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Angst mit Eltern zu reden

d^000xwn hat die Diskussion gestartet


Hey Leutz,

ich bin mir jetzt nicht ganz sicher ob ich hier im richtigen Forum bin oder ob das überhaupt relevant genug ist hier besprochen zu werden, ich versuchs einfach mal mein Glück.

Das Problem mag vielleicht kindisch oder banal klingen, das ist es aber für mich nicht. Ich kann einfach nicht frei mit meinen Eltern reden. Also egal was es sein mag, obs jetzt sowas einfaches ist wie "Kannst du mir mal bitte 5€ geben?" oder "Kannst du mir mal bitte diesen Zettel hier unterschreiben?", so mittelschwere Dinge wie "Ich penn bei einem Kumpel" oder eher schwerwiegendes wie "Kannste mir mal bitte einen Termin beim Zahnarzt machen?", ich kanns einfach nicht. Ich trau mich padu nicht meinen Eltern frei zu reden. Klar gibt bei uns im Haus so Smalltalk wie "Was gibs zu essen" oder "War was in der Schule" aber sonst rede ich nicht viel mit meiner Familie. Und irgentwie komm ich mir deswegen richtig blöd vor :-/ Ich bin jetzt 17 und kriegs nicht auf die Reihe auch nur einen ernsthaften Satz mit meinen Eltern zu wechseln – ich denk einfach mal weil ich Angst vor deren Reaktion auf irgentwas hab :-(

Hat da vielleicht jemand einen Tipp (und nicht iwie so "Reiss dich zsm"), bin langsam echt am verzweifeln :(

Antworten
MSolliFenchxen


Welche Reaktion befürchtest Du denn?

d^000wxn


Eine negative. Ich hab immer eine negative bekommen als ich klein war. Als ich mit Freunden im Garten zelten wollte "ne is ned" und all sowas. Und selbst heute ist das noch so. Ich hab meinen Dad mal vor einem Monat gefragt ob er mich vom Bahnhof abholen mag. Die Antwort war "Da fährt doch ein Bus. Bittschön.".

MbolliBenxchen


Na dann ist Deine Abneigung, simple Fragen zu stellen, doch absolut nachvollziehbar. Auch wenn nicht schön. Ich kenn das von mir selbst, als ich Teenager war. Irgendwann hab ich meine Fragen (in Erwartung der negativen Antwort) dann schon so gereizt und säuerlich formuliert, dass es schon deshalb gar nix werden konnte…

Hm, aber welche Tipps kann man Dir geben? Gar nicht so einfach… ":/ Ich denke mal drüber nach.

W[atexrfly


Ja, ich kenne das, wenn das Verhältnis zu den Eltern erst mal "verkorkst" ist und man einen Schutzwall um sich aufgebaut hat, dann ist es schwer, das zu durchbrechen.

Aber wenigstens weißt du, warum du dich so verhältst und kannst dir daher gewiss sein, dass deine Reaktion absolut normal und nachvollziehbar ist.

Du wirst jetzt erwachsen und damit für dein Handeln selbstverantwortlich – wie deine Eltern aber mit dir umgegangen sind, als du Kind warst, ist jedoch nicht deine Schuld und liegt in deren Verantwortungsbereich. Ich finde es wichtig, sich das bewusst zu machen.

Sie wissen wahrscheinlich gar nicht, was sie mit ihrem Verhalten in dir ausgelöst haben, aber geschehen ist sowieso geschehen. Ihr könntet darüber sprechen, wenn du das möchtest, aber ihr müsst es auch nicht sofort tun. Tu es einfach, wenn du dich bereit dafür fühlst.

Einen konkreten Tipp kann ich dir auch nicht geben, nur eine Frage stellen: Was erwartest du dir davon, frei mit deinen Eltern sprechen zu können? Warum möchtest du das?

dv00u0xwn


… denn sie wissen nicht, was sie tun – das triffst ganz gut.

Ich bin einfach mal ganz ehrlich, ich fühle mich von meinen Eltern auch nicht ernst genommen. Meine Eltern und ich sind von Grund auf verschieden. Mein Vater, klassisches Kind der Arbeiterklasse, schaut gerne und viel Fernsehen, da gerne RTL, ließt die BLÖD, ist generell nicht emotional, für ihn hat nur er immer Recht. Meine Mutter is Hausfrau, ließt auch gerne und viel die BLÖD und ist halt auch irgentwie naiv. Ich hingegen bin Abiturient, denke viel und gerne nach, lese viel in der Wikipedia einfach um mich fortzubilden und träume mal davon Astrophysik (oder so ähnlich) zu studieren.

