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Ist nicht jeder Mensch manipulativ?

J'enlniWfer_xM hat die Diskussion gestartet


Schönen guten Abend,

für mich sind grade so viele Psychothemen interessant. Liegt wohl auch daran, dass ich grade eine sehr "menschelnde" Weiterbildung mache ;-D (verwandt mit "Konfliktmanagement").

Und da hatten wir jüngst eine Diskussion über manipulative Menschen. Dieser Begriff ist natürlich sehr

negativ geprägt. Aber meiner Meinung nach sind wir doch alle mehr oder weniger manipulativ? Bewusst oder unbewusst. Also ich kann für mich nicht ausschließen, dass ich versuche, einen Mitmenschen zu einem bestimmten Verhalten zu motivieren.

Ab wann wird es in Euren Augen kritisch?

Antworten
LKady8Sxue


Interessantes Thema! :)z

Ab wann wird es in Euren Augen kritisch?

Sobald meine bewußte Manupulation meinem Gegenüber oder anderen schadet oder i.wie negativ für sie ist.

Ansonsten stimme ich Dir zu, dass wir alle manipulativ sind.

(Das hat im weiteren Sinne auch mit dem Überlebenswillen zu tun.)

Das ist uns sozusagen bereits in die Wiege gelegt. Soll heißen, sogar das BAby was Dich mit großen Kulleraugen anschaut, manipuliert Dich bereits (ebenso der treue Hundeblick) – wobei man natürlich aktiv und passiv (mit oder ohne Absicht) manipulieren kann.

Also auch die unbewußte Manipulation hat erheblichen Einfluss auf uns (Unterbewußtsein)– ein Instrument was sich die WERbung zunutze macht.

Unser Leben ist doch ein ständiges Reagieren auf unser Umfeld – also wir werden nonstop manipuliert u sind manipulativ.

über manipulative Menschen. Dieser Begriff ist natürlich sehr negativ geprägt.

nicht unbedingt – man kann doch z.Bspl. Kinder durchaus im positven Sinne anleiten/manipulieren.

Hierbei stellt sich mir grad die FRage, ob Erziehung nicht anderes als Manipulation ist? ???

GXehw&egsNchänden


Ja, alle Menschen sind manipulativ.

Mich selbst tangiert das Thema deshalb besonders, weil man mir irgendwann einmal ehrlich sagte, dass ich eine besondere Gabe zur Manipulation hätte. Das hat mich schwer erschüttert... das war, als würde man mir unterstellen, Hitler zu sein. Ehrlich. Derjenige hat es dann etwas relativiert und meinte auch:"Aber du bist ein guter Mensch und das weißt du. Also sei dir dessen bewusst, ändere dich nicht und benutze es nicht, um auf böse Weise Vorteile zu bekommen."

Seitdem habe ich gezielt darauf geachtet und mich erstmal zurückgezogen, um zu beobachten. Vielleicht setzt es eine gewisse Selbstwahrnehmungsgabe, einen überdurchschnittlichen Intellekt oder besonders hohe Ehrlichkeit voraus, um nicht manipulativ zu werden.

Seitdem ich diesen "Schritt aus der Gruppe" in dem Sinne getan habe, hat sich für mich selbst der freundschaflichste Verbund als kleines Haifischbecken entpuppt. Ich habe einfach sehr genau zugehört, sehr genau nachgefragt, sehr genau gewisse Dynamiken verfolgt und war am Ende sehr überrascht.

Selbst der liebste Mensch griff offenbar gelegentlich zu seinen Notlügen, um gut dazustehen. Eine andere Person verlor bei genauerem Hinsehen komplett die Maske einer kommunikativen, leicht hilflosen, aber strahlenden Person – weil ich exakt dreimal das Muster beobachtete, wie sie durch "Opfergehabe" andere Menschen für ihre Freunde unattraktiv machte und sie in Verruf brachte, nur weil sie "ihren Standpunkt darstellen" und sich auch mal "ausheulen" wollte.

