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Mittlere bis schwere Depression – ist jemand davon geheilt?

K8ynxa


Hey,

möchte mich hier auch nochmal in den Faden einschalten und einen weiteren Aspekt ansprechen den ich für wichtig halte. Wenn ich Dich richtig verstanden habe, so leidest du momentan unter einer mittleren bis schweren Depression primär dem Krebstod deiner Mutter geschuldet. Ich persönlich habe zwar nicht so einen Schicksalsschlag wie du erleiden müssen, aber auch ich hatte mit einer schweren Depression zu kämpfen. Selbstverständlich zu 100% geheilt ist man nicht, man bleibt weiterhin "anfällig" für einen Rückfall.

Man kann sich einen wünschenswerten Zustand seiner (psychischen) Erkrankung eventuell mit Hilfe eines Bildes verdeutlichen. Wenn man dank einer Therapie sowie der richtigen Medikation wieder in der Lage ist sein Leben in die Hand zu nehmen, dann würde ich diesen Zustand mit dem eines Kamins vergleichen. In diesem brennt kein Feuer(=Depression), sondern lediglich noch heiße Glut ist. Das Feuer (=Depression) kann wieder entfacht werden, aber eben so gut kann die heiße Asche einfach im Kamin sein ohne Konsequenzen. [Das war verwirrend ? Nicht so schlimm, evtl. hinkt der Vergleich auch einfach den nächsten Absatz lesen :).]

Ich kann nur für mich sprechen, aber in meiner Situation war die stationäre Therapie der richtige Schritt, um meine Depression behandeln zu lassen. Die richtigen Medikamente waren hilfreich und auch nötig, damit ich überhaupt in der Lage war die Therapie annehmen zu können. Weit aus wichtiger und von entscheidender Bedeutung waren für mich jedoch folgende 2 Umstände.

Durch die stationäre Therapie hatte ich **ZEIT & räumlichen Abstand, um mein gewohntes Umfeld und den Alltag vergessen zu können !**

Erst in einer psychosomatischen Fachklinik konnte ich zu ersten Mal seid langer Zeit so etwas wie Gelassenheit und Ruhe wieder spüren. Es war für mich unendlich wichtig die Gewissheit zu haben, dass ich hier mich nun erstmal komplett und ausschließlich mit meiner Erkrankung auseinandersetzen kann. Es war meine Chance in diesem "geschützten Raum" der Klinik und mit Hilfe der Therapie die Sorgen des Alltags und noch wichtiger der Zukunft ausblenden zu können!

Ich habe vorher ein ganzes Jahr lang eine Gesprächstherapie mit einem Therapeuten gehabt, er war fachlich gut und ich konnte gut mit ihm arbeiten, aber die Zeit zwischen den Sitzungen war einfach zu groß (maximal alle 2 Wochen eine Sitzung über 90 Minuten). Der Erfolg blieb aus, nicht zuletzt,da alle 14 Tage eine Sitzung über 90 Minuten einfach nicht ausreichte bei dem Schweregrad meiner Depression. Sicherlich ich litt auch unter einer schweren Depression, aber so viel anders ist deine Lage ja auch nicht oder ?

Was ich sagen will und Dir am Beispiel von mir zeigen möchte ist, dass ab einem gewissen Grad der Erkrankung eine stationäre Therapie erforderlich ist. Natürlich hat man erstmal "Angst/Respekt" vor so einem Schritt, man will nicht in eine "psychosomatische Fachklinik" SO krank ist man nicht, das sind (wenn überhaupt) die Anderen. Auch ich musste lernen zu akzeptieren, dass man durch den Aufenthalt in so einer Klinik a) nicht mit dem Leben gescheitert ist, man b) nicht gestört oder für immer unzurechnungsfähig ist und c) nicht die Achtung vor sich selbst verlieren muss, mit der Zeit in der Klinik erkennt man wie wichtig so eine Therapie für einen selbst und sein weiteres Leben ist. Man legt ein (neues) Fundament, um die kommenden (schönen) Jahre genießen und angehen zu können. Den großen Vorteil den ich gegenüber einer Tagesklinik sehe (und sei sie noch so gut) ist, dass du durch die stationäre Therapie einfach die räumliche Distanz zum Alltag mit all seinen Problemen hast. Es geht nicht darum vor Problemen wie ein kleines Kind davon zu laufen, sondern die Basis zu legen, um wieder sein Leben selbst in die Hand nehmen zu können, langfristig an Lebensqualität zu gewinnen und anstehende Herausforderungen, welcher Art auch immer lösen zu können.

