie es ist, wenn man sich tagelang nicht wäscht, weil es einem schlichtweg egal ist, ob man stinkt, wenn die Wohnung langsam vermüllt, weil man zu antriebslos ist, um seine Essensreste wegzuräumen. Mir geht es weniger darum, dass sie es nicht schaffte, diese kartons auszuräumen, ich will ihr da gar nicht mal unbedingt Vorwürfe deshalb machen. Was mich "ärgert", wenn man es dann so nennen will, ist, dass sie so gar keine hilfe annehmen wollte. Sie ist ein erwachsener Mensch, ich kann sie nur bis zu einem gewissen Grad unterstützen. Ich habe ihr mehrmals gesagt, dass ich sie aber nicht bevormunden kann, dass ich aber jederzeit bereit bin, ihr dabei zu helfen bestimmte dinge anzugehen, wenn sie mich denn darum bittet. Und dass wenn sie dazu nicht in der Lage ist, wie nicht zusammen wohnen können und sie vielleicht in einem betreuten Wohnen besser aufgehoben ist.

Es geht mir nicht darum, ihr Vorwürfe zu machen (ich weiß ja schließlich, dass sie krank ist), es geht mir viel eher darum aufzuzeigen, wie anstrengend das eigentlich ist, wenn man sämtliche häulichen Pflichten für eine andere Person mitübernehmen muss. Dazu sich immerzu Sorgen um eine Person macht, die einem sehr nahe steht und versucht ihr irgendwie Hilfe zukommen zu lassen um dann frustriert festzustellen, dass sie diese Hilfe eigentlich gar nicht will. Kaum eine Möglichkeit hat, dieser Situation zu entfliehen, weil sie einfach allgegenwärtig ist (Occupation des wohnzimmers) Und dabei muss man auch noch sein eigenes Päckchen tragen. Ich hätte mir ganz einfach gewünscht, dass sie bei unseren Vorgesprächen offen und ehrlich sagt, wie schlimm ihre Depressionen sich in ihrem Alltag wirklich auswirken (denn sowas bekommt man selbst als gute Freundin nicht unbedingt mit) und mich "gewarnt" hätte. Denn ich kann nicht die Verantwortung für ihr Leben übernehmen, das wollte ich auch nie. Doch durch unser zusammenleben hatte ich mehr oder weniger gar keine andere wahl, als zumindest einige ihrer Aufgaben mitzuübernehmen, damit ich mich einigermaßen wohlfühlen konnte.

es geht mir nicht darum, ihr hier die Schuld in die Schuhe zu schieben (aber ja, ich kann verstehen, dass dieser Eindruck entstanden ist ;-) ) Es geht mir darum, einen Weg zu finden, mit der Situation, wie sie jetzt ist, zurechtzukommen. Ich kann die Zeit ja nun mal nicht zurückdrehen. Ich merke einfach, wie sehr ich unter dieser Situation leide, es geht an meine Substanz, ich merke, dass ich selber wieder anfange mich zurückzuziehen, antriebsärmer werde, Dinge aufschiebe, tagelang nichts sinnvolles mache und nur im Bett rumliege... als hätte ich die letzten Monate funktionieren müssen und nun, wo meine Freundin in der Klinik bin, endlich mal loslassen kann. Nur leider mit der Folge, dass sich dieses loslassen als absolut nicht entspannend, sondern als absolut destruktiv herausstellt. ich sehe es einfach nicht ein, dass ich nun auch wieder in ein Tief abrutsche.

Klar, vom Verstand her weiß ich natürlich, dass sie nicht schuld daran ist, trotzdem ist die verbindung in meinem Kopf natürlich da und lässt sich so schnell nicht löschen. Das wissen allein ändert nicht meine gefühle, die ich ihr gegenüber habe. Ich persönlich will einfach NIE wieder in eine Depression rutschen und ich merke, dass mich das zusammenwohnen mit ihr so dermaßen negativ beeinflusst, dass ich mich und mein Wohl ganz klar in Gefahr sehe. Vielleicht kommen meine Agressionen ihr gegenüber auch einfach aus dem Bedürfnis heraus, mich so stark von ihr abzugrenzen, weil ich einfach nicht so werden will wie sie. Und ja, es macht mich wütend zu sehen, dass es bei ihr langsam bergauf geht, während ich echt fertig bin, weil ich mich um sie gekümmert habe. Und dann zu sehen, wie sie sich über einen kleinen Kommentar den (Entschudigung) Arsch abfreut, aber meine Freundschaft und Hilfe als so selbstverständlich ansieht. Das tut weh..

