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Extreme Realitätsflucht: Persönlichkeitsstörung?

T'agtmräumedr|8x1 hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

erstmal kurz zu mir ich bin 30 Jahre alt, verheiratet, berufstätig und bin "eigentlich" auch ganz zufrieden mit meinem Leben. Ich war 1 Jahr in therapeutischer und psychiatrischer Behandlung auf Grund von globalisierter Angststörung. Die Probleme damit habe ich mittlerweile aber ganz gut im Griff. Mein "Problem" ist etwas anderes, dieses hatte ich damals in der Therapie aber nicht angesprochen, da es mir peinlich war.

Seit meinem Grundschulalter ist es so, dass ich mich in Fantasiewelten zurückziehe, so eine Art Tagträume. In dem Alter auch noch in Gegenwart andere Leute zb in der Schule, heute hauptsächlich nur noch wenn ich alleine bin. Ich dachte immer das ganze würde sich mit dem Alter etwas legen, aber es ist heute noch genauso stark vorhanden wie früher. Wenn ich ein paar Tage nicht dazu komme (wenn ich zb nicht alleine zuhause sein kann, weil mein Partner frei hat) fühle ich mich unwohl, weiß nicht so recht was ich mit meiner Zeit anfangen soll. Es ist fast wie eine Art Sucht die ich brauche. Sobald ich alleine bin, geht’s dann los. Ich schnappe mir einen langen Gegenstand zb Kleiderbügel, mache Musik an die zu meinem "Szenario" passt und laufe mit dem Teil in der Hand durch die Wohnung und verbringe die Zeit in meiner Fantasiewelt. Anders kann ich das nicht, also einfach hinsetzen und wegträumen geht nicht, ich muss immer was in der Hand haben und mich bewegen können. Würde das jemand sehen, würde der sicher denken ich wär geistig Behindert oder so :-| In der Grundschule war es auch schon so, nur haben mich da Zuschauer nicht gestört, habe mir auf dem Pausenhof einfach nen Ast geschnappt und bin durch die Gegend gesprungen.

In meinen Fantasievorstellungen bin ich immer jemand der total viel erreicht hat, berühmt ist oder auch in kompletten Fantasiewelten wie Videospielen oder Filmen. Ich bin dort zwar Ich selbst also im inneren, aber immer in Form einer anderen Person mit einem anderen Namen, zb auch irgendein Charakter aus nem Videospiel oder ähnliches. Häufig bin ich diese Person dann über einen längeren Zeitraum (Wochen, Monate) und spinne die Geschichte in meinem Kopf immer weiter, das ganze immer mit passender Musik begleitet. Kann man sich gerade vielleicht nicht so vorstellen, vielleicht kennen ja manche den Film "Sucker Punch", so ähnlich wie bei der Hauptdarstellerin ist es -> [[http://www.youtube.com/watch?v=o2su1OFBV34]]

Allgemein kann ich mich nie lange auf etwas konzentrieren, auch bei der Arbeit fällt mir das schwer. Gesprächen mit Freunden kann ich nie lange Folgen, nach kurzer Zeit höre ich nicht mehr wirklich zu.

Bin mir langsam nicht mehr so sicher ob das irgendne Persönlichkeitsstörung ist oder so. Ich kann es wirklich nicht lassen sonst fühle ich mich nicht "ganz". Wenn irgendwann mal Kinder da sind und ich nicht mehr alleine zuhause bin, muss ich da ja auch drauf verzichten, was ich mir momentan garnicht vorstellen kann ohne das es mich belasten wird, ist so als würde man mir einen Teil meines Lebens wegnehmen.

Ist das ein Krankheitsbild was irgendwo einzuordnen ist oder bin ich irgendwie total plem plem?? :-o

Antworten
T[a%gtprume.r81


:)D

ak.fLish


'Lebenszeit, geliehenes Gut – verträumt.