Ich würde mich freuen von Dir zu hören, gerne auch einfach via PM.

Wie es für Dich auch weitergeht, welche Entscheidungen du auch für Dich ganz persönlich triffst :

Alles Gute.

Gruß David

H}asenrgeich


Hallo Alex,

Ich selber bin 24, männlich, lebe mit meiner Schwester und Freudin zusammen und bin hauptsächlich wegen dem Krebstod meiner Mutter depressiv. Mein Vater hat seit 1997 eine Schizophrenie diagnostiziert bekommen und dadurch entstand auch die Scheidung, ich wurde in der Schule schlecht und gehänselt, da man ja durch solche Erlebnisse sich abkapselt, in der Schule schlecht wird und vielleicht auch länger kindisch ist. Und dadurch wurde ich recht einzelgängerisch. Aber die Depression kam erst so richtig im Jahr 2007 durch den Tod.

Ich bin leider auch arbeitslos, da ich keinen Führerschein habe, unkonzentriert und einfach zuwenig Elan habe. Wegen der Konzentrationsschwäche und Antriebslosigkeit konnte ich mich nicht zum Führerschein-machen durchringen. Und nun habe ich Angst davor, eine neue Arbeitsstelle anzutreten, da mich die letzte Kündigung sehr niedergerissen hat.

Zunächst einmal meine herzliche Anteilnahme zum Tod Deiner Mutter! :)-

Hast Du überhaupt schon mal die Trauer um Deine Mutter zugelassen? - Ich meine, so richtig mit weinen, traurig sein (dürfen!!!) und mit allem was dazu gehört, so eine Trauer auszuleben?

DAS ist nämlich sehr sehr wichtig!!!

Mir scheint, dass Du bisher eher versucht hast, Deine Trauer zu verdrängen um "normal" weiterzuleben - das geht aber nicht!

Deine Depression ist ganz klar eine normale, natürliche Reaktion auf den Verlust Deiner Mutter. Dazu kommt die Trennung Deiner Eltern, die Hänselei in der Schule (Mobbing!!!) - Seit 2007 der Verlust Deiner Mutter, Arbeitslosigkeit, kein Führerschein, usw. das ist ein einziger Kreislauf. -

Ganz wichtig ist, bei einer Depression auf die Ursache zu achten - und erst danach richtet sich die Art der Therapie derselben.

Auch ich hatte schon eine Depression, es war zum Teil eine Reaktion auf Mobbing in der Schule, zum andern Teil aber auch Teil meiner "Teenie-Selbstfindungskrise" - so nenn ich das bei mir. DH. ich stand vor der Berufswahl und wusste absolut nichts mit meinem Leben anzufangen. - Damals geriet ich an ein Buch mit dem Titel: "Briefe an Angefochtene" - darin beantwortete ein sehr einfühlsamer Psychotherapeut Briefe von depressiven Menschen - anonym. Dieses Buch bzw. die Lektüre dieses Buches half mir heraus. - Ich hatte buchstäblich ein ganzes Jahr "über dem Abrund" gehangen - sprich kurz vorm Suizid - und durch dieses Buch fühlte ich mich verstanden, aufgefangen, nicht allein gelassen. Nach einem Jahr war der Spuk vorbei, ich hatte eine Perspektive (Aussicht auf noch 2 Jahre Schule - es ging also weiter und endete nicht in einem großen schwarzen Loch), meine Noten wurden besser und ich hatte zum Schluss ein recht passables Abschlusszeugnis - und das OHNE jegliche Pilleneinnahme.

Damit will ich nicht sagen, dass Antidepressiva nicht auch helfen können - aber ich denke - es ist nicht in jedem Fall hilfreich.

Ich habe ein wenig den Eindruck zu versuchst die Symptome der Depression mit ADs zuzupflastern, doch im grunde schwelt es weiter - weißt Du es ist ganz wichtig, eine Trauer aufzuarbeiten und nicht mit Medis zuzuschütten. - Tränen, die aus Herzeleid (Trauer) entstehen, müssen geweint werden, dh herausgelassen werden, sonst machen sie Körper und Seele krank, da in ihnen Giftstoffe enthalten sind (im Gegensatz zu "Zwiebel-Tränen"!) - Zwiebel-Tränen enthalten diese Giftstoffe nicht!

Depression ist nämlich nicht gleich Depression, es gibt so viele verschiedene Arten und Formen, und mir scheint, dass die psychologische Hilfe - Gespräch (-stherapie) Verhaltenstherapie, Trauma-Aufarbeitung (Verlust, Trauer, Mobbing usw) heutzutage viel zu kurz kommt bzw in der allseits präsenten medikamentösen Therapie vollkommen untergeht!

