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Depression ist keine Krankheit

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wut zu haben und sie zu fühlen,durch sie hindurchzugehen hat mir sehr geholfen.denn wenn es nicht erlaubt ist auf den menschen wütend zu sein,der einem solche schrecklichen dinge angetan hat,kommt man ja irgendwie auch nicht weiter in seiner entwicklung.und für mich heisst das ja nicht jemanden die verantwortung zuzuschieben.

Die Wut, die ich meine, ist die Wut der Verzweiflung. Und da schiebe ich leider schuld zu. Und dann fall ich wieder in die Vergangenheit. Ganz ehrlich: Seit ich 300mg Seroquel nehme, spüre ich sehr gedämpft. Für mich fühtle es sich anfangs wie ein dicker Mantel zwischen meinen Gefühlen und der Welt an. Ich bescheiße mein Denken und Fühlen medikamentös ins Positive. Mittlerweile denke ich aber, dass alle Wahrnehmung relativ ist, weil es keine Wahrheit gibt und also ist es das Gleiche, ob ich mein Hirn Amok laufen lasse oder mir die Welt durch Medis bunter mache. Variante 2 schenkt mir Lebensqualität.

M_olliuenchexn


@ schnecke1985

Ich hab auch mal eine Weile ein Antidepressivum genommen, aber ich fand dieses gedämpfte Fühlen furchtbar. Mich konnte man auch aufs Übelste beschimpfen und in mir herrschte absolute Gleichgültigkeit. Das kann ja auch nicht der Sinn der Sache sein. Also hab ich's wieder gelassen. Vielleicht war's auch das falsche Mittel oder falsch dosiert. Kann auch sein. Wenn es Dir hilft, ist es ja gut.

Wut zu haben und Schuld zu verteilen fühlt sich im ersten Moment gut an und befreiend. Und es hilft, einen Abstand zu schaffen und abzugrenzen. Aber eine Dauerlösung ist das nicht. Denn "Schuld" gibt's in dem Sinn gar nicht. Ursache ja, Schuld nein. Die Eltern sind auch nur Opfer ihrer eigenen Umstände, die konnten vielleicht gar nicht anders. Macht die Sache nicht besser im Ergebnis, aber die Schuld auf jemand anders abzuladen macht einen ja wieder zum Opfer, und das will man ja eigentlich gar nicht sein.

@ Sinnestäter

Ist Deine Mutter ein selbstsicherer und ausgeglichener Mensch? Oder eher unsicher und von Gefühlen gebeutelt?

Ich wollte nirgendwo mitmachen, aber sobald die Aufmerksamkeit von mir weg war, bin ich alleine die Klettergerüste hoch und runter geturnt.

Ja, witzig, ist bei mir ähnlich gewesen. Ich hasste Aufmerksamkeit. Weil diese Aufmerksamkeit immer mit Leistungsdruck verbunden war. "Nun mach doch mal!" (Was nicht gesagt wurde, aber vermittelt.) Wenn man wegsah und es egal war, hatte ich Lust, was zu machen, für mich allein zum Spaß, aber wenn es darum ging, den Erwartungen gerecht zu werden, ging gar nix mehr, aus Angst, was falsch zu machen.

Das einzig Negative, das mir einfällt, war eine gewisse "Leistungserwartung" – schlechte Schulnoten, da erinnere ich mich an die enttäuschten Blicke meiner Eltern, und die haben mehr wehgetan als Schäge es gekonnt hätten.

Passt doch ins Bild. Und das fällt für mich schon unter: Nicht so optimal gelaufen.

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@ Mollienchen

Ich hab auch mal eine Weile ein Antidepressivum genommen, aber ich fand dieses gedämpfte Fühlen furchtbar. Mich konnte man auch aufs Übelste beschimpfen und in mir herrschte absolute Gleichgültigkeit. Das kann ja auch nicht der Sinn der Sache sein. Also hab ich's wieder gelassen. Vielleicht war's auch das falsche Mittel oder falsch dosiert. Kann auch sein. Wenn es Dir hilft, ist es ja gut.

Ich muss dazu sagen, dass meine Primärdiagnose Borderline ist, also die Stimmung extrem schwanken kann. Von daher brauche ich das Medikament (Absetzversuch haute mich gleich in die Depression rein). Und dieses gedämpfte Fühlen ist wirklich sehr befremdlich, vor allem am Anfang. Mittlerweile gehts, ich habe mich damit arrangiert.

Wut zu haben und Schuld zu verteilen fühlt sich im ersten Moment gut an und befreiend. Und es hilft, einen Abstand zu schaffen und abzugrenzen. Aber eine Dauerlösung ist das nicht. Denn "Schuld" gibt's in dem Sinn gar nicht. Ursache ja, Schuld nein. Die Eltern sind auch nur Opfer ihrer eigenen Umstände, die konnten vielleicht gar nicht anders. Macht die Sache nicht besser im Ergebnis, aber die Schuld auf jemand anders abzuladen macht einen ja wieder zum Opfer, und das will man ja eigentlich gar nicht sein.

Das hast du sehr gut beschrieben. :)_ :)=

Meine Theorie zur Vergangenheitsbewältigung: Ich habe meine Vergangenheitsbewältigung als Trauerprozess verstanden – Trauer um verpasste Chancen, Trauer um verlorene Zeit usw. Wichtig ist aber das Prozessuale, also dass man nicht dauerhaft in einer Stimmung verbleibt – in dem Falle wütend.

