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Austausch: Leben mit bipolarer Störung ohne Medikamente

B2ronrwxen hat die Diskussion gestartet


Hallo und danke, dass Ihr reinschaut.

Ich suche Rat oder Erfahrungsberichte von Leuten, die entweder selbst damit Erfahrungen gemacht haben oder deren Angehörige, oder die sonst irgendwie damit in Kontakt gekommen sind.

Ich würde mich sehr freuen, Ihr mich an euren Erfahrungen teilhaben lasst.

Also am beste erst mal zu mir:

Ich bin heute 22 Jahre alt. Ich habe eine langne 'Kranken'geschichte hinter mir.

Egal wie schlimm mein Zustand auch immer war, ich wollte immer nur, wieder glücklich sein. Ich habe mir immer gesagt, irgendwann hört es auf. Irgendwann wird es wieder gut. Bis heute sage ich mir das in schlimmen Momenten, um durch zu halten.

Durch jahrelange Therapie, Psychoedukation, Behaviorthreapie, Skillstraining und der Bereitschaft zur Selbstanalyse habe ich mir ein gutes Backup geschaffen.

Ich erkenne meine Symptome und reagiere darauf. Außerdem gibt es einen Kreis aus Vertrauten um mich, die bescheid wissen und die im Notfall eingreifen würden.

Aber trotzallem ist der einzige Grund, dass es funktioniert derjenige, dass ich mir jeden Tag sage, dass das, was ich teilweise Wahrnehme nicht mit der Realität übereinstimmt. Dass es sich für mich zwar so anfühlt und alle Quellen ausdenen ich mein Bild der Realität beziehe mir zwar das eine sagen, aber dass dies nicht so ist.

Ich achte sehr auf meinen Tagesablauf, darauf genug zu schlafen und nicht zu viel Kofein zu mir zu nehmen und all das andere Zeug.

Ihr habt es hier also mit keinem Neuling zu tun. Ich weiss, dass es soweit kommen kann, dass ich erneut in die Psychiatrie muss oder starke Medikamente nehmen muss. Und dazu bin ich im Notfall auch bereit.

Aber ich möchte dies solange ich kann vermeiden.

Kurz zu den letzten zwei Jahren:

Ich erlitt, nach einer depressiven Phase, eine recht starke Manie, die beinah in einer Psychose geendet wäre. Leider habe ich doch einen ausgeprägen Hang zur Psychose. Nicht nur Wahnvorstellungen, die mich, meinen Körper und meine Umwelt betreffen, sondern auch (Pseudo-)Halluzinationen. Nach einer eher kurzen depressiven Phase, die darauf folgte, hatte ich eine Zeit der Ruhe. Ca ein jahr bis jetzt.

Ich war relativ ausgeglichen (abgesehen von den üblichen Schwankungen, da ich unter stark ausgeprägen Formen von PMS leide, oder tages- und stressbedingte Reaktionen).

Aktuell bin ich nirgendwo in Behandlung. (Meine Hausärztin, die auch meine Vertraute und eine langjährige Bekannte meiner Familie ist, weiss bescheid und kann gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen)

Langfristig werde ich mir erneut einen Psychiather suchen, genieße aber nun auch die Zeit ohne.

Seit November leide ich vermehrt unter einer depressiven Verstimmung, was ganz typisch im Winter bei mir einsetzt.

Es handelt sich hierbei aber nur um eine leichte Depression.

Es geht mir eigentlich gut. Meine Lebensumstände sind gesichert und haben eine klare Struktur.

Alle Leute, die ich kenne, sind von ihren Medikamenten ganz belämmert, haben aber niemals eine Therapie gemacht und sind garnicht bereit was an ihrem Leben zu ändern.

Einer meiner engsten Vertrauten ist ganz und gar an dieser Krankheit zerbrochen. Ich weiss ehrlich gesagt nicht mehr, ob sie noch lebt, denn ich ahbe keinen Kontrakt mehr zu ihr. Ich habe ihr versucht zu helfen, aber es kommt der Punkt, wo man sich aktiv für sich selbst entscheiden muss.