Weil es mich so sehr interessierte, habe ich in meinem eigenen Interesse "sozial recherchiert". So protokollierte ich den Verlauf von Gesprächen zu einem Freundeskreis-Zwist, die ich persönlich und jeweils unter 4 Augen mit unterschiedlichen Beteiligten führte. Ganz ehrlich: So sehr jeder einfühlsam sein wollte, so sehr jeder betonte, er habe Verständnis und es ginge ihm/ihr um die Herstellung des Gruppenfriedens – so fand ich bei JEDEM gewisse Spitzen und auch Lügen bzw. Widersprüche zu Aussagen anderer, die denjenigen/diejenige selbst in einem besonders guten Licht erscheinen ließen.

Mein Fazit daraus? Ich behalte meinen "Schritt aus der Gruppe", ohne dabei verschlossen oder "a sozial" wirken zu wollen. Aber ich will mich dadurch selbst vor manipulativen Äußerungen meinerseits, aber auch vor den Aussagen anderer schützen. Ich werde freundlich und zugänglich bleiben, keine Frage. Aber ich werde mich bedeutend weniger negativ über Personen oder Sachverhalte äußern, werde einzig dann Kritik üben, wenn sie hilfreich ist und ich werde mein Talent zur Manipulation dann bewusst einsetzen, wenn es allen Beteiligten helfen könnte.

*:)

JBe)nniNfer_xM


Hallo LadySue, hallo Gehwegschäden @:) ,

vielen herzlichen Dank für Eure interessanten Beiträge, wow.

Hierbei stellt sich mir grad die FRage, ob Erziehung nicht anderes als Manipulation ist?

@ LadySue,

im Grund ja, denke ich schon. Eltern vermitteln dem Kind ihre Werte, ihre Überzeugungen....versuchen das Kind auf den gleichen Weg zu führen....Natürlich ist die Liebe hier der Motivator - deswegen würde man hier sicher nicht so offensiv von Manipulation sprechen :-) .

@ Gehwegschäden,

ich finde es überraschend, dass dieses zuerst geführte Gespräch Dich so nachhaltig beeinflusst und verändert hat. Wenn ich Dinge an mir bemerke oder diese von außen an mich herangetragen werde, bin ich in der Regel eine Weile achtsam in dieser Hinsicht.....und bin dann ruckzuck wieder in meinen alten Mustern.

Ich denke auf eine Art und Weise, dass ich überdurchschnittlich manipulativ bin.

Auf der anderen Seite bin ich extrem wahrheitsliebend....ich kann überhaupt nicht mit Lügen umgehen....und bin selber auch oft zu direkt. Und diese beiden "Pole" sind natürlich eigentlich ein Widerspruch....ich bin zwar ehrlich mit Worten.....setze aber bspw. meine Zuneigung manchmal manipulativ ein.

G4e*hweg!schäden


@ Jennifer_M

ich finde es überraschend, dass dieses zuerst geführte Gespräch Dich so nachhaltig beeinflusst und verändert hat. Wenn ich Dinge an mir bemerke oder diese von außen an mich herangetragen werde, bin ich in der Regel eine Weile achtsam in dieser Hinsicht.....und bin dann ruckzuck wieder in meinen alten Mustern.

Das ist wohl auch eher ein "Manko" bei mir, auch wenn es erstmal als total toll empfunden werden könnte. Ich will nicht von Menschen als "manipulativ" bezeichnet werden. Und gerade das Thema "Manipulation" hat mich ohnehin schon immer begleitet. Mein Vater ist so ein richtig autoritärer Chef. Nicht nur von seinem ganzen Auftreten her und in seiner Firma, sondern eben so subtil-psychologisch wie es nur gehen kann – vor allem in seiner Erziehung. Allgemein würde ich ihn als charismatisch und wirklich gerecht bezeichnen. Verschwiegen, einzelgängerisch, wissend, wo er bei seinen Geschäften ansetzen muss, um an die Vorteile zu kommen. Sowohl für ihn, als auch für andere. Für seine Angestellten ist er ein toller Chef. Jeder schätzt seine Diskretion und die Erfolge, die er für alle erzielt. In seiner Erziehung jedoch machte er von seinem Talent auch dahingehend Gebrauch, mich nach seiner Vorstellung zu "formen". Das ging für mich mitunter mit dem permanenten Gefühl der Frustration, Bedrohung und Angst einher.

