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1 Packung Alprazolam 0,5 mg (50 Stück) pro Monat zu viel?

ZTwack 4x4


Ich zitiere einfach ein paar Stellen aus dem Benkert/Hippius; vielleicht ergeben sich dadurch einige neue Aspekte.

"Abhängigkeitsrisiko bei Benzodiazepinen: ... Das Abhängigkeitsrisiko steigt, wenn höhere Dosen verabreicht und wenn BZD über längere Zeiträume eingenommen werden. Diskutiert wird zudem, dass für kurz wirksame Substanzen wie Alprazolam, Bromazepam oder Lorazepam ein erhöhtes Risiko der Abhängigkeitsentwicklung oder von Rebound-Phänomenen gegenüber lang wirksamen Substanzen wie Clonazepam, Diazepam oder Nitrazepam besteht..... (von mir unterstrichen)

Nach etwa 4-monatiger Einnahme einer therapeutischen BZD-Dosis muß nach abruptem Absetzen mit Absetz- und Entzugssymptomen gerechnet werden. Bei Einnahme kurz wirksamer Hypnotika können Rebound-Phänomene auch schon nach einigen Tagen beobachtet werden....

... Bei einer Verordnung über 6 Wochen hinaus sollte immer ein Psychiater hinzugezogen werden, um Therapiealternativen zu erörtern.

Bei der low-dose dependence sind nach Absetzen sofortige oder protrahiert auftretende Absetzeffekte möglich. Entzugserscheinungen sind auch möglich; sie interferieren häufig mit Rezidivsymptomen oder werden mit ihnen verwechselt. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten kommt es zu keiner Dosissteigerung; es findet sich eher ein konstantes oder aber titrierendes Einnahmeverhalten innerhalb der therapeutischen Dosisbandbreite. In vielen Fällen sind somit die Kriterien einer Abhängigkeit nicht (von mir dick gedruckt) erfüllt."

"Absetzproblematik bei Benzodiazepinen: .... Absetzversuche sind nach 6 Wochen, bei langfristiger Gabe spätestens nach 6 Monaten einzuplanen. Falls sie nicht gelingen, sind immer wieder neue Versuche in den Behandlungsplan einzuschieben."

"Alprazolam .... Bewertung: Sicheres Anxiolytikum. Auf das Interaktionsrisiko ist zu achten. Möglicherweise höheres Abhängigkeitspotential gegenüber Vergleichspräparaten(von mir unterstrichen). Langzeituntersuchunen zum Abhängigkeitsrisiko bei Panikstörungen fehlen."

S"il$vdelie


Wie hier schon in anderen Threads zu lesen, scheint sich ja eine merkwürdige Einstellung abzuzeichnen: Langzeiteinahme sei in Ordnung, "wenn ich sonst mein Leben nicht in den Griff bekomme".

Ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, aber könnte dann nicht ebenso gut die lebenslange Abhängigkeit von Heroin oder Kokain oder zumindest Methadon als Möglichkeit zur Lebensbewältigung gelten?

Da frage ich mich allen Ernstes, warum man nicht überhaupt zu diesen Krücken greift; man müsste sie doch "nur auf Rezept" bekommen.

Kommt am Ende eine Gesellschaft der "legal Abhängigen" dabei heraus?

p5hilip)p100


Okay, Danke dir :-)

pqhMilip#p100


Liebe Silvelie, nein da liegst du ziemlich falsch. Es gibt Krankheiten, wie z.b Angst- und Panikstörungen, die mit diesen Medikamenten und nur geringen Nebenwirkungen bewältigt werden können. Es ist MEDIZIN, wenn keine Therapie hilft, nimmt man diese Medikamente eben als Dauermedikation mit, wie oben bereits geschrieben, geringen Nebenwirkungen. In anderen Ländern gibt es Benzodiazepine sogar ohne Rezept.

Heroin und Kokain dagegen sind DROGEN, die nicht an der Heilung / Bewältigung einer Krankheit mitwirken.