Vielleicht wäre es erstmal besser, wenn Du zuerst einmal versuchst, den Verlust Deiner Mutter, das Mobbing, die Trennung Deiner Eltern usw. aufzuarbeiten - ich persönlich würde Dir zu einer professionellen Trauerbegleitung raten, oder auch eine Trauergruppe (Verlust der Eltern bzw. eines Elternteiles) gibts bestimmt auch an Deinem Ort (weiterhelfen können bestimmt auch Hospizvereine, die Dir vielleicht einen Trauerbegleiter vermitteln können).

Ich wünsche Dir ganz viel Mut und Kraft, Deine Probleme mit Hilfe eines fähigen Therapeuten angehen zu können - und nicht bloß an den Symptomen herumzuflicken.

:)* :)* :)*

AfleLxGBW


@ Kyna

Das habe ich mir natürlich auch schon überlegt. Aber der Respekt und die Angst davor lässt mich zögern. Was ist dann aber mit stundenlangen Besuchen oder einem Anruf, der z. B. eine Stunde dauert? Würde das nicht behindern, wenn er geschäftlich oder privat wäre?

Vielen Dank für deinen Tipp. :)

@ Hasenreich

Danke für deinen Rat, mein Problem ist halt zwecks Weinen, dass ich ein Mann bin. Männer können ja biologisch gesehen (aus einem mir grade unbekannten Grund, verbessert mich, wenn ich falsch liege) schon mal weniger weinen und die Hemmschwelle ist bei einem Mann ungefähr so groß wie von hier zur Sonne. ;-) Das klingt vielleicht blöd, aber so einfach ist das nicht für Männer. Ich verspüre auch nicht den Drang zu weinen, es sei denn, ich streite mich heftig mit meiner Freundin oder sehe einen sehr traurigen Film.

Nur hin und wieder bin ich froh, wenn ich jemandem zumindest ein Teil meines Schicksals erzählen kann.

Arle]xGBxW


Achso, was ich noch sagen wollte:

@ Hasenreich

In der grauenvolle Woche vor dem Tod und ein paar Tage nach dem Tod konnte ich mich vor Tränen nicht halten. Allerdings hatte ich am Beerdigungstag, 5 Tage nach dem Tod, keinen Drang zu weinen.

@ Alle

Ihr macht es mir aber echt nicht leicht, eine Entscheidung zu treffen. ??? :-(

KSyn>a


Das habe ich mir natürlich auch schon überlegt. Aber der Respekt und die Angst davor lässt mich zögern. Was ist dann aber mit stundenlangen Besuchen oder einem Anruf, der z. B. eine Stunde dauert? Würde das nicht behindern, wenn er geschäftlich oder privat wäre?

Vielen Dank für deinen Tipp. :)

Sorry, aber ich verstehe deine Aussage nicht ganz. Meinst du,dass es Probleme geben könnte, wenn während der Therapie wichtige Anrufe oder Besuche anfallen würden ? Da haben die Therapiesitzungen Vorrang, aber selbstverständlich kannst du außerhalb der Therapiezeiten mit Familie und Freunden telefonieren. Arbeitstechnisch wirst du kaum in der Lage sein deinem Job auf Distanz machen zu können. Es wäre meiner Meinung nach übrigens auch negativ für deinen Therapieverlauf... Bei einer stationären Therapie stehst DU mit deiner Krankheit im Vordergrund. Freunde oder der Job sind da zweitrangig.

H&a9senLreHicxh


Hallo Alex,

ja das verstehe ich! - Aber das Stichwort mit dem traurigen Film wäre ja schon mal ein Anfang! - Weißt Du, ich selbst habe - schon wegen meiner vierbeinigen kleinen Kameraden schon viel und oft Trauer erlebt und durchlitten. - Und manchmal dauert es auch bei mir eine Weile bis ich weinen kann. Dann schaue auch ich oft bestimmte Filme an, wo ich weiß, da muss ich ganz gewiss weinen. Ich denke, solch eine Hilfe zur Selbsthilfe kann man sicherlich auch nützen. - Aber ich weiß auch, dass Männer naturgemäß nicht so gut weinen können. Und Weinen ist zum Glück auch nur EINES von vielen Ventilen, wie man seiner Trauer Ausdruck verleihen kann. - Wie ist es mit Sport, laufen, radfahren oder Holzhacken, ich denke auch da kann man emotionen wie Wut, Trauer, Frust und vieles mehr einfach rauslassen. - Wichtig ist, DASS Du ein Ventil findest, wie Du Deiner Trauer Raum geben kannst, welches das ist, das ist auch von Mensch zu Mensch und auch geschlechterspezifisch verschieden - aber ich bin davon überzeugt, dass es auch Männern gut tut, hin und wieder auch mal weinen zu können bzw. zu dürfen!