s}e6reCndipiBty84


@ Sinnestäter

Du ausziehen, oder sie ausziehen. Rede mit ihr, möglichst bald.

ja, ich weiß, da komm ich nicht drum rum. Ich weiß nur grad noch nicht, wie ich das Gespräch mit ihr führen soll, ohne dass meine ganzen negativen Gefühle hochkommen. Ich tue im Moment echt mein bestes, sie zurückzuhalten. Deswegen versuche ich auch, ihr momentan eher aus dem Weg zu gehen, bis ich ein wenig runtergekommen bin. Aber dann muss ich das wohl angehen. Ich hoffe nur, dass sie das versteht und sie das nicht direkt wieder in eine neue Krise führt.

Sagt dir jemand, der die Situation mitgemacht hat, was vermutlich zu einem guten Teil zur Entwicklung seiner eigenen Depression beigetragen hat

und genau die gefahr sehe ich gerade (zumindest, wenn sich nicht entscheidend und zeitnah etwas ändert) und möchte das unbedingt vermeiden. Aber irgendwie ist ja auch doch die Hoffnung da, dass sich jetzt, wo sie in der Klinik ist und auch danach weiter therapeutische und medikamentöse Hilfe erhält und ich hoffentlich auch wieder eine Therapie beginnen kann, etwas ändert und wir doch zu einem entspannten Wohn- und Freundschaftsverhältnis führen kann.. ach, aber vielleicht mach ich mir da auch was vor...

C;oug7arx71


Also meiner Meinung nach solltest Du Dein eigenes Leben nicht aus den Augen verlieren und auf Dich selbst hören. Die Lösung an sich hast Du ja schon vorgetragen, auch wenn es schwer ist.

Ich kann Dir nur sagen, sprich mit Ihr darüber ausführlich, offen und ehrlich, was Dich an der ganzen Situation stört und mach Ihr klar, dass das so nicht mehr weiter geht.

Mach Ihr auch unbedingt klar, wie ernst es Dir dabei ist, da es sich ja schließlich auch auf Deine Gesundheit nieder schlägt.

Sollte sich danach wirklich nichts ändern, oder Sie gar Unverständniss äußern, dann solltest Du tatsächlich schnellstmöglich dafür sorgen, dass Du oder Sie auszieht.

Fürsorge, Verständniss und Mitleidsbekundungen sollten aber auch Ihre Grenzen haben, besonders in Anbetracht Deines eigenen Gemütszustandes und Deiner eigenen Gesundheit.

Wenn Sie das nicht versteht, was durchaus der Fall sein kann, dann drfst Du Dich keinesfalls selber vernachlässigen, nur auf Rücksicht zu Ihr, da Du sonst sehr schnell in einem nicht endenden Teufelskreis landest und Du Dich dann im Laufe der Zeit nur noch schwerer damit tust, bis Du dann selbst auch reif für die Insel bist.

Soweit lasse es lieber nicht kommen. :°_

mJondU+saternxe


Irgendwann will man es doch auch mal endlich wohnlich haben..

Ich würde es so zu ihr sagen sagen: "Ich möchte es gerne wohnlich haben."

da sie in der Klinik ist und ich von der unmittelbaren Verantwortung (hat sie heute überhaupt schon was gegessen? Oje, sie weint schon wieder.. wie krieg ich sie bloß dazu, etwas zu unternehmen?) befreit bin

Du bist nicht für sie verantwortlich. Sie ist nicht Dein Kind. Zieh Dir bloß nicht diesen Schuh an.

Ich habe aber mein eigenes Leben und eigene Pläne.. und ich möchte vielleicht einfach nur in meinem Zimmer hocken und mein Ding durchziehen, habe aber ein schlechtes Gewissen, wenn ich das machen würde.

Ich würde ihr das genau so sagen. Ich finde das völlig in Ordnung. Es gibt da keinerlei Grund für ein schlechtes Gewissen. Wie möcgtest Du leben? Was sind Deine Pläne?

ich kann ja auch schlecht meine kranke Mitbewohnerin (und eigentlich freundin) aus der wohnung werfen. aber mit ihr zusammenleben kann und will ich einfach nicht mehr.