M!oll3iencohxen


@ schnecke1985

Okay, Boderlinerin bin ich ja nicht. Das macht es natürlich einfacher.

Wichtig ist aber das Prozessuale, also dass man nicht dauerhaft in einer Stimmung verbleibt – in dem Falle wütend.

So ist es. Ich bin jetzt grad auf dem Weg raus aus der Wut.

s7chNnecke1x985


@ Mollienchen

Oh, alles Gute für deinen Weg! :)_ :)*

Mir hat das bewusst fühlen sehr geholfen. Also bewusst für eine gewisse Zeit ärgern, trauern, wütend sein (die unbewussten Gefühle zulassen und sich damit beschäftigen), dann die Sache bewusst ad acta legen. Und das immer wieder. Du wirst sehen, wie wunderbar und heilsam dieser Prozess ist x:)

Ich hatte in der Psychiatrie so ein Erlebnis... ich war das ganze Wochenende mit mir und meinen Gedanken alleine und habe dann ein Bild für meine Eltern gemalt, wo ich Rotz und Wasser geheult habe. Anschließend habe ich mich an diesem heißen Tag in die kühle Badewanne gelegt und hatte plötzlich das Gefühl, das Wasser, das Bad, würde mich reinwaschen. Als würde ich all den Schmutz und den Schorf von meiner Seele kratzen und das kühle Wasser würde es hinwegspülen.

Ich habe mich anschließend innerlich ein Stück weit geheilt gefühlt – befreit von der Angst, dem Schmerz, all den negativen Gefühlen.


Das klingt richtig kitschig, wie aus einem Hollywood-Film. Aber so habe ich es erlebt und seit diesem Erlebnis komme ich mit meiner Vergangenheit wesentlich besser klar. Ich schlafe wieder ohne Albträume, ich schaue endlich nach vorne und nicht mehr so viel zurück.

vRag!o


Depressive Zustände sind mir nicht unbekannt. Ich weiß von Zuständen, in denen man Rotz und Wasser heulen kann und auch, dass man das Leben satt haben kann.

Habe während einer Autobahnfahrt schon einmal überlegt, ob es nicht besser sei, frontal auf den nächsten Brückenpfeiler zu zurasen. Irgendwie kam noch die Erleuchtung, dass sich die Situationen ändern können und das Leben wieder schön werden kann.

Heute ist es meine Familie, die mir den erforderlichen seelischen Halt gibt, nicht nur, weil die Familie für mich da ist, sondern weil ich mich innerhalb der Familie engagiere und in erster Linie für andere Familienmitglieder da bin. Nicht immer spüre ich dabei sofortige Dankbarkeit, aber ich weiß, dass meine Hilfe anerkannt wird und es gibt auch Momente, wo man die Dankbarkeit spürt.

Die Dankbarkeit ist für mich nicht so wichtig, vielmehr ist es wichtig zu wissen, dass man gebraucht wird und dass man dazu gehört.

Mxollfienych1en


@ schnecke1985

Ich hatte immer mal wieder den Gedanken, einen Brief an meine Eltern zu schreiben. (Den sie gar nicht kriegen müssen, eher für mich.) Bisher hab ich mich davor gedrückt… Denn ich weiß, ich würde auch Rotz und Wasser heulen… Allein der Gedanke… :°(

Ich freue mich, dass Du das so hingekriegt hast mit dem Bild.

s7chneckec198x5


Ich hatte immer mal wieder den Gedanken, einen Brief an meine Eltern zu schreiben. (Den sie gar nicht kriegen müssen, eher für mich.) Bisher hab ich mich davor gedrückt…

Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Ich glaube, du merkst es schon, wann für dich der richtige Zeitpunkt zum Loslassen ist. Ich habe Jahre dazu gebraucht :)_

MUolnlienzchxen


@ schnecke1985

:)_

sechQneczke71985


:)_

Alles wird gut :)_

vtago


Zu psychischen Krankheiten allgemein

Ein großes Problem ist es, dass in der breiten Öffentlichkeit recht wenig über die Ursachen und Zusammenhänge psychischer bzw. seelischer Krankheiten bekannt ist. So kommt es bei Außenstehenden oftmals zu mangelnden Verständnis für diese Erkrankungen, aber auch die Erkrankten haben teilweise Probleme, mit ihrer Krankheit richtig umzugehen.

MvolliIenlchegn


@ schnecke1985

;-D :)^ :)z

@ vago

Die meisten Leute sind mit sich selbst so beschäftigt (manchmal, ohne sich dessen bewusst zu sein), dass sie keine Lust haben, sich weitergehend mit anderen zu beschäftigen. Und sich z.B. zu fragen, warum jemand an diesem oder jenem leidet oder irgendwas einfach nicht hinkriegt. Das wird einfach abgetan, ist ja am einfachsten.

v:a0g)o


@ Mollienchen

Das wird einfach abgetan, ist ja am einfachsten.

Aber für die Betroffenen stellt solch eine Haltung keinerlei Hilfe dar.

M{ol<liencxhen


Natürlich nicht.

Ich behaupte allerdings, dass die, die es abtun, sowieso aufgrund eigener "Defizite" gar nicht in der Lage wären, zu helfen...

v&ago


@ Mollienchen

Ich behaupte allerdings, dass die, die es abtun, sowieso aufgrund eigener "Defizite" gar nicht in der Lage wären, zu helfen...

Daher halte ich es für notwendig, dass die "Experten" (Wissenden) im Familien-, Bekannten- und eventuell im Kollegenkreis Aufklärungsarbeit leisten.

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