Was erwartest du dir davon, frei mit deinen Eltern sprechen zu können? Warum möchtest du das?

Es ist nicht nur dieses frei sprechen, es ist einfach alles. Wenn ich bei anderen zugast bin hör ich öfters wie die mit ihren Eltern Witze machen, lachen, sich stundenlang über Themen unterhalten und was weiß ich. Die bilden halt eine Familie. Und meine Eltern und ich? Nö. Ich würde wenigstens normal über wichtige Themen reden können :°(

M`ollienvchxen


Die Illusion, dass sich das jemals ändern wird, muss ich Dir leider rauben. Ich habe als Kind und Jugendliche auch ständig andere Kinder um ihre Eltern beneidet. Bei mir war immer alles so verkrampft, woanders viel lockerer. Meine Eltern sind heute immer noch so. Ich war leider lange davon geprägt und dachte, wenn ich ihnen diesen und jenen Aufwand (mal irgendwo abholen, hinbringen) nicht wert bin, dann bin ich es anscheinend per sé nicht wert.

Ich denke allerdings, dass Du mir (als Teenager, der ich mal war) das voraus bist, Du siehst das eigentlich gar nicht so, sondern bist halt enttäuscht, dass Deine Eltern so oft mit den Schultern zucken, wenn Du sie um was bittest.

Ich würde Dir ja ganz gern Strategien anbieten, wie Du sie doch zu dem einen oder anderen bewegen kannst, aber ich fürchte, die gibt es nicht. Außerdem würde es an der Grundeinstellung der Eltern sowieso nichts ändern...

d5000!wxn


Ich weiß, pushen is blöd, aber sonst niemand einen Ratschlag? :-(

r"it{t|exn


Du bist 17 Jahre alt. Da sind doch Diskussionen an der Tagesordnung! Nimmst Du alles so hin was Deine Eltern sagen?

Ich bin einfach mal ganz ehrlich, ich fühle mich von meinen Eltern auch nicht ernst genommen

ok, und Du:

Mein Vater, klassisches Kind der Arbeiterklasse, schaut gerne und viel Fernsehen, da gerne RTL, ließt die BLÖD, ist generell nicht emotional, für ihn hat nur er immer Recht. Meine Mutter is Hausfrau, ließt auch gerne und viel die BLÖD und ist halt auch irgentwie naiv.

umgekehrt siehts wohl auch nicht besser aus!

Ich versteh deine Problemmatik. aber wie soll man aus 3 lahmen Gäulen Rennpferde machen, wenn keiner den A***h hochkriegt! Versuch doch mal den Anfang zu machen. Vielleicht wenn ihr beim Abendessen seid. Da sitzen alle an einem Tisch. Versuchs!

IdndiFvi_dualxist


@ dooown

Ich verstehe nur zu gut, wie dir zumute ist; bei uns früher zu Hause – laaang ist's her – gab es diese Offenheit und Herzlichkeit, die du so vermisst, auch kaum, und auch ich hatte, wenn ich das mal so sagen darf, einen "intellektuellen Vorsprung" gegenüber der übrigen Familie, der mich in gewissem Sinn noch extra "einsam" gemacht hat. Ich werde heute noch ein bisschen wehmütig, wenn ich mitkriege, wie das anderswo läuft und was für tolle Eltern es gibt – zugleich freue ich mich aber auch, dass es nicht überall so fassadenhaft "heil" und zugleich unlebendig zugeht wie damals in meinem Elternhaus – dadurch kommt ja auch Sonne in die Welt, an der man sich indirekt wärmen kann.

Wenn ich meinen Eltern etwas übel nehme, dann ist es nicht ihr geringerer Horizont, und auch weniger die Prügel, als vielmehr die Verlogenheit und der Selbstbetrug, der in ihrer ganzen scheinheiligen "Anständigkeit" steckte und auch noch in ihrem heutigen Reden steckt. Ich kann ihnen aber nicht wirklich ernsthaft böse sein, denn sie haben es halt so gut gemacht wie sie eben konnten, und für den Start in ein respektables, selbstbestimmtes Leben hat es ja immerhin gereicht. :-D

Und noch etwas: diese von dir beschriebene Hemmung, etwas anzusprechen, liegt ja nicht nur an dem begrenzten Horizont deiner Eltern und ihren dumpfen Reaktionen oder ihrer Sprachlosigkeit, die du befürchtest, sondern auch und vor allem daran, dass du in dieser Konstellation in einer Rolle als "Kind" gefangen bist; eine Rolle, die durch jahrelang geprägte und gefestigte Konventionen, Kommunikationsmuster und unausgesprochene Tabus geprägt ist. Vielen von uns geht oder ging es wohl auch so, dass man bestimmte Themen viel leichter mit jedem anderen, als ausgerechnet mit den eigenen Eltern besprechen könnte.