S2ilve_lie


Es ist MEDIZIN, wenn keine Therapie hilft, nimmt man diese Medikamente eben als Dauermedikation mit, wie oben bereits geschrieben, geringen Nebenwirkungen. In anderen Ländern gibt es Benzodiazepine sogar ohne Rezept.

Wo soll es diese rezeptfrei geben?

Medizin ja, aber Dauermedikation mit diesen ist nicht angezeigt, das ist einfach nicht richtig. Es gibt ANDERE Medikamentengrundstoffe, die eine angstlösende Wirkung haben, die dauerhaft ohne Abhängigkeitspotential eingenommen werden können, aber nicht Benzodiazepine. In jedem Beipackzettel findet sich die gleiche Warnung.

p0hilIippk10x0


Und welche andere Medikamente haben in etwa die gleiche angstlösende Wirkung wie Alprazolam? (Opipramol habe ich schon probiert, macht nur müde)

S}ilveVlixe


Die Frage wäre am besten mit einem Arzt zu besprechen, meine ich.

In welchem Land, sagtest du, gibt es Benzodiazepine ohne Rezept?

p7hilipbp1s00


Zum Beispiel in den USA.

S:ilfvel0ie


Meines Wissens fallen die meisten Diazepine unter das Betäubungsmittelgesetz – sie sind übrigens von daher durchaus mit Drogen gleichzusetzen, zumal sie auch von Drogenabhängigen missbraucht werden.

Dass sie in den USA rezeptfrei erhältlich sind, kann ich nirgendwo bestätigt finden; ein illegaler Internetvertrieb ist ja sicherlich nicht gemeint.

s0ch"nec$ke198x5


Seroquel... kann auch fast unendlich hochdosiert werden. Damit hab ich seit einem halben Jahr meine Ängste viel besser im Griff.

s\chn$ecke1.9x85


Seroquel ist übrigens ein Neuroleptikum und wurde eigentlich für Psychosen verwendet (dann bis 1200mg hochdosiert) und erfährt in den letzten Jahren immer mehr Verbreitung als angstlösendes, stimmungsstabilisierendes Medikament (dann in niedriger Dosierung, ich hatte zwischen 100 und momentan 300mg und eine sehr gute angstlösende Wirkung). Hab jetzt auch schon zweimal problemlos ausgeschlichen, habe keine Entzugssymtome, wenn ichs mal vergessen habe :)^

ZXwac5k+44


Seroquel... kann auch fast unendlich hochdosiert werden.

Schnecke, wenn Du Dich so euphorisch äußerst, solltest Du vielleicht nicht vergessen: sehr häufig Schwindel, Kopfschmerzen, Somnolenz, Entzugssymptome, Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Erhöhung von Triglyceriden und LDL-Cholesterin, Abnahme des HDL-Cholesterins.

Außerdem Risiko für metabolisches Syndrom. Bei der Seroquel-Behandlung wurde außerdem eine geringe dosisabhängige Senkung des SD-Hormonspiegels beobachtet, was SD-Patienten zumindest wissen sollten.

STinneshxter


Ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, aber könnte dann nicht ebenso gut die lebenslange Abhängigkeit von Heroin oder Kokain oder zumindest Methadon als Möglichkeit zur Lebensbewältigung gelten?

Da frage ich mich allen Ernstes, warum man nicht überhaupt zu diesen Krücken greift; man müsste sie doch "nur auf Rezept" bekommen.

Kommt am Ende eine Gesellschaft der "legal Abhängigen" dabei heraus?

Ich frage mich häufig, was denn genau daran auszusetzen wäre. Einem gewisser Prozentsatz psychisch Kranker kann nunmal weder per Therapie, noch durch nicht-süchtigmachende Medikamente geholfen werden, und sei es nur durch die zu geringe Anzahl qualifizierter Ärzte oder Therapeuten bedingt.