Das geht natürlich nicht. Aber vielleicht kannst Du mal Urlaub machen, um etwas Abstand zu gewinnen. Du kannst nicht über sie verfügen. Du kannst nur überlegen, was DU machen kannst, damit es Dir besser geht. Gleich Ausziehen ist das Ganz oder Gar nicht Prinzip. Vielleicht mal mit einer Art Auszug auf Probe. Vielleicht kannst Du auch mal eine Zeitlang woanders unterkommen, wenn es Dir zu viel wird.

Einer depressiven Person vorwürfe zu machen, ist nicht so leicht, da macht man sie doch lieber sich selbst..

Es ist das falscheste, was man machen kann!!! Wenn einen etwas stört, muss der Satz mit ich anfangen. Ich kann nicht mehr. Mir ist das zuviel. Ich muss hier raus. Ich brauche Abstand. Sätze dieser Art kann man ihr nicht genug sagen. So kannst Du damit rüberkommen, was Dich stört.

Ich war das ganze letzte Jahr nur für sie da, hab versucht, sie abzulenken, ihr gut zu zureden, hab mir den Arsch für sie aufgerissen und mich selber zurückgenommen.. wie oft hat sie sich beschwert, dass sie keine freunde habe und ich immer nur dachte: Danke, und was bin ich?

Ich war das ganze letzte Jahr für Dich da. Ich habe versucht Dich abzulenken. Ich habe Dir gut zugeredet. Ich habe mich selber zurückgenommen. Ich bin Deine Freundin. Das alles kannst Du ihr sagen. Bringst Du die Nummer?

Was macht sie zu einer Freundin? Weshalb bist Du ursprünglich gerne mit ihr zusammengezogen?

S0i|rxat


Also ich hab schon beide seiten kennen gelernt. Ich weiß wie frustrierend es ist jemanden depressiven vor sich zu haben und ihn am liebsten zu schütteln, damit er sich endlich fängt und die welt nicht so verdammt negativ sieht und denke mir dann gleichzeitig wie shclimm das für mein umfeld gewesen sein muss, als ich in so ner phase hing und ich eigentlich jedne tag gesagt habe, es sei nicht mein tag

Das schwierige ist eben die balance zu finden, das man einerseits nicht seine eigenen ebdürfnisse vergisst, anderseits die person aber nicht hängen lässt und sie durch solche aussagen wieder runterzieht. klar man ist für andere nicht vernatwortlich, aber depressive sind eben sehr empfindlich und man will freunden ja auch nichts schlechtes eigentlich

Ich würde also vorschlagen das du das ganze als Herausforderung für dich siehst, nämlich das du durch sie deine grenzen kennen gelernt hast und in Zukunft früher und ebsser dich shcützen kannst, vielelicht hilft es ein wenig das ein wenig positiv zu sehen, das dir das auch was gebracht hat.

Ich würde auf hjedenflal mit ihr reden, aber nicht direkt mit ich ziehre aus oder du ziehst aus, das köntne sie logischerweise total vor dne kopf stoßen, da sie eventuell gar nicht daran gedacht hat.

Du solltest einfahc mal deine sorgen und probleme bei ihr äußern und das dichd as eben verletzt hat mit dem anderen, das kannst du ihr ruhig offen sagen und dich nicht gewürdigt fühlst. Vielleicht fällt ihr dann das brett vorm kopf runter und entshculdigt sich bzw sagt dir dass da snie so gemeint war etc.

Soltle sie aber gar kein verständnis für dich haben und zu sehr in ihrer depression gefangen sein, kannst du ihr imemrnoch sagen so gehts nicht weiter und das du ausziehen willst oder sie.

Also auf ein paar tage kommts nicht mehr an oder, das du jetzt alle hoppeldihopp übers knie brechen musst oder?

Und versuche dir soviel gutes wie möglich zu tun,w as dich entdspannt etc

Und neind epressive muss man nicht generell inw atte packen, aber man soltle fdann eben auch nicht geballt was an ihnen auslassen, da sist halt ein ballanceakt

s erendi|pity84


Hallo,

danke für die weiteren antworten. Ich versuch mal auf alle aspekte einzugehen.