Ich weiss, dass der Weg, den ich gehe, sehr schwer ist. Es gibt Tage, da habe ich das Gefühl es nicht zu schaffen.

Aber um so stolzer bin ich auf mich, sagen zu können, dass ich meinen Weg gehe!

Ich habe einen gefestigten Charakter und verfolge meine Ziele.

Durch meine Umstände und dem 'gezwungenen' Aueinandersetzen mit meiner Persönlichkeit, weiss ich genau, was ich will und habe mir eine Art Lebensweisheit angeeignet, die nicht viele meines Alter haben.

Ich suche jemanden, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Mit dem man sich Austauschen kann.

Ich würde mich sehr freuen! Liebe Grüße!

Antworten
ZBw}axck44


Der Verzicht auf Medikamente bei bipolarer Störung ist wahrscheinlich nicht das Allerklügste. Grundgerüst einer medikamentösen Behandlung ist eine sog. Phasenprophylaxe. Psychotherapie steht nicht in dem Ruf, alleine helfen zu können, weil sich der in "Unordnung" geratene Hirnstoffwechsel durch Gespräche nicht genügend beeinflussen läßt. Aus meiner Sicht hast Du Dir mit dem Wunsch, möglichst weit ohne Medis auszukommen, das falsche Ziel gesetzt. Gegen Deine Winterdepression könntest Du einmal eine Lichttherapie versuchen.

Btron{wexn


danke für deinen beitrag und auch für den tipp mit der lichttherapie. ich habe eine rotlichtlampe und gehe viel tagsüber spazieren um etwas licht abzubekommen.

ich weiss nicht, ob du selbst unter einer ähnlichen störung leidest, oder jemand aus deinem umfeld. aber ich denke, dass du nur für dich sprechen kannst, wenn du sagst, dass es ohne medikamente nicht geht.

ich denke, dass ich mich hier nicht rechtfertigen muss. jeder muss seine eigene entscheidungen treffen. ich habe den willen und die selbsteinsicht aufgebracht mit meiner erkrankung umzugehen und etwas positives daraus zu machen.

ich weiss, dass ich anders denke und funktioniere. aber anstatt mich mit medikamenten auf 'normallevel' zu dröhnen, versuche ich es auf einem anderen weg, der für mich gut funktioniert.

menschen sind zu unglaublichen leistungen fähig. und ich bin mehr als meine triebe und die chemie in meinem kopf.

ich hoffe, dass dies noch mehr menschen für sich entdecken können. denn es ist schade in einer gesellschaft zu leben, die medikamente nimmt, um so zu sein wie alle andere.

natürlich gibt es tiefphasen, indenen auch ich medikamente nehmen muss. aber das gehört eben dazu. ich bin bereit, wenn es schlimm wird, maßnahmen zu ergreifen, die mir nicht gefallen. und tue dies auch.

ich lebe schon eine ganze weile so und habe mehrere depressive und manische phasen inklusive psychotischer zustände gut überstanden.

ich suche hier also keine ratschläge, ob es auf meine art funktioniert oder nicht.

Ich muss nicht meine chemische 'Unordnung' in 'Ordnung' bringen, ich gehe mit dieser 'Unordnung' um. Denn nicht jeder Mensch empfindet und denkt gleich.

ZMwaxck44


Die Chancen auf Behandlungserfolg psychischer Erkrankungen fallen mit unnötigem Aufschieben ab. Du hast es also selbst in der Hand, aber ... des Menschen Wille ist sein Himmelreich.

Ich selbst bin Depressionspatient und bin mit ADs so eingestellt, dass ich ein normales Leben führen kann. Ein enger Freund von mir leidet unter bipolarer Störung, steht unter Behandlung und führt ebenfalls ein normales Leben.

