» »

Mein Exfreund hat sich aufgegeben (Brauche Rat!)

R#atlKoOs2 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich bin mehr als ratlos und weiß nicht wie ich mich verhalten soll. Deshalb habe im Internet gesucht und bin hier fündig geworden. Vielleicht kann mir ja hier jemand einen Rat geben. Mein inzwischen leider Exfreund ist 39 und wirft gerade sein Leben weg und ich weiß nicht wie ich ihm helfen kann/soll.

Vor ca. 2 1/2 Jahren wurde bei meinem Freund bei einer Blutabnahme Blutzuckerwerte von über 400 entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits übergewichtig und hatte etwa 20 kg zu viel auf der Wage. Der Hausarzt hat ihn dann zu einem Diabetologen überwiesen und er wurde mit Metformin und Januvia behandelt. Nachdem es nicht besser wurde, was mit Sicherheit auch daran lag, dass er sein Leben und seine Ernährung nicht umgestellt und vor allem die Medikamente nicht immer regelmäßig nahm, bekam er etwa ein Jahr später Probleme mit den Augen. Eine Überweisung zum Augenarzt ergab zwar, dass es keine Schädigungen gibt, aber der Augenarzt erklärte die Sehstörungen mit schwankenden und hohen Blutzuckerwerten. Auch bekam er Probleme auf der Arbeit, weil er immer müde war, nicht mehr leistungsfähig, weil er nachts nicht mehr richtig schlafen kann. Vor etwa 10 Monaten hat er dann selbst gekündigt, weil er es nach eigener Aussage nicht mehr packte, bekam dann auch eine ALG Sperre deswegen. Ich habe ihn dann doch zum Diabetologen geschafft und dort wurde ihm dann gesagt, dass er jetzt unbedingt anfangen müsse Insulin zu spritzen. Hier wurde dann auch zu hoher Blutdruck festgestellt und er bekam auch hier Tabletten. Der Arzt sagte auch, dass er dringend Gewicht verlieren müsse, durch das viele herumsitzen hatte er weitere 5 kg zugenommen. In den Folgemonaten traten dann auch Potenzprobleme auf, was ihm den Rest gab, denn ein aktives Sexualleben war ihm immer wichtig. Obwohl ich Verständnis für alles aufgebracht habe, hat er im August 2011 die Beziehung zu mir beendet. Er meinte er könne das nicht, er schäme sich und er müsse erst mal sein Leben in Ordnung bringen. Er wollte mich in der Folgezeit auch nicht mehr sehen, selbst an Weihnachten durfte ich ihn nicht besuchen.

Nachdem er nicht mehr ans Telefon ging und auch auf meine SMS nicht antwortete, bin ich gestern einfach hin gefahren und nach ewig langem Klingeln öffnete er dann auch endlich. Ich bin richtig erschrocken. Er hat mindestens noch mal 20kg zugenommen. Ich habe dann versucht heraus zu bekommen was los ist. Er sagt, dass er nur noch rumliegt, weil er Rückenschmerzen beim sitzen bekommt, dass er kaum noch laufen könne und er sich Lebensmitte liefern lässt, weil er nicht mehr in der Lage wäre einkaufen zu gehen, dass er nicht mehr zum Arzt geht, weil er nicht weiß wie er da hin kommen soll, laufen könne er nicht, da seine Knie- und Fußgelenke das nicht lange mitmachen würden und Taxi wäre ihm zu teuer. Dann sagte ich, dass ich ihn fahren würde, aber er meinte der Arzt könne eh nichts machen und wolle ihn nur ständig zu einer Diabetikerschulung schicken und ihm sagen, dass er Gewicht verlieren müsse und das wüsste er selbst. Er sagt ihm wäre das alles egal es würde kommen wie es kommen soll und er könne das sowieso nicht ändern. Dann wollte er mich direkt wieder los werden, weil ihm das zu anstrengend wäre und er sich hin legen müsste und ich solle mir keine Sorgen machen, das würde mich eh alles nichts mehr angehen und dann hat er mich einfach rausgeworfen.

Ich weiß nicht was ich tun soll, aber so kann das doch nicht weiter gehen. Ich habe Angst, dass er sterben wird. Er würde sich nie selbst etwas antun. Er ist gläubig und das käme für ihn nie in Frage, aber wenn er sich nicht behandeln lässt kommt das dem doch gleich. Er hatte schon immer Probleme damit Hilfe anzunehmen und auch wenn es ihm nicht gut ging, hat er es immer überspielt.

Wie nennt man so etwas, wenn sich jemand selbst aufgibt? Ist das eine Depression? Welcher Arzt kann da helfen, wo setzt man da an und was kann ich (als Außenstehende) tun? Ich kann das nicht ignorieren und einfach so laufen lassen. Das macht mich so fertig, dass ich auch nicht schlafen kann.

Sandra

Antworten
AOlw9xandbr?a26


Hallo Sandra,

erstmal großes Lob dafür, dass Du ihn nicht aufgeben möchtest! :)*

Schwierige Situation. Er scheint in eine Depression abgerutscht zu sein. Wie war es denn, bevor die Symptome auftraten? Hatte er immer schon einen Hang zum "sich-hängen-lassen"? (Das frage ich wegen der 20 Kilo Übergewicht).

Das Problem ist, dass er Hilfe zulassen muss. Ihm muss bewusst werden, dass er Hilfe von Außen braucht, um wieder auf die Füße zu kommen. Vor allem Hilfe, was die Diabetes-Erkrankung betrifft.

Vielleicht hilft es, wenn Du ihm noch mal vor Augen führst, dass die tägliche Insulinspritze nach anfänglicher Überwindungsphase (wer spritzt sich schon gerne selbst?) irgendwann zur Routine wird und er ein recht normales Leben führen kann.

Meine Cousine hat seit Ihrer Kindheit Diabetes und es ging wirklich viele Jahrzehnte gut.

Mit den Spätfolgen muss er sich zwar auch irgendwann auseinandersetzen, aber anfangs vielleicht noch nicht. Er muss jetzt erstmal auf die Beine kommen.

Ich würde versuchen, ihm in kleinen Schritten ein paar gute Seiten aufzuzeigen (dass er durch konsequente medikamentöse Behandlung die Müdigkeit verliert und dann wieder genug Energie hat, arbeiten zu gehen; sein Sexualleben wird sich auch wieder bessern) sein Leben verbessern wird.

So, viel Text, ich hoffe, dass ich Dir ein wenig helfen konnte.

:)* :)* :)*

RZatlosx2


Danke für deine ausführliche Antwort.

Ich kenne ihn seit etwas mehr als 13 Jahren. Damals während dem Studium hat er viel Sport gemacht. Nach dem Studium kam der Schreibtischjob und mit den Jahren hat dann der Sport aufgehört, der Freundeskreis und die Interessen haben sich verändert und so kamen auch die Pfunde drauf, was mich bei 186 cm und um die 100 kg jedoch nicht beunruhigt hatte.

Er war immer sehr zielstrebig, aber ich weiß auch, dass er sich immer gut mit Situationen abfinden konnte, wenn er der Meinung war, dass er daran nichts ändern kann.

Ich habe heute ein paar Freunde erreicht und die sagen er hätte den Kontakt schon lange abgebrochen und wäre für sie nicht mehr erreichbar. Er scheint wirklich nur noch in seiner Welt und seiner Wohnung zu leben. Das Hauptproblem ist sein Stolz. Er hat sich noch nie helfen lassen und kann keine Schwächen zugeben. Er gibt immer den Starken, den nichts klein kriegen kann und meint alle anderen beschützen zu müssen, die ihm wichtig sind und wenn es ihm nicht gut geht, dann versteckt er sich oder läuft weg. Das war die ganzen Jahre schon so und deshalb weiß ich nicht wie ich da ansetzen soll. Ich bin mir sicher, dass er weiß, dass er ohne Medikamente und ärztliche Hilfe aus der Nummer nicht mehr rauskommt, aber selbst einem Arzt würde er nie erzählen wie es ihm wirklich geht. Er kann darüber einfach nicht reden.

Ich werde natürlich nicht locker lassen und alles versuchen was ich kann. Ich weiß nur nicht wo ich ansetzen soll. Klar muss sein Diabetes behandelt werden, aber hier anzusetzen halte ich fast für unmöglich, da er meiner Meinung nach erst aus seiner "Mir ist alles egal" Phase raus muss. Wer kann hier helfen? Ein Psychologe, Psychiater, Neurologe. Wenn ich ihm Hilfe anbiete, ihm sage, dass ich ihn unterstütze und begleite, dann muss ich auch wissen wohin. Ich kann ihm nur einen Schubs geben, laufen muss er dann alleine, aber ich muss zumindest die richtige Richtung kennen in die ich schubsen soll.

ATlwxXand?ra2x6


Hm, ich glaube, dass ich verstehe, was Du meinst.

Gerade für sehr starke Persönlichkeiten ist es oft ein Rückschlag, einer Krankheit ausgeliefert zu sein (was es in diesem Fall ja ist, wenn auch Medikamente viel helfen).

Wenn er sich aber auch nicht helfen lassen möchte, wird es schwer, ihn zu einem Psychologen zu bekommen. Meiner Meinung nach wäre der eine Möglichkeit. Die Diagnose einer Krankheit zu bekommen, die einen ein Leben lang begleiten und auch manchmal einschränken wird, ist nicht gerade einfach und haut auch den stärksten Menschen um.

Vielleicht hilft noch mal ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt? Der verweist auch an einen Psychologen. Dazu würde ich Dir jetzt raten. Man nimmt eher Hilfe von Fremden an, als von nahestehenden Personen.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH