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Depression ist keine Krankheit

SNiSnnes^tätexr


Immerhin nehmen sich 15% depressiver Patienten das Leben.

Und Anorexia nervosa hat eine mit Krebs vergleichbare Mortalitätsrate. Komisch nur, daß niemand auf die Idee kommt, einem Krebskranken zu sagen, er solle sich doch nicht so anstellen und endlich mal die Backen zusammenkneifen :-)

Ich kann dieses Unverständnis aber dennoch, da lange Zeit selbst "psychisch gesund" gewesen, sehr gut nachvollziehen. Es ist für jemanden, der das selbst noch nicht erlebt hat, quasi unmöglich nachzuempfinden, was einem das eigene Hirn für Streiche spielen kann, und welche körperlichen Auswirkungen das haben kann.

Meada me AChaFrentxon


also ich war auch depressiv, nehme Medikamente

[[http://mut-zum-anderssein.de/PDF/PsychopharmakaWhitaker.pdf]]

dass das Buch Blödsinn ist, ist klar, aber man kann durchaus etwas kritisch denken – vor allem im Umgang mit Psychopharmaka, deshalb auch der Link

ich bin kein Freund von Psychiatern die einen einreden Depression hätten vor allem körperliche Ursachen, Hirnstrukturen, Serotonin, was weiß ich

das sogar Kinder mit Antidepressiva behandelt werden finde ich ebenfalls extrem fragwürdig.......

ich bin kein Mediziner und auch kein Psychologe, deshalb werde ich mich in Bezug auf psychische Krankheiten nicht auf eine Meinung festlegen, aber alles als Blödsinn abzutun nur weil der eigene Psychiater dies und das sagt halte ich für falsch

d[es tinyx25


destiny25, das schreibt sich so einfach hin. Das Chrakteristikum mittelschwerer bis schwerer Depressionen ist aber gerade, dass der Patient will, ABER NICHT KANN. Deine Äußerung ist deshalb so gefährlich, weil sie von ernsthaft depressiven Patienten als Schlag ins Gesicht empfunden werden kann. Herabsetzende Äußerungen wie "Der soll sich halt endlich mal zusammenreißen", "Das habe ich selbst viel schlimmer gehabt", "Dahinter versteckt sich nur Faulheit" können sogar Anstoß zum Suizid sein, wenn sie, von Freunden oder nahen Verwandten ausgesprochen, dem Patienten das hoffnungslose Bild vermitteln, dass selbst die ihm Nächststehenden ihn nicht mehr verstehen. Immerhin nehmen sich 15% depressiver Patienten das Leben.

Mit "Arsch hochkriegen" meinte ich nicht, "Reiß dich mal zusammen" oder "stelle dich nicht so an".

Ich meinte damit die eigene Motivation dagegen zu arbeiten. Ich bin selbst bis zu einem gewissen Grad depressiv. Auch mir fällt es manchmal schwer aus dem Bett zu kommen oder Aktivitäten nachzukommen. Allerdings muss man sich anstrengen, ohne das geht es nicht. Medikamente können einen wieder "funktionsfähig" machen, lösen aber kein Problem. Ich war selbst beim Psychiater. Ich halte 50% was er gesagt hat für Schrott, meine Sichtweise.

Ich glaube jeder geht verschieden mit der Problematik um. Jeder sollte daher sein eigenen Weg finden, gerade bei Depressionen ist man am Ende für sich selbst verantwortlich und man kann sich auch nur selbst, mit Hilfe von außen, davon befreien. :-)

SYunfzlowerX_x73


@ Sinnestäter:

Weil man von einem sog. bio-psycho-sozialen Störungsmodell ausgeht. D.h. es gibt biologische Faktoren, genetische- aber auch Umweltfaktoren. Oft gehen einer Depressionsbelastungsfaktoren voraus, die aufgearbeitet werden müssen.

Medis lindern die Symptome – aber bei Depressionen gibt es klassische, typische veränderte Denkmuster. Die nicht durch Medikamente allein verschwinden. Wenn man jemandem LANGFRISTIG helfen will, dann nur, indem man nicht nur an den Symptomen herumdoktert, sondern grundsätzlich hilft.

Bei Zahnschmerzen behandelt man ja auch den Zahn und sagt nicht: "Nimm Schmerzmittel, dann geht der Schmerz weg". Um bei Deiner Beispielebene zu bleiben.

Der Punkt ist auch:

Nicht jedes Antidepressivum wirkt bei jedem Patienten. Nicht jeder verträgt das wirksame Medikament. Es ist oft eine lange und mühselige Suche. Und es gibt medikamentenresistente Depressionen.