Btron7wexn


Ich verstehe nicht ganz was du meinst? Was ist denn bitte der behandlunserfolg? Ich habe mit meiner vergangenheit abgeschlossen, ich führe eine sehr schöne beziehung, ich habe tolle freunde und gehe meiner bildung nach. Ich stehe mitten im leben und genieße das. Mit höhen und tiefen, wie jeder mensch. Ja natürlich ausgeprägter, aber was ist normal? Ich will keine medikamente, die mich zu einem fremddefinierten wesen machen. Ich bin so wie ich bin ein toller mensch! Und auch wenn es mal sehr weh tut und schwer fällt, kann ich meine gefühle, gedanken und wahrnehmung, die ich nicht kontrollieren kann, so lenken, dass sie keinen schaden anrichten. Das habe ich meiner therapie zu verdanken und wenn etwas ein behandlungserfolg ist, dann doch das?!

BRronw`en


Oder glaubst du etwa, dass dich deine medikamente glücklich machen und erfüllen? Psychopharmaka sollten nur im notfall eingesetzt werden, und wenn patienten nicht mehr behandelbar sind. Sie sind nicht der knopf, den wir drücken, um glücklich zu sein. Ich hoffe, du findest das glück in dir selbst.

S!iraxt


oh oh oh ich befürchte das hier driftet gerade ab bzw eskaliert ein wenig

Also prinzipiell kann ich beide seiten verstehen

aber jetzt erstmal zu der te

ich werd jetzt mal nicht alles rauskopieren aber so wie ich deinen anfangspost gelesen habe, scheinst du ja schon probleme zu habe, sonst würdest du hier nicht schreiben. ja antürlich alle haben probleme, aber es ist imemr ne frage der intensität und der häufigkeit

So definiert man ja auch gerne psychische Krankheiten, Symptome hat jeder, wenn sie aber gehäuft und intensiv auftreten siehts anders aus

Und zwack redet ja nicht nur aus seiner persönlichen Situation heraus, sondern es gibt nunmal psychische Erkrankungen wo die FDachkräfte und profis sagen das eine medikamentöse Behandlung sehr sinnvoll ist.

Die Frage ist was man will, bei dir klingt das aber imemr so als würden alle die medis nehmen zu tumben zomvies werden. Wie du selber sagst medis sind oft da um behandlungsfähig zu machen, aber es gibt auch einige krankheiten, wo die leute dauerhaft auf medis angewiesen sind damit sie ne gewisse lebensqualität haben.

Weißt du denn wie du dich fühöen würdest und dein leben aussehen würde, wenn du mehr bzw überhaupt medis nehmen würdest? Vielleicht hättest dud ann nicht mehr so tiefe phasen und würdets gar nicht mehr in richtung psychose abdriften. Wäre das nicht erstrebenswert?

Und ich hab mal einen interessanten Artikel von nem Journalisten über ads gelesen, der meinte klar vielleicht wäre er ohne die ads ein gequältes genie und würde tolle werke schreiben, aber was hötte er dennd aovn, wenn er dann auch schrecklich leiden würde, jetzt mit den ads würde er sich gut fühlen und sein leben genießen können.

Nicht jeder braucht so extreme höhepunkte die man durch manche krnakheiten hat weil sie nicht die tiefpuntke haben wollen, man soltle ein leben nicht nach den höhepunkten, sondern dem durchshcnitt bewerten finde ich.

Und dann verzichte ich persönlich gerne mal auf extreme hochphasen, wenn ichd afür nicht zu tode betrübt habe.

Das klingt bei dir halt so als würdest du denken man verliere sein selbst durch medis, aber ein befreundeter Psyhcologe meinte mal es sei eher anders, durch die medis würde eben das krnakhafte zurückgedrängt werden, was man nicht sei und dadurch würde das wirkliche selbst freigelegt werden. das macht finde ich sinn,d a psychische krankheiten nunmal symptome bzw überlebensmechanismen sind die durch bestimmte ereignisse etc nicht aufgetreten wären und dann wäre man eben ganz anders und durch medis und behandlung versucht man dahin zu kommen.

S;pring#chxild


Halllo Bronwen! *:)

Ich will keine medikamente, die mich zu einem fremddefinierten wesen machen. Ich bin so wie ich bin ein toller mensch! Und auch wenn es mal sehr weh tut und schwer fällt, kann ich meine gefühle, gedanken und wahrnehmung, die ich nicht kontrollieren kann, so lenken, dass sie keinen schaden anrichten. Das habe ich meiner therapie zu verdanken und wenn etwas ein behandlungserfolg ist, dann doch das?!

