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Ich flipp aus, wenn jemand nicht erreichbar ist...

bgr@uGma hat die Diskussion gestartet


Hallo

jetzt ist gerade Mal wieder so ein Moment, in dem ich mich beherrschen muss, nicht überzureagieren. Mein Freund ist mit einem Kumpel weg und hat mir vor ein paar Stunden eine Frage per SMS gestellt, die ich erst jetzt gesehen habe. Und nun ist er nicht erreichbar, sein Handy ist aus oder er hat keinen Empfang und bei mir geht das Kopfkino los – was, wenn ihm was passiert ist? Ist er vielleicht in Not? Hat er zu viel getrunken? Ist ihm was passiert?

Ich weiß, dass er wahrscheinlich nur keinen Empfang hat, und trotzdem flipp ich fast aus und muss mich sehr zusammenreißen.

Sowas passiert mir immer wieder. Letzte Woche ist ein Freund von mir beim Chatten eingeschlafen. Da es schon spät war bzw sehr früh und er mit dem Laptop im Bett, hab ich das zwar vermutet, aber andererseits kam dann diese Angst hoch. "Wahrscheinlich schläft er... aber was wenn nicht? Was wenn er aufgestanden und gestolpert ist und sich den Kopf angeschlagen hat??...." Hab ihn auf dem Handy angerufen, er ging nicht ran, hab fast den Notruf alarmiert, mich dann aber nochmal beherrscht und "nur" seine Nachbarin kontaktiert, dass sie mal nach ihm schaut. Er hat sehr fest geschlafen.

Bevor ich nun also wieder überreagiere – kennt das jemand und kann mir einen Tipp geben, wie ich diese ständigen Sorgen in den Griff bekomme?

Antworten
b#r(u$mxa


Okay – dass er nun wirklich im Krankenhaus war, wird meine Sorgen in Zukunft nicht gerade mildern :-( Treppe runtergefallen, zum Glück nur Handgelenk verstaucht. Hoffe ich...

CAhawnce0T07


hat mir vor ein paar Stunden eine Frage per SMS gestellt, die ich erst jetzt gesehen habe. Und nun ist er nicht erreichbar

Du warst ebenfalls nicht erreichbar. Nicht jeder muss permanent auf sein Handy schauen oder neben dem Telefon sitzen, in Erwartung eines Klingelns. :|N

Gute Besserung für Deinen Freund.

b~rumxa


Natürlich nicht, das erwarte ich ja auch nicht. Ich erwarte auch keine sofortige Antwort auf eine SMS oder dass jemand jederzeit ans Handy geht. Nur wenn das Handy unerwarteterweise aus ist oder eben plötzlich keine Rückmeldung mehr kommt, mache ich mir große Sorgen und weiß nicht, wie ich das abstellen kann :-(

S~milla(Gobligmhtlxy


Okay – dass er nun wirklich im Krankenhaus war, wird meine Sorgen in Zukunft nicht gerade mildern :-( Treppe runtergefallen, zum Glück nur Handgelenk verstaucht.

So etwas kann passieren. Es gehört zum Leben dazu, darf es aber nicht kontrollieren. Die simple Tatsache, dass etwas sein könnte, sollte weder eine Beziehung (egal welcher Art) belasten, noch sollte es dazu führen, dass Du schon prophylaktisch einen Herzinfarkt erleidest.

Ich hatte das gleiche Problem und mein Freund hat es mir sehr konsequent und effektiv ausgetrieben.

Sein Grundsatz ist folgender:

Wenn ich nicht ans Handy gehe, bedeutet das nicht automatisch, dass ich tot im Straßengraben liege. Mich dann zehnmal hintereinander anzurufen und/oder 20 SMS zu schreiben erhöht auch nicht die Wahrscheinlichkeit, dass ich rangehe – besonders nicht, wenn ich es beim ersten Mal nicht mitbekommen habe. Ich rufe Dich zurück, sobald ich sehe, dass ich einen Anruf verpasst habe.

So. Und dann stand ich da mit dem Handy in der Hand, drei Uhr nachts, 100 km entfernt, ein zitterndes Häufchen Elend – und habe nicht noch einmal angerufen. Und was war? Eine halbe Stunde später meldet er sich, war mit einem Kumpel weg und in der Disco hat das Handy keinen Empfang. Weiß ich ja auch, ich kenne den Laden...und hatte trotzdem Schiss.

Mittlerweile haben wir die Vereinbarung, dass man sich meldet wenn wirklich etwas los ist und telefonieren ansonsten, wenn einer von uns beiden nicht da ist, einmal zu einer fest ausgemachten Zeit. Der Tag verläuft viel entspannter weil wir beide wissen, dass wir uns in dieser Hinsicht aufeinander verlassen können und keiner unnötig Drama schiebt.

Das Ausschlaggebende war, dass er sich nicht hat beirren lassen und diese "Erziehung" konsequent durchgehalten hat. Das war für mich nicht leicht, vor allem weil ich auch gleich dachte "OhmeinGottesistwaspassiert", aber das hat sich gelegt. Ich gehe doch auch nicht jedesmal ans Handy und lebe noch, warum sollte es bei anderen Menschen anders sein?