Ich hoffe, nie verschwendet,

unverstanden blieb meine Sucht nach Einsamkeit.'

Oswald Henke

Ich denke nicht, dass es sich dabei um ein irgendwie benanntes "Krankheitsbild" handelt. Es ist das, als das Du es doch schon richtig benannt und erkannt hast: Realitätsflucht. Die ist nett, solange man sie an- und ausknipsen kann, aber wenn es anfängt, in den Alltag zu schwappen und das bewusste Erleben zu verkleistern, sollte man einschreiten. Das bedeutet nicht, dass man gänzlich darauf verzichten muss, aber man kann wieder wählen, wann man dort und wann man im Hier und Jetzt sein möchte – und ab und an möchte man das doch auch mal. :-)

Kannst Du mit Achtsamkeitsübungen etwas anfangen?

TWagträumher81


Da sich meine (mittlerweile wirklich besser gewordene) Angststörung auch viel in sozialen Bereich (fast schon leicht sozial phobisch in manchen Bereichen) zeigt, hatte ich zeitweise in der ganzen Symptomatik eher in Richtung Schizoid getippt, als das es sich noch im normalen Bereich bewegt. Keine ahnung was und wieviel da "normal" ist. Achtsamkeitsübungen sagt mir nichts, muss ich mal nachlesen :-)

a:.fis3h


Achtsamkeitsübungen beudeten im Grunde nur .. tja, achtsam zu sein. :-D D.h. Dinge ganz bewusst zu tun und zu erleben – allerdings auch nicht im Sinne einer krampfhaften Fokussierung. Am Anfang ist es vielleicht etwas angestrengt, deshalb sagt man ja auch Übung, man muss es üben und dann fällt es leichter und später auch leichter, irgendwo bei der Sache zu bleiben. Du findest bestimmt ein paar Beispiele im Internet.

Ich würde mir keine Gedanken über Diagnosen machen. Die Tagträume sind doch kein Problem, sondern nur, dass Du gerade nicht mehr ganz frei entscheiden kannst, inwieweit sie Dich, Dein Handeln und Denken beeinflussen – aber das kann man in den Griff bekommen. Eine zusätzliche Möglichkeit wäre, sich die Realität möglichst schön zu machen. Nicht nur schön, auch spannend vor allem. Erlebnisreich. Reichhaltig an Erlebnissen, die stärkere Gefühle auslösen als der regelmäßige Gang zum Supermarkt. ;-)

TCagtrpäulmerx81


Mmh aber ist eine Diagnose nicht der Grundstein für die Beseitigung der Symptome, also um zu wissen WO man ansetzen muss?

Ich habe zb keinerlei Bedürfniss anderen Menschen im Persönlichen Kontakt viel von mir zu erzählen, auf andere wirke ich wohl (von mir ungewollt und auch oft unbemerkt) extrem distanziert und kühl.

Als beispiel: Wenn man andere Leute fragt wie es ihnen geht, gibt es welche die einem dann ihre halbe Lebensgeschichte erzählen.

Bei mir ist es so: 1. Wenn mir jemand sowas erzählt, interessiert es mich nicht wirklich, ich höre auch nicht wirklich zu und 2. Würde ich nie so viel von mir preisgeben, bzw ich wüsste garnicht was ich sagen soll, ausser "Ja gut" In meinem Kopf ist zu so ner Frage absolut nix parat.... Meine Gefühle kann ich eigentlich garnicht wirklich ausdrücken, so Sachen wie "Ich liebe dich" sagen oder so. Fast unmöglich, da sträubt sich in mir wirklich alles ^^ Und wenn das alles zusammenhängt kann man vielleicht das eine nicht ohne das andere lösen. Was ich zb über die Schizoide Symptomatik gelesen habe:

"Unfähig, mit Menschen zu leben, zu reden.

Vollständiges Versinken in mich.

Stumpf, gedankenlos, ängstlich.

Ich habe nichts mitzuteilen, niemals, niemandem.

[Franz Kafka]

In vielen Texten zur schizoiden Persönlichkeitsstörung wird obiges Zitat genutzt, um das Störungsbild zu skizzieren."

T4agtrbäuxmer81


Ich habe mein Zwischenmenschliches Verhalten immer als "normal" angesehen, da es für mich "natürlich" ist, aber auf andere wirkt es scheinbar nicht so.

a-.f[ish


Mmh aber ist eine Diagnose nicht der Grundstein für die Beseitigung der Symptome, also um zu wissen WO man ansetzen muss?

Warum – wenn Du weißt, was Du anders machen möchtest, mach es anders. Du wirst festellen, wo und ob überhaupt Du auf Widerstände und Verstrickungen triffst. Aber mach doch erstmal – nicht, dass ich nicht verstehen würde, dass die Suche nach einem Grund viel verlockender und gemütlich ist ;-)

Aber ich habe festgestellt, dass man sehr viel mehr Einfluss auf viele Dinge hat, von denen man immer angenommen hat, sie wären einfach so, man wäre einfach so, als man sich oft zugesteht. Man muss nur einfach mal anfangen.

a4.fixsh


PS: Und manchmal führt dieses Tun auch dazu, dass man tatschlich feststellt, dass man so ist – und dass das auch okay ist. Vielleicht nicht "normal", im Sinne der Häufigkeit der Vorkommnis, aber einfach in Ordnung.

T(agMtr`äume+r81


Eigentlich hast du recht, ich merke auch jetzt schon wieder dass mir diese Diagnose Sucherei nicht gut tut, eher belastet. Dabei ging's mir eigentlich momentan ziemlich gut. Ich weiß auch eigentlich garnicht so recht warum ich das Thema eröffnet habe. Das andere mich anders wahrnehmen als ich mich selbst habe ich schon lange akzeptiert (leute die mich "wirklich" näher kennen schätzen mich ja, ist ja mein freier wille WEN ich an mich heranlassen will) und auch die Träumerei ist "aktuell" ja kein wirkliches Problem. So Foren verleiten wohl einfach dazu solche Sachen Mal von sich preiszugeben, was ich "Real" nie tun würde.

T2agt;räumexr81


Manchmal braucht man vielleicht einfach jemand der einem sagt "Du bist ok so wie du bist, auch wenn du ne Macke hast!" ;-D

aw.fxish


Hey, ich woltl Dich auf keinen Fall abwürgen oder so. :-) Du kannst ja mal berichten, ob Du – wenn Du das denn ausprobieren magst – mit irgendeiner Achtsamkeitsübung besonderen Erfolg oder gute Erlebnisse hast, würde mich wirkluch interessieren.

Tcagt%räu~me;r81


Ich werde es mal probieren und beizeiten berichten :) Nein ich fühl mich auch nicht abgewürgt, eigentlich hast du mir schon geholfen. Früher hätte ich trotzdem versucht von anderen in irgendwelchen Diagnosen bedtätigt zu werden, dahinter kann man sich gut verstecken. Deshalb bin ich froh, dass du das nicht gemacht hast, hat mir gezeigt, dass es mir garnicht mehr so wichtig ist und ich mich ein großes Stück mehr so akzeptiert habe wie ich bin. Früher habe ich mich da total reingesteigert, viel gelesen und mit den Diagnosen identifiziert. Habe es mir dann auch nicht Ausreden lassen. Bin grad über mich selbst verwundert, dass ich das nicht mehr "brauche".

Sry für die Fehler (Großschreibung etc) tippe am Handy, automatische worterkennung und so... ^^ zu faul alles manuell zu korrigieren.

M.i(caSuxn


Liebe Tagträumerin, :)*

ich kenne das sehr gut.