Ganz genau. :)^

Lass Dich nicht provozieren. :)_ Auch ich lebe ohne Medikamente mit meiner bipolaren Störung – ausprobiert wurde so einiges, aber statt dass es mir half hatte ich immer nur Nebenwirkungen, und es hat mir immer aufgestoßen, angeblich nicht aus mir selbst heraus stabil sein zu können. Heute bin ich es und führe ein "normales Leben", habe sogar eine kleine Tochter, um deretwillen ich sogar noch mehr Kraft aufbringe, meiner Störung zu trotzen. :-)

Klar, es gibt Phasen in denen ich mir denke, dass eine Phasenprophylaxe vielleicht nicht verkehrt gewesen wäre. Ich neige leider auch zu Psychosen, die sich z. B. in ausgeprägtem Verfolgungswahn äußern. Aber mit eisernem Willen und mit guter Kenntnis der eigenen Mechanismen schafft man es aus solchen Phasen auch wieder raus.

Um es mit Hermann Hesse zu sagen:

"Das ist die tiefste Lebenslist:

Den Ort auf jedem Wege wissen,

Wo seine Sphinx verborgen ist.

Ich fand im Leben keinen Tag,

In dessen Tiefe grinsend nicht

Das zwiegestalte Scheusal lag.

Ich bin ihr oft vorbeigegangen

Und sah den gruenen Hungerblick

An meinen Schritten gierig hangen.

Ich schritt vorbei und gruesste sie

Mit freundlich boesen Kenneraugen:

Noch immer munter, gutes Vieh?

Sie kennt nun lang schon mein Gesicht

Und folgt mir mit muerrischen Tigerblicken,

Aber die Krallen zeigt sie nicht.

SCpri.n,gchilxd


@ Sirat:

Weißt du denn wie du dich fühöen würdest und dein leben aussehen würde, wenn du mehr bzw überhaupt medis nehmen würdest? Vielleicht hättest dud ann nicht mehr so tiefe phasen und würdets gar nicht mehr in richtung psychose abdriften. Wäre das nicht erstrebenswert?

Für mich persönlich ist das nicht erstrebenswert. Es wäre sicher der einfachere Weg, hat aber für mich auch einen faden Beigeschmack. Mir tut es gut zu sehen wie viel Kraft ich habe, und aus Phasen der Stabilität folgt mehr Stabilität. Wenn ich meine Depressionen von vor fünf Jahren mit meinen heutigen Depressionen vergleiche kann ich schon behaupten, dass sie durch die harte Arbeit an mir selbst und meinen eisernen Willen schon deutlich schwächer geworden sind.

Aber Bronwen hat das Thema sicher nicht eröffnet, um das Für und Wider von Medikation zu diskutieren, sondern weil sie sich mit Leuten austauschen wollte, die wie sie ohne Medikamente leben. Und das finde ich ganz wichtig und spannend, deswegen bitte ich euch den Faden nicht durch irgendwelche Grundsatzdiskussionen zu zerstören. @:) Sowohl Bronwen als auch ich haben schon einen langen Weg hinter uns und sind uns durchaus bewusst, was wir tun.

Mhal$chus


Hallo Bronwen,

finde gut, dass Dein Umfeld Bescheid weiss und Du das Vertrauen hast, Dich an Deine Hausärztin zu wenden, wenn Du spüren solltest, dass etwas nicht stimmt.

Ich kenne bipolare Störungen als Angehöriger. Mein Vater, ein Exfreund und andere Leute in meinem Bekanntenkreis haben das.

In unterschiedlicher Ausprägung.

Mein Vater könnte ohne Medikamente definitiv kein Leben führen. Sie helfen ihm enorm und er ist zudem unter ständiger fachlicher Betreuung, da er eine Gefahr für sich und andere darstellt. Er hat einen Betreuer eines Betreuungsvereins, der Behördenschriftkram erledigt und so.