Angsttherapie ist mehr als die von Dir beschriebene Konfrontation. Da geht eine Menge kognitiver Vorarbeit voraus, um die Angst selber dann halt anders zu erleben und sie dann zu besiegen.

Und den Weg mit "hey, Medis nehmen die Angst" – den haben in diesem Land schon viel zu viele schwer Beruhigungsmittelabhängige gewählt. Der Entzug von Benzos ist heftig. Und außerdem wirken die Dinger nicht ewig, sondern es gibt eine nicht unerhebliche Toleranzentwicklung.

@ Asiga:

Ja, auch ein Therapeut fordert. Aber auf andere Art und Weise... angemessen, mit Vorarbeit. Ich habe noch keinen Patienten erlebt, bei dem NICHTS möglich war. Ausnahme: Schwerst Depressive, hoch suizidale Patienten, die seit Monaten in der Klinik waren und selbst da kaum den einfachsten Alltag bewältigten. Jeder, der aber noch halbwegs im Alltag steht (selbst wenn er krankgeschrieben zu Hause sitzt), kann erste kleine Schritte gehen. Die dann wiederum positive Effekte haben – so beginnt der Wer raus. Leicht ist es nicht, aber zwischen sich selber aufraffen und gezielter Unterstützung liegen noch mal Welten.

@ 77ergreis:

[[http://behavenet.com/dsm-iv-tr-numerical-listing-codes-and-diagnoses]]

Die Affektiven Störungen fangen bei 296.00 an.

Konkrete Kriterien für eine mittelgradige, depressive Episode (erstmalig auftretend):

[[http://behavenet.com/single-episode-major-depressive-disorder]]

und ergänzend für die grundsätzlichen Kriterien einer depressiven Episode:

[[http://behavenet.com/major-depressive-episode]]

Man erkennt, dass es vielfältige Depressionsdiagnosen gibt, deren gemeinsame Basis eigentlich nur die Kriterien für eine Episode sind. Die Gesamtdiagnose resultiert aber aus Ausprägung, Häufigkeit, Dauer und Verlauf dieser einzelnen Episoden.

S~unfl{owerx_73


Sind jetzt nur die DSM-Kriterien; das ICD-10 weicht davon aber nicht ab. Und ist leider auf Englisch; hab' keinen deutschen Link gefunden.

Ergänzend zu diesen Kriterien wendet ein Fachmann zudem noch den sog. Psychopathologischen Befund an. Da geht es dann um Begriffe wie Schwingungsfähigkeit etc.

Das klingt jetzt alles eher lasch (Interessenverlust,...). Aber ein Fachmann kann i.d.R. zumindest ab einer mittelgradigen Episode deutlich trennen zwischen normaler Verstimmtheit und behandlungsbedürftiger Depression.

S*chilgdkrötex007


Sunflower hat ja bereits alle wichtigen Eckpunkte zum Thema sachlich und korrekt aufgelistet.

Bei meinen Depressionen ist es trotzdem manchmal so, dass ich selbst denke, ich sei gar nicht krank. Das stimmt natürlich nicht, aber trotzdem denke ich oft so.

Da es keine Ursache der "Erkrankung" gibt, empfinde ich sie mittlerweile als zu meinem Charakter dazu gehörend. Mein Normalzustand ist Depressiv, bin ich fröhlich, fühle ich mich krank.

Srinnes9tätexr


bin ich fröhlich, fühle ich mich krank

Das ist sehr...traurig :-( Wenn auch, vielleicht, eine gute Strategie.

Bei mir ist die Erinnerung an ein "normales" Leben, auch nach so vielen Jahren, immer noch zu präsent, um den Ist-Zustand als "normal" akzeptieren zu können. :-|

S[unfl=oGwer0_7x3


Das ist ein weiteres Problem:

Viele Betroffene fühlen sich nicht krank oder depressiv – sondern sehen sich eher als Versager, faul,... Sie merken, dass sie weniger leisten können, es ihnen schwerer fällt sich aufzuraffen,... Werten sich dafür dann aber eher ab, als loszurennen und zu sagen "Ich bin depressiv".

Neben der klass. Depression gibt es bspw. auch noch die Dysthyme Störung (geht leider auch im Doppelpack mit depressiven Episoden), wo man nicht alle Depressionskriterien erfüllt, aber deutlich langfristiger niedergeschlagen und antriebslos ist. Nicht so stark wie einer massiven Depression, dafür halt sehr lange.