Ich habe Jahre gebraucht, um für mich diese Manipulationsmaschen zu identifizieren, mich davon zu befreien und ein Gefühl von Selbstbewusstsein und "Reinheit mit mir selbst" zu finden. Und weil ich dachte, gerade durch dieses Erkennen seiner Maschen, sei ich selbst vor solchen Mechanismen gefeit, hat es mich geradezu schockiert, als mir ein Mensch sagte – ohne von meinem Vater und der Geschichte zu wissen – dass ich aber genau so auch sei.

Meine Muster erkannte ich dann nicht darin, dass ich für eine Firma und Angestellte Profit erwirtschafte und ein gutes Arbeitsklima schaffe, sondern dass ich bestmöglich versuchte gut dazustehen und mir viele Freunde zu schaffen. Das geht ja sehr einfach. "Such dir Verbündete" – so das Motto. Und dann pegelt man sich auf einem Meinungsniveau ein. Man benutzt besagte Verbündete, um sich durch "Seelenhygiene" besser zu fühlen und durch das Ausgrenzen anderer Menschen das Gefühl gegenseitiger Akzeptanz und Bestätigung zu erfahren.

Manipulation ist das, was du im Kopf des anderen bewirkst, indem du dich gefühlstechnisch so auf ihn einstellst, dass er deine Meinung teilt. Dann kannst du einen Menschen dazu bringen, Mitleid mit dir zu haben, Mitgefühl, Verständnis, du kannst ihn dazu bringen eine schlechtere Meinung von anderen Menschen zu haben, du kannst ihm das Gefühl geben, etwas besonderes für dich zu sein, du kannst ihm auch andere Menschen näherbringen und ein bisschen "kuppeln".

Vielleicht sollte man zwischen bewusster und unterbewusster Manipulation unterscheiden, weil jeder meines Erachtens oben benannte Dinge tut.

Da ich mir allerdings versuche meiner Manipulationskraft bewusst zu werden, muss ich zeitgleich auch die Verantwortung dafür übernehmen. Menschen, die sich dessen nicht bewusst sind, tragen in meinen Augen zumindest die Verantwortung dafür, einmal darüber nachzudenken.

Zeitgleich ist es für mich der Ansporn, noch klarer "zu mir selbst" zu finden. Ich glaube, dass ein Mensch, der mit sich auskommt, der glücklich und zufrieden ist, weder bewusst noch unterbewusst das Bedürfnis verspürt, auf die oben genannte Weise zu manipulieren.

Es scheint eben die Sehnsucht nach Anerkennung, Liebe, Freundschaft, Bestätigung oder eine gewisse Form von Verlust- oder Bindungsangst zu sein, die die Menschen individuell dazu antreibt, so zu handeln.

Übrigens: Direkt und ehrlich bin ich auch! Und ich glaube, dass das die gemeinste und trügerischste Maske sein kann, hinter der sich ein manipulativer Mensch versteckt. Man kann auch in aller Ehrlichkeit und Direktheit – und so sogar noch viel intensiver – Menschen von der eigenen Meinung überzeugen. Und das unter dem Deckmantel von "Vertraut mir, denn ich bin ehrlich und direkt! Meine Meinung hat moralischen Wert!".

Statt ehrlich und direkt wäre ich lieber aufrichtig, aber diskret.

;-)

Jhenn)ifer._xM


Hallo Gehwegschäden,

sorry, dass ich nicht mehr geschrieben habe.

Habe zuerst viel nachgedacht....und die letzten Tage kam ich zu überhaupt nichts.

Zeitgleich ist es für mich der Ansporn, noch klarer "zu mir selbst" zu finden. Ich glaube, dass ein Mensch, der mit sich auskommt, der glücklich und zufrieden ist, weder bewusst noch unterbewusst das Bedürfnis verspürt, auf die oben genannte Weise zu manipulieren.