Wenn mein Vater mir sagen würde, er braucht die Medikamente nicht mehr, so kann ich aus vieljähriger Erfahrung bei ihm sagen: das wäre katastrophal und solche Katastrophen gab dann leider jeweils schon mehrfach. Er nimmt die Medikamente unter Aufsicht ein, damit die tägliche Einnahme gewährleistet ist.

Meinem Exfreund merkte man die Diagnose gar nicht mehr an. Er kann sich freuen, er kann traurig sein, alles in einem gesunden Maß und hat eine ziemlich "gesunde Lebensenergie". Er nimmt dauerhaft eine niedrige Dosis Lithium und kann damit sehr gut leben, ist erfolgreich im Beruf und hats privat schön. Er musste allerdings, bevor ich ihn kannte, lange Jahre finanziell knapsen: er hatte mal das Lithium abgesetzt, weil er über viele Jahre so stabil war und prompt rutschte er in eine Manie, verspekulierte sich in hohem Bogen und musste jahrelang dafür zahlen. (Ob dies heute noch so wäre, weiss ich nicht, mein Vater hat mal ein Auto gekauft, das er ohne Manie hätte nicht wollen und konnte es zurückgeben)

Wegen der wahrscheinlich je nach Ausprägung der Erkrankung unterschiedlichen, aber nicht zu unterschätzenden Gefahr der Eigen- und Fremdgefährdung muss bei dieser Erkrankung alles getan werden, um mögliche schlimme Folgen zu verhindern.

Ob dies ohne Medikamente mit dem Netz aus spezialisiertem Arzt, der den Patienten genau kennt und der Familie, Freunden geht, kann ich bei Dir nicht beurteilen. Zumal als Laie das eh nicht geht. Ich würde den Arzt fragen, der Deine Erkrankung und Dich gut kennt (Hausarzt reicht da als alleiniger Ratgeber meines Erachtens für diese Frage nicht aus)

Aus meinen Erfahrungen heraus würde ich sagen, hätte ich eine bipolare Störung, wäre das eine der wenigen Voraussetzungen, wo ich eine Dauermedikation bei mir befürworten würde. Wie gesagt, ich kann das bei Dir natürlich nicht beurteilen. Alles Gute :)^

Gruß Malchus

BBron7wen


Danke Springchild, dass du hier geschrieben hast! es ist schön mit jemandem zu schreiben, der das versteht.

@ malchus:

ich denke es ist auch sehr wichtig, wie früh so etwas diagnostiziert und ein bewusstsein dafür geschaffen wird.

da hatte ich auch glück.

@ sirat:

es ist eine bewusste entscheidung. ich erdulde lieber auch die nachteile und nutze das potenzial, dass ich dadurch auch habe.

ich habe schon medikamente genommen, und ich habe nichts mehr empfunden. keine trauer, aber auch keine freude. was ist das für ein leben? wie im eis. ohne tiefen ja, aber auch ohne höhen. und sex wird auch zu einem fremdwort.

als ich die medikamente abgesetzt habe (zusammen mit meiner psychiaterin, da ichb über 60% meiner haare verloren habe und unter starken alpträumen litt), fing ich in der anfangsphase spontan ohne grund an zu weinen. ich vergesse nie, wie ich seit langer zeit das erste mal wieder weinte. ich sahs da und weinte eine stunde ohne grund. danach fühlte ich mich befreit. wie neu.

phasen des leids geben neue kraft und weinen hat eine reinigende wirkung.

@ springchild:

ich hatte seit dezember wieder vermehrt schlechte gedanken. ich habe mich minderwertiger gefühlt und es viel mir immer schwerer mich zu motivieren. meine leistungs- und konzentrationsfähigkeit nah ab. nicht so stark, dass ich meinen alltag nicht emhr bewältigen konnte, aber doch merklich. ich litt auch vermehrt unter migräneanfällen und musste doch imemr mal wieder aussetzen.

es viel mir sehr schwer, mich jedes mal wieder auf zu raffen.

ich hab darauf geachtet, regelmäßig raus zu gehen (da ich einen hund habe, mache ich das automatisch) und habe versucht darauf zu achten, meine sozialen kontakte nicht schweifen zu lassen.