Ich weiß, ich muss möglichst bald mit ihr reden, jedoch habe ich echt Angst davor, das Gespräch anzugehen. Ich weiß im moment gar nicht, wie ich ich überhaupt anfangen soll und wie ich es vermeiden kann, dass das Gespräch irgendwie "böse" endet. Bisher bin ich noch nie in der Situation gewesen, dass ich einem Freund sagen musste, dass sein Verhalten mir nicht gefällt oder mir nict gut tut. Mir ist natürlich klar, dass ich meine Empfindungen in Ich-Botschaften verpacken sollte, dass ich von mir und meinen Problemen mit der aktuellen Situation berichten soll anstatt ihr direkte Vorwürfe zu machen. Trotz allem wird sie natürlich die Kritik darin erkennen und sich deswegen vielleicht schlecht fühlen. Und ich hab angst davor, dass sie direkt anfängt zu weinen und ich automatisch wieder in diesen Modus verfalle, sie trösten zu wollen, weils ihr ja so schlecht geht. Vielleicht wäre es gut, jemanden Dritten zu haben, der bei dem Gespräch dabei ist. So ne Art Mediator, der ein bischen das Gespräch leitet und vermittelt, aber ich mag auch niemanden unserer gemeinsamen Freunde darum bitten, sich dieser Herausforderung zu stellen. Ich hab so schon nen schlechtes Gewissen, weil ich meinen Freunden damit gerade die ganze Zeit in den Ohren liege und dort dampf ablasse. Ich hatte schon die Idee, ihr eine Brief zu scheiben, damit ich all meine Gedanken an sie weitergeben kann, ohne dass sie direkt reagieren muss und ja, weil ich wohl zu feige bin und ihre Tränen nicht sehen will/kann. Ich habe fast das Gefühl, als würde ich mit ihr in einer Beziehung leben und müsste nun mit ihr Schluss machen ..

Ich war das ganze letzte Jahr für Dich da. Ich habe versucht Dich abzulenken. Ich habe Dir gut zugeredet. Ich habe mich selber zurückgenommen. Ich bin Deine Freundin. Das alles kannst Du ihr sagen. Bringst Du die Nummer?

Ich habe ihr schon öfters gesagt, dass sie mich als ihre freundin hat und auf mich zählen kann, wenn sie mal wieder in dieser "Ich habe gar keine Freunde"-Phase war. Aber wenn dann immer nur ein: "Ja, ich weiß ja.. aber.." kommt, ist es mir dann auch zu doof das ständig zu wiederholen. Auf der einen Seite ist es mir zu doof mich selber als Freundin so über den grünen Klee zu loben, wenn sie es anscheinend nicht schätzen kann (dann zweifelt man ja auch irgendwie an sich selbst), auf der anderen Seite spielt da ja auch so ein doofer Stolz mit rein.

Dass ich sie nicht direkt aus der Wohnung schmeißen werde und sie sich in dieser Sitiuation auf die schnelle was neues suchen muss, versteht sich ja von selbst. So selbstsüchtig bin ich ja auch nicht ;-) tatsache ist aber, dass von unserer Freundschaft eigentlich kaum was übrig geblieben ist und ich ihr gegenüber im moment hauptsächlich negative Gefühle hege. Bei einer normalen Freundschaft würde ich einfach ein bischen auf abstand gehen und dann einen neubeginn starten, aber dadurch, dass wir zusammen wohnen ist es halt kaum möglich, ihr aus dem Weg zu gehen. Wir haben eine große wohnung mit großer Küche und großem wohnzimmer für die ich viel Miete bezahle. Also möchte ich mich in ihr auch wohlfühlen. Normalerweise sollte das Zuhause ja ein Ort sein, wo man sich wohlfühlt und Kraft tanken kann. Aber so ist es im moment leider nicht. Sondern ich verkrieche mich in mein Zimmer und überleg mir zweimal ob ich jetzt wirklich in die Küche gehe und mir was zu trinken hole. Ich habe zur Zeit immer angst auf sie zu treffen und mich mit ihr auseinander setzen zu müssen. Dazu kommt ja, dass sie keine ahnung von meinen Gefühlen ihr gegenüber hat und sie sich eher freut mich zu sehen. Ihr dann zu sagen, dass mich ihre gegenwart im Moment mehr ankotzt als dass es mich freut, ist natürlich nicht drin. Selbst wenn ich es nett sage, würde ich sie damit vor den Kopf stoßen. Und mir fiel es schon immer schwer, an Leuten, an denen mir was liegt, Kritik zu äußern. Irgendwas muss sich an unserer Wohnsituatuion ändern, mir und meinem Wohlbefinden zu liebe, aber auch unserer Freundschaft zu liebe.