Süchtigmachende Medikamente sind billig, wirkungsvoll, die Nebenwirkungen überschaubar. Eine Sucht ist so lange kein Problem, wie der Suchtstoff verfügbar ist. Warum also verpaßt man bei chronischer Depression kein Buprenorphin, und bei chronischer Angststörung keine Benzos? Andere Medikamente werden auch täglich, und über Jahre hinweg geschluckt – ist es da nicht wurscht, ob man davon abhängig ist oder nicht? Viel wichtiger wäre mir, ob sie eine zufriedenstellende Wirkung haben.

pxhil<ippx100


Sinnestäter, du bringst das ganze ziemlich gut auf den Punkt, bin ganz deiner Meinung :)z

L?K1x0


Boah was man hier wieder so zu lesen bekommt... herrlich

@ Philipp100

Zum einen: Also als Dauermedikation ist es nicht geeignet. Es kommt mit der Zeit nicht nur zu Toleranzssteigerung, irgendwann hat es auch keine Wirkung mehr bzw. provoziert Ängste. Das ist leider bei allen Benzodiazepinen so.

Ich finde die Dosierung falsch ebenfalls wie das Präparat. 50 / Monat ist zu viel, auch wenns nur 0,5 sind.

Alprazolam: kurze Halbwertszeit, flutet rasch an, bildet keine aktiven Metaboliten -> flutet ebenfalls so schnell wieder ab. Schlecht. Auch für Lorazepam gilt das.

Besser, wenn schon Benzos: Diazepam (oder eventuell Clonazepam): Lange HWZ, bildet mehrfach Metaboliten -> u.a Oxazepam das selber noch wirksam ist.

Nachteil: Macht auch abhängig, ist aber noch das "kleinere" Übel.

Was du bei Panikattacken noch versuchen kannst, ist eventuell Trazodon. Gerade für Langzeitherapie solltest du aber ne Verhaltenstherapie beginnen, gerade die wirkt da sehr gut.

Aber umsteigen würde ich, Alprazolam hat von vielen Benzos noch ein recht hohes Abhängigkeitspotential.

Eine Sucht ist so lange kein Problem, wie der Suchtstoff verfügbar ist. Warum also verpaßt man bei chronischer Depression kein Buprenorphin, und bei chronischer Angststörung keine Benzos?

Jetzt wär mir fast rausgerutscht: so kann nur ein Süchtiger argumentieren.

Aber super Idee, Buprenorphin für chronisch Depressive – anstatt das Problem an der Wurzel zu ergreifen. Ritalin für Antriebslosigkeit, bei Schlafstörungen Propofol.

Mal abgesehen dass es einfach nicht stimmt, finde ich solche "Ermutigungen" gefährlich und von der Argumentation einfach nur dumm. Was du vergisst, jedes Suchtgift führt auf lang oder kurz zu ner Toleranzsteigerung. Da alle (entgegen deinen anderen Medikamenten) in den Hirnstoffwechsel eingreifen – kommts zu Langzeitwirkungen die nicht kalkulierbar sind; Rezeptor-Down Regulation bei Langzeitbenzoeinnahme pseudo-demenzartige Zustände. Bei Benzos (noch nebenbei) ist das so, dass wenn ein gewisses Level erreicht ist, keine anxiolytische Wirkung Eintritt – sondern ein paradoxes Phänomen – es kommt zu Agitiertheit und Induktion von Ängsten. Am Anfang mag ja alles super sein, irgendwann beläuft sichs aber (bei jeder Sucht) darauf dass nur noch Entzugssymtpome gelindert werden müssen. Ob das nem chronisch Depressivem jetzt so zuträglich ist, bezweifle ich. Dass Benzos schwieriger zu entgiften sind als Heroin, sollte bekannt sein, für 1 Jahr Abhängigkeit 2 Monate Entzug, die wenigsten kommen davon weg. Obs jetzt so ein erstrebenswrter Zustand ist, vollgeballert jeden Tag durchs Leben zu gehen....

Benzos, Opiate sind lebenswichtige Medikamente, auch bei Leuten mit Angststörung, als Bedarfsmedikamente (erstere zumindest) eine super Sache. Hier aber einen Langzeitmissbrauch zu propagieren... ist einfach Banane

Süchtigmachende Medikamente sind billig, wirkungsvoll, die Nebenwirkungen überschaubar.

Joa klar ;-)

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