ich weiss nämlich, dass ich dazu tendiere mich zurück zu ziehen. da ich mich minderwertig fühle, entwickle ich häufig eine soziale paranoia. etwa, dass meine freunde mich nicht mögen usw.

normalerweise bin ich recht überzeugt von mir. aber diese gedanken, lassen einen sehr an sich zweifeln.

ich muss mich dauernd daran erinnern, dass ich nach wie vor gut so bin. und dass nicht ich, sondern meine gedanken schlecht sind.

ich erinnere mich immer wieder daran, dass das nur meine gedanken undgefühle sind und nicht die realität. aber wenn alle deine sinne dir etwas sagen, wird es nun mal teil deiner realität.

ich denke, dass ist das aller schwierigste.

die letzten drei tage geht es mir aber wieder sehr gut. am freitag habe ich mich das erste mal wieder richtig wohl in meiner haut gefühlt. ich hatte ienen richtig guten lauf. ich hoffe das hält an und ich kann mich aus meinem winterblues ziehen^^

es wäre an der zeit! aber ich denke spätestens mit den ersten wärmerentagen wird es leichter. kälte setzt mir extrem stark zu.

ich habe auch zwischenzeitlich über ads nachgedacht. ich haben mir hier und da pausen gegönnt und mich einfach auch mal krank schreiben lassen, denn zu viel druck führt immer nur zu einer verstärlung der symptome bei mir. aber ich musste auch die möglichkeit in betracht zeihen, dass ich es aus eigener kraft nicht schaffe.

ich hole momentan mein abitur nach. ich musste in der 12ten leider abbrechen, da meine eltern gegangen sind und ich arbeiten musste um nicht auf der starße zu landen. ich musste über zwei jahre warten, da man den 2 bildungsweg nicht direkt im anschluss an der 1. beginnen darf.

mein abitur ist mir sehr wichtig, da ich unbedingt studieren will. es läuft auch sehr gut, aber nun zu viel zu fehlen, wäre fatal!

ziehst du manchmal in betracht, medikamente zu nehmen?

als ich das letzte mal ein antidepressivum (fluoxetin) nahm, hatte ichd anach eine starke maische phase.

davor hätte ich angst. grade, weil ich finde dass es schwieriger ist mit manischen pahsen um zu gehen.

die kraft die man in hypomanischen pahsen, bevor es unproduktiv wird, hat, empfinde ich immer sehr positiv. aber grade das ist das gefährliche. wie stehst du dazu?

würde mich über eine antwort freuen!

liebe grüße!

ps: ein sehr schönes gedicht!

hier ein teil eines gedichts von selma meerbaum-eisinger, das zwar einen ganz anderen hintergrund hat, aber trotzdem sehr passen und vor allem schön ist:

Ich möchte leben.

Ich möchte lachen und Lasten heben

und möchte kämpfen und lieben und hassen

und möchte den Himmel mit Händen fassen

und möchte frei sein und atmen und schrein.

Ich will nicht sterben. Nein.

b%ipolarP-leyben


Hallo, ich habe eine fast 50jährige Geschichte bipolar/rapid cycling hinter mir. Inzwischen lebe ich "normal" (nach außen) und das ohne Medikamente. Es ist ein täglicher Kampf und ich gehe viele Wege und muss sagen Du bist auf einen guten Weg, soziale Kompetenz aufbauen, die eigene Perspektive ganz stark zu hinterfragen (auch wenn es mitunter sehr weh tut) sind wichtige Anker. :)^ Ich habe meine Erfahrungen der letzten 10 Jahre gesammelt:

[[www.bipolar-leben.de]]

Dort finden sich viele Aspekte wie Lebensweise, Sport, Ernährung und kognitive Verhaltenstherapie. All das kann in Kombination mit viel Disziplin, die Schwankungen zu erkennen, selbst gesetzte Regeln auch zu beachten und einem Umfeld, das unterstützt, ein Leben ohne Medikamente ermöglichen.

Die Krankheit ist so alt wie die Menschheit und bis vor ca. 50 Jahren gab es gar keine Medikamente. Ob Mozart so berühmt wäre, wenn er Medikamente genommen hätte?