Warum sie meine freundin ist? Wenn sie nicht gerade depressiv ist, ist sie ein unhemlich lieber, witziger, toller Mensch, mit dem man viel Spaß haben kann und tolle Gespräche führen kann. Die vorstellung, in lauen Sommernächten bei nem Glas Wein auf dem Balkon zu sitzen und über Gott und die Welt zu sprechen oder im Winter eingekuschelt auf dem Sofa nen Film zu schauen, anstatt abends allein in seiner Wohnung zu hocken, fanden wir beide einfach sehr schön. Dass jemand zu Hause ist, wenn man von der Arbeit oder der Uni kommt und erstmal bei ner Tasse Kaffe nen bischen über den Tag spricht. zusammen kochen und essen.

Nun ja, und Ausziehen auf Probe und mich bei anderen einnisten find ich jetzt nicht so prickelnd. Ich brauch meine Zeit für mich und leg schon wert auf meine Privatsphäre. Wenn ich das nicht haben kann, werd ich noch unzufriedener. Und irgendwie sehe ich es auch ganz einfach nicht ein, ihr die Wohnung zu überlassen, in die ich viel Arbeit gesteckt habe und für die ich viel miete bezahle. Das ist wahrscheinlich trotzig und egoistisch, aber da kann ich auch schlecht aus meiner haut.

ach.. irgendwie alles total verworren,ist nen bischen unübersichtlich geworden, sorry.. Ich kann grad gar nicht mehr klar denken, das einzige, was dabei raus kommt ist: Sie soll weg, sie soll weg!

kMamik_aze


auch mit ihren damaligen Therapeuten hat sie diese Entscheidung besprochen (die Idee aus ihrer bisherigen WG auszuziehen, bestand schon länger).

Macht sie noch eine Therapie?


Ansonsten würde ich ihr ganz klar sagen, dass Du weder ihre Therapeutin noch ständig verfügbar bist. Ein weiteres Zusammenwohnen macht mMn nur dann Sinn, wenn sie sich weiter behandeln lässt und sich ein wenig von Dir löst.

m#ond+sZt4ernxe


Ich fang mal von hinten an.

Sie soll weg, sie soll weg!

Das geht nicht. Du kannst nicht über sie verfügen. Ich habe mal rein logisch überlegt, was es für Dich bedeutet, wenn sie geht. Wenn sie geht, bist Du allein. Möchtest Du das? Möchtest Du lieber für Dich allein sein?

Es ist ein riesengroßer Unterschied, ob Du zu ihr sagst: "Du musst hier auszuiehen", oder ob Du sagst "Ich möchte lieber allein sein". Muss ich noch viel dazu schreiben?

Ich habe fast das Gefühl, als würde ich mit ihr in einer Beziehung leben und müsste nun mit ihr Schluss machen ..

Genau dieses Gefühl habe ich auch. Es geht erstmal um Eure Freundschaft. Die Wohnsituation kommt dann noch dazu.... schwierig...

Ich finde Freundschaft einen großen Wert. Deswegen finde ich wichtig, dass Du Dir erstmal darüber im klaren bist, was Du Dir wünscht. Es gibt bestimmt einige Beziehungsmuster in Deinem Leben mit denen Du unglücklich bist. Wie könnte es besser laufen?

Ich habe ihr schon öfters gesagt, dass sie mich als ihre freundin hat und auf mich zählen kann, ...

Du hast hier sehr viel gegeben. Natürlich würdest du das 100 mal lieber von ihr hören. Es kränkt Deinen Stolz, wenn Du es sagen musst, weil es von ihr nicht kommt. Ich verstehe das.

"Ja, ich weiß ja.. aber.."

"Ja, aber" bedeutet nein. Ich kann es verstehen, wenn Du irgendwann mal aggressiv wirst. Du gibst ihr Freundschaft und bekommst Ablehnung.

Die Idee, ihr einen Brief zu schreiben, finde ich gut. Das ist einfacher als ein Gespräch.

Ein Gespräch finde ich sehr schwierig. Da hat sich so einiges angesammelt. Schwer zu sagen wie sich das dann entwickelt. Eine Art Mediator finde ich so gesehen eine gute Idee.

Was möchtest Du ihr in dem Gespräch sagen?

s|ere/ntdipi`tyx84


Hallo!

Da bin ich mal wieder. Sorry, dass ich mich erst jetzt wieder melde, die letzten Tage waren ziemlich vollgepackt bei mir. Also:

@ Kamikaze

Macht sie noch eine Therapie?

Sie hat Ihre Therapie kurz vor unserem zusammenziehen abgebrochen und auch ihre Medikamente ohne Rücksprache mit ihrem Arzt abgesetzt. Nun ist sie ja seit kurz vor Weihnachten in der Klinik auf einer Station mit psychotherapeutischem Schwerpunkt und bekommt auch wieder Medikamente. Soweit ich einblick habe, hat sich ihre momentane Stimmung schon gebessert, aber ich trau dem Braten da ehrlich gesagt nicht.. dafür hab ich in den letzten Monaten einfach schon zuviel mitbekommen.

@ mond+sterne

Möchtest Du lieber für Dich allein sein?

Ja, wenn es die einzige Alternative zum Zusammenleben mit ihr darstellt, auf jeden Fall. Da ich die Wohnung aber alleine nicht finanzieren kann, müsste ich mir so oder so einen neuen Mitbewohner suchen und sie quasi "ersetzen". Oder eben selbst ausziehen, wenn sie nicht ausziehen möchte. Das würde ich zur Not auch in kauf nehmen.

Ich finde Freundschaft einen großen Wert. Deswegen finde ich wichtig, dass Du Dir erstmal darüber im klaren bist, was Du Dir wünscht.

Ich möchte ihr eine Freundin sein. Aber ich habe gemerkt, dass ich aber nur dann ihre Freundin sein kann, wenn ich eben NUR ihre Freundin sein kann und nicht zeitgleich noch halb Therapeutin und Mutter. Das schaffe ich nicht und will ich auch einfach nicht. Zudem wünsche ich mir, dass sie die Freundschaft auch anerkennt und sie nicht als selbstverständlich betrachtet. Das ist sie nämlich wie man im Moment sieht eben nicht.. Aber wie ich ihr gerade diesen letzen Punkt nahebringen soll ohne dass es nach Vorwürfen aussieht, weiß ich noch nicht..

Es gibt bestimmt einige Beziehungsmuster in Deinem Leben mit denen Du unglücklich bist. Wie könnte es besser laufen?

Da hast du insofern recht, als dass ich mich damit schwer tue, Menschen, die mir nahe stehen zu sagen, wenn mich etwas an ihrem Verhalten stört, verletzt oder enttäuscht. Dass es natürlich angenehmeres gibt, als solche Dinge anzusprechen, kennt wohl jeder. Bei mir spielt da halt noch eine große Portion Verlustangst mit rein, die sich aber eigentlich nur bei Freundschaften zeigt, nicht in Beziehungsdingen oder in der Familie. Dort kann ich viel leichter ein Problem ansprechen, bei Freunden schlucke ich meinen Ärger dann eher hinunter (aber das waren dann auch eher Kleinigkeiten), so wirklich gab es bisher nie die Notwendigkeit groß über die Beziehung zueineander zu sprechen oder das Verhalten des anderen mich betreffend zu kritisieren.

Die Idee, ihr einen Brief zu schreiben, finde ich gut. Das ist einfacher als ein Gespräch.

Ja, ich habe mich inzwischen auch dazu entschieden, ihr einen Brief zu schreiben. Ich glaube, dass es mir so leichter fällt, all das zu sagen, was mir wirklich auf dem Herzen liegt anstatt es zurückzuhalten, wie ich es so oft in Gesprächen mit ihr getan habe um sie zu schützen. Zudem hatte ich genug Gelegenheit mir meine Gedanken zu machen und mich mit anderen darüber auszutauschen und möchte ihr diese Gelegenheit auch geben ehe wir darüber sprechen.

Ich habe überlegt ihr in dem Brief direkt das Angebot zu machen, dass wir uns gern mit einer neutralen Person zusammen setzen können, vielleicht ja sogar ihre jetzige Therapeutin in der Klink (immerhin gibt es da ja auch Angehörigengespräche, wieso also nicht mit der Mitbewohnerin, die ja vor der Depression unmittelbar auch sehr betroffen ist?).

Ich möchte ihr in einem Gespräch natürlich erst mal die Möglichkeit geben, ihre Sicht der Dinge darzulegen (meine wird sie ja schon aus dem Brief kennen) aber ihr auch ganz klar sagen, dass ich mir momentan kein weiteres zusammenwohnen vorstellen kann, wenn wir weiterhin befreundet sein wollen und wir dahingehend eine Lösung finden müssen. Ich wünsche mir, dass sie versteht, wie es mir in dieser Situation geht und dass ich nicht ihr die Schuld in die Schuhe schieben möchte, sondern mich einfach nur wieder wohlfühlen möchte und unserer Freundschaft eine Zukunft geben möchte.

