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Zwangsgedanken – Angst – Schmerz

K|artoffenlbaum hat die Diskussion gestartet


Hallo liebes Forum!

Wahrscheinlich nicht der erste Beitrag zu diesem Thema aber sicher auch nicht verwunderlich, dass sich diese Themen wiederholen. Obwohl ich schon einige andere Diskussionen gelesen habe, möchte ich meine Situation gern schildern.

Ich (m/24) habe in den letzten Monaten berufsbedingt :-) vermehrt Umgang mit homosexuellen Männern. Das hat mich nie gestört, ich hatte stets meinen Spaß mit ihnen und es entstanden gute Freundschaften.

Im laufe der Zeit schlich sich in meinen Kopf der Gedanke, selber schwul sein zu können. Verstärkt wurde das durch die ironischen Äußerungen eines Schwulen, der zu meiner Freundin meinte, ich sie sei meine Alibi-Patnerin.

Der Gedanke wurde zum Zwangsgedanken. Bei Begegnungen oder beim Ansehen irgendwelcher Männer war der Gedanke wie ein Schatten da und belastete mich.

Dies steigerte sich bis zum Nervenzusammenbruch und Heulattaken. Da ich Friseurazubi bin, ist der Gedanke 9 Stunden am Tag im Nacken, denn männliche Friseure sind ja dem Klischee nach schwul und viele unserer Kunden sowie meine Vorgesetzten sind es auch.

Nach einer 3-jährigen Beziehung bin ich nun in einer bisher 1-jährigen Beziehung. Ich liebe meine Freundin aus ganzem Herzen, sie ist attraktiv, ich wünsche mir eine Familie usw.

In meiner Kindheit und Jugend gab es die übliche spielerischen Kontakte mit dem eigenen Geschlecht sowie mit dem weiblichen. Ungewöhnlich ist vielleicht, dass mein Cousin mich im Alter von ca. 6 Jahren dazu bewegte, unsere Penisse aneinander zu halten und ihn zu befriedigen. Er ist etwa 8 Jahre älter als ich. Ich konnte das damals nicht verstehen, empfand es aber auch nicht als "Missbrauch".

Ich bin mir auch dessen bewusst, dass ich anale Stimulation erregend finde – das habe ich bereits herausgefunden :-) Jedoch mein verstandesmäßiger Rückschluss, dies als Zeichen für Homosexualität zu deuten, versetzt mich in Panik. Und diesen Rückschluss gab es auch nie, als ich diese Stimulation empfunden habe (liegt etwas zurück).

Nun ist diese große emotionale Belastung da. Dass sie sehr hart ist, muss ich sicher nicht weiter ausführen, ebenso die Tatsache, dass ich mich nicht eins fühle mit dem hypothetischen Fakt, homosexuell zu sein.

Ich habe bereits fikitiv spekuliert: selbst nach einer Trennung von meiner Freundin und einem Outing würde ich keinen sexuellen Kontakt mit Männern in Erwägung ziehen.

Ich tröste mich immer damit, dass ich -falls ich gezwungenermaßen schwul sein muss- immerhin nicht gezwungen bin, Sex mit Männern zu haben; sondern einfach gar keinen Sex und keine Beziehung haben kann, quasi "in Sicherheit" wäre.

Während der Nervenzuammenbrüche gelangte ich unter dem enormen Leidensdruck zu dem Punkt, dass es mir egal war, homosexuell zu sein, meine Freundin zu verlieren oder irgendwas.

Trotzdem gab es keine Erleichterung und der Gedanke steigerte sich von neuem.

Es gab also nie das Erlebnis "endlich ist es raus", obwohl ich wirklich am Ende aller Kräfte war. Daher schließe ich aus, dass mein Problem lediglich das Eingeständnis der Sache ist.

Wenn ich wirklich homosexuell wäre, hätte ich dann solche Panik und Schmerzen bei dem Gedanken, meine Freundin dadurch zu verlieren?

Während der Nervenzusammenbrüche fühlt es sich so an, als drängte sich irgendetwas aus mir heraus, was ich vage als Homosexualität interpretierte. Gleichzeitig entstanden riesige Schmerzen, weil ich das Gefühl hatte mich selbst zu verlieren und meine Freundin auch. Was genau aus mit hervor bricht, kann ich nicht sagen. Angst vor dem Schwul sein, resultierend daraus Angst die Freundin zu verlieren...

Ich habe Heulkrämpfe gehabt, als sein jemand gestorben und bin zusammen gefallen. Ich habe mir gedacht "Ok, du bist schwul." Und trotzdem bin ich es nicht. Ich kann nichtmal sagen, ob der Konflikt in mir etwas mit Homosexualität zu tun hat – ich projiziere es bloß so auf diesen dumpfen Angstdruck in mir.

Ich fühle mich, als sei ich durch eine Kraft oder meine Gedanken dazu getrieben ohne es zu wollen. In mir denkt etwas "der Typ sieht geil aus" und ich empfinde: "Halt, das bin doch nicht ich" und Angst entsteht. Häufig korreliert diese Angst mit einer intensiven Verlustangst bezüglich meiner Freundin.

In den Momenten ohne Angst fühle ich mich leicht und erkenne mich wieder. Dann gibt es keine Zweifel sondern nur Freude über mich, meine Sexualität und das weibliche Geschlecht :-) Leider sind diese Momente selten.

Stückweise ist es mir gelungen, die Gedankenloops zu unterbrechen. Doch der letzte Zusammenbruch war gerade eben :-( Es fühlte sich an, als müsste ich mich einer Sache unterwerfen, ohne es zu wollen.

Das ist also mein... Problem. Ich habe schon viel analysiert. Trennung der Eltern, alkoholkranker abwesender Vater, berufliche Orientierungslosigkeit, Angst vor Veränderung, zuviel Pornokonsum als Jugendlicher, ... keine Ahnung.

Hat jemand Erfahrung damit oder kann einen Hinweis geben? Sind das Schmerzen aus der Kindheit? Wie erkenne ich die Ursache? Kann man zum "Opfer" von Homosexualität werden – es also werden, ohne es irgendwie zu wollen? Oder verarsche ich mich selbst?

Ich weiß, dass ich diese Fragen einem Psychologen stellen sollte – es ist aber gerade keiner hier :-)

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit und Geduld! :)=

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