S%et!zenx6


Ich bin auch schwerst bipolar. Es war interessant, deinen Beitrag zu lesen und ich bewundere dich. Auch ich bemühe mich um eine starke Struktur, sowohl im Großen als auch im Kleinen.

Dennoch muss ich mittlerweile sagen, dass ich auf Medikamente nicht mehr verzichten möchte. Seit vier Monaten nehme ich Valproat als Phasenprophylaxe (nachdem ein Versuch mit Lithium wegen einer entstehenden Akne inversa scheiterte) und ich muss sagen: Ich möchte niemals mehr darauf verzichten. Ich habe keinerlei Nebenwirkungen, bin nicht "belämmert", fühle mich nicht fremdgesteuert oder ähnliches. Ich will dich damit keinesfalls zu diesem Medikament "überreden", denn ich finde, du klingst sehr überzeugt von deinem Weg und jeder muss schließlich seinen eigenen Weg finden, aber ich für mich sage ehrlich, dass ich es mir nicht unnötig schwermachen muss, wenn mir stattdessen das Valproat so unendlich stark hilft. Ich habe keinerlei "Spitzen" mehr, weder nach oben Richtung Manie noch nach unten Richtung Depression. In den Phasen der latenten Manie lebte ich extrem gefährlich, fuhr Auto unter Alkoholeinfluss, war promiskuitiv, Drogen nicht abgeneigt, trank wie ein Loch und fühlte mich schlichtweg unsterblich (es war nicht mehr weit, bis ich auf Hochhausdächern balanciert wäre, da ich dachte, ich könne sowieso fliegen!). In den Phasen der Depression kam ich aus dem Grübeln nicht mehr raus, hatte wiederkehrende Suizidgedanken, völlige Appetitlosigkeit, eine brachliegende Libido und das Gefühl, vollkommen abgeschottet von allem zu sein.

Warum muss ich mir das antun, wenn mir ein Medikament, das ich als völlig nebenwirkungsfrei erlebe (natürlich greift es auf meinen Körper trotzdem ein, das ist mir klar) helfen kann? Ich möchte das Valproat nie mehr missen, weil es meine Lebensqualität um ein vielfaches erhöht hat. Endlich führe ich ein Leben in der mir bis dato unbekannten "Mitte".

Aber wie ich schon sagte: Jeder muss den Weg finden, der richtig für ihn ist. Und wenn deiner richtig für dich ist, geh ihn weiter. :)*

S&etrzenx6


Nachtrag: Meine Mutter ist ebenfalls bipolar (rapid cycling) und sie nimmt keine Medikamente. Das hat unsere ganze Familie zerstört. Ich wage die These, dass in meiner Familie sehr sehr viel weniger Unglück geschehen wäre, wenn sie sich hätte behandeln lassen. Wir haben alle, jedes einzelne Familienmitglied, extrem Schaden an ihrer Krankheit genommen. Ich bin daher skeptisch, ob jeder bipolarer Mensch wirklich beurteilen kann, wie "gesund" er ohne Medikamente ist. Meine Mutter war überzeugt davon, dass wir krank sind und nicht sie.

Ich muss aber sagen, dass dein Beitrag äußerst differenziert klingt und ich deshalb glaube, dass du auf deine Gefühle vertrauen kannst.

Viel Glück weiterhin :)*

wt0nde$rer


Hi bronwen

Habe mich sehr über deinen beitrag hier gefreut. Es ist schwehr menschen zu finden, die ihren eigenen weg zu gehen versuchen; weit ab Von der vorstellung, sie hätten eine genetisch bedingte unheilbare krankheit, die nur durch lebenslange medikation zu überleben ist. Leider ist Dorset weg sehr schwehr zu gehn, denn sobald man stollpert und nicht mehr ohne fremde hilfe aufstehen kann kommen Von allen seiten die besserwisserischen vorwürfe und wenn man nicht gewillt ist, gleich medis zu schlucken, steht man oft alleine da.

Es würde mich sehr interessieren, wie es dir in der zwischenzeit ergangen ist un wie es dir jetzt geht. ???

Lieber gruss

Wonderer

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