Hm.. ich werde mich dann jetzt mal an den Brief setzen und hoffe auf eine baldige Gelegenheit, ihn ihr zu geben. Ich melde mich, sowie es was neues gibt. Bis dahin bin ich weiterhin dankbar für jeden Rat.

Liebe Grüße

Miolli:enchxen


Depressive haben mitunter die Eigenschaft, die Umwelt (ganz besonders natürlich die direkte) in ihren "Sumpf" mit reinzuziehen. Sie handeln damit in höchstem Maß egoistisch und merken es nicht einmal, wollen es auch eigentlich nicht und böse Absicht ist es natürlich auch nicht. Es ist eigentlich nur ein Hilferuf, und durch ihr Verhalten weisen sie jede Verantwortung von sich und laden sie damit gleichzeitig anderen auf.

Der einzige Weg, Deiner Freundin das bewusst zu machen, ist, Klartext mit ihr zu reden und Dich nicht von ihrem Weinen beeindrucken zu lassen. Damit hat sie Dich nämlich in der Hand. In dem Moment, wo sie Dir leid tut, weil Du sie (vermeintlich) zum Weinen gebracht hast, hat sie wieder, was sie (unbewusst) will – Zuwendung, Aufmerksamkeit, Mitleid, im Mittelpunkt stehen.

In Wirklichkeit bist es aber nicht Du, die sie zum Weinen bringt, sondern sie selbst, ihr eigener "Zustand" (nenne ich es jetzt mal). Es wurde ja hier schon gesagt, Du bist nicht für sie verantwortlich, sie ist kein kleines Kind und Du nicht ihre Mutter.

Ich finde den Vorschlag mit dem Brief auch nicht schlecht, zumal Du Dir ersparst, sie weinen zu sehen und sie in Ruhe und für sich das Ganze erstmal verarbeiten kann, bis der Verstand sich vielleicht wieder gegen das Gefühl durchsetzt.

Auf Dauer glaube ich, ehrlich gesagt, dass es für Euch beide besser wäre, jeweils allein zu wohnen. Für Dich natürlich, um die Belastung und das Verantwortungsgefühl loszuwerden. Für sie aber auch – denn die Gegenwart eines vertrauten Menschen (dem unbewusst die Verantwortung für alles zugeschoben wird) kann auch ziemlich lähmend für einen Depressiven sein und den Aktivitätswillen (etwas zu ändern) hemmen.

Ich weiß, wovon ich spreche, da ich selbst depressiv war und mein armer Ehemann das ausbaden durfte… Und ich merke auch heute noch, dass ich mich oft hängen lasse und heimlich bei mir denke "er macht das schon"… Könnte mir vorstellen, dass es Deiner Freundin ähnlich geht mit Dir.

Wenn sie aber auf sich gestellt wäre, müsste sie selbst anpacken, weil sie dann nicht mehr darauf warten kann, dass Du es schon machen wirst (z.B. die Kartons wegräumen). Wenn sie es dennoch nicht tut, wäre es halt ihre Sache und Du wärst aus der Verantwortung raus.

Du kannst dann ja trotzdem im normalen freundschaftlichen Rahmen für sie da sein, aber Du kannst Dich dann auch jederzeit zurückziehen, wenn es zuviel wird.

sOerend:ip]ityx84


So, ich habe nun endlich den Brief an meine Freundin fertig geschrieben.. es ist gar nicht so leicht, meine Gefühle und Gedanken so zu formulieren, dass sie nicht zu sehr nach Vorwürfen klingen. Schließlich ist das ganze auch ne sehr emotionale Sache für mich.. habe mit einem freund zwischendurch Rücksprache gehalten und ein paar Passagen, die vielleicht zu hart klangen, ein bichen abgemildert bzw umformuliert und hoffe, dass es mir einigermaßen gelungen ist.

Ich werde sie morgen wahrscheinlich kurz sehen und wollte ihr den Brief bei der Gelegenheit gerne geben. Ich hoffe, dass mich dann nicht der Mut verliert, aber ich weiß ja, dass ich nicht drum rum komme, mit ihr über mein Befinden in dieser schwierigen Situation zu reden. Je früher ich das mache, desto besser.

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