Seit meiner Kindheit träume ich mich in solche tagträume hinein. Hab zwar keinen Gegenstand in meiner Hand, aber ich kann mich da auch so richtig wegträumen. in der "teenzeit" war es am "ärgsten". Unter der Arbeit bin ich so richtig in meine Traumwelt reingetaucht. Hatte keine so anspruchsvolle arbeit, so dass ich das auch ohne fehlerquote gut hinbekam. ;-)

auch heute mache ich das oft, aber nicht mehr sooo häufig. ich hab immer so phasen. aber am abend im bettchen gönne ich sie mir fast täglich und ärgere mich dann oft, dass ich zu bald eingeschlafen bin. auch spinne ich sie über tage, ja manchmal sogar über wochen lang hin weg und wenn mir der tagtraum dann fad wird kommt der nächste.

bin auch ein sehr introvertierter mensch und habe auch keinen allzugroßen freundeskreis. ich kann schlecht freundschaften aufrecht erhalten. hab immer das gefühl, dass sie etwas verlangen was ich nicht geben kann.

da überlege ich dann tagelang, wenn ich mich außnamsweise mal wieder mit jemanden treffe, was ich plaudern soll und verhalten soll ":/ :-/ %-| nervt mich selber total an mir, aber mit der zeit hab ich mich so akzeptiert. ;-)

ich hab meinem freund, meine familie und meine arbeitskollegen. das reicht mir persönlich und für mich ist es mehr anstrengend freundschaften zu hegen.

dachte auch oft und denke es auch heute noch manchmal, dass ich nicht ganz normal bin, aber das wird auch weniger und es sind halt auch nicht alle menschen gleich ;-)

ich denke, dass wir sehr fantasievolle menschen sind und ich habe zb meine niedergeschrieben und 2 bücher veröffentlicht. und das künstler alle nen knall haben ist ja auch bekannt ;-) ;-) ;-)

lieben gruß und viel spass beim träumen.

ps: in einem gebe ich a.fish natürlich total recht, wenn es zu viel wird und es einen im realen leben einschränkt ist es natürlich etwas problematischer. da muss man dann schon überlegen sich hilfe, in welcher form auch immer, zu suchen.

übrigens, ich leide seit meiner kindheit an einer angststörung - auch noch eine sache die wir gleich haben. ob das eine mit dem anderen zusammenhägt? keine ahnung. vielleicht wieder die große fantasie? (bin auch in behandlung und es geht mir momentan ganz gut)

Lg

Mica

M$ollie1nchxen


Hallo,

ich bin auch Tagträumerin. Ich wollte auch mal ein Buch veröffentlichen (wie es MicaSun gelungen ist), aber na ja, ich kann nicht wirklich gut schreiben. Die Verlage wollten meinen Schrott jedenfalls nicht haben. :-/

Bei mir war es so, dass meine Tagträume eine Kompensation für etwas waren, was mir im echten Leben fehlte. Nachdem ich rausgefunden hatte in der Psychotherapie,, was das ist, hat sich in meinem Kopf ziemlich was geändert. Ich kann nicht mehr schreiben (also, Geschichten – nicht mal mehr meine eh so miserablen ;-)), weil ich sozusagen die "Lösung" gefunden habe, um die alle meine Geschichten sich drehten (die ich damit zu finden versuchte). Ich bin automatisch im täglichen Leben achtsamer geworden, lebe jetzt mehr nach außen als vorher (vorher: fast nur nach innen).

Um mich zu entspannen, tagträume ich aber immer noch ab und zu, ist für mich so eine Art Meditation. Aber der "ich muss es lösen"-Drang, den ich vorher dabei immer hatte, ist verschwunden. Automatisch abschalten und abdriften tut mein Hirn auch immer noch ab und zu, das nervt etwas, aber ich kann damit leben. Ich sehe meine Tagträumerei als Bereicherung.

Ja, Angststörung… ich hatte eine soziale Phobie, bzw. eigentlich immer noch, nur nicht mehr so schlimm wie früher.

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