Um vielleicht mal zu der Art von Kommunikation zu kommen, wie sie dir vorschwebt, müsstest du

deine Rolle sprengen, aufbrechen, dich über alle unausgesprochenen "Regeln" und Tabus hinwegsetzen. Aber das wäre ja zugleich gewissermaßen auch wie die Unterhöhlung der eigenen Fundamente, und deshalb macht es Angst, wie du ja schon in der Überschrift geschrieben hast.

Obendrein müsstest du dann auch noch die unweigerlichen Reaktionen auf solche Verletzungen des ungeschriebenen "Familienkodex" aushalten.

Das alles ist wirklich, wirklich, wirklich nicht einfach – schon gar nicht, solange man noch keinen Abstand zu diesem "System" hat, sondern noch irgendwie von diesem abhängig bzw. selbst ein Teil davon ist. Dir fehlt noch der "archimedische Punkt", um von außerhalb auf das System einzuwirken. Wahrscheinlich gelingt das erst viel später; flapsig gesagt: erst dann, wenn du es eigentlich nicht mehr brauchst. Nämlich dann, wenn du gegenüber deinen Eltern mehr Abstand und eine unabhängige Position erreicht hast und dein eigenes Leben lebst. Dann wirst du für sie zwar immer noch "das Kind" sein, aber du wirst ihnen dann anders und "unerschrockener" begegnen können.

Will sagen: du bist in einem Alter, wo du das Problem eher durch Emanzipation von den Eltern lösen kannst, als dadurch, jetzt, wo deine Kindheit eh ihrem Ende zugeht, noch auf die Schnelle allzuviel ändern zu wollen. Nutze deinen "intellektuellen Vorsprung" für deine eigene Emanzipation, anstatt zu hadern (das tust du ja teilweise auch schon), und blicke nach vorn. :)*

K onqgo-Oxtto


Nutze deinen "intellektuellen Vorsprung" für deine eigene Emanzipation, anstatt zu hadern (das tust du ja teilweise auch schon), und blicke nach vorn.

Dem kann ich mich nur anschließen. Ich komme aus einer durchaus ähnlichen familiären Umgebung, und ich habe irgendwann angefangen (da war ich 20), selbst Grenzen zu ziehen und auch mal auf das familiäre Setting (gemeinsames Kaffeetrinken usw.) zu verzichten, weil es mir nicht gut tat und ich dort immer nur eine "Rolle" spielte, wie Individualist sagt. Deine Familie hat wahrscheinlich einfach nicht mehr zu bieten – also lebe dein Leben selbst, geh deinen eigenen Weg! Wie die anderen schon schreiben: Deine "Angst" ist nichts Unnatürliches, und Emanzipation ist wahrscheinlich der beste Weg.

HMypatxia


Ich denke auch, dass es – zumindest zu diesem Zeitpunkt – sehr schwierig sein wird, etwas an der Beziehung zu deinen Eltern zu ändern. Erstens weil sie eine sehr beschränkte Sicht der Dinge haben, und zweistens weil du für sie immer noch das 'Kind' bist. In der Tat muss von aussen auf das System eingewirkt werden.

Könntest du vielleicht jemanden aus der Schule um Hilfe bitten (Lehrer, schulpsychologischer Dienst)?

Ich kenne einen ähnlichen Fall aus der Vergangenheit. Die Eltern hatten wenig Achtung für ihren Sohn – bis zum Zeitpunkt wo dieser auf Grund seiner guten Leistungen im Studium ein spezielles Stipendium erhielt, und Aussenstehende positive Kommentare über ihn abgaben. Dadurch hat sich die Stimmung in der Familie gebessert.

I@ndivid%ualMist


@ d000wn

Bin inzwischen mal in einen anderen Faden von dir gestolpert. Da schriebst du im Dezember:

Ich besuche den Realschulzeug und komme auch echt gut mit dem Stoff zurecht und werden im nächsten Sommer meinen erweiterten Realschulabschluss machen.

Hier aber steht:

Ich hingegen bin Abiturient

Was stimmt denn nun, bzw. wie ist es zu dem kurzfristigen "Upgrade" gekommen? o:)

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