Ich wünsche Dir viel Kraft und Mut dazu - und vor allem erstmal auch einen wirklich guten Therapeuten, mit dessen Hilfe Du Deine ganzen Schicksalsschläge mal aufarbeiten kannst!

:)* :)* :)*

HHasenrVeicxh


In der grauenvolle Woche vor dem Tod und ein paar Tage nach dem Tod konnte ich mich vor Tränen nicht halten. Allerdings hatte ich am Beerdigungstag, 5 Tage nach dem Tod, keinen Drang zu weinen.

Auch das kenne ich! - Man fühlt sich dann wie ausgelaugt und leergeweint. Das ist dann für den Moment aber auch ok so. Man muss sich deswegen nicht unter Druck setzen. - Wichtig ist, dass, wenn man dann den Drang zum Weinen hat, diesen nicht krampfhaft zurückhält und meint, man dürfe nicht weinen.

Das ist es was ich eigentlich damit sagen wollte. - Oft ist es aber auch so, dass man das Bedürfnis zum Weinen verspürt, aber einfach nicht weinen kann - dann denke ich kann man ruhig auch zu solchen Hilfsmitteln wie traurigen Filmen greifen, um sich so zu befreien.

@ Alle

Ihr macht es mir aber echt nicht leicht, eine Entscheidung zu treffen.

AlexGBW

Mach einfach das, was Deinen speziellen Bedürfnisssen in Deiner Situation am ehesten entspricht. Wir können alle nur das wiedergeben, was wir meinen, das uns helfen würde, wären wir an Deiner Stelle. - Doch schlussendlich musst DU entscheiden, was für Dich am besten ist - denn allein DU kennst Dich am besten und kannst am besten beurteilen, was Dir gut tut - nur Mut, Du schaffst das! @:) :)*

A.loexGxBW


@ Kyna

Nein, ich dachte, dass man da ja wieder an's "normale Leben" erinnert wird und es wäre ja dabei auch behindernd, auch wenn es Freunde sind oder die Familie ist.

@ Hasenreich

Vielen Dank für deine lieben Tipps. :-D

Ich denke, dass erstmal der Gang zu einem schon mir bekannten Psychiater das Beste wäre. Ich kenne ihn schon, da ich bei ihm wegen einem Nervenproblem dort war (er ist auch Neurologe). Ich habe ihm auch von der Depression erzählt und dass ich zu einem Endokrinologen wegen der Schilddrüse und auch zu einer Heilpraktikerin wolle. Er war meiner Ansicht nach unter den Top 3 meiner nettesten und hilfsbereitesten Ärzte. Und nein, ich bin kein Privatpatient. ;-D Er gab mir dann aber auch noch eine Liste mit Psychologen mit.

K?ynxa


Nein, ich dachte, dass man da ja wieder an's "normale Leben" erinnert wird und es wäre ja dabei auch behindernd, auch wenn es Freunde sind oder die Familie ist.

Aso. Wie ist eigentlich nun dein momentaner Status so ? Hast du schon eine Tendenz wie du nun weiter vorgehst ?

Gruß

A9lexGxBW


Siehe einen Beitrag über dir. ;-)

A"lexG\BW


Was ich mal noch fragen wollte:

Weiß jemand, wie ich das mit der ARGE am Besten regle, wenn ich quasi zur Zeit erwerbsunfähig bin?

bKind\erellpax01


Sorry, hier wird immer so getan als ob Medikamente und Therapie heilen. Viele die Therapie gemacht haben und sich nun so gut fuehlen, denken Sie seien von den Depressionen gesundtherapiert. Aber Depressionen verlaufen anders. Wenn man denn wirklich die klinische Krankheit hat und nicht nur eine sehr schlechte Phase, die wir alle einmal haben. Depressionen kommen in bestimmten Abstaenden von ca. 5 bis 10 Jahren zurueck. Auch eine Therapie kann da nicht viel ausmachen. Darum wird ja auch nach dem 2. Rueckfall eine meist lebenslange Medikation empfohlen. Und wer eine schwere Depression mitgemacht hat weiss, dass da mehr als nur Probleme sind, die wegtherapiert werden muessen.

S<pringmchilxd


Ähm, sorry aber kannst Du mal aufhören, uralte Fäden rauszukramen? Mach doch einen neuen auf und verbreite da Deine "Weisheiten".

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