Es scheint eben die Sehnsucht nach Anerkennung, Liebe, Freundschaft, Bestätigung oder eine gewisse Form von Verlust- oder Bindungsangst zu sein, die die Menschen individuell dazu antreibt, so zu handeln.

:)^ Das hast Du sehr treffend geschrieben. Das sehe ich ganz genauso. Wenn man manipulativ ist, versteckt man ja seine wahren Absichten. In Beziehungen, in denen man Vertrauen haben kann, in denen man sich schwach zeigen darf, Verletzungen zugibt, seine eigenen Bedürfnisse benennt, das Wohl des anderen auch mal über das eigene stellt, hat man das nicht nötig. Was aber auch keine Rechtfertigung sein kann dafür, dass man Manipulation unreflektiert anwendet.

Ehrlichkeit und Direktheit kann aber ganz schön gefährlich sein :-) . Bspw. wenn man da bei Vorgesetzten auch keine Ausnahme macht. Mein aktueller Chef ist m.E. psychisch ziemlich auffällig. Die Kollegen schimpfen über ihn bis zum geht nicht mehr....und kuschen vorne herum. Ich hatte bereits diverse Streitgespräche mit ihm, die mir nicht nur Vorteile gebracht haben. Auf der anderen Seite würde er sich bei mir wohl einige Dinge nicht mehr herausnehmen, die er bei meinen Kollegen praktiziert. Aber gemütlicher wäre es gewesen, da ausschließlich auf Manipulation zu setzen, da er verhältnismäßig "einfach gestrickt" ist.

Ich habe einigen Kollegen dieses "hinten herum" auch vorgeworfen....jüngst fiel da die Vokabel "Selbstgerechtigkeit" in meine Richtung....was mich sicherlich genauso getroffen hat, wie Dich der Vorwurf der Manipulation. Wahrscheinlich sind diese Züge auch verwandt miteinander....

Was ich mir einfach wünsche, ist, gelassener zu sein. Gelassener "Anderssein" ertragen zu können, auch wenn die anderen Verhaltenswerte gegen meine Werte verstoßen. :-)

Jfennif>er_M


Ich würde gerne diesen Faden "wiederbeleben", weil Manipulation gerade unausgesprochen ein großes Thema ist - an meinem Arbeitsplatz.

Ich fühle mich manipuliert, mit unzulänglichen Informationen bei Laune gehalten, weil man mich halten möchte.

Jetzt am Wochenende kamen mir aber viele Gedanken.....dass ich diese Woche eigentlich auch ziemlich manipulativ war; Druck aufgebaut habe gegen meinen Vorgesetzen....und dass da zwei Kollegen, die mir vertrauen (und weniger "mutig"? sind) darunter gelitten haben. Sie hätten vielleicht auch von sich aus mal klarere Worte gefunden - aber ich habe eben auch das Meinige dazu getan, dass sie in mein Horn blasen....

Es hat sich was nach vorne bewegt dadurch, verbessert....aber es bleibt auch so ein schales Gefühl bei mir zurück.

w/ohlforomuliert


Es hat sich was nach vorne bewegt dadurch, verbessert....aber es bleibt auch so ein schales Gefühl bei mir zurück.

Dein schales Gefühl ist für mich ein gutes Zeichen – dass Du nämlich selbstkritisch mit Dir umgehst. Was Du schilderst klingt für mich erstmal nur so, dass Dein Wort und Deine Argumente in Eurem Team Gewicht haben.

Dass jemand kompetent ist, gut reden kann und auch mal dominant auftritt, ist für mich noch nichts Negatives. Inwiefern haben denn Deine beiden Kollegen darunter gelitten? Und woher weißt Du das- haben sie Dir das gesagt?

Ich fühle mich manipuliert, mit unzulänglichen Informationen bei Laune gehalten, weil man mich halten möchte.

Das könntest Du offen ansprechen, aber dabei besser das negativ besetzte Wort "manipulieren" weglassen. Wenn Du z.B. Deinem Vorgesetzten sagst: "Ich habe den Eindruck, dass mir hier nicht die ganze Wahrheit gesagt wird", und das auch belegen kannst, dann fliegt die Sache auf.

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