SNinnePstäxter


Sunflower_73: Da ich auf Beiträge, denen ich zustimme, selten reagiere, mal ausnahmsweise explizit: Deine Anwesenheit hier ist eine echte Bereicherung für dieses Forum. @:)

Hlataxri


Sunflower_73

Danke! @:)

Was du schreibst, ist leider viel zu wahr...

sCchuvbek41982


Leider ist das anscheinend sehr verallgemeinert in diesem Buch. Der ICD-10 unterscheidet nicht umsonst auch Depression in mehreren Unterarten. Früher nach dem trialen System wurde zwischen endogenen und psychogenen Depressionen unterschieden....

Depression ist viel zu vielschichtig und kompliziert, um sie so verallgemeinert in einem Buch darzustellen und die Gefahr, die durch diese pr-trächtigen Meinungen entsteht ist, dass man eine Krankheit verharmlost, die in vielen Fällen mit dem Tod endet. Selbstmord ist nämlich eine Folge von Depression. Und wenn suizidgefährdete Personen auch noch gesagt bekommen: "Stell Dich nicht so an, ist doch keine Krankheit, lies doch mal das Buch XXX."

Depression ist ein Tabuthema, unterschätzte Krankheit und verharmloste und gleichzeitig zwar sehr heilbar. Aber Heilung kann nicht stattfinden, wenn die Klienten nicht ernstgenommen werden, insofern ist so ein Buch Gift für die Klienten.

snchugbLek19Y8x2


.... und Sunflower:

Kompliment für deine tollen Beiträge hier in diesem Thread :)=

Richtig toll!

LIichtKr#istallxxX


Sunflower

Danke sehr,für Deine wirklich tollen Beiträge,Du bist wirklich eine Bereicherung ! @:)

Bei meinen Depressionen ist es trotzdem manchmal so, dass ich selbst denke, ich sei gar nicht krank. Das stimmt natürlich nicht, aber trotzdem denke ich oft so.

Bei mir ist die Erinnerung an ein "normales" Leben, auch nach so vielen Jahren, immer noch zu präsent, um den Ist-Zustand als "normal" akzeptieren zu können.

Geht mir genauso :-( Ich nehme Medikamente, 150 mg Venlafaxin, sie helfen zu lindert,aber sind natürlich keine Wundermittel und ich vermisse das gesunde Leben einfach sehr.

Und ja,manchmal denke ich auch,ich bin gar nicht krank,ich bin nur anders,oder was auch immer. Es ging mir auch Dank Medikamente schon so gut,als wäre ich gesund,als ich sie zu Anfang nahm,also nachdem sich die volle Wirkung das erste Mal entfaltet hat-das ist jetzt nicht mehr so,ich lebe damit,kann ein Mindestmaß der Anforderungen als Hausfrau und Mutter erfüllen,aber das war es dann auch schon und glücklich bin ich nicht. Bekomme Gott sei Dank viel Hilfe vom Jugendamt,meiner Mutter und auch meinem Partner.

Nochmal Sunflower

Viele Betroffene fühlen sich nicht krank oder depressiv – sondern sehen sich eher als Versager, faul,... Sie merken, dass sie weniger leisten können, es ihnen schwerer fällt sich aufzuraffen,... Werten sich dafür dann aber eher ab, als loszurennen und zu sagen "Ich bin depressiv".

Ich gehe sehr offen damit um,sage wie es ist,hat natürlich auch lange gebraucht,anfangs habe ich mich geschämt,gedacht,man würde mich verachten oder verurteilen,gerade auch,weil die Depression postpartal anfing.

Dennoch fühle ich mich sehr oft,wie ein Versager und dass ich doch einfach nur faul bin,was natürlich auch nichts besser macht.

sqchn7eckeq19x85


Bei mir ist die Erinnerung an ein "normales" Leben, auch nach so vielen Jahren, immer noch zu präsent, um den Ist-Zustand als "normal" akzeptieren zu können.

Oh ja, ich hab da auch so meine Momente, wo ich in Selbstmitleid versinke, wenn ich an früher denke... :-(

Andererseits sehe ich diese Nostalgie aus kritisch: Immerhin ist die Wahrnehmung höchst selektiv, so dass man die Schattenseiten dieser Zeit schnell vergisst. Immerhin hat einen dieser "alte" Lebensstil ja in die Depression gebracht oder sie zumindest begünstigt.


Zum Thema selbst möchte ich nichts sagen, weil ich auf einem derart unqualifizierten Niveau nicht diskutieren möchte (nicht an dich gerichtet, Lichtkristall). Dazu gehört auch, dass ich mich gezielt nicht mehr für meine Art zu leben und zu fühlen rechtfertige.

SXchil2dkrörte0x07


Ich sag mal so, die Phase "Ich bin Krank" war meine erste Phase, welche ich bereits hinter mir habe.

Danach kam die Phase "ich will wieder gesund werden" und dann "ich muss mit der Krankheit leben". Das ist jetzt mein aktueller Status.

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