Jetzt habe ich noch eine Frage an Dich, bruma: Woher kommt diese irrationale Angst bei Dir persönlich?

Eine solche Angst entwickelt man nicht einfach so, sondern A) lernt sie von anderen oder B) hat einmal etwas erlebt, dass diese Angst hervorgerufen hat.

Bei mir selbst war es Fall A): meine Mutter ist extrem ängstlich und zeigt das gleiche Verhalten – ich kannte es nicht anders. Der Grund in ihrem Falle ist allerdings, dass sie ihren Vater durch einen Autounfall verloren hat und daher immer befürchtet, es könnte etwas passiert sein (also B)).

Was ist es bei Dir? Das Erkennen dieses Faktors trägt viel zur Lösung bei.

Und eine Lösung muss her, denn durch dieses Verhalten fühlen sich andere Menschen oft belagert und kontrolliert, und dass man nachts die Nachbarin ruft um bei jemand anders in die Wohnung zu schauen ist für mich ein Eingriff in die Privatsphäre – stell Dir mal vor, er wäre Nacktschläfer :-o

Finde heraus, was diese Angst in Dir auslöst. Sprich mit deinem Freund und anderen Freunden darüber und vereinbart Regeln (die für die meisten eigentlich selbstverständlich sind, es für Dich aber noch nicht sind und es für mich vorher auch nicht waren): nur einmal anrufen, wenn man es verpasst, zurückrufen.

Auf diese Art und Weise lernt man, entspannter zu leben und das führt dazu, dass sich andere Leute vielmehr über einen Anruf freuen – denn mit einem "Oh Gott, wo bist Du was machst Du ich hab mir solche Sorgen gemacht tu das nie wieder *schniefheulechluchz*" begrüßt zu werden macht keinem Spaß und ruiniert jedes Telefonat.

In diesem Sinne:

Alles Liebe und viel Erfolg!

Smilla @:)

bUrumxa


Hallo Smilla,

danke für deine Antwort. Eure Abmachung finde ich gut, wahrscheinlich sollte ich sowas mit den jeweiligen Leuten auch einführen. Du hast recht, ich sollte das mit ihnen besprechen. Bisher habe ich mich davor gescheut, das allerdings überhaupt zuzugeben, dass ich mir solche Sorgen gemacht habe und sowas

"Oh Gott, wo bist Du was machst Du ich hab mir solche Sorgen gemacht tu das nie wieder *schniefheulechluchz*

vermieden. Das mit der Nachbarin hat mich dann allerdings "verraten". Der Freund fand das zum Glück nicht schlimm... Verstanden hat er es aber nicht so recht und es war mir auch zu peinlich, es ihm zu erklären :-/

Meine Angst hat eigentlich zwei Gründe.

Dieser Freund, dem ich die Nachbarin vorbeischickte, ist ein Mensch von der Sorte, die andauernd irgendwelche Unfälle haben. Ich denk mir dann zwar, ich kann dann eh nichts dran ändern und er meldet sich ja und gibt bescheid wenn was ist, aber dann muss ich an einen Vorfall vo wenigen Jahren denken...

Mein Vater erlitt nachts einen Herzstillstand und hat nur überlebt, weil meine Mutter, die sonst einen sehr tiefen Schlaf hat, wach geworden ist, als er kurz gehustet hat... Und wenn meine Gedanken dann so verrückt spielen, wenn ich Angst bekomme, es sei was passiert, denk ich immer an diese Situation. Dann versuche ich mich einerseits zu beruhigen und andererseits denke ich, lieber ruf ich einmal zu oft Hilfe als einmal zu wenig. Ich könnte es mir nie verzeihen, wenn ich schlafen gehe und sich im Nachhinein rausstellt, dass ich mir die Sorgen ganz zurecht gemacht habe und der Mensch hätte gerettet werden können, wenn ich reagiert hätte. Auf der anderen Seite ist mir natürlich auch bewusst, dass wenn man öfter falschen Alarm gibt, man seine Glaubwürdigkeit verliert, was mich bisher meistens davor zurückgehalten hat.

Ich habe mir diese Sorgen auch schon davor gemacht. Beispielsweise, wenn mein kleiner Bruder beim Spielen wieder die Zeit vergaß und draußen nicht aufzufinden war, hatte ich Angst, jemand hätte ihn entführt, obwohl mir das selbst als Kind auch oft genug passiert war. Aber dann kam das mit meinem Vater, dann hatte der o.g. Freund einen schweren Autounfall und gestern das mit meinem Freund... jedes Mal, wenn sowas ist, weitet sich die Sorge irgendwie aus :-(

a5ugq233


Hallo bruma, du teilst mit Millionen anderer die schwere Last in einer Zeit zu leben, in der jeder Mensch fast immer und überall zu erreichen ist. Das kann man als nicht änderbar hinnehmen. Man kann sich aber auch fragen, wie Millionen Menschen vor 60 Jahren ähnliche Situationen überstanden haben. Da würde ich mal ganz einfach jeden in meiner Umgebung fragen, der älter als 70 Jahre aussieht und ihn die Frage stellen, wie er solche Situationen damals erlebt hat. Vielleicht unterscheiden sich die Menschen inzwischen in ihrem Vertrauen zu sich selbst und zu